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Pferd: Eierstockerkrankungen und Eierstocktumoren

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Erkrankungen der Ovarien, Ovartumoren

Die Stute besitzt zwei Eierstöcke. Auf ihnen findet die Eireifung statt. Ein reifes Ei befindet sich in einem flüssigkeitsgefüllten Bläschen, das als Follikel bezeichnet wird. Beim Eisprung reißt das Bläschen auf und das Ei „schwimmt“ in der Flüssigkeit in den Eileiter.

Abb. GQDDCV2I
Abb. GQDDCV2I: Schemazeichnung der Geschlechtsorgane der Stute.

Der Tierarzt kann bei der rektalen Untersuchung feststellen, ob sich Follikel auf den Eierstöcken befinden und in welchem Reifegrad diese sind. Er beurteilt dazu die Größe und Konsistenz der Follikel. So versucht der Tierarzt, den optimalen Zeitpunkt für eine Bedeckung bzw. Besamung herauszufinden. Um den Zeitpunkt des Eisprungs möglichst genau vorhersagen zu können, kann es nötig sein, die Stute mehrmals zu untersuchen bzw. eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke durchzuführen.

Ein reifer Follikel bildet das Hormon Östrogen, das für die Ausprägung der Rosse-Erscheinungen maßgeblich verantwortlich ist. Östrogen trägt auch dazu bei, die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vorzubereiten.

Nach dem Eisprung wird das Ei über den Eileiter in die Gebärmutter transportiert.

Der Bereich auf dem Eierstock, auf dem der Follikel gesessen hat (Follikelhöhle), füllt sich mit Blut und wandelt sich in einen Gelbkörper um. Der Gelbkörper bildet das Hormon Progesteron, das für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit eine wichtige Rolle spielt.

Follikel und Gelbkörper nennt man auch Funktionskörper, da sie wichtige Funktionen im Zyklus übernehmen.

Ursachen

An den Eierstöcken treten verschiedene Erkrankungen auf:

  • Eierstocktumoren: Tumoren sind Zellwucherungen. Die Tumorzellen vermehren sich schneller und ungebremster als normale Körperzellen, so dass die Wucherung schnell an Größe zunimmt. Eierstocktumoren sind die häufigsten Tumoren bei der Stute. Sie entstehen meist nur auf einem Eierstock. Sie entwickeln sich unabhängig von Alter, Rasse oder Nutzungsart. Meist wachsen sie bereits seit mehreren Monaten, bevor sie entdeckt werden. Es gibt verschiedene Arten von Eierstocktumoren. Sie unterscheiden sich in der Herkunft ihrer Zellen. Am häufigsten treten beim Pferd Granulosazelltumoren auf. Diese bilden das Hormon Testosteron, das ein hengstartiges Verhalten bei der Stute hervorrufen kann. Zudem bewirkt es über einen Regelkreis, dass auch am gesunden Eierstock keine Eireifung mehr stattfindet.
  • Bluterguss am Eierstock (Ovarhämatom): Ein Ovarhämatom tritt dann auf, wenn sich nach dem Eisprung die Follikelhöhle mit unverhältnismäßig viel Blut füllt. Eine zweite Ursache kann sein, dass ein reifes Ei nicht zum Eisprung kommt, sondern sich der Follikel statt dessen direkt mit Blut füllt. Einen Follikel, der nicht aufreißt und folglich auch das Ei nicht freisetzt, nennt man auch anovulatorischer Follikel.
  • Abszesse : Abszesse sind an den Eierstöcken selten. Verursacht werden sie durch eine Infektion mit eiterbildenden Bakterien. Diese sind entweder über das Blut oder aufsteigend aus der Gebärmutter über die Eileiter zu den Eierstöcken gelangt. Theoretisch können die Erreger auch bei einem chirurgischen Eingriff, z.B. einer Follikel- Punktion, zu den Eierstöcken gelangt sein.
  • Funktionsstörungen: Eine Störung der hormonellen Tätigkeit der Eierstöcke hat weitreichende Auswirkungen auf das Verhalten und die Geschlechtsaktivität der Stute. Findet auf den Eierstöcken keine normale Eireifung mit Eisprung statt, fehlen auch die entsprechenden Hormone, die das Zyklusgeschehen steuern. Ursachen für Funktionsstörungen können hormonbildende Eierstocktumoren (s.o.) sein. Daneben kommen verschiedene Formen von Störungen der Follikel- und Gelbkörperbildung vor. Diese werden im Kapitel Störungen im Geschlechtszyklus der Stute näher behandelt.

Ansteckung

Eierstocktumoren, Blutergüsse und Funktionsstörungen sind nicht ansteckend. Ein Abszess hingegen wird von Bakterien hervorgerufen, die theoretisch in der Lage sind, auch andere Organe oder Lebewesen zu infizieren. Es muss im Einzelfall geklärt werden, ob die Erreger über das Blut, über die Eileiter oder durch einen chirurgischen Eingriff zu den Eierstöcken gelangen konnten. Damit kann dann auch das Risiko für eine Ansteckung anderer Tiere oder Menschen abgeschätzt werden.

