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Pferd: Verfohlen der Stute

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Abort, Fehlgeburt

Von einem Abort spricht man bei einem Trächtigkeitsverlust ab dem 2. bis 3. Trächtigkeitsmonat. Fruchtverluste vor dieser Zeit werden als embryonaler Fruchttod bezeichnet und verlaufen meistens unbemerkt. Am häufigsten verfohlen Stuten zwischen dem 6. und 10. Trächtigkeitsmonat. Kennzeichnend ist der Ausstoß einer toten oder noch lebenden, aber nicht lebensfähigen Frucht. Für die Allgemeingesundheit der Stute stellt ein Abort zumeist keine Bedrohung dar.

Abb. GQ9HLLM3
Abb. GQ9HLLM3: Schemazeichnung der Geschlechtsorgane der Stute.

Ursachen

Die Ursachen für ein Verfohlen sind vielfältig. Tritt ein Abort auf, stellt sich häufig als erstes die Frage nach der Ansteckungsgefahr für weitere tragende Stuten im Bestand, daher werden die Ursachen im Folgenden in ansteckend und nicht ansteckend unterteilt.

  • Ansteckend: Der wichtigste Aborterreger beim Pferd ist das equine Herpesvirus 1 (EHV-1). Die Infektion einer Stute im 6. bis 10. Trächtigkeitsmonat führt bei ungeimpften Tieren zum seuchenhaften Spätabort oder Virusabort. Seltener verursachen Infektionen mit dem equinen Herpesvirus 4 (EHV-4) oder dem Virus der equinen Virusarteritis (EVA) einen Spätabort. Bakterien und Pilze können ebenfalls über eine Entzündung in der Gebärmutter oder eine Infektion des Fohlens einen Abort auslösen. Bei den Bakterien unterscheidet man spezielle Aborterreger, so genannte spezifische Krankheitserreger wie Chlamydien von unspezifischen Erregern wie z.B. Streptokokken. Pilze (z.B. Hefen) sind immer unspezifische Erreger.
  • Nicht ansteckend: Nicht ansteckende Ursachen können vom Fohlen, von der Stute oder von äußeren Umständen ausgehen:
    • Zwillingsträchtigkeit: Zwillingsträchtigkeiten sind beim Pferd selten. Bei 90% der Zwillingsträchtigkeiten kommt es aufgrund von Mangelversorgung zum Absterben einer oder beider Früchte. Das Absterben beider Früchte führt in der Regel zum Abort. Stirbt nur eine Frucht ab, so wird diese entweder ausgestoßen oder mumifiziert, d.h. sie verbleibt in der Gebärmutter und trocknet aus. Eine mumifizierte Frucht kann ein erhebliches Geburtshindernis darstellen und so zu einer Bedrohung der Stute führen.
    • Störung der Nabelstrangfunktion: Über den Nabelstrang wird das Fohlen mit allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Wird die Nährstoffzufuhr durch eine Verdrehung des Nabelstrangs unterbrochen, stirbt die Frucht ab und wird ausgestoßen.
    • Aufsteigende bakterielle Infektion: Unter aufsteigenden Infektionen versteht man, dass die Keime von außen durch die Schamlippen und die Scheide in die Gebärmutter einwandern, wo es zur Entzündung und nachfolgend zum Abort kommt. Aufsteigende Infektionen werden durch das Vorliegen eines mangelhaften Schamschlusses begünstigt. Dabei ist die Schamspalte altersbedingt oder aufgrund einer vorangegangenen Geburtsverletzung unvollständig geschlossen. Keimhaltige Luft kann eindringen und die Scheide anfüllen, man spricht von einer Pneumovagina. Als Folge kann sich der Scheidenboden absenken. Nach dem Harnabsatz bleibt dann ein kleiner Harnsee auf dem abgesenkten Scheidenboden zurück (Urovagina), der ebenfalls ein Entzündungsgeschehen begünstigt.
    • Überanstrengung: Trächtige Stuten können bis zum Abfohltermin leicht gearbeitet werden. Überanstrengung, hartes Springtraining und natürlich Stürze jeder Art bergen aber das Risiko einer Fehlgeburt.
    • Fütterung: Mangelhafter Nährwert oder gar verdorbenes Futter führen auch zu einer Unterversorgung des Fohlens und können damit einen Abort auslösen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass das Leben der Stute zuerst geschützt wird. Ist sie nicht mehr in der Lage, ihre Frucht und sich selber zu ernähren, wird das Fohlen abgestoßen.
    • Fiebrige Allgemeinerkrankung: Jede Form der Allgemeinerkrankung kann auch den Verlust des Fohlens zur Folge haben.
    • Deckhygiene: Bei mangelhafter Sauberkeit während des Deckaktes kann der Hengst Keime in die Scheide der Stute einbringen, die von dort in die Gebärmutter gelangen und erst sehr viel später einen Abort auslösen. Das kann auch bei unsauberer instrumentellen Besamung passieren.

Ansteckung

Je nach Erreger verläuft die Ansteckung sehr unterschiedlich:

Herpesviren sind bei Pferden weit verbreitet und führen neben dem Virusabort zu Atemwegserkrankungen. Ein einmal infiziertes Tier ist lebenslang Träger der Viren. Unter bestimmten Bedingungen (z.B. Stress) werden die Viren über Nasenausfluss massiv ausgeschieden. Pferde, die selbst keine Symptome zeigen, können infiziert sein und zur Verbreitung der Viren über den Luftweg (Tröpfcheninfektion) beitragen. Im Abortmaterial befinden sich ebenfalls massenhaft Viren. Häufig wird der Tierhalter selbst unwissend zu einem Überträger, wenn er die Erreger an Kleidung oder Händen trägt. Die Stute nimmt die Viren über die Schleimhäute (Nase, Maul) auf. Über das Blut gelangen sie in die Gebärmutter und stören dort die Versorgung des Fohlens.

