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Pferd: Griffelbeinbruch

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Griffelbeinfraktur

Die Griffelbeine sind dünne, längliche Knochen. Sie liegen auf der Rückseite des Röhrbeins, mit dem sie auch gelenkig verbunden sind. Sie bilden zusammen mit dem Röhrbein den Mittelfuß.

An jedem Bein gibt es ein äußeres und ein inneres Griffelbein. Sie sind entwicklungsgeschichtlich gesehen die zurückgebildeten Reste der Mittelfuß- bzw. Mittelhandknochen, den so genannten Strahlen. In der Urzeit hatte das Pferd noch fünf Strahlen. Heute ist nur noch der mittlere Strahl beim Pferd voll ausgebildet und trägt als Röhrbein das ganze Gewicht. Zwischen den beiden Griffelbeinen verläuft der sehnige Musculus interosseus, der sich im unteren Bereich der Griffelbeine in zwei Schenkel aufspaltet. Er gehört zum so genannten Fesselträger und wird der Einfachheit halber auch oft als Fesselträger bezeichnet.

Das Griffelbein hat am oberen Ende eine Verdickung, die auch Griffelbeinköpfchen genannt wird. Die Griffelbeinköpfchen der Vorderbeine sind über Gelenke mit den Knochen der Vorderfußwurzel, also dem Karpalgelenk verbunden. An den Hinterbeinen bilden sie Gelenke mit den Sprunggelenkknochen. Nach unten werden die Griffelbeine schmaler, um am Ende ein kugeliges Griffelbeinknöpfchen auszubilden.

Abb. GQJ61GXA
Abb. GQJ61GXA: Griffelbeine.
Schemazeichnung des linken Vorderbeins von hinten.

Ursachen

Am Griffelbein treten relativ häufig Knochenbrüche (Frakturen) auf. Dabei kann jedes der insgesamt acht Griffelbeine betroffen sein. Ein Griffelbein bricht vorzugsweise an zwei Stellen:

  • Proximale Griffelbeinfrakturen: Im oberen Drittel des Griffelbeins kommen gedeckte und offene Frakturen vor. „Offen“ bedeutet, dass auch die Haut und die Weichteile über der Fraktur verletzt sind. Brüche an dieser Stelle werden auch obere Griffelbeinfrakturen genannt. Die oberen Griffelbeinfrakturen werden durch einen Schlag von außen verursacht. Dabei kann die Haut mit verletzt werden, so dass Schmutz und Bakterien in die Wunde gelangen können. Bakterien führen zu einer eitrigen Infektion der Wunde. Diese kann auf die Knochen übergehen und eine eitrige Knochenentzündung verursachen. Im ungünstigsten Fall kann diese bakterielle Entzündung auch auf die unterste Abteilung des Karpal- bzw. des Sprunggelenks übergreifen.
  • Distale Griffelbeinfrakturen: Im unteren Bereich des Griffelbeins treten die distalen Griffelbeinfrakturen auf. Diese sind immer gedeckt. Sie haben eine andere Ursache als die proximalen Frakturen. Diese Frakturform tritt häufig bei älteren Trabern auf. Sie ist auf die sehr starke Belastung des unteren Abschnitts des Griffelbeins bei hohen Geschwindigkeiten zurückzuführen. Dieser dünne Abschnitt ist relativ starr und wenig elastisch. Bei hoher Geschwindigkeit werden die unteren Griffelbeinenden aber durch die Aktivität des sehnigen Abschnitts des Musculus interosseus zu einer Art Pendelbewegung nach innen und außen gezwungen. Diesen Kräften gibt der Knochen irgendwann nach und knickt ab. Man spricht auch von einem Ermüdungsbruch.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Schwellung

Symptome

Bei einer proximalen Griffelbeinfraktur geht das Pferd deutlich lahm und der erkrankte Bereich ist geschwollen und schmerzhaft. Handelt es sich um einen offenen, bakteriell infizierten Bruch, so ist nach 1 – 2 Tagen eitriger Ausfluss erkennbar. Wenn die Infektion auf Knochen und Gelenke übergreift, ist mit einer weiteren Verstärkung der Lahmheit und Schmerzhaftigkeit zu rechnen. Infektionen der unteren Gelenkspalten von Karpal- und Sprunggelenk führen in der Regel zu weitreichenden Knochenzubildungen in den Gelenken im Sinne einer Arthrose, die diesen Gelenkabschnitt vollständig versteifen können.