Leitsymptom

  • Zyklusstörungen
  • Verhaltensstörungen (inkl. Rittigkeitsprobleme)
  • Lahmheit
  • Kolik

Symptome

  • Tumoren: Die Symptome können bei Tumoren sehr unterschiedlich sein. Bei Tumoren, die Hormone bilden, überwiegen Störungen im Geschlechtszyklus und im Verhalten: Der Zyklus kann entweder verlängert oder verkürzt sein oder sogar ganz zum Erliegen kommen (z.B. beim Granulosazelltumor). Die Stuten verhalten sich z.T. aggressiv und hengstähnlich, bei manchen Pferden treten deutliche Rittigkeitsprobleme auf. Führt die Erkrankung zu einer starken Vergrößerung des Eierstocks, so kann das der Stute dauerhaft oder auch nur zeitweise Schmerzen bereiten, die sich in Lahmheit oder Kolik äußern können.
  • Bluterguss: Zu Beginn der Erkrankung können die Stuten Schmerzen zeigen, die aber im weiteren Verlauf nachlassen. Der Zyklus und das Verhalten sind in der Regel nicht verändert, da der zweite Eierstock nicht erkrankt ist und die natürlichen Funktionen aufrecht erhält. Es kommt allerdings vor, dass der Bluterguss, ähnlich wie ein echter Gelbkörper, das Hormon Progesteron bildet. Diese hormonelle Aktivität kann länger anhalten als normal. Dann kommt die Stute nicht zum erwarteten Zeitpunkt wieder in Rosse.
  • Abszess: Eine Stute mit einem Eierstockabszess wird wiederkehrend leichte Schmerzen zeigen, da diese Gebilde meistens sehr groß sind und auf die Umgebung drücken. Weitere Symptome hängen von der Allgemeinerkrankung ab, die zu dem Abszess führte.

Diagnose

Zunächst wird der Tierarzt sich ein Bild von der Krankheitsgeschichte der Stute machen: Was wurde beobachtet? Wie lange bestehen die Symptome? Haben sich im Verlauf der Erkrankungen Änderungen im Verhalten und den Symptomen ergeben? Dazu ist es nützlich, wenn der Tierhalter die Krankengeschichte seines Pferdes gut dokumentiert hat, da sich Erkrankungen dieser Art oft über einen langen Zeitraum hinziehen und schleichend begonnen haben können.

Zur Diagnosestellung werden nach einer kurzen Allgemeinuntersuchung die Eierstöcke vom Darm aus mit der Hand abgetastet. Tumoren, Blutergüsse und Abszesse führen zu einer z.T. erheblichen Größenzunahme des Eierstocks. Durch eine ergänzende Ultraschalluntersuchung kann eine Abgrenzung zwischen den Erkrankungen versucht werden, die aber nicht in jedem Fall gelingen wird.

Häufig ist auch eine Bestimmung der Hormonverhältnisse im Blut sinnvoll. Allerdings wird auch die Hormonuntersuchung nicht in jedem Fall ein eindeutiges Ergebnis liefern und stellt immer nur eine Momentaufnahme dar.

Eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Gebärmutterschleimhaut kann weitere wertvolle Hinweise liefern, da das Gewebe in seinem Aufbau von den Hormonen der Eierstöcke abhängig ist. Ein bestimmtes Gewebemuster spiegelt die Verhältnisse der Hormone wieder und kann so Aufschluss über die Aktivität der Eierstöcke geben.

Behandlung

Bei Eierstocktumoren wird der befallene Eierstock operativ entfernt. Dazu wird in Vollnarkose (eventuell auch unter Sedierung und örtlicher Betäubung) entweder ein Schnitt in der Flanke gesetzt oder eine Längsschnitt in der Mitte des Bauches.

Abb. GX0I7TGI
Abb. GX0I7TGI: Eierstocktumor nach der Entnahme.
So eine Größe kann ein Tumor des Eierstocks relativ schnell erreichen. Man kann sich gut vorstellen, dass allein schon die Größe der Umfangsvermehrung der Stute großes Unbehagen bereitet

Ein Bluterguss bildet sich in der Regel innerhalb weniger Monate von selbst zurück. Sollte die Rosse aufgrund einer verlängerten hormonellen Aktivität des Blutergusses ausbleiben, so kann dies mit einem Medikament behandelt werden.

Ein Abszess kann ebenfalls nur operativ entfernt werden. Dazu wird wie bei einem Eierstocktumor vorgegangen. Liegt zudem eine bakterielle Allgemeinerkrankung vor, so muss diese mit einem Antibiotikum behandelt werden.

Prognose

Nach der Entfernung des tumorös erkrankten Eierstocks normalisieren sich der Zyklus und das Verhalten der Stute in der Regel von selbst. Der zweite Eierstock nimmt seine normale Arbeit wieder auf, wenn die störenden Hormone, die der Tumor gebildet hat, verschwunden sind. Es kann allerdings Monate dauern, bis die Operationsstelle so verheilt ist, dass eine erneute Trächtigkeit sinnvoll ist. Dies gilt gleichermaßen für einen Abszess. Bei diesem hängt die Prognose jedoch zusätzlich entscheidend davon ab, ob man den Abszess gut herausoperieren kann. Wird er nämlich dabei eröffnet und gerät Eiter in die Bauchhöhle, so ist das ein lebensbedrohlicher Zustand für die Stute.

Das Ovarhämatom bildet sich in der Regel von selbst zurück. Es kann jedoch sein, dass der betroffene Eierstock nie wieder aktiv wird. Die Stute kann aber dennoch tragend werden, da der andere Eierstock die Funktion vollständig übernimmt.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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