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Pferd: Fehlstellungen

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Stellungsfehler

Als Fehlstellungen oder auch Stellungsfehler werden alle Abweichungen von der so genannten geraden, regelmäßigen Gliedmaßenachse bezeichnet. Dabei wird die Gliedmaßenachse entweder von vorne oder hinten und von der Seite zunächst am stehenden Pferd und später auch in der Bewegung beurteilt. Von vorne oder hinten gesehen soll bei einer regelmäßigen Gliedmaßenachse eine senkrechte Linie das Bein halbieren. Von der Seite gesehen soll beim Vorderbein eine senkrechte Linie durch das Ellenbogengelenk und das Fesselgelenk das Bein halbieren und die Hinterseite des Ballens berühren. Beim Hinterbein soll eine senkrechte Linie den Sitzbeinhöcker, die Rückseite des Sprunggelenks und die Rückseite des Ballens berühren. Diese gedachten Linien nennt man auch Lot.

Abb. GQETCBMC
Abb. GQETCBMC: Regelmäßige Vorderbeine.

Abb. GQETDALV
Abb. GQETDALV: Regelmäßige Hinterbeine.

Ursachen

Fehlstellungen sind meistens angeboren oder entwickeln sich in den ersten Lebenswochen. Einige Fehlstellungen können auch später noch im Laufe des Lebens erworben werden. Ein ganz wichtiger Faktor ist dabei eine fehlerhafte oder gänzlich fehlende Hufkorrektur durch einen ausgebildeten Schmied. Auch die Ernährung und ausreichende Bewegung spielen eine Rolle.

Fehlstellungen führen zu einer einseitigen Belastung von Bändern und Gelenken. Diese Strukturen werden schnell überlastet und sind damit anfälliger für Erkrankungen.

Folgende Erkrankungen treten häufig bei Fehlstellungen auf:

Leitsymptom

Unregelmäßige Gliedmaßenstellung

Symptome

Folgende Gliedmaßenfehlstellungen treten besonders häufig und oft auch in Kombination auf:

  • Bodenweit: Der Abstand zwischen den Hufen ist größer als das Lot.
  • Bodeneng: Der Abstand zwischen den Hufen ist kleiner als das Lot.
  • Zehenweit: Die Hufspitzen schauen nach außen.
  • Zeheneng: Die Hufspitzen weisen aufeinander zu.

Abb. GQETLUQ5
Abb. GQETLUQ5: Fehlstellungen der Zehenachse.
Bodenweite, bodenenge, zehenweite und zehenenge Fehlstellungen kommen sehr häufig vor und können kombiniert an einem Bein auftreten (z.B. bodenweit und zeheneng usw.). Pferde mit diesen Fehlstellungen sollten durch einen erfahrenen Schmied ausgeschnitten bzw. beschlagen werden, um ihnen das Fußen zu erleichtern und die Gelenke zu entlasten. Richtig korrigieren kann man diese Fehlstellungen aber nur im Fohlenalter.

  • O-Bein: Knick im Karpalgelenk (auch Vorderfußwurzelgelenk genannt und fälschlicherweise umgangssprachlich als Knie bezeichnet) bzw. im Sprunggelenk nach außen.
  • X-Bein: Knick im Karpalgelenk bzw. im Sprunggelenk nach innen.

Abb. GQETNRJO
Abb. GQETNRJO: O-Beine und X-Beine.
Bei diesen Fehlstellungen kann ein Schmied nicht viel erreichen, weil der Huf wieder regelmäßig fußt. Es gibt aber operative Korrekturmaßnahmen beim Fohlen.

  • Vorbiegig: Das Karpalgelenk ist nach hinten überstreckt. Damit wird der Fuß unterhalb des Karpalgelenks vor das Lot verlagert. Es wirkt so, als sei der Fuß nach vorne gebogen.
  • Rückbiegig: Das Karpalgelenk ist nach vorne eingeknickt. Damit wird der Fuß unterhalb des Karpalgelenks hinter das Lot verlagert. Es sieht so aus, als sei der Fuß nach hinten, rückwärts gebogen.
  • Vorständig: Das gesamte Bein ist vor das Lot gestellt.
  • Rückständig: Das gesamte Bein ist hinter das Lot gestellt.

