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Pferd: Endometritis

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Entzündung der Gebärmutterschleimhaut

Die Gebärmutter (Uterus) des Pferdes besteht aus dem Gebärmutterkörper, der nach vorne in zwei Gebärmutterhörner übergeht.

Der Gebärmutterkörper ist über den Gebärmutterhals (Zervix) mit der Scheide verbunden. Während der Rosse und bei der Geburt ist der Gebärmutterhals offen, die übrige Zeit ist seine Öffnung stark verengt und stellt im Normalfall einen wirksamen Schutz gegenüber Keimen dar, die in die Scheide eingedrungen sind.

In die Spitzen der Gebärmutterhörner münden die Eileiter, die das Ei nach erfolgtem Eisprung vom Eierstock in die Gebärmutter transportieren. Im Eileiter findet auch die Befruchtung des Eis mit den Samenzellen statt. Die Gebärmutter mit Eileitern und Eierstöcken ist über das breite Mutterband ähnlich einer Hängematte an der seitlichen Bauchwand aufgehängt. Das breite Mutterband ist eine dünne, aber feste Haut. So ist die Gebärmutter zwar etwas beweglich und kann sich während der Trächtigkeit auch ausdehnen, die Beweglichkeit ist aber begrenzt, um Verdrehungen usw. zu vermeiden. Im Mutterband laufen auch die versorgenden Blutgefäße der Organe.

Abb. GQDF61ZX
Abb. GQDF61ZX: Schemazeichnung der Geschlechtsorgane der Stute.

Das Innere der Gebärmutter ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet, der Gebärmutterschleimhaut ( Endometrium). Diese erfüllt wichtige Funktionen im Rahmen der Trächtigkeit. Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut ist zyklischen Schwankungen unterworfen, die durch die Geschlechtshormone geregelt werden. So bereitet das Östrogen, das während der Rosse von dem Follikel auf dem Eierstock gebildet wird, die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor. Progesteron, das nach dem Eisprung vom Gelbkörper auf dem Eierstock gebildet wird, sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut die Trächtigkeit aufrecht erhalten kann. Auch die Gebärmutter selbst bildet Hormone: Wenn keine Trächtigkeit stattfindet, bildet das Endometrium Prostaglandin. Das Prostaglandin führt dazu, dass der Gelbkörper auf dem Eierstock abgebaut wird und macht so den Weg für eine erneute Rosse frei. Wenn die Eizelle jedoch erfolgreich befruchtet wurde, so wandert sie bis etwa zum 16. Tag nach dem Eisprung durch die Gebärmutter, bevor sie sich einnistet. Durch dieses Signal „weiß“ das Endometrium, dass eine Trächtigkeit vorliegt und bildet kein Prostaglandin. Der Gelbkörper bleibt erhalten und produziert weiter Progesteron. Ab dem 40. bis zum 120. Trächtigkeitstag setzt die Gebärmutter zudem das "pregnant mare serum gonadotropine" (PMSG oder eCG) frei, dass ebenfalls zum Erhalt der Trächtigkeit beiträgt.

Ursachen

Eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut wird auch Endometritis genannt. Beim Pferd unterscheidet man die akute und die chronische Endometritis.

Eine akute Endometritis wird normalerweise durch Erreger verursacht, die über die Scheide in die Gebärmutter aufsteigen und dort unter günstigen Vorraussetzungen eine Entzündung hervorrufen. Meist wird das Eindringen der Keime durch Hilfsfaktoren wie Schwergeburt, mangelhaften Schamschluss, Pneumo- oder Urovagina oder mangelnde Besamungshygiene begünstigt. Häufig handelt es sich bei den Erregern um überall vorkommende Bakterien oder (selten) Pilze, die nur unter bestimmten Vorraussetzungen eine Erkrankung hervorrufen können (z.B. so genannte potenziell pathogene Bakterien wie Pseudomonaden, Klebsiellen, E.coli, Streptokokken). Daneben gibt es aber auch Keime wie den Erreger der ansteckenden Gebärmutterentzündung, die gezielt eine Entzündung der Gebärmutter verursachen.

