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Pferd: Das alte Pferd

Allgemeines

Die Frage, wie alt ein Pferd werden kann, lässt sich nicht so leicht beantworten. Viele Pferde werden zu einem bestimmten Zweck, z.B. als Sportpferd oder zur Zucht gehalten. Sobald sie ihren Nutzen nicht mehr erfüllen können werden sie „aussortiert“. Dabei ist ihr biologisches Ende vielleicht noch gar nicht erreicht.

Allgemein kann man sagen, dass das mögliche erreichbare Alter eines Pferdes zum einen von der Rasse abhängt: Viele Ponyrassen können 40 Jahre und älter werden. Warmblüter erreichen oft 30 Lebensjahre und mehr, während Kaltblüter in der Regel eine etwas kürzere Lebenserwartung haben. Zum anderen spielen individuelle Unterschiede wie z.B. die Krankheitsanfälligkeit eine Rolle. Das erreichbare Alter eines Pferdes hängt aber auch von vielen Faktoren ab, die vom Pferdehalter beeinflusst werden können:

  • Ernährung
  • Bewegung
  • Haltung
  • Pflege
  • Gesundheitsvorsorge

Der Pferdehalter hat es also auch mit in der Hand, wie alt sein Pferd wird und ob es fit und gesund sein Rentnerdasein genießen kann.

Ernährung

Die Ernährung eines alten Pferdes stellt besondere Ansprüche an den Futtermeister. Alte Pferde können häufig nicht mehr so gut kauen. Das liegt daran, dass die Zähne irgendwann abgenutzt sind. Die Backenzähne des Pferdes, die für das Kauen verantwortlich sind, werden ständig aus dem Kiefer nachgeschoben und werden durch den Kauvorgang wieder abgerieben. Das ist aber nur eine begrenzte Zeit möglich, weil die Zähne nur eine bestimmt Länge haben. Irgendwann sind die Zähne fast vollständig herausgeschoben. Ihre Kaufläche ist dann nicht mehr rau und geriffelt, sondern glatt, so dass sie besonders harte Fasern nicht mehr so gut zerkleinern können. Irgendwann beginnen die Zähne auch zu wackeln und fallen aus. Häufig bilden sich bei alten Pferden auch Wellen- oder Stufengebisse, wie im Kapitel Zahnkanten nachzulesen ist.

Probleme beim Kauen erkennt man daran, dass die Pferde beim Fressen von Raufutter und Gras Wickel bilden und diese dann ausspucken.

Abb. GQCDGKIW
Abb. GQCDGKIW: Futterwickel.
Bei Pferden mit Kauproblemen findet man bei genauem Hinsehen längliche Heuwickel in der Einstreu.

Außerdem kann man schlecht zerkleinerte Fasern im Kot finden. Auch das Kauen von ganzen Getreidekörnern kann Schwierigkeiten bereiten. Diese findet man dann wiederum komplett im Kot. Die Pferde können das schlecht zerkleinerte Futter nicht verwerten und magern ab.

Sobald man beobachtet, dass das Pferd abnimmt oder an Kondition verliert, Wickel kaut oder Durchfall entwickelt, sollte man die Zähne kontrollieren lassen und ggf. das Futter umstellen. Es ist nämlich schwierig, ein altes Pferd wieder rund zu füttern, wenn es erstmal stark abgenommen hat.

Für ein altes Pferd ist die ausreichende Versorgung mit Raufutter genauso wichtig wie für jedes andere Pferd. Allgemeines zum Thema Fütterung finden Sie in dem gleichnamigen Artikel.

Raufutter sollte also nach wie vor die Grundlage der Ration ausmachen. Zur Fütterung alter Pferde, die nicht mehr so gut kauen können, eignen sich gut eingeweichte Heucobs. Das ist zerkleinertes Wiesenheu, das zu großen Pellets geformt wurde. Heucobs sollten zu jeder Mahlzeit, also mindestens dreimal täglich gefüttert werden und jedes Mal frisch eingeweicht werden, um Gärprozesse zu verhindern. Ungenügend eingeweichte Heucobs können zu Schlundverstopfung führen. Die Menge der gefütterten Heucobs beträgt je nachdem, ob das Pferd noch anderes Raufutter verwerten kann zwischen 0,5 und 1,5kg Trockengewicht/100kg Körpergewicht. Wenn das Pferd auf der Weide gehalten wird, kann die Menge an Heucobs u.U. reduziert werden, da alte Pferde das weiche Gras meistens besser kauen und verwerten können als Heu. Zusätzlich zu den Heucobs sollten weiterhin Heu und Stroh angeboten werden, um das Pferd zu beschäftigen.

Begleitend zum Raufutter sollte man einem alten Pferd leicht verwertbares Kraftfutter füttern. Das können Quetschhafer, Müslifutter für Senioren oder Kraftfutterpellets (evtl. eingeweicht) sein. Ergänzt werden kann die Ration durch Pflanzenöl (Energieträger), gekochten Leinsamen und Kleie, z.B. als Mash (regulieren die Verdauung), eingeweichte Zuckerrübenschnitzel (liefern schnelle Energie) und Mineralfutter.