Bakterien und Pilze gelangen überwiegend aufsteigend über die Scheide in die Gebärmutter. Während spezifische Abortkeime direkt über Tierkontakt oder durch verunreinigte Gegenstände oder Personen übertragen werden, kommen unspezifische Keime in jeder Umgebung vor und können nur unter geeigneten Bedingungen krankmachende Wirkung entfalten.

Leitsymptom

Verfohlen

Symptome

Bei einem Abort erfolgt die Abfohlung vor dem errechneten Geburtstermin, die Fohlen sind entweder tot oder lebensschwach. Beim herpesbedingten Virusabort fohlen die Stuten ohne vorher erkennbare Anzeichen meist komplikationslos ab. Das Abortmaterial ist frisch und bei der Stute liegen keine weiteren Krankheitszeichen vor. Sind Bakterien und Pilze am Abortgeschehen beteiligt, liegt häufig gleichzeitig eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) vor, die bereits vor dem Einsetzen der Geburt zu Scheidenausfluss führen kann – aber nicht zwangsläufig muss!

Abb. GQ9I9UFO
Abb. GQ9I9UFO: Eitriger Scheidenausfluss.

Diagnose

Aufgrund des klinischen Bildes kann lediglich eine Verdachtsdiagnose bezüglich der Ursache gestellt werden, daher sollte bei jedem Abort zunächst eine Infektion als Ursache angenommen werden. Das gesamte Abortmaterial sollte zur Abklärung der Ursache in jedem Fall zur Untersuchung in ein geeignetes Labor eingeschickt werden.

Behandlung

Virusbedingte Aborte sind nicht behandelbar. Lebensschwache Fohlen sterben trotz intensiver Maßnahmen wenige Tage nach der Geburt. Eine Behandlung der Stute ist in der Regel nicht nötig.

Wird eine bakterielle Infektion vor dem Einsetzen des Geburtsvorgangs bemerkt, so kann durch eine antibiotische Behandlung (Antibiose) versucht werden, den Abort noch abzuwenden. Beim Vorliegen einer Endometritis nach dem Verfohlen muss diese antibiotisch behandelt werden, ggf. muss die Gebärmutter gespült werden. Soll bei lebensschwachen Fohlen eine Behandlung versucht werden, so müssen diese intensiv tierärztlich betreut werden, am besten unter Klinikbedingungen.

Prognose

Die Prognose für die Allgemein- und Geschlechtsgesundheit der Stute ist in der Regel gut. Eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut kann allerdings den weiteren Einsatz als Zuchtstute erschweren, da Folgeschäden zurück bleiben können (s. auch Funktionsstörungen der Gebärmutter).

Mangelhafter Schamschluss lässt sich in den meisten Fällen chirurgisch beheben.

Lebensschwache Fohlen haben beim Virusabort keine Überlebenschance. Bei anderen Infektionen ist die Prognose für ein gesundes Fohlen sehr vorsichtig zu stellen.

Vorbeugung

Viele Aborte können durch Vorsorgemaßnahmen vermieden werden:

Gegen Herpesviren haben sich Impfstoffe und -programme auf dem Markt etabliert, die zu einem deutlichen Rückgang des seuchenhaften Spätaborts geführt haben. Die Impfung erfolgt halbjährlich und sollte den gesamten Bestand umfassen. Zugekaufte Tiere sollten geimpft und für 3 Wochen isoliert werden, falls sie das Virus bereits in sich tragen. Es empfiehlt sich, Zuchtstuten insgesamt von Pferden mit vermehrten Fremdkontakten (Turnierpferde, Reitbetrieb) zu trennen.

Nach dem Auftreten eines Aborts sollte die entsprechende Stute isoliert werden und ihre Box und alle Gerätschaften gründlich gereinigt und desinfiziert werden, um eine Ansteckung anderer Pferde zu verhindern.

Um eine Besiedelung des Geschlechtstraktes mit Bakterien und Pilzen frühzeitig zu erkennen, kann der Tierarzt regelmäßige Kontrolluntersuchungen, beispielsweise durch Tupferproben oder auch Ultraschalluntersuchungen, während der Trächtigkeit durchführen.

Mangelhafter Schamschluss kann durch einen chirurgischen Eingriff, eine so genannte Scheidenplastik behoben werden. Diese kann ohne Vollnarkose am stehenden Tier durchgeführt werden.

Abb. GQ9II0CT
Abb. GQ9II0CT: Scheidenplastik nach Caslick.
Bei dieser Operation wird die Schamspalte teilweise verschlossen, um so den Schamschluss wieder herzustellen.

Zwillingsträchtigkeit lässt sich ab der 3. Trächtigkeitswoche durch eine Ultraschalluntersuchung erkennen. Ideal ist eine Untersuchung am 14. oder 15. Tag nach dem Eisprung. In diesem frühen Stadium sind die Früchte noch nicht fest in der Gebärmutterschleimhaut verankert, so dass eine der beiden Fruchtanlagen relativ einfach durch Abdrücken entfernt werden kann. Auch zu einem späteren Zeitpunkt ist eine so genannte Fruchtreduktion noch möglich, erfordert dann aber einen größeren technischen Aufwand.

Immer spielt auch die Gesamtkonstitution der Stute für die Entwicklung eines Krankheitsgeschehens eine Rolle, so dass gerade bei Zuchtstuten auf die Allgemeingesundheit höchster Wert gelegt werden sollte.

ACHTUNG

Auch bei geimpften Stuten ist im Ausnahmefall ein virusbedingter Abort möglich, daher sollte das Abortmaterial immer für eine Diagnosestellung eingeschickt werden.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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