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Pferd: Cushing-Syndrom

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Equines Cushing-Syndrom, ECS, Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, PPID, PID

Das equine Cushing-Syndrom ist die häufigste endokrinologische Erkrankung beim Pferd. Es betrifft überwiegend ältere Pferde ab 15 Jahre. Das Cushing-Syndrom des Pferdes unterscheidet sich ein wenig von der gleichnamigen Erkrankung beim Mensch und beim Hund.

Abb. GQC4OC0O
Abb. GQC4OC0O: Pferd mit Cushing-Syndrom.

Ursachen

Auslöser der Erkrankung ist eine Wucherung eines Teils der Hypophyse. Die Hypophyse lässt sich in die Neurohypophyse und die für das equine Cushing-Syndrom relevante Adenohypophyse unterteilen. Die Adenohypophyse lässt sich wiederum in drei Abschnitte gliedern. Beim Cushing-Syndrom kommt es zu einer Wucherung der Zellen des mittleren Abschnitts, auch Pars intermedia genannt.

Die Adenohypophyse produziert eine Menge verschiedener Hormone, die u.a. Wachstum und Geschlechtszyklus mitregulieren. In der Pars intermedia wird überwiegend ein so genanntes Vorläuferhormon gebildet, das POMC genannt wird. Bei Pferden mit einer Wucherung der Pars intermedia wird viel mehr POMC gebildet als bei normalen Pferden. Aus dem POMC entstehen durch Spaltung verschiedene Hormone. Das bedeutendste Spaltprodukt ist das ACTH. ACTH ist bei Pferden mit Cushing deutlich erhöht.

ACTH hat die Aufgabe, die Nebennierenrinde zur Bildung von Cortisol anzuregen. Cortisol ist das so genannte „Stresshormon“. Es setzt den Körper in Alarmbereitschaft, indem es u.a. den Blutzuckerspiegel erhöht. Zucker kann in den Muskelzellen besonders schnell in Energie umgewandelt werden. Das ist wichtig, wenn das Pferd als Fluchttier schnell fliehen muss. Daneben hemmt Cortisol den Aufbau von neuem Muskelgewebe.

Bei Pferden mit Cushing-Syndrom findet sich anders als beim Hund oder Menschen erstaunlicherweise nicht bei jedem Patienten ein erhöhter Cortisolspiegel, den man ja eigentlich durch das vermehrte ACTH erwarten würde. Dennoch scheint das Cortisol aber stärker zu wirken als bei gesunden Pferden. Das mag auch daran liegen, dass die Cortisolmenge bei gesunden Pferden tageszeitlichen Schwankungen unterworfen ist, bei Pferden mit Cushing-Syndrom aber auf einem gleichen Niveau bleibt.

Cortisol kann bei Pferden eine Hufrehe auslösen. Zusätzlich haben Pferde mit Cushing-Syndrom häufig eine Insulinresistenz, die man auch vom equinen metabolischen Syndrom kennt. Das Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und fördert die Aufnahme von Blutzucker in die Zellen. Bei einer Insulinresistenz ist die Aufnahme von Zucker in die Zellen gestört, obwohl hohe Insulinwerte vorliegen. Diese Pferde haben ständig hohe Insulinspiegel und erhöhte Blutzuckerwerte. Erhöhte Blutzuckerwerte führen dazu, dass die Pferde vermehrt Urin ausscheiden und als Folge darauf auch mehr trinken.

Ansteckung

Das Cushing-Syndrom ist nicht ansteckend.

Leitsymptom

langes, lockiges Fell

Symptome

Zu Beginn dieser chronischen Erkrankung fallen Probleme beim Fellwechsel auf: Das lange Winterfell bleibt hartnäckig bestehen, besonders am Unterkiefer und an den Beinen haben die Pferde lange Haare. Schließlich entwickeln die Pferde am gesamten Körper langes, lockiges Fell. Die Pferde schwitzen vermehrt.

Abb. GQC4XB97
Abb. GQC4XB97: Lockiges Fell bei einem Cushing-Patienten.

Es kommt langfristig zu einem Abbau von Muskulatur und gleichzeitig zur Anlage von charakteristischen Fettdepots an Hals und Kruppe. Die Pferde haben einen Senkrücken und einen Hängebauch.

