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Pferd: Druse

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Adenitis equorum, Coryza contagiosa equorum, Lymphadenitis equorum, Stangles, Gourme

Druse ist eine sehr ansteckende Infektionskrankheit der Pferde und Esel. Die Erkrankung wird auch als „Kinderkrankheit“ angesehen, weil vorwiegend Fohlen und Jungpferde bis fünf Jahre erkranken. Aber auch ältere Pferde können betroffen sein.

Ursachen

Die Ursache einer Druse ist eine Infektion mit einem speziellen Bakterium, das in der Fachsprache Streptococcus equi subspezies equi genannt wird.

Das Bakterium wird meistens durch ein infiziertes Pferd in einen Bestand eingeschleppt und verbreitet sich dort sehr schnell. Es werden regelrechte Seuchenzüge in den betroffenen Beständen beobachtet.

Empfängliche Pferde nehmen die Bakterien über die Schleimhäute von Maul und Nase auf. Die Bakterien setzen sich an den Mandeln und an den Lymphknoten von Rachen und Hals fest und vermehren sich dort. Dabei führen sie zu einer ausgeprägten Entzündung. In einem oder mehreren Lymphknoten bilden sich durch Gewebezerfall eitergefüllte Abszesse, die typisch für Druse sind. Betroffen sind meistens die Kehlgangslymphknoten und auch die Luftsacklymphknoten.

Abb. GQCEQJK1
Abb. GQCEQJK1: Lymphknoten des oberen Atemtrakts.
Diese Lymphknoten sind bei Druse häufig entzündet und es bilden sich sogar Abszesse.

Im weiteren Verlauf bleiben die Bakterien entweder auf die Region des oberen Atemtrakts beschränkt oder sie breiten sich weiter im Körper aus und befallen die Lymphknoten anderer Organe. Besonders häufig findet man in diesem Zusammenhang Druseabszesse in den Lymphknoten des Verdauungstrakts. Sie können aber auch in der Lunge, in den Hirnhäuten oder in jedem anderen Organ auftreten.

Ansteckung

Infizierte Pferde scheiden die Bakterien mit dem Nasenausfluss und dem Speichel aus. Auch der Eiter aus den eröffneten Abszessen enthält noch lebende, ansteckungsfähige Bakterien. Empfängliche Pferde können die Bakterien entweder direkt vom einem anderen Pferd übernehmen oder über verunreinigte Gegenstände oder Tränkewasser mit dem sehr ansteckenden Erreger infiziert werden. Die Bakterien können in Wasser vier Wochen überleben und ansteckungsfähig bleiben und auf Gegenständen wie Sätteln oder Holz sogar acht Wochen.

Neben diesen häufigen Ansteckungswegen kann die Ansteckung auch über die Milch infizierter Stuten, beim Deckakt oder über Hautwunden erfolgen.

Leitsymptom

  • Fieber
  • Lymphknotenschwellung
  • Nasenausfluss

Symptome

Nach einer Inkubationszeit von 3 – 8 Tagen ist mit folgenden Krankheitserscheinungen zu rechnen:

Zunächst haben die Pferde Fieber und sind matt. Häufig tritt schleimiger bis eitriger Nasenausfluss auf. Die Kehlgangslymphknoten und häufig auch die Luftsack- und Halslymphknoten sind deutlich schmerzhaft geschwollen und vermehrt warm. Oft strecken die Pferde den Kopf vor, um Schmerzen zu vermeiden. Die vergrößerten Lymphknoten können zu Schluck- und Atembeschwerden führen.

Abb. GQCEVYUL
Abb. GQCEVYUL: Druseabszess.
Bei diesem Pferd hat sich ein Abszess der Luftsacklymphknoten gebildet.

