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Pferd: Chronisch obstruktive Bronchitis (COB)

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Chronic Obstructive Pulmonary Disease, COPD, Recurrent Airway Obstruction, RAO

Eine chronisch-obstruktive Bronchitis (COB) beschreibt eine länger bestehende Verengung der größeren Bronchien und/oder der kleineren Bronchiolen. Man hat diesen Begriff gewählt, um Erkrankungen zusammenzufassen, die zwar verschiedene Ursachen haben können, aber zu den gleichen Symptomen führen. Zunehmend wird auch der Begriff rezidivierende Atemwegsobstruktion (RAO) verwendet. COB ist dem menschlichen Asthma vergleichbar.

Unter dem Begriff COB werden alle Erkrankungen der Atemwege zusammengefasst, auf die alle folgenden Kriterien zutreffen:

  • Husten und/oder
  • vermehrte Schleimproduktion der Atemwege
  • Leistungsabfall
  • KEINE Infektion mit Krankheitserregern wie Viren, Bakterien oder Pilzen
  • Bestehen der Symptome für mehr als 6 Wochen

In Deutschland ist ca. die Hälfte aller Pferde über 14 Jahren mehr oder weniger stark von einer COB betroffen!

Zum besseren Verständnis dieser Erkrankung soll zunächst der Aufbau der Atemwege kurz erklärt werden:

Die sauerstoffreiche Atemluft strömt durch Nüstern, Rachen und Kehlkopf in die Luftröhre. Diese spaltet sich im Brustraum in die zwei Hauptbronchien auf. Im weiteren Verlauf verzweigen sich die Hauptbronchien wie die Äste eines Baumes immer weiter. Zunächst spalten sich die Hauptbronchien in die kleinen Bronchien auf und diese dann in die noch kleineren Bronchiolen. Die Bronchiolen münden in den Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch stattfindet: Das sauerstoffarme Blut gibt Kohlendioxid (CO2) in die Atemluft ab und nimmt wieder Sauerstoff auf.

Luftröhre, Bronchien und Bronchiolen verfügen über verschiedene Mechanismen, mit der Atemluft eingedrungene Fremdkörper wieder zu beseitigen. Man nennt dies auch die Selbstreinigung oder Clearance der Atemwege:

  • Sie sind von einer Schleimhaut ausgekleidet. Diese trägt kleine, bewegliche Härchen, das so genannte Flimmerepithel, das Fremdstoffe mit einer Art synchronem Wellenschlag wieder nach draußen befördern soll.
  • Die Schleimhaut produziert flüssigen Schleim, auf dem die Fremdstoffe nach draußen „schwimmen“ sollen.
  • Die Atemwege sind von Muskulatur umgeben, die sich bei Reizung der Schleimhaut zusammenzieht. Dies löst Husten aus. Die kleinen Bronchiolen können sich so stark zusammenziehen, dass ihr Durchgang vollständig versperrt ist.

Abb. GQC1T0H7
Abb. GQC1T0H7: Atemwege.

Ursachen

Die heutige Haltung unserer Pferde überwiegend im Stall und die Fütterung von minderwertigem Heu haben einen großen Anteil daran, dass so viele Pferde an COB erkranken. Durch die Haltung und Fütterung sind die Pferde vielen Faktoren ausgesetzt, die die Atemwege reizen und schließlich irreversibel schädigen können. Häufige Faktoren sind z.B.

Nun sind fast alle Pferde mehr oder weniger den gleichen Faktoren ausgesetzt, aber nur einige erkranken. Daher wird vermutet, dass die Veranlagung zu einer COB vererbt wird.