Wird die Griffelbeinfraktur nicht ordnungsgemäß behandelt, so bilden sich aufgrund des Reizes umfangreiche Knochenzubildungen an der Bruchstelle, die als Überbeine äußerlich sichtbar werden können. Diese können sehr störend an Sehnen und Bändern reiben und insbesondere am Musculus interosseus zu Schäden führen. Daraus resultiert dann eine ständige Lahmheit.

Bei der tiefen, distalen Griffelbeinfraktur zeigt sich bei einigen Pferden zunächst nur eine sehr leichte Lahmheit, man sagt auch, das Pferd „tickt“. Die Lahmheit kann auch kurzzeitig verschwinden und dann wieder erneut aufflammen. Am unteren Griffelbeinende kann eine schmerzhafte Schwellung gefühlt werden. Manchmal lässt sich das abgebrochene Griffelbeinknöpfchen oder eine Asymmetrie ertasten. Aber Vorsicht: Manche Griffelbeine sind von Natur aus unterschiedlich lang, nicht jede Asymmetrie zwischen den beiden Griffelbeinen deutet auf einen Bruch hin.

Diagnose

Durch das Abtasten des Beines kann in vielen Fällen bereits eine Verdachtsdiagnose gestellt werde. Bestätigt wird der Verdacht durch Röntgenaufnahmen, auf denen die Bruchlinien zu erkennen sind. Bereits erfolgte Knochenzubildungen lassen sich ebenfalls auf dem Röntgenbild nachweisen. Zur Abklärung einer Schädigung der Sehne, die zwischen den Griffelbeinen verläuft, eignet sich die Ultraschalluntersuchung.

Abb. GQJ6H6SL
Abb. GQJ6H6SL: Griffelbeinbruch (Pfeile).

Abb. GQJ6IAE6
Abb. GQJ6IAE6: Griffelbeintrümmerbruch (Pfeile).

Behandlung

Die geschlossene, proximale Griffelbeinfraktur kann versuchsweise ohne Operation behandelt werden. Dazu wird das Bein mit einem stützenden Verband ruhiggestellt und die Knochenheilung mit wärmenden Einreibungen angeregt. Bei starker Zubildung von Knochenmaterial im Bruchbereich sollte aber eine Operation in Betracht gezogen werden.

Bei offenen Brüchen ist immer eine Operation nötig, bei der entweder abgesprengte Knochenteilchen oder das ganze untere Griffelbeinstück entfernt werden. Das obere Griffelbeinteil wird dabei nicht entfernt, da es eine Gelenkfläche im Karpal- bzw. Sprunggelenk bildet. Teilweise ist es nötig, das verbleibende Griffelbeinstück mit einer Schraube an dem Röhrbein zu fixieren.

Die distalen Frakturen sollten immer operativ behandelt werden. Dazu wird der untere Teil des Griffelbeins herausgenommen. Bereits gebildete Knochenzubildungen werden ebenfalls abgetragen.

Abb. GQJ6L8FY
Abb. GQJ6L8FY: Griffelbeinbruch nach der Operation.

Nach der Operation wird das Bein für etwa 4 Wochen unter einem straffen Verband ruhig gestellt und erst danach langsam wieder mit der Arbeit begonnen. Eventuell bereits aufgetretene Sehnenschäden verlängern die Rekonvaleszenzzeit erheblich. Sehnenentzündungen können mit geeigneten Medikamenten zusätzlich behandelt werden.

Prognose

Die proximalen Griffelbeinbrüche sind prognostisch vorsichtig zu bewerten. Brüche des unteren Abschnitts sind hingegen mit gutem Erfolg zu behandeln. In der Regel können Sportpferde nach der Operation und Genesungszeit wieder ohne Einschränkung genutzt werden.

ACHTUNG

Bei Pferden unter 2 Jahren kann eine noch nicht geschlossene Epiphysenfuge eine distale Griffelbeinfraktur auf dem Röntgenbild vortäuschen.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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19.09.2014: locre
Vielen Dank für den bereitgestellten Bericht. Er ist sehr aufschlußreich, sodass ich am Ende gut verstehen kann um was es sich den bei einer Griffelbeinfraktur handelt, deren Symptome, wie ich diagnostisch vorgehen muss und welche Prognose bei welcher Art der Griffelbeinfraktur zu erwarten ist. Zu den Behandlungsmaßnahmen kann ich nur schreiben, besser hätte es keiner beschreiben können, sehr bildhaft und zur medikamentösen Weiterbehandlung werde ich persönlich ein homöopatisches Mittel in Erwägung ziehen, sofern dies Erfolg verspricht.

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