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Pferd: Bindehautentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Konjunktivitis, Bindehautkatarrh

Als Bindehaut wird die Schleimhaut bezeichnet, die auf der Innenseite der Augenlider verläuft, einmal umschlägt und bis auf den Augapfel reicht. Auch die Nickhaut zählt zur Bindehaut. Am gesunden Auge ist von der Bindehaut nicht viel zu sehen. Spreizt man die Augenlider auf, so kann man größere Teile der Bindehaut betrachten. Im Normalfall ist sie blassrosa, glatt und glänzend.

Abb. GQBWP8B9
Abb. GQBWP8B9: Längsschnitt durch ein Auge.
Schemazeichnung mit Lage der Lidbindehäute.

Ursachen

Entzündungen der Bindehaut gehören zu den häufigsten Erkrankungen am Auge. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Man gliedert die Ursachen in

Sämtliche Bindehautentzündungen