Die Faktoren führen einzeln oder in Kombination zu einer Überempfindlichkeit der Atemwege und zu einem Verlust der Selbstreinigungskraft. Im Einzelnen finden folgende Prozesse statt:

  • Bronchospasmus
  • Vermehrte Bildung eines zähen Schleims und Verlust der Flimmerhärchen
  • Schleimhautschwellung

Die verengten Bronchien und Bronchiolen wirken ein bisschen wie ein Ventil: Wenn das Pferd einatmet, kann die Luft in der Anfangsphase der Erkrankung noch relativ leicht in die Lunge strömen. Das Ausströmen der Luft wird aber durch die Ventilfunktion stärker behindert. Daher muss das Pferd zum Ausatmen seine Bauchmuskeln anspannen, um das Ausströmen der Luft aus der Lunge aktiv zu unterstützen. Durch diese Muskelarbeit bildet sich im Laufe der Zeit die so genannte Dampfrinne am Bauch des Pferdes. Wenn die Verengung der kleinsten Atemwege im Verlauf der Erkrankung zunimmt, fällt dem Pferd auch das Einatmen zunehmend schwerer. Es bläht die Nüstern und verstärkt die Rippenatmung, um mehr frische Luft zu bekommen.

Die Ventilfunktion der verengten kleinen Atemwege hat aber noch eine Folge: Nach jedem Einatmen bleibt ein kleiner Rest Luft in der Lunge zurück, der nicht wieder abgeatmet wird. Im Laufe der Zeit werden die kleinen Lungenbläschen immer weiter mit Luft gefüllt und überdehnt. Schließlich können sie auch platzen. Dieser Prozess kann nicht wieder rückgängig gemacht werden. Man spricht auch von einem Lungenemphysem. Ein Lungenemphysem bildet sich zunächst nur in einem kleinen Gebiet der gesamten Lunge. Wenn größere Teile der Lunge von dem Emphysem betroffen sind, leidet das Pferd verstärkt unter Atemnot, denn in diesen Bereichen kann kein Gasaustausch mehr stattfinden. Pferde mit einem Lungenemphysem werden auch als „dämpfig“ bezeichnet. Dämpfigkeit zählte vor der Reform des Verkaufsrechts zu den Gewährsmängeln.

Leitsymptom

  • Husten
  • Atemnot
  • Leistungsabfall

Symptome

Die Symptome bei einer COB können zunächst sehr unauffällig sein: Die Pferde husten vereinzelt, haben vielleicht leichten, schleimigen Nasenausfluss und sind nicht so leistungsstark wie gewohnt. Erst bei einer ausgeprägten COB findet man die typischen Symptome wie

  • krampfartige Hustenanfälle
  • wässriger bis weißlicher Nasenausfluss
  • Dampfrinne
  • Nüsternblähen
  • Rippenatmung
  • Atemnot

Pferde, die unter ausgeprägter Atemnot leiden, haben häufig einen leidenden Gesichtsausdruck. Sie fressen kaum noch und verlieren an Gewicht.

Diagnose

Um die Diagnose COB stellen zu können, müssen zunächst andere Erkrankungen wie z.B. Influenza oder ganz generell eine Bronchitis (Pferdehusten-Komplex) ausgeschlossen werden. Krankengeschichte und Haltungsbedingungen geben einen Hinweis auf eine COB.

Der Tierarzt wird das Pferd abhorchen und evtl. auch das Lungenfeld durch Perkussion bestimmen, welches bei einem Emphysem erweitert ist.

Es gibt verschiedene weiterführende Untersuchungen, die im Einzelfall die Diagnose COB stützen können:

Abb. GQC28WUA
Abb. GQC28WUA: Endoskopie der Luftröhre.
Die Abbildung zeigt eine normale Luftröhre.

Abb. GQC2A5QH
Abb. GQC2A5QH: Endoskopie der Luftröhre.
In dieser Abbildung sieht man übermäßig viel Schleim in der Luftröhre.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt in erster Linie durch Haltungsverbesserungen und kann durch Medikamentengabe unterstützt werden.

