petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Borreliose

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Lyme-Borreliose, Lyme disease, Lyme-Krankheit

Borreliose nennt man ein Krankheitsbild, das durch eine Infektion mit spiralförmigen Bakterien hervorgerufen wird, die zu der Art Borrelia bugdorferi gehören. Man kennt inzwischen verschiedene Untergruppen dieser Art. Borrelien werden durch Zecken übertragen, meistens durch Zecken der Gattung Ixodes. Bei uns in Mitteleuropa kommt der Übertragung durch Ixodes ricinus, dem Holzbock, die größte Bedeutung zu. Schätzungsweise 20% der Holzböcke sind mit Borrelien infiziert.

Abb. GQC05ALP
Abb. GQC05ALP: Der Holzbock (Ixodes ricinus) in Lauerstellung.
Die Vorderbeine sind weit ausgebreitet. Sie tragen Sinneszellen für Geruch, Temperatur und Erschütterung und helfen der Zecke, einen Wirt zu finden.

Man geht davon aus, dass sehr viele kleine Wildsäugetiere, besonders Mäuse, Borrelien in sich tragen, ohne an Borreliose zu erkranken. Sie stellen das Reservoir für diese Bakterien dar. Zecken nehmen bei ihrer Blutmahlzeit auf den Wildtieren die Bakterien auf. Die Borrelien bleiben dann lebenslang im Darm der Zecken. Wenn die Zecke erneut Blut saugt, werden die Borrelien aktiv, vermehren sich im Darm der Zecke und steigen ca. 12 Stunden nach Beginn der Blutmahlzeit in die Speicheldrüse der Zecke auf. Von dort können sie mit dem Speichel auf das neue Wirtstier übertragen werden. Der neue Wirt kann auch ein Pferd, ein Hund oder der Mensch sein.

Das Krankheitsbild Borreliose wird nach wie vor sehr kontrovers beurteilt. Das gilt im Grunde für Borreliose aller Tierarten und auch des Menschen. Man geht davon aus, dass es sehr viel mehr Infektionen mit Borrelien gibt als klinische Erkrankungsfälle. Beim Pferd sind in Deutschland bislang nur sehr wenig Borreliosefälle zweifelsfrei nachgewiesen. Studien haben ergeben, dass sehr viele Pferde Antikörper gegen Borrelien in ihrem Blut haben (Borrelien- Titer), ohne jemals klinisch an Borreliose erkrankt zu sein. Um die Diagnose Borreliose zu stellen, müssen daher klinisches Bild und Laborergebnisse zusammenpassen.

Ursachen

In Europa wird die Borreliose durch Infektionen mit Borrelienarten hervorgerufen, die zum Borrelia-burgdorferi-sensu-lato-Komplex zusammengefasst werden.

Wie bereits erwähnt, werden diese Bakterien durch infizierte Zecken beim Saugakt auf das Pferd übertragen. Vielen Pferden gelingt es bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, die Borrelien mit Hilfe des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem) aus dem Körper zu vertreiben. Wenn die Abwehr misslingt, verbreiten sich die Bakterien von der Bissstelle im Körper des Pferdes und können die verschiedensten Organe befallen und dort zu Entzündungen führen. Dabei können sie das Immunsystem des Pferdes zu einer übersteigerten Immunantwort veranlassen: Es werden übermäßig viele Immunkomplexe gebildet, die ihrerseits zu Gewebeschäden führen. Innerhalb von Wochen oder Monaten können so klinische Symptome auftreten, die als akute Organmanifestation bezeichnet werden.

Monate oder Jahre nach Verschwinden dieser Anzeichen können erneut klinische Symptome auftreten, die man späte oder chronische Organmanifestation nennt. Dies hat folgende Ursache: Die Bakterien besitzen die Fähigkeit, sich im Gewebe in so genannte „schlafende“ Formen umzuwandeln, die jahrelang überdauern können, ohne dass sie zu Krankheitsanzeichen führen. Diese Formen lassen sich auch durch Antibiotika nicht behandeln. Sie können sich aber jederzeit in aktive Formen umwandeln und dann zu Krankheitsschüben führen.