Abb. GQC4YENE
Abb. GQC4YENE: Fetteinlagerung am Mähnenkamm.

Viele Pferde zeigen einen gesteigerten Appetit, sind aber häufig gleichzeitig eher faul. Die Pferde trinken viel und setzen auch mehr Urin ab.

Eine häufige, schwere Begleiterscheinung des Cushing-Syndroms ist die Ausbildung einer Hufrehe. Außerdem neigen die Pferde generell zu Infektionen aller Art. Die Wundheilung verläuft verzögert.

Abb. GQC56MY5
Abb. GQC56MY5: Reheringe.
Dieses Pferd hat eine chronische Hufrehe.

Im Spätstadium können Blindheit und Krampfanfälle auftreten.

Diagnose

Das klinische Bild erlaubt häufig schon eine Verdachtsdiagnose. Durch verschiedene Labortests kann die Diagnose bestätigt werden:

  • Blutuntersuchung auf Zucker, Fette (Triglyzeride), Insulin und Entzündungsparameter
  • Urinuntersuchung
  • Hormonbestimmung im Blut:
    • ACTH: ACTH ist bei Pferden mit Cushing erhöht. Allerdings unterliegt der ACTH-Spiegel im Blut tageszeitlichen (nachmittags niedriger) und jahreszeitlichen (im Herbst höher) Schwankungen, so dass die Ergebnisse in diesem Kontext interpretiert werden müssen. Außerdem ist das ACTH in der Probe nicht stabil, so dass die Probe entweder sehr schnell gekühlt in ein Labor gebracht werden muss oder innerhalb von 2 Stunden zentrifugiert und dann gefroren werden muss.
    • Dexamethason-Suppressionstest: Dieser Test beruht darauf, dass bei gesunden Pferden die Gabe eines Kortisonpräparats (Dexamethason) die körpereigene Cortisolproduktion unterdrückt. Man bestimmt also den Cortisolausgangswert im Blut und den Cortisolwert einige Zeit nach der Dexamethasongabe. Bei Pferden mit Cushing-Syndrom bleibt der körpereigene Cortisolspiegel auch nach Dexamethasongabe unverändert hoch. Es gibt verschiedene Varianten dieses Testverfahrens, bei denen sich der zeitliche Abstand der Probennahme unterscheidet. Auch hier können jahreszeitliche Schwankungen das Testergebnis beeinflussen.
    • Verschiedene weitere Verfahren und kombinierte Tests können ebenfalls wertvolle Hinweise liefern, allerdings gibt es bislang keinen Test, der das equine Cushing-Syndrom hundertprozentig sicher nachweist.
  • Röntgen , Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können hilfreich sein, wenn die Hypophyse deutlich vergrößert ist.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt z.Zt. in erster Linie mit einem Medikament aus der Parkinsontherapie des Menschen, das auch für das Pferd zugelassen ist: Pergolid. Pergolid wirkt wie der körpereigene Botenstoff Dopamin: Es hemmt die Bildung des POMC in der Hypophyse. Pergolid muss lebenslang gegeben werden und die Dosis individuell an den Patienten angepasst werden.

Verschiedene alternative Therapiemöglichkeiten z.B. mit Akupunktur oder dem pflanzlichen Präparat Mönchspfeffer werden ebenfalls beschrieben.

Parallel sollte die Haltung des Pferdes optimiert werden:

  • regelmäßige Entwurmung
  • Impfung zur Infektionsprophylaxe
  • Gewichtskontrolle
  • Scheren des langen Fells
  • hochwertige Futtermittel
  • Futtermittel mit geringem Zuckergehalt füttern (Verzicht auf Karotten, Getreide, melassiertes Futter, nur begrenzter Zugang zu Gras)

Prognose

Das equine Cushing-Syndrom ist nicht heilbar und muss lebenslang behandelt werden. Durch eine Kombination aus Medikamenten und optimierten Haltungsbedingungen kann man aber die Lebensqualität der Pferde deutlich erhöhen.

Tipps

Weichen Sie das Heu 30 Minuten vor dem Füttern in kaltem Wasser ein, das reduziert den Zuckergehalt. Achten Sie auf einen hohen Gehalt an grob strukturierten Halmen im Heu.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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