Haltungsoptimierung

  • ganzjährige Weidehaltung
  • gute Belüftung im Stall (Keine Zugluft)
  • Außenbox
  • häufiger Einstreuwechsel zur Reduzierung von Schadgasen
  • ausreichende Bewegung verflüssigt den Schleim
  • Vermeidung aller Art von Staub:
    • Anfeuchten von Heu oder Umsteigen auf Grassilage/Heulage (Anwelksilage)
    • Anfeuchten von Kraftfutter oder Fütterung staubfreien Kraftfutters
    • keine Stroheinstreu (auch nicht in der Nachbarbox!)
    • Sprengen der Stallgasse vor dem Fegen oder noch besser das Pferd aus dem Stall nehmen bei allen Arbeiten, die Staub aufwirbeln

Medikamente

  • Bronchospasmolytika: Verschiedene Medikamente lösen den Muskelkrampf der Bronchialmuskulatur
  • Sekretolytika: Verschiedene Medikamente sollen den zähen Schleim wieder verflüssigen. Eine sehr wirkungsvolle Methode, die aber nur unter tierärztlicher Überwachung erfolgen darf, ist die Gabe großer Mengen von Flüssigkeit per Infusion oder per Nasenschlundsonde. Begleitend dazu müssen die Bronchien durch Spasmolytika weitgestellt werden, um das Abhusten des verflüssigten Schleims zu gewährleisten.
  • Schleimhautabschwellende Medikamente: Hier hat sich insbesondere die Gabe von kortisonhaltigen Medikamenten bewährt. Kortison führt auch zu einer zeitweiligen Abnahme der Überempfindlichkeit der Atemwege.
  • Inhalation: Mit geeigneten Verneblern können viele Medikamente und Salzlösungen direkt bis in die kleinsten Atemwege gebracht werden. Der Vorteil der Inhalation ist, dass meistens die Arzneimittelmenge verringert werden kann, was insbesondere beim Kortison aufgrund seiner Nebenwirkungen sehr wünschenswert ist. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten, denn nicht jeder Vernebler ist geeignet, die Medikamente wirklich fein genug zu vernebeln, so dass sie tief in die Atemwege des Pferdes eindringen können.

Prognose

Eine COB kann nicht geheilt werden. Die Überempfindlichkeit der Atemwege bleibt vermutlich zeitlebens bestehen. Durch Haltungsoptimierung und unterstützende Behandlung kann aber häufig ein Zustand erreicht werden, in dem das Pferd weiterhin, wenn auch z.T. eingeschränkt geritten werden kann. Es gibt aber immer wieder Fälle, in denen die Erkrankung trotz aller Bemühungen weiter voranschreitet und das Tier letztendlich aufgrund seiner quälenden Atemnot eingeschläfert werden muss.

Vorbeugung

Staub aller Art sollte so gut wie möglich vermieden werden. Fütterung, Einstreu und Haltung können in vielen Fällen mit einfachen Mitteln verbessert werden. Infektionskrankheiten der Atemwege müssen immer restlos auskuriert werden, bevor das Pferd wieder zu voller Arbeit herangezogen wird.

Tipps

Verwenden Sie im Winter Salzwasser, um das Heu anzufeuchten, dann friert es nicht so schnell. Tauchen Sie das Heu vollständig in eine Wassertonne, damit auch wirklich aller Staub gebunden wird. Dazu kann das Heu in ein Heunetz gepackt werden.

ACHTUNG

Das häufig zur Bronchospasmolyse eingesetzte Clenbuterol zählt aufgrund seiner anabolen Wirkung zu den Dopingmitteln. Bei Pferden, die auf Turnieren starten sollen, muss daher die Wartezeit eingehalten werden.

Langzeitkortison kann die Entstehung einer Hufrehe begünstigen. Daher sollte der Einsatz bei Pferden, die bereits an Hufrehe erkrankt waren, gründlich abgewogen werden. Kurzzeitig wirksame Präparate oder Inhalation sind hier mögliche Alternativen.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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