Die weiteren Symptome hängen vom Verlauf der Druse ab. Man kann folgende Formen unterscheiden:

  • Leichte Kehlgangsdruse: Bei der leichten Form der Kehlgangsdruse bleibt die Erkrankung auf die Kehlgangslymphknoten beschränkt und heilt ohne Abszessbildung ab
  • Schwere Kehlgangsdruse: Die schwere Kehlgangsdruse ist die typische Form der Druse. Innerhalb weniger Tage entwickeln sich große Abszesse der Kehlgangslymphknoten. Wenn die Abszesse „reif“ sind brechen sie an der dünnsten Stelle auf und es entleert sich Eiter. Danach geht das Fieber zurück.
  • Die schwere Form kann auch die Luftsacklymphknoten betreffen. In diesem Fall entleert sich der Eiter entweder nach außen oder nach innen in den Luftsack oder den Rachen hinein. Dadurch kann es zu einer eitrigen Entzündung der Luftsäcke und des Rachens mit erschwerter, röchelnder Atmung kommen.
  • Metastatische Form: Die metastatische Form kann sich als Komplikation aus den bereits genannten Druseformen entwickeln, wenn die Bakterien im Körper gestreut werden und innere Organe bzw. die Lymphknoten innerer Organe befallen. Häufig tritt dieser Fall ein, wenn den Pferden nicht ausreichend Ruhe zur Genesung gewährt wird. Die Symptome hängen von den betroffenen Organsystemen ab:
    • Verdauungsapparat: Abszesse treten meistens in den Lymphknoten der Verdauungsorgane auf. Die betroffenen Pferde haben immer wieder leichtes Fieber und magern ab. Einige Pferde entwickeln auch eine Bauchfellentzündung.
    • Tiefe Luftwege: Abszesse finden sich meistens in den Lymphknoten der Lunge. Wenn sie sehr groß sind, können sie schwere Atemnot verursachen. Auch Lungenentzündungen und Brustfellentzündungen können entstehen.
    • Unterhaut: An verschiedensten Stellen können unter der Haut gelegene Lymphknoten betroffen sein und einen Abszess ausbilden.
    • Septikämie: Eine massive Streuung der Bakterien im gesamten Körper tritt häufig bei Fohlen und bei Eseln auf und kann zum Tod führen.
  • Deckdruse: Diese Form tritt bei Stuten nach dem Deckakt mit infizierten Hengsten auf. Es bilden sich Abszesse in den Lymphknoten in der Umgebung der Scham. Dazu gesellt sich eitriger Scheidenausfluss.

Abb. GQCF1N7M
Abb. GQCF1N7M: Eitriger Scheidenausfluss.

Neben den genannten Erscheinungsformen der Druse gibt es noch eine besondere Form, die so genannte Kalte Druse: Bei dieser Form sind die Symptome nur undeutlich ausgeprägt. Fieber und Nasenausfluss können ganz fehlen. Kehlgangsabszesse treten zwar auf, können aber weniger deutlich sein. Solche Pferde werden häufig nicht als Drusepatienten erkannt und können so unbemerkt den Erreger weiter verbreiten. Kalte Druse kann auch im Anschluss an eine andere Druseform entstehen, wenn eine Antibiotika-Behandlung zu spät eingeleitet wurde oder nicht lange genug oder hoch dosiert genug gegeben wurde.

Der Heilungsprozess einer Druseinfektion kann durch das Auftreten typischer Folgeerkrankungen verkompliziert werden. Folgende Erkrankungen treten nach einer Druse relativ häufig auf:

Diagnose

Bei der typischen Kehlgangsdruse kann die Diagnose anhand des klinischen Bildes leicht gestellt werden. Bei Erkrankung der versteckter liegenden Luftsacklymphknoten kann eine Röntgen- oder eine Endoskopie-Untersuchung Hinweise auf eine Vergrößerung der Lymphknoten geben und die Verdachtsdiagnose bestätigen.

In jedem Verdachtsfall sollte eine bakteriologische Untersuchung erfolgen. Dazu wird eine Tupferprobe von der Nasenschleimhaut genommen oder Eiter eines Lymphknotenabszesses gewonnen. Dieses Material wird im Labor auf Drusebakterien untersucht.

