petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Equines metabolisches Syndrom

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: EMS

Das equine metabolische Syndrom ist eine zunehmend häufig diagnostizierte Stoffwechselstörung der Pferde. Sie wird als Wohlstandskrankheit angesehen, die aus einem Überangebot an Energie im Futter bei gleichzeitigem Bewegungsmangel entsteht.

Abb. GQDT8PZ7
Abb. GQDT8PZ7: Pferd mit metabolischem Syndrom.
Das Pferd hat deutliche Fetteinlagerungen besonders am Mähnenkamm und auf der Kruppe.

Ursachen

Man kennt noch nicht alle Ursachen, die zum equinen metabolischen Syndrom führen. Man geht aber davon aus, dass dabei folgende Mechanismen ablaufen:

Viele Pferde erhalten trotz nur geringer Arbeitsleistung relative große Mengen an Kraftfutter. Kraftfutter enthält in der Regel einen hohen Getreideanteil, also Kohlenhydrate. Diese stehen dem Körper nach der Verdauung in Form von Zuckerstoffen (besonders Glukose) zur Verfügung. Die Zuckerstoffe werden über das Blut zu den Körpergeweben und Organen transportiert. Der Körper reagiert auf die hohen Blutzuckerwerte mit der Ausschüttung des Hormons Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Insulin sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen (vor allem Muskeln, Leber und Fettgewebe) aufgenommen wird. Die Gewebe, vor allem die Muskulatur brauchen die Zuckerstoffe als schnelle Energielieferanten.

Wenn Pferde ein Überangebot an Zucker im Blut haben, verbrauchen sie nicht alles durch Muskelarbeit, sondern bilden daraus verstärkt Fettdepots. Das Fettgewebe bildet nun selber Hormone und greift so in fataler Weise in den Stoffwechsel ein: Die im Fettgewebe gebildeten Hormone hemmen die Wirkung des Insulins. Der Blutzucker kann dann trotz hohen Insulinspiegels nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden. Das Pferd hat also ständig hohe Blutzucker- und Insulinspiegel im Blut. Dies nennt man auch Insulinresistenz. Da die Muskelzellen den Blutzucker nicht mehr ausreichend aufnehmen können, zeigen diese Pferde Leistungsschwäche, obwohl sie eigentlich überversorgt sind.

Außerdem aktivieren die Hormone des Fettgewebes das körpereigene Cortisol, das so genannte „Stresshormon“, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Cortisol sorgt zusätzlich für eine weitere Erhöhung des Blutzuckerspiegels und kann zudem Hufrehe auslösen. Hufrehe ist eine häufige und gefährliche Folge des metabolischen Syndroms. Man geht heute davon aus, dass auch ein dauerhaft erhöhter Blutzucker- und Insulinspiegel an sich die Entstehung einer Hufrehe begünstigt.

Eine schmerzhafte Reheerkrankung bedeutet nun wiederum eine Stresssituation für das Pferd. Stress kurbelt die Cortisolbildung weiter an, das Cortisol treibt den Blutzucker noch weiter in die Höhe und so gelangt der Stoffwechsel in einen Teufelskreis.

Ansteckung

Das equine metabolische Syndrom ist nicht ansteckend. Einige Rassen (Paso Fino, Peruvian Paso, Morgan Horse, Spanischer Mustang) sowie genügsame Rassen wie Ponys neigen zu dieser Erkrankung.

Leitsymptom

  • Fettdepots an Hals und Kruppe
  • Hufrehe

Symptome

Pferde mit metabolischem Syndrom haben meistens Fetteinlagerungen am Hals, auf der Kruppe und vor dem Euter bzw. Präputium. Einige Pferde sind auch generell zu fett. Die Bemuskelung ist dafür meistens spärlich. Viele Pferde sind leistungsschwach.

Abb. GQDTG4RB
Abb. GQDTG4RB: Fetteinlagerung am Mähnenkamm.

Häufig fallen die Pferde durch eine schleichende Hufrehe auf.

Abb. GQDTH1TJ
Abb. GQDTH1TJ: Reheringe.
Dieses Pferd hat eine chronische Hufrehe.

Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel trinken die Pferde vermehrt und scheiden auch mehr Urin aus.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose, die sich aus dem klinischen Bild ergibt, kann durch verschiedene Blutuntersuchungen gefestigt werden:

Insulin und Blutzucker können bestimmt werden. Allerdings schwanken die Werte stark, so dass eine einmalige Überprüfung häufig nicht aussagekräftig ist. Für eine Insulinbestimmung muss die Blutprobe entweder gekühlt schnell in eine Labor gebracht werden oder innerhalb weniger Stunden zentrifugiert und eingefroren werden.

Ein verbreitetes Testverfahren ist der Glukose-Toleranz-Test: Dazu muss das Pferd zunächst hungern. Dann werden Zucker- und Insulingehalt im Blut bestimmt und das Pferd darf etwas Kraftfutter fressen. In Verlaufsuntersuchungen werden die Reaktionen von Insulin und Blutzucker auf das Kraftfutter überprüft. Der Test kann auch durch Injektion von Glukoselösung durchgeführt werden. Wenn der Blutzuckerausgangswert nicht innerhalb einer bestimmten Zeit wieder erreicht wird sondern erhöht bleibt, so spricht dies für eine Insulinresistenz. Man muss allerdings beachten, dass Schmerz und Stress zu einer vorübergehenden Insulinresistenz führen können. Die Durchführung und Interpretation der Testergebnisse gehören daher in die Hände eines erfahrenen Tierarztes.

Behandlung

Zur Zeit stehen keine wirksamen Medikamente zur Behandlung des metabolischen Syndroms zur Verfügung. Das oberste Ziel heißt Gewichtsreduktion und vermehrte Bewegung. Dazu muss das Pferd maßvoll auf Diät gesetzt werden. Eine abrupte Futterumstellung kann zu Kolik und beim Pony zur Hyperlipämie führen. Eine Diät sollte Futtermittel mit geringem Zuckergehalt (Verzicht auf Karotten, Getreide, melassiertes Futter, nur begrenzter Zugang zu Gras) beinhalten. Zusätzlich wird den Pferden Chromhefe gefüttert. Chrom verbessert die Bindung des Insulins an die Zellen und erhöht damit die Zuckeraufnahme in die Zelle.

Prognose

Mit Gewichtsreduktion und Bewegung kann die Insulinresistenz wieder umgekehrt werden. Chronische Folgeschäden durch Hufrehe bleiben aber bestehen.

Vorbeugung

Maßvolle Fütterung von Kohlehydraten und reichlich Bewegung beugen dem metabolischen Syndrom vor.

Tipps

Weichen Sie das Heu 30 Minuten vor dem Füttern in Wasser ein, das reduziert den Zuckergehalt. Achten Sie auf einen hohen Gehalt an grob strukturierten Halmen im Heu. Das Heu sollte vom zweiten oder dritten Schnitt sein.

Sie können Ihr Pferd mit Maulkorb auf die Weide lassen, wenn sicher gestellt ist, dass es den Maulkorb nicht abstreifen kann bzw. durch die Öffnungen im Korb doch Gras fressen kann.

Verwandte Themen

Stand: 29.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.