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Pferd: Borna

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Bornasche Krankheit, Seuchenhafte ansteckende Hirn-Rückenmark-Entzündung der Pferde, Hirnwut, Rasender Koller

Die Bornasche Krankheit ist eine seit Jahrhunderten bekannte Viruserkrankung des Zentralnervensystems des Pferdes. Obwohl die Erkrankung schon so lange bekannt ist, weiß man bis heute noch wenig über sie. Sie hat ihren Namen von der Stadt Borna, in der im Jahre 1899 fast alle Pferde der Kavallerie bei einem Seuchenzug starben. Erkrankungen durch Bornavirus findet man mit regionalen Schwerpunkten (Mittel- und Süddeutschland) besonders in Zentraleuropa. Aber auch in vielen anderen Ländern auf der ganzen Welt konnte das Virus inzwischen nachgewiesen werden, ohne allerdings zu flächenhaften Erkrankungen zu führen. Man muss also zwischen der Infektion mit dem Bornavirus und der Erkrankung durch das Virus unterscheiden. Heute gehen viele Fachleute davon aus, dass in Deutschland im Durchschnitt 20 – 30% aller Pferde mit dem Bornavirus infiziert sind, aber nur ein Teil dieser Tiere offensichtlich erkrankt.

Ursachen

Verursacht wird die Erkrankung durch das Bornavirus. Man hat inzwischen herausgefunden, dass das Virus nicht nur beim Pferd auftritt, sondern auch bei Schaf, Rind Katze, Hund und Mensch. In der Humanmedizin findet man häufiger Hinweise auf Bornaviren bei Menschen mit Depressionen als bei gesunden Menschen.

Die Viren wandern entlang der Nerven zum Gehirn und zum Rückenmark und dringen dort in die Zellen ein. Dort stören sie die Funktion der Nervenzellen. Dies führt zu Ausfallerscheinungen. Die Art der Ausfälle hängt davon ab, welche Teile des Zentralnervensystems betroffen sind.

Bei Borna treten häufig latente Infektionen auf, d.h. das Tier ist zwar mit dem Virus infiziert, zeigt aber keine Krankheitssymptome. Man geht davon aus, dass Stress und andere Erkrankungen einen Ausbruch der Erkrankung aus dem Stadium der Latenz begünstigen.

Ansteckung

Der Ansteckungsweg ist noch nicht vollständig bekannt. Wahrscheinlich nimmt das Pferd die Viren über Nase und Maul auf. Eventuell übertragen auch Insekten das Virus durch ihren Stich. Die Inkubationszeit kann mehrere Monate betragen.

Leitsymptom

Verhaltensveränderung

Symptome

Bei der Bornavirusinfektion gibt es drei verschiedene Verlaufsformen, die vermutlich auch ineinander übergehen können:

  • latente Infektion (keine klinischen Symptome)
  • wiederkehrende milde Symptome mit langen symptomfreien Intervallen
  • schwere Symptome und Tod

Als typische zentralnervöse Symptome können auftreten: Verhaltensänderungen, Schläfrigkeit, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Stumpfsinn, zwanghafte Bewegungen, Schiefhals, Krampfanfälle.

Als untypische Symptome werden auch wiederkehrende Kolik und Lahmheit, Abmagerung und Headshaking beschrieben.

Typischerweise treten Symptome häufiger im Frühling auf.

Abb. GQBZ4EMQ
Abb. GQBZ4EMQ: Überkreuzte Vorderbeine.
Dieses Pferd bleibt mit überkreuzten Vorderbeinen stehen. Das deutet auf eine Erkrankung des Nervensystems hin. Ein gesundes Pferd würde die Stellung sofort korrigieren.

Diagnose

Die Diagnose Bornasche Krankheit kann nur durch das Zusammentreffen klinischer Symptome und dem Nachweis des Erregers in speziellen Labors gestellt werden:

In Blut- und in Liquor-Proben erkrankter Pferde können mit verschiedenen Methoden sowohl Antikörper gegen das Bornavirus als auch Virusmaterial (Antigen) nachgewiesen werden. Bei einer so genannten gepaarten Serumprobe wird der Antikörperspiegel im Abstand von einigen Tagen gemessen. Ein Anstieg des Antikörperspiegels ist ein Hinweis auf eine akute Infektion. Der alleinige Nachweis von Antikörpern reicht häufig nicht aus, um die Diagnose Bornasche Krankheit zu rechtfertigen, sondern sollte auf jeden Fall durch einen Virusnachweis im Liquor ergänzt werden.

Beim toten Tier kann das Virus durch verschiedene Techniken im Gehirn nachgewiesen werden.

Behandlung

Inzwischen gibt es verschiedene Medikamente, die zur Behandlung der Bornaschen Krankheit eingesetzt werden:

  • antiviral wirkende Medikamente (Amantadin)
  • Psychopharmaka: Medikamente gegen Depressionen sollen auch beim Pferd helfen, indem sie die gestörte Funktion der Nervenzellen wieder herstellen

Prognose

Je eher Borna erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose. Entgegen früherer Annahme gehen viele Fachleute heute davon aus, dass Bornasche Krankheit eher selten zum Tod des Pferdes führt.

Vorbeugung

Zur Zeit gibt es keine Impfung gegen Borna.

ACHTUNG

Möglicherweise ist das Bornavirus vom Pferd auf den Menschen übertragbar. In diesem Bereich wird weiterhin geforscht. Bislang wird Borna nicht als Zoonose eingestuft.

Die Bornasche Krankheit ist eine meldepflichtige Tierseuche.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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03.04.2017: Anja
Gibt es hierzu inzwischen neue Erkenntnisse? Meines Wissens ist die Krankheit seit 2011 nicht mehr meldepflichtig.
03.04.2017: Anja
Gibt es hierzu inzwischen neue Erkenntnisse? Meines Wissens ist die Krankheit seit 2011 nicht mehr meldepflichtig.

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