Nun besitzt die Gebärmutter in der Regel gut funktionierende Abwehrmechanismen, die eingedrungene Keime wirkungsvoll bekämpfen und so zur Selbstreinigung der Gebärmutterhöhle führen. Bei älteren, mehrfach tragend gewesenen, kranken oder bei besonders empfänglichen Stuten kann diese Abwehr nicht ausreichend sein. Auch besonders aggressive Keime können die Abwehr überwinden. Die Keime können sich dann vermehren, ihre krankmachende Wirkung entfalten und zur Entzündung führen. Eine akute Endometritis ist gekennzeichnet durch eine Flüssigkeitsansammlung in der Gebärmutterhöhle. Meistens geht die Entzündung auch auf die Schleimhaut der Scheide über.

Besteht die Endometritis unbehandelt über längere Zeit, kann sie in die chronische Form übergehen. Bei dieser fehlen meist die klinischen Anzeichen. Es wird keine Flüssigkeit mehr gebildet und häufig sind auch keine Erreger mehr nachweisbar. Ein Alarmsignal bleibt allerdings bestehen: Eine Stute mit einer Endometritis wird nicht tragend. Häufig geht die chronische Endometritis auch mit weiteren Funktionsstörungen der Gebärmutter einher, z.B. mit einer Endometrose.

Ansteckung

Erreger können beim Deckakt oder bei der Besamung übertragen werden. Eine gute Besamungshygiene minimiert die Menge der übertragenen Keime.

Leitsymptom

Symptome

Stuten mit einer Endometritis können nicht tragend werden und kommen nach der Bedeckung oder Besamung regulär oder sogar etwas verfrüht wieder in Rosse.

Eine akute Entzündung erkennt man an wässrigem bis eitrigem Scheidenausfluss. Angetrockneter Schleim klebt häufig auch an der Schweifunterseite und an den Schenkeln.

Abb. GQDFKWFH
Abb. GQDFKWFH: Eitriger Scheidenausfluss.

Die Schleimhaut des Gebärmutterhalses ist gerötet. Der Gebärmutterhals kann schlaff und etwas geöffnet sein. In der Gebärmutterhöhle sammelt sich Flüssigkeit, die meistens trübe bis eitrig ist. Die Gebärmutter kann vergrößert und schlaff sein.

Bei einer länger bestehenden Endometritis kann der Scheidenausfluss komplett verschwinden. Chronische Entzündungen sind rein äußerlich gar nicht wahr zu nehmen. Einziges Anzeichen ist dann das wiederholte Ausbleiben einer Trächtigkeit.

Diagnose

Es stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, um das Innere der Gebärmutter genauer zu untersuchen:

  • Rektale Untersuchung: Der Tierarzt geht mit dem Arm in den Darm des Pferdes ein. Da der Darm im Pferd etwas beweglich aufgehängt ist und die Gebärmutter genau unter dem Darm liegt, kann er mit der Hand die Gebärmutter befühlen. Dabei untersucht er Größe, Symmetrie und Konsistenz des Organs.
  • Ultraschalluntersuchung : Bei diesem Verfahren führt der Tierarzt ähnlich der rektalen Untersuchung mit dem Arm eine Ultraschallsonde in den Darm des Pferdes ein. Mit einem Ultraschallkopf wird die Gebärmutter abgefahren. Der Ultraschallkopf sendet Schallwellen aus und fängt deren Echo auf. Daraus wird ein schwarzweißes Bild von der Gebärmutter erzeugt. Bei einer akuten Endometritis findet man Flüssigkeit in der Gebärmutterhöhle. Klare Flüssigkeit stellt sich schwarz dar, eitrige Flüssigkeit weist dagegen helle Griesel auf.
  • Vaginale Untersuchung: Mit Hilfe eines Spekulums wird die Schamspalte der Stute gespreizt, so dass die Schleimhaut der Scheide und des Gebärmutterhalses beurteilt werden kann. Farbe, Glanz und Flüssigkeitsansammlungen werden beurteilt. Zusätzlich wird der Öffnungsgrad des Gebärmutterhalses bestimmt.
  • Tupferprobe: Hierzu wird ein Wattetupfer über die Scheide und den Gebärmutterhals in die Gebärmutter eingebracht, um dort etwas Flüssigkeit aufzunehmen. Der Tupfer wird in einem geeigneten Transportmedium in ein Labor geschickt. Dort werden die Bakterien oder (selten) Pilze bestimmt, die sich in der Gebärmutter befinden. Im Labor wird zudem meist ein Resistenztest gemacht. Mit diesem wird geprüft, welches Antibiotikum in der Lage ist, die gefundenen Bakterien sicher abzutöten und welches sich nicht eignet, weil die Bakterien dagegen resistent sind.
  • Gewebeprobe (Biopsie): Eine chronische Endometritis kann mit den bisher beschriebenen Verfahren nicht sicher diagnostiziert werden. Für ihren Nachweis wird mit einer Biopsiezange ein reiskorngroßes Stück der Gebärmutterschleimhaut abgekniffen. Das geht am stehenden Pferd normalerweise ohne Sedation. Die Probe wird in einer Lösung fixiert (haltbar gemacht) und in ein Labor für Histopathologie eingesendet. Dort wird eine histologische Untersuchung durchgeführt, das bedeutet, dass die Zellen, aus denen sich das Gewebe zusammensetzt, näher untersucht werden. So erhält man Aufschluss über die Art und den Grad der vorliegenden Veränderungen. Bei der chronischen Endometritis wird man beispielsweise Entzündungszellen finden. Seit einigen Jahren existiert ein Beurteilungsschema für Endometriumbiopsien, so dass anhand der Befunde eine Prognose für eine erneute Trächtigkeit gestellt werden kann.

Abb. GQDFSAD5
Abb. GQDFSAD5: Spekulum.
Farbe und Feuchtigkeit der Scheidenschleimhaut sowie Flüssigkeit und Öffnungsgrad des Gebärmutterhalses können beurteilt werden. Gewebeproben und Tupferpoben lassen sich so entnehmen.

Behandlung

Eine Entzündung der Schleimhaut wird mit einem Antibiotikum oder einem Pilzmittel behandelt. Je nach Ausmaß der Erkrankung und Art des Erregers kann es nötig sein, die Stute systemisch, also über den Blutkreislauf, und/oder lokal, also direkt in der Gebärmutter zu behandeln. In einigen Fällen muss die Gebärmutter gespült werden (Gebärmutterlavage). Dazu wird Kochsalzlösung oder eine milde desinfizierende Lösung über einen Schlauch in die Gebärmutter eingebracht und wieder abgelassen. Es kann auch sinnvoll sein, die Gebärmutter medikamentell zu Kontraktionen anzuregen, damit sie die Entzündungsflüssigkeit ausstößt.

Begleiterkrankungen wie mangelhafter Schamschluss und Pneumo- bzw. Urovagina werden operativ behoben.

Abb. GQDFWCSE
Abb. GQDFWCSE: Scheidenplastik nach Caslick.
Bei dieser Operation wird die Schamspalte teilweise verschlossen, um so den Schamschluss wieder herzustellen.

Prognose

Eine akute Endometritis ist mit einem geeigneten Antibiotikum in der Regel gut behandelbar. Bei Problemstuten allerdings, deren Abwehrfunktion der Gebärmutter generell vermindert ist, kann es schwierig bis beinahe unmöglich sein, die Endometritis in den Griff zu bekommen.

Vorbeugung

Es empfiehlt sich, jede Stute vor der Belegung mittels einer Tupferprobe bakteriologisch untersuchen zu lassen. So lässt sich eine bakterielle Besiedelung der Gebärmutter frühzeitig erkennen und gezielt behandeln. Häufig wird das auch von den Zuchtverbänden gefordert.

Stuten, die bereits eine Zuchtsaison hinter sich haben, also schon mit Keimen in Berührung gekommen sind, sollten zumindest beim Freisprung immer vor dem ersten Deckakt getupfert werden. Hat diese Stute nämlich unbemerkt bereits eine Endometritis entwickelt, so könnte sie beim Deckakt Keime auf den Hengst übertragen, die dieser wiederum weiter gibt.

Bei Stuten, die nicht bei der ersten Bedeckung/Besamung aufnehmen, muss in jedem Fall eine Tupferprobe durchgeführt werden.

Tipps

Eine Tupferprobe lässt sich besonders einfach während der Rosse durchführen, da der Gebärmutterhals in dieser Phase geöffnet ist.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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04.01.2014: Thor
Nichts für ungut, aber der der die Zeichnung ganz oben erstellte, hatte wirklich keine Ahnung von Anatomie. Die "Scheide" ist der Scheidenvorhof und die Harnröhre mündet nicht kurz vor dem Muttermund - hmmmmm

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