Abb. GQETQ9WQ
Abb. GQETQ9WQ: Fehlstellungen im Karpalgelenk.
Die Bezeichnung dieser Fehlstellungen führt häufig zu Missverständnissen. Die Begriffe richten sich nach der Beugung im Karpalgelenk (auch Vorderfußwurzelgelenk genannt, umgangssprachliche häufig auch fälschlich als "Knie" bezeichnet) und der daraus resultierenden Stellung der Zehe. Vorbiegig bedeutet, das Karpalgelenk ist nach vorne gebogen (überstreckt), rückbiegig bedeutet eine Biegung nach hinten (stärkere Beugung). Vorständig bedeutet, das Karpalgelenk (und damit das gesamte Bein) steht vor dem Lot, bei rückständigen Pferde steht es hinter dem Lot.

  • Kuhhessig: Als kuhessig wird ein Stellungfehler der Hinterbeine bezeichnet, bei der die Sprunggelenke x-beinig nach innen gedreht sind und die Hufspitze nach außen zeigt.
  • Fassbeinig: Als fassbeinig wird ein Stellungsfehler der Hinterbeine bezeichnet, bei dem die Sprunggelenke o-beinig nach außen gewölbt sind und die Hufspitzen zeigen nach innen.

Abb. GQETW9DI
Abb. GQETW9DI: Fehlstellungen der Hinterbeine.
Fassbeinigkeit und Kuhhessigkeit entsprechen den O- und X-Beinen mit zusätzlicher zehenenger bzw. zehenweiter Stellung.

  • Säbelbeinig: Bei der säbelbeinigen Gliedmaßenstellung ist das Sprunggelenk stärker gewinkelt als normal und das Bein unterhalb des Sprunggelenks nach vorne untergestellt.

Abb. GQETYH8C
Abb. GQETYH8C: Säbelbeinigkeit.
Pferden mit einer verstärkten Winkelung im Sprunggelenk wird eine Neigung zu Spat nachgesagt.

  • Bärentatzig: Unter einer bärentatzigen oder bärenfüßigen Stellung versteht man eine übermäßige Streckung im Fesselgelenk mit gleichzeitig übermäßiger Beugung im Hufgelenk. Die Fessel steht also annähernd waagerecht, während der Huf wieder weitgehend normal aufgesetzt wird.

Abb. GQEU15QY
Abb. GQEU15QY: Bärentatzigkeit.
Bärentatzigkeit kann sowohl an den Vorderbeinen als auch an den Hinterbeinen auftreten. Häufig findet man sie bei älteren Pferden.

Häufig treten so genannte Beugefehlstellungen auf, die entweder angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein können. Sie werden in gesonderten Kapiteln besprochen. Man unterscheidet übermäßige Beugung (Sehnenkontraktur) oder Steckung (Hyperextension) der Zehengelenke. Sie führen zu folgenden klinischen Bildern:

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus dem klinischen Bild.

Behandlung

Werden die Fehlstellungen bereits im Fohlenalter diagnostiziert, so sind sie häufig erfolgreich zu korrigieren. Der wachsende Knochen kann sich an eine veränderte Belastung noch gut anpassen.

Abhängig von der Art der Fehlstellung kommen folgende Behandlungen zum Einsatz:

  • Fachmännisches Ausschneiden des Hufes
  • Orthopädischer Beschlag/ Hufschuh
  • Ruhigstellung durch Verbände
  • Operative Maßnahmen wie Periost-Splitting, Epiphysiodese, teilweise Sehnendurchtrennung bzw. Bänderdurchtrennung

Bei einem ausgewachsenen Pferd führen übermäßige Korrekturmaßnahmen häufig zu schmerzhaften Prozessen, weil plötzlich punktuell vermehrt Druck und Zug auftreten, Knochen und Bänder diesen aber nur noch in begrenztem Maße nachgeben können. Daher zielen orthopädische Maßnahmen erwachsener Pferde nur auf eine Entlastung bestimmter Bereiche ab, eine eigentliche Korrektur der Fehlstellung ist dann leider nicht mehr möglich.

Prognose

Die Prognose ist umso günstiger, je früher mit der Behandlung begonnen wird und je schwächer ausgeprägt die Fehlstellung ist.

Vorbeugung

Ausreichende Bewegung junger Fohlen und eine optimale Nährstoffversorgung in der Aufzucht können zwar Fehlstellungen nicht ganz verhindern, sind aber unerlässlich für die Entwicklung eines gesunden Bewegungsapparates (s. Fohlenfütterung).

ACHTUNG

Besonders die vorständige und die rückständige Stellung werden häufig von Pferden zeitweise eingenommen, um ein schmerzendes Bein zu entlasten. Sie sind dann keine Fehlstellungen, sondern Symptome einer anderen Erkrankung wie z.B. Hufrehe.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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