Es ist besonders wichtig, einem alten Pferd viel Zeit und Ruhe zum Fressen zu gewähren. Wenn es in einer Gruppe gehalten wird, muss gewährleistet sein, dass es ausreichend fressen kann und dabei sicher vor neidischen Kollegen ist.

Bewegung

Gleichmäßige Bewegung ist gerade für ein altes Pferd sehr wichtig. Die Gelenke haben häufig Arthrosen und müssen daher ständig bewegt werden, um geschmeidig zu bleiben. Das gilt auch für Pferde mit Spat oder Schale. Auch die Muskeln müssen trainiert werden, damit sie nicht abgebaut werden. Ganztägiger Auslauf ist daher für ein altes Pferd sehr wünschenswert. Es spricht auch nichts dagegen, ein altes Pferd weiterhin regelmäßig zu reiten. Allerdings muss die Bewegung der Kondition des Pferdes angepasst sein. Überforderung führt häufig zu Lahmheiten. Außerdem muss man auch an die Sicherheit des Reiters denken: Wenn ein Pferd viel stolpert oder ernste gesundheitliche Probleme wie Herzerkrankungen hat, so ist die reiterliche Nutzung stark eingeschränkt oder sogar unverantwortlich.

Haltung

Ein Pferd bleibt umso gesünder, je besser es gehalten wird. Allgemeines zum Thema Haltung finden Sie in dem gleichnamigen Artikel. Chronische Atemwegserkrankungen wie die COB sind ein häufiger Befund bei älteren Pferden, die überwiegend im Stall gehalten wurden und vermehrter Staubentwicklung ausgesetzt waren. Solche „Sünden“ aus der Jugend kann man im Alter natürlich nicht rückgängig machen. Man kann aber versuchen, seinem Senior das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Dazu gehören viel natürliches Licht, kein Staub (evtl. auf Späne stellen, Heu anfeuchten oder Silage füttern) und Vermeidung von Schadgasen aus der Einstreu. Ein altes Pferd wird -wie jedes andere Pferd auch- am besten so viel wie möglich draußen gehalten. Dabei müssen natürlich die Bedingungen für eine ganztägige oder ganzjährige Weidehaltung gegeben sein (z.B. Witterungsschutz, Wasserzugang).

Wichtig ist auch, Stress soweit wie möglich zu vermeiden. Ein altes Pferd ist an seine Umgebung, seine Stallgenossen und einen festen Fütterungsplan gewöhnt. Besonders wichtig ist eine stabile Rangordnung in einer Herdenformation. Alte Pferde sind häufig eher rangniedrig und finden sich auch problemlos damit ab. Jedes neue Pferd in der Herde mischt die anderen auf und es muss sich erst wieder eine stabile Rangordnung bilden. Das verursacht besonders bei alten Pferden viel Stress.

Pflege

Pflegerische Maßnahmen dürfen auch bei einem alten Pferd nicht zu kurz kommen. Die Hufe müssen weiterhin täglich gereinigt und alle 6 – 8 Wochen von einem Schmied bearbeitet werden.

Auch der Fellpflege kommt eine besondere Bedeutung zu: Manche ältere Pferde sind anfälliger für Hauterkrankungen wie Mauke und haben eher unter Parasiten wie Milben oder Haarlingen zu leiden. Möglicherweise ist das auch der Fall, weil ältere Pferde manchmal nicht mehr so intensiv betreut werden.

Viele Pferde entwickeln im Alter das Cushing-Syndrom und haben Probleme beim Fellwechsel. Diese Pferde müssen u.U. geschoren werden. Auch über das Eindecken im Winter und bei Regen muss nachgedacht werden, wenn die Pferde zu Haut- und Haarproblemen neigen.

Abb. GQCDEEO0
Abb. GQCDEEO0: Altes Pferd mit Cushing-Syndrom.
Dieses alte Pferd hat überlanges Fell und ist zudem sehr mager. Muskulatur ist kaum noch zu sehen.

Gesundheitsvorsorge

Die Gesundheitsvorsorge umfasst grundsätzlich die Kontrolle der Zähne auf Zahnkanten und andere Zahnerkrankungen, die Behandlung von Wurmbefall und Impfungen. Besonders die Zähne eines alten Pferdes sollten mindestens zweimal im Jahr und zusätzlich bei Verdacht auf Kauprobleme (Wickelkauen, Abmagerung, Fasern und Körner im Kot) untersucht werden. Die Veränderungen am Gebiss älterer Pferde wurden im Abschnitt über Ernährung bereits erläutert. Durch das Ziehen von Zähnen, Begradigung von Stufen- oder Wellengebiss und das Abfeilen von Zahnkanten und -haken lässt sich die Kaufähigkeit oftmals wieder verbessern.

ACHTUNG

Vorsicht mit der Fütterung von Äpfeln, Möhren und Brot bei alten Pferden! Wenn diese nicht mehr ausreichend gekaut werden können, können sie zu einer Schlundverstopfung führen.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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