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Pferd: Equine infektiöse Anämie

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: EIA, Ansteckende Blutarmut der Einhufer, Sumpffieber

Die ansteckende Blutarmut ist eine seit langem bekannte Viruserkrankung, die neben dem Pferd auch andere Einhufer wie Esel und Maultiere befällt. Die Infektion kommt weltweit vor. Besonders häufig tritt sie in feuchten Gegenden auf. Innerhalb Deutschlands sind besonders Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen betroffen. Der Ausbruch der Erkrankung ist bei uns häufig auf eine Einschleppung des Erregers durch importierte Pferde aus Osteuropa zurückzuführen. Da der Pferdeverkehr bei der Verbreitung der ansteckenden Blutarmut eine entscheidende Rolle spielt, gelten strenge seuchenpolizeiliche Auflagen für das internationale Verbringen von Pferden, sie benötigen beispielsweise immer ein Gesundheitsattest. Dank dieser Maßnahmen ist diese Erkrankung in den letzten Jahren nur noch sporadisch bei uns aufgetreten.

Ursachen

Die ansteckende Blutarmut wird durch ein Virus hervorgerufen, das zu der Familie der Retroviren gehört. Der Erreger gehört damit zur gleichen Familie wie das HI-Virus des Menschen, stellt aber keine Gefahr für den Menschen dar.

Nach der Aufnahme des EIA-Virus verteilt es sich über das Blut im gesamten Körper des Pferdes. Es befällt bevorzugt die Zellen des lymphatischen Systems (Lymphknoten, Lymphozyten, Knochenmarkzellen, Milz, Leber) und die roten Blutkörperchen. Im Verlauf der Erkrankung werden die roten Blutkörperchen zerstört und es kommt zu der Blutarmut (Anämie), die der Erkrankung den Namen gegeben hat. Durch den Befall der Zellen des lymphatischen Systems wird die Immunabwehr des Pferdes geschwächt.

Meistens verbleibt das Virus lebenslang in den Körperzellen eines einmal infizierten Pferdes, man spricht auch von lebenslanger Viruspersistenz.

Ansteckung

Am häufigsten wird das Virus über blutsaugende Insekten (z.B. Bremsen, Mücken) von einem Pferd auf das andere übertragen. Man hat herausgefunden, dass ein Pferd nur dann erkrankt, wenn genügend Virus in seine Blutbahn gerät. Daher muss das Insekt wahrscheinlich mehrmals ein infiziertes Pferd gestochen haben, um ausreichend Virus für eine Übertragung aufzunehmen.

Da in Feuchtgebieten besonders viele Insekten vorkommen, tritt die ansteckende Blutarmut auch gehäuft in diesen Regionen auf. Auch findet man jahreszeitliche Schwankungen: Im Frühling und im Herbst, wenn die Insektenplage besonders groß ist, kann auch die EIA vermehrt auftreten.

Pferde, die mit dem EIA-Virus infiziert sind, scheiden das Virus meistens lebenslang mit allen Körperflüssigkeiten aus: Harn, Kot, Speichel, Nasenausfluss, Samen und auch die Milch säugender Stuten enthalten Viren. Daneben ist auch das Blut virushaltig. Bei tragenden Stuten wird so das Virus häufig bereits im Mutterleib auf das ungeborene Fohlen übertragen.

Die Aufnahme des Virus kann über alle Schleimhäute des Atem- und Verdauungstraktes und des Geschlechtstraktes erfolgen. Das Virus kann sogar über Hautwunden eindringen und von dort in die Blutbahn gelangen. Dennoch ist eine direkte Übertragung von einem Tier auf das andere eher selten. (Ausnahme: Stute und Fohlen). Das Virus ist außerhalb des Körpers relativ widerstandsfähig. In angetrocknetem Blut z.B. kann das Virus bei Umgebungstemperatur bis zu 7 Monate überleben und ansteckend bleiben.

