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Pferd: Einschuss

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Phlegmone, eitrige Unterhautentzündung

Ein Einschuss, in der Fachsprache Phlegmone genannt, ist eine Entzündung des Unterhautbindegewebes. Das Unterhautbindegewebe ist eine lockere Gewebeschicht, die unter der derberen Haut liegt. Das Unterhautbindegewebe ist auch dafür verantwortlich, dass die Haut auf ihrer Unterlage verschoben werden kann. Bei einer Entzündung kann das Unterhautbindegewebe aufgrund seiner lockeren Struktur enorm anschwellen.

Abb. GQDDXU7A
Abb. GQDDXU7A: Die Haut.
Schemazeichnung

Ursachen

Ein Einschuss entsteht durch eine Verletzung, die bis ins Unterhautbindegewebe reicht. Meistens handelt es sich bei der Verletzung um einen Einstich durch einen spitzen Gegenstand wie z.B. einen Ast, Draht oder eine Forke. Aber auch Abschürfungen und andere kleine Verletzungen können zu einem Einschuss führen. Durch die Verletzung gelangen Bakterien ins Unterhautbindegewebe. Diese Bakterien sind auf der gesunden Haut jedes Pferdes zu finden. Auch in der Umgebung des Pferdes sind immer Bakterien vorhanden. Normalerweise bereiten diese Bakterien keine Probleme. Auf Wundflächen vermehren sich Bakterien aber sehr stark. Besonders in tiefen Wunden unter Sauerstoffabschluss bilden sich sehr schnell sehr viele Bakterien, die das Gewebe zusätzlich schädigen. Der Körper reagiert auf den Gewebeschaden und die Bakterien mit einer meist eitrigen Entzündung. Ziel der Entzündung ist eigentlich die Bekämpfung der Bakterien und die Heilung des Gewebes. Manchmal allerdings schafft der Körper es nicht, alle Bakterien sicher zu beseitigen. In dem Fall können die Bakterien von der Wunde aus über die Blutbahn und die Lymphgefäße den gesamten Körper überschwemmen. Man spricht dann von einer Septikämie.

Leitsymptom

  • Schwellung
  • Lahmheit
  • Fieber

Symptome

Eine Unterhautentzündung kann sich innerhalb weniger Stunden nach einer Verletzung entwickeln. Meistens tritt der Einschuss an den Beinen auf. Die Verletzung kann so klein sein, dass man sie gar nicht mehr findet, weil der Einstichkanal bereits wieder verklebt ist. Das Pferd fällt durch Schlappheit auf, häufig hat es Fieber. Der Bereich der Phlegmone ist großflächig angeschwollen, warm und schmerzempfindlich. Meistens sind die Pferde lahm. Wenn sich die Bakterien im Körper des Pferdes ausbreiten, werden Fieber und Mattigkeit stärker. Aus einem Einschuss kann auch ein Abszess hervorgehen.

Diagnose

Die Diagnose lässt sich durch das klinische Bild stellen.

Abb. GQDE4EL7
Abb. GQDE4EL7: Einschuss am linken Hinterbein.

Behandlung

Die bakterielle Infektion wird mit einer systemischen Antibiose behandelt. Am Ort der Entzündung unterstützt man die Heilung mit folgenden Maßnahmen:

  • feuchte Wärme, z.B. durch einen Angussverband mit warmen, desinfizierenden Lösungen
  • trockene Wärme durch einen Watteverband
  • durchblutungsfördernde Einreibungen
  • entzündungshemmende Packungen
  • maßvolle Bewegung bei Fieberfreiheit

Prognose

Meistens heilt ein Einschuss problemlos ab. Die Entzündung zieht sich entweder zurück oder es bildet sich ein Abszess, der nach Eröffnung ebenfalls abheilt. Wenn ein Einschuss jedoch nicht rechtzeitig behandelt wird und sehr lange besteht, kann sich zusätzliches Bindegewebe bilden. Die Schwellung bleibt dann dauerhaft erhalten und man spricht von einem so genannten Elefantenbein.

Abb. GQDIHCO0
Abb. GQDIHCO0: Elefantenbein.

Vorbeugung

Boxen, Stallgasse, Reitbahn, Zäune, Weiden müssen regelmäßig auf spitze Gegenstände oder losen Draht kontrolliert werden. Stacheldraht hat auf Pferdeweiden nichts verloren!!!

Auch die Beine des Pferdes sollten nach der Arbeit auf Verletzungen überprüft werden.

Tipps

Bei leichten Schürfwunden der Haut lässt sich das Ausmaß der Verletzung auch durch den Laien gut beurteilen. Sobald die Wunde aber tiefer ist und die Haut durchtrennt wurde, muss man wissen, welche Strukturen im Verletzungsbereich liegen. Nur so kann man abschätzen, ob Sehnen, Sehnenscheiden, Gelenke oder Nerven möglicherweise ebenfalls verletzt wurden. Je tiefer eine Wunde ist, desto schwieriger ist es, das Ausmaß der Gewebezerstörung zu beurteilen. Daher sollten Verletzungen, die zu einer Durchtrennung der Haut geführt haben, immer einem Tierarzt vorgestellt werden.

ACHTUNG

Jede Verletzung birgt das Risiko einer Infektion mit dem Erreger des Tetanus. Daher Schutzimpfung nicht vergessen!

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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