Behandlung

Die Behandlung einer Druse kann durch folgende Maßnahmen erfolgen:

  • Stallruhe: Ganz wichtig bei einer Druseinfektion ist absolute Stallruhe für das kranke Pferd. Diese sollte noch mindestens drei Tage nach Fieberfreiheit und letzter Abszessöffnung eingehalten werden.
  • Abszessreifung: Die Abszessreifung kann mit durchblutungsfördernden Einreibungen und warmen Duschen oder Wickeln beschleunigt werden.
  • Spaltung reifer Abszesse, evtl. Spülung der Abszesshöhle über mehrere Tage
  • Antibiose : Der Einsatz von Antibiotika muss im Einzelfall entschieden werden. Solange noch keine Abszesse vorliegen, können Antibiotika eingesetzt werden. Sie müssen dann hoch dosiert und lange gegeben werden. Sobald jedoch bereits Abszesse vorliegen, können Antibiotika die Abszessreifung verzögern und sollten daher nur nach sorgfältiger Überlegung eingesetzt werden.

Abb. GQCF922E
Abb. GQCF922E: Eröffneter Druseabszess.
Eiter fließt aus dem reifen Abszess ab.

Prognose

Bei der typischen Druseform ist die Prognose gut. Bei Komplikationen durch metastatische Verbreitung der Erreger oder bei einer kalten Druse wird die Prognose schon ungünstiger. Schlechter Allgemeinzustand des Pferdes z.B. durch starken Wurmbefall wirkt sich ebenfalls negativ auf die Prognose aus.

Nach überstandener Erkrankung haben die Pferde in der Regel einen mehrjährigen immunologischen Schutz gegen eine erneute Druseinfektion.

Vorbeugung

Gegen Druse wurde ein Impfstoff entwickelt, der seit März 2011 wieder in Deutschland verfügbar ist. Dieser Impfstoff kann bereits ab einem Alter von vier Monaten angewendet werden und wird unter die Oberlippe gespritzt. Nach vier Wochen wird nachgeimpft und dann im Abstand von 3 – 6 Monaten aufgefrischt. Die ständige Impfkommission im Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) rät in ihrer Leitlinie zur Impfung von Pferden dazu, die Druseimpfung nur im Notfall bei stark infektionsgefährdeten Pferden durchzuführen. Als reine Vorsorgemaßnahme wird diese Impfung ausdrücklich nicht empfohlen.

Wenn in einem Bestand Druse auftritt, sollten alle verdächtigen Pferde von den übrigen getrennt werden. Die gesund erscheinenden Pferde sollten sorgfältig überwacht werden. Dazu eignet sich auch das tägliche Fiebermessen.

Grundsätzlich sollte man den engen Kontakt zu Pferden mit unbekanntem Gesundheitsstatus vermeiden.

Tipps

Füttern Sie Ihrem Pferd Weichfutter wie gut eingeweichte Heucobs oder Rübenschnitzel, wenn es an Druse erkrankt ist. Das Schlucken fällt dann leichter. Achten Sie dabei immer darauf, dass alle Pellets aufgelöst sind. Besonders Rübenschnitzel quellen stark auf und können ansonsten zu einer Schlundverstopfung führen.

ACHTUNG

Ein Pferdebestand, in dem Druse aufgetreten ist, ist für den Pferdeverkehr gesperrt. Das bedeutet, dass bis zu drei Wochen nach Genesung des letzten Patienten kein Pferd in den Bestand oder aus dem Bestand verbracht werden darf.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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24.08.2014: AlexDo
Mir wurde gesagt, die Druseerkrankung kann auch "einfach so" ohne Infizierung kommen. Stimmt das? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein gesundes Pferd, dass mit einem ebenso gesunden Pferd zusammen steht und keinen Kontakt zu anderen hat einfach mal so an Druse erkrankt.

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