Leitsymptom

  • Fieberschübe
  • Abmagerung
  • Blutarmut
  • Punktförmige Blutungen auf der Zungenunterseite (Petechien)

Symptome

Die Zeit zwischen der Infektion mit dem EIA-Erreger und dem Ausbruch der Erkrankung, die so genannte Inkubationszeit, unterliegt großen Schwankungen: Von Zeiträumen zwischen 1 Tag und 90 Tage wurde berichtet. In der Regel liegt die Inkubationszeit aber zwischen 1 und 3 Wochen. Die Symptome der Erkrankung können ebenfalls stark variieren. Man unterscheidet den akuten, den chronischen und den unauffälligen Verlauf:

  • Akuter Verlauf: Der akute Verlauf ist gekennzeichnet durch hohes Fieber bis 42,0°C, das mit großer Schwäche und Mattigkeit einhergeht. Die Tiere verlieren rasch an Gewicht und Kraft. An den Schleimhäuten können kleine, punktförmige Blutungen auftreten. Besonders häufig sieht man diese Schleimhautveränderungen an den Bindehäuten und an den Schleimhäuten der Zungenunterseite und der Nasenscheidewand. Die Bauchunterseite und die Beine sind angeschwollen, es bilden sich Ödeme. Daneben können Kolik, Herz-Kreislauf-Schwäche und Nierenversagen auftreten. Im Blut ist die Zahl der roten Blutkörperchen vermindert (Anämie). Pferde, die an der akuten Form der EIA erkranken, können innerhalb von Stunden bis Tagen verenden. Einige Pferde erholen sich, um nach wenigen Wochen erneute Symptome zu zeigen. Dieser Zustand kann sich in ausgeprägter oder abgeschwächter Form mehrmals wiederholen. Auch nach mehreren Schüben kann das Pferd noch sterben. Der akute Verlauf kann aber auch in die chronische Form übergehen.
  • Chronischer Verlauf: Beim chronischen Verlauf ähneln die Symptome denen des akuten Verlaufs, sind aber weniger stark ausgeprägt. Der fieberfreie Zeitraum zwischen den Schüben ist deutlich länger. Diese Pferde fallen in erster Linie durch Müdigkeit, Leistungsschwäche und Abmagerung auf. Durch Stress kann die chronische Form in die akute übergehen, Todesfälle sind auch hier möglich. Bei dieser Form treten häufig Begleiterkrankungen auf wie übermäßiger Wurmbefall oder Infektionen, die durch Bakterien verursacht werden. Dies ist auf die Schwächung des Immunsystems durch das EIA-Virus zurückzuführen.
  • Unauffälliger Verlauf: Einige Pferde zeigen trotz nachgewiesener Infektion mit dem EIA-Virus keine Symptome, tragen das Virus aber trotzdem lebenslang in sich.

Abb. GQEYSRAQ
Abb. GQEYSRAQ: Punktförmige Blutungen in der Maulschleimhaut.

Ein Fohlen kann sich auf verschiedenen Wegen bei seiner Mutter anstecken, die zum Teil recht kompliziert zu verstehen sind:

  • Die tragende, gesunde Stute infiziert sich mit dem EIA-Virus und erkrankt. In der Regel wird dabei das Fohlen in der Gebärmutter über den Blutweg ebenfalls infiziert. Diese Stuten haben einen Abort zwischen dem 8. und 9. Trächtigkeitsmonat. Die Fohlen werden zwar lebend geboren, verenden aber innerhalb weniger Stunden.
  • Eine Stute, die in der Vergangenheit eine EIA-Infektion durchgemacht hat, wird tragend. Da das sich Virus auch nach überstandener Infektion immer noch im Körper der Stute befindet, kann es während der Trächtigkeit auf das ungeborene Fohlen übergehen. Die Infektion des Fohlens führt dann ebenfalls zu einem Abort mit den oben beschriebenen Symptomen.
  • Eine Stute, die in der Vergangenheit eine EIA-Infektion durchgemacht hat, wird tragend. Das Virus infiziert jedoch nicht das ungeborene Fohlen. Das Fohlen wird termingerecht geboren und trägt noch kein Virus in sich. Über die Milch der Stute nimmt es nun aber das EIA-Virus auf und infiziert sich. Diese Fohlen zeigen in der Regel frühestens 6 Wochen und spätestens 4 Monate später klinische Symptome. Diese äußern sich in Fieberschüben und großer Schwäche des Fohlens. An den Beinen und an Bauch und Brust treten Schwellungen auf. Eine Woche nach Auftreten der Symptome verenden die meisten Fohlen.

