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Pferd: Fehlanpassungssyndrom

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Neonatales Syndrom, Hypoxisch-Ischämische Enzephalopathie, Perinatale Asphyxie, Maladjustment-Syndrome, Dummy Foals, Barker

Unter dem Begriff Fehlanpassungssyndrom fasst man nicht-infektiöse Erkrankungen des Zentralnervensystems zusammen, die ausschließlich bei neugeborenen Fohlen in den ersten Lebensstunden auftreten. Das Fehlanpassungssyndrom ist durch Verhaltensauffälligkeiten gekennzeichnet und kann zum Versagen verschiedener Organe und damit zum Tod führen.

Ursachen

Die genauen Ursachen des Fehlanpassungssyndroms sind noch nicht alle geklärt. Man geht aber davon aus, dass häufig eine Hypoxie des Gehirns, d.h. eine Unterversorgung mit Sauerstoff, für das Krankheitsbild verantwortlich ist.

Die Hypoxie kann folgende Ursachen haben:

  • Erkrankungen der Plazenta (Mutterkuchen)
  • Sauerstoffmangel unter der Geburt durch Abklemmen der Nabelschnur oder Verlegung der Atemwege z.B. mit Schleim oder Fruchtwasser
  • Lungenunreife
  • Erkrankungen der Atemwege

Folgen einer Hypoxie sind Gewebeschäden. Im Gehirn kann sich ein lebensbedrohliches Gehirn- Ödem entwickeln, aber auch andere Organe wie Niere und Darm können geschädigt werden.

Man geht davon aus, dass auch primäre Erkrankungen des Gehirns ohne Sauerstoffmangel ein Fehlanpassungssyndrom verursachen können.

Fohlen mit Fehlanpassungssyndrom sind häufig nicht in der Lage, aus eigener Kraft ausreichend Kolostrum in den ersten Lebensstunden aufzunehmen. Dies hat zur Folge, dass sie gar nicht oder nur unzureichend durch mütterliche Antikörper gegen Infektionen mit Krankheitserregern geschützt sind. Krankheitserreger lauern aber überall in der Umgebung, so dass diese Fohlen häufig auch noch an Sekundärinfektionen erkranken. Außerdem führt die ausbleibende Kolostrum- bzw. Milchaufnahme zu einer Unterversorgung mit Energie und damit zu einem Abfall des Blutzuckerspiegels des Fohlens. Neugeborene Fohlen haben kaum eigene Energiereserven, so dass diese Fohlen rasch schwächer werden und schließlich sterben können.

Ansteckung

Das Fehlanpassungssyndrom ist nicht ansteckend.

Leitsymptom

  • Verminderter Saugreflex
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Krämpfe

Symptome

Fohlen werden entweder direkt mit dem Fehlanpassungssyndrom geboren oder entwickeln Symptome innerhalb der ersten 24 Stunden, obwohl sie zuvor völlig unauffällig gewesen sind. Nur sehr selten kann sich ein Fehlanpassungssyndrom auch noch bis zum 3. Lebenstag manifestieren.

Die Symptome können vielfältig sein:

  • verminderter Saugreflex
  • Nichterkennen der Mutter und des Euters
  • teilnahmsloses „In-der-Ecke-stehen“ mit hängendem Kopf („dummies“)
  • Festliegen
  • Darmpechverhaltung
  • Krämpfe
  • Fieber (bei Krämpfen) oder Untertemperatur (bei Teilnahmslosigkeit)
  • Leerkauen, Zähneknirschen, Zungenlähmung
  • Atemnot
  • zielloses Herumwandern in der Box („wanderer“)
  • bellendes Wiehern („barker“)

Diagnose

Häufig lässt sich die Diagnose erst im Verlauf der Erkrankung und nach Ausschluss anderer Ursachen wie z.B. einer infektiösen Gehirnentzündung stellen. Hilfreich kann eine Blutuntersuchung sein, bei der Antikörperspiegel, Blutzucker und Entzündungswerte bestimmt werden können.