Ansteckung

Mit Borrelien infizierte Zecken übertragen die Bakterien frühestens 12 Stunden nach Beginn ihrer Blutmahlzeit. Andere Übertragungswege sind bislang nicht bekannt. Borrelien können also nicht direkt von einem Säugetier auf das andere übertragen werden.

Leitsymptom

  • Gelenkschwellung
  • Abmagerung
  • Lahmheit

Symptome

Die Symptome, die einer Borreliose zugeordnet werden, können sehr unterschiedlich sein und hängen von den befallenen Organen ab. Folgende Symptome sind in nachgewiesenen Borreliosefällen beim Pferd aufgetreten:

Allgemeinstörungen:

  • Leistungsabfall
  • Abmagerung
  • Mattigkeit
  • Fieber

Gliedmaßen:

  • Wechselnde Lahmheit
  • Steifheit
  • Bewegungsunlust
  • Gelenkschwellung
  • Arthritis
  • Hufrehe

Nervensystem:

Haut:

  • Kreisrunde Rötung um die Bissstelle (Erythema chronicum migrans)
  • Überempfindlichkeit
  • Hautverdickung

Augen:

Sonstige:

Diagnose

Für eine gesicherte Diagnose sind neben typischen klinischen Symptomen verschiedene Laboruntersuchungen nötig:

  • Antikörpernachweis im Blut: Borrelien stimulieren das Immunsystem des Pferdes zur Bildung von Antikörpern, die im Blut mit verschiedenen Methoden nachgewiesen werden können. Allerdings lässt nicht jede Methode eine Unterscheidung zwischen einer frischen und einer alten Infektion zu. Außerdem führen, wie bereits erwähnt, die meisten Infektionen nicht zu Krankheitserscheinungen. Daher ist der Antikörpernachweis nur begrenzt aussagefähig.
  • Erregernachweis in Proben (Blut, Gelenkflüssigkeit, Liquor, Gewebe- Biopsie). Auch für den Nachweis der Borrelien an sich stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die ihre Vor- und Nachteile haben. Mit der PCR lässt sich Erbgut (DNA) der Borrelien zuverlässig nachweisen, allerdings kann man nicht zwischen toten und lebenden Erregern unterscheiden. Am sichersten für die Diagnosestellung ist die Anzüchtung der lebenden Borrelien aus dem Probenmaterial in einer Kultur, die aber leider nicht immer gelingt.

Abb. GQC0LXYZ
Abb. GQC0LXYZ: Borrelien.
Mikroskopische Aufnahme.

Behandlung

Die Borrelien werden mit einem geeigneten Antibiotikum über einen langen Zeitraum behandelt. Begleitend werden die auftretenden Symptome mit einer symptomatischen Behandlung gelindert. Die Therapie der Borreliose ist aber nicht in jedem Fall erfolgreich, da die „schlafenden“ Borrelienformen durch das Antibiotikum nicht erreicht werden können.

Gegebenenfalls kann der Erfolg der Therapie durch eine erneute Untersuchung auf lebende Borrelien überprüft werden.

Prognose

Eine Borreliose ist schwierig zu behandeln. Je fortgeschrittener das Erkrankungsbild ist, umso schlechter wird die Prognose für eine Heilung. Außerdem können „schlafende“ Borrelien zu weiteren Krankheitsschüben führen. Auch eine erneute Infektion mit Borrelien durch einen Zeckenbiss ist jederzeit möglich.

Vorbeugung

Eine Prophylaxe besteht derzeit nur in Maßnahmen gegen einen Zeckenbefall, die im Kapitel Zecken beschrieben werden.

Verwandte Themen

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.