Diagnose

Die klinischen Symptome erlauben lediglich eine Verdachtsdiagnose. Um eine Infektion mit dem EIA-Virus nachzuweisen, wird eine Blutprobe auf das Vorliegen spezieller Antikörper untersucht, die das körpereigene Abwehrsystem des Pferdes als Antwort auf die Infektion bildet. Dieser Test wurde u.a. von Herrn Coggins entwickelt und heißt daher auch Coggins-Test. Daneben existiert ein weiterer Test zum Nachweis einer EIA-Infektion: Bei ansteckender Blutarmut finden sich im Blut besondere Blutzellen, die so genannten Sideroleukozyten, die vom Pferd als Antwort auf den Erreger gebildet werden. Diese lassen sich im Blutausstrich nachweisen.

Behandlung

Es gibt weder eine Behandlungsmethode noch eine Schutzimpfung gegen die ansteckende Blutarmut. Wird die Erkrankung nachgewiesen, so müssen die Pferde aufgrund tierseuchenrechtlicher Bestimmungen sofort getötet werden.

Prognose

Es ist bekannt, dass Pferde, die einmal mit dem Virus infiziert wurden, jederzeit bei Stress erkranken können. Das betrifft auch Pferde, die bis dahin ohne klinische Symptome infiziert waren oder bei denen die Symptome jahrelang nicht mehr aufgetreten sind. Daher ist die Erkrankung an sich unheilbar. In Deutschland werden zudem alle Pferde, bei denen eine Infektion nachgewiesen wurde, getötet.

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahme gegen die Verbreitung der EIA werden durch die „Verordnung zur Bekämpfung der infektiösen Anämie der Einhufer“ gesetzlich geregelt. Wenn in einem Bestand die EIA nachgewiesen wurde, werden alle infizierten Pferde getötet. Der gesamte Bestand wird so lange gesperrt, bis von amtlicher Stelle festgestellt wurde, dass der Bestand wieder frei von der ansteckenden Blutarmut ist.

Die Einfuhr von infizierten Pferden soll durch ein Gesundheitsattest verhindert werden: Nur Pferde, die während der letzten 3 Monate gesund waren, durchgehend in einem Bestand gehalten wurden und bei denen im Coggins-Test keine Antikörper gegen die EIA-Viren nachgewiesen wurden, dürfen nach Deutschland einreisen.

Durch weitere Maßnahmen kann der Pferdehalter selber sein Pferd vor einer EIA-Infektion schützen:

Da die Infektion hauptsächlich über blutsaugende Insekten übertragen wird, kann man sein Pferd mit Mückenschutzmaßnahmen (Decken und Mückenschutzpräparate) schützen. Außerdem sollte man vermeiden, Sattelzeug und Bürsten für verschiedene Tiere zu benutzen. Wasseransammlungen auf Weideflächen können als Brutstätte für Insekten dienen und so die Insektendichte erhöhen. Daher sollten Drainagen für einen raschen Ablauf von Wasser sorgen. Es empfiehlt sich, importierte Pferde aus gefährdeten Gebieten vorsichtshalber in Quarantäne zu halten.

Im Falle eines Seuchenausbruchs müssen Stallungen und Gerätschaften gründlich gereinigt und desinfiziert werden.

ACHTUNG

Die ansteckende Blutarmut ist eine anzeigepflichtige Erkrankung. Das bedeutet, dass bereits der Verdachtsfall unverzüglich dem Veterinäramt gemeldet werden muss.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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