Weitere Untersuchungsmethoden wie Röntgen, Ultraschalluntersuchung oder Bauchhöhlenpunktion können zum Ausschluss anderer Erkrankungen nötig sein.

Behandlung

Fohlen mit Fehlanpassungssyndrom sind Intensivpatienten und brauchen eine ständige Überwachung.

Die Erkrankung kann nur symptomatisch behandelt werden. Im Vordergrund stehen dabei

  • Ernährung und Flüssigkeitszufuhr durch Flaschenfütterung oder Zwangsernährung über die Nasenschlundsonde und Infusionen
  • Lagerung auf einer weichen Unterlage, um Druckstellen zu vermeiden
  • Thermoregulation, d.h. in der Regel Wärmezufuhr durch Wärmematten oder Rotlicht
  • Unterstützung der Atmung durch Sauerstoffzufuhr
  • Ruhigstellung der Patienten (Kontrolle von Krampfanfällen) durch Medikamente gegen Krampfanfälle, Beruhigungsmittel oder muskelentspannende Medikamente

Weitere Maßnahmen umfassen Infusionen zum Ausgleich von Elektrolytveränderungen, entzündungshemmende Substanzen, entwässernde Medikamente zum Ausschwemmen eines Gehirnödems und Antibiotika. Bei zu geringem Antikörperspiegel erhalten Fohlen bis zu einem Alter von ca. 16 Stunden Kolostrum über die Nasensonde. Älteren Fohlen kann Blutplasma direkt in die Blutbahn infundiert werden, das ebenfalls viele Antikörper enthält.

Prognose

Die Prognose ist gut für Fohlen, die zunächst unauffällig waren und selbstständig Kolostrum aufnehmen konnten, sofern keine weiteren Organschäden vorliegen.

Fohlen, die bereits von Geburt an Symptome zeigen, haben eine schlechtere Prognose. Man geht von einer Überlebensrate von 60 – 70% aus. Dabei hängt die Prognose auch im Wesentlichen davon ab, wie schnell und intensiv die Fohlen betreut werden. Spätschäden sind bei überlebenden Fohlen nicht zu erwarten.

Vorbeugung

Stuten mit bekannter Erkrankung der Plazenta (z.B. Plazentitis, d.h. Entzündung der Plazenta) können versuchsweise vor der Abfohlung mit Sauerstoff, Antibiotika, entzündungshemmenden Medikamenten und trächtigkeitserhaltenden Hormonen behandelt werden.

Tipps

Beobachten Sie ein neugeborenes Fohlen besonders am ersten Lebenstag sehr gründlich. Ein Fohlen sollte innerhalb einer Stunde stehen und spätestens nach zwei Stunden selbstständig das Euter gefunden haben. Wenn das Fohlen nicht trinkt, sollte das Kolostrum abgemolken und mit der Flasche gefüttert werden.

Abb. GQESTQLM
Abb. GQESTQLM: Fohlenfütterung mit der Flasche.
Dieses Fohlen erhält abgemolkene Stutenmilch und zusätzlich eine Infusion.

Dabei darf sich das Fohlen nicht verschlucken, da es sonst eine Lungenentzündung entwickeln kann. Das Euter muss vor dem Abmelken gereinigt werden und Flasche und Sauger müssen abgekocht sein.

Abb. GQESV0W9
Abb. GQESV0W9: Abmelken der Stute.

Ob das Fohlen selbstständig trinkt, erkennt man auch am Euter: Wenn das Euter ständig prall gefüllt ist, liegt der Verdacht nahe, dass das Fohlen nicht ausreichend trinkt und möglicherweise krank ist.

ACHTUNG

Rufen Sie immer den Tierarzt hinzu, wenn das Fohlen nicht nach ca. 2 Stunden selbstständig trinkt. Die ersten Lebensstunden sind enorm wichtig für die Gesundheit eines Fohlens! Beachten Sie auch die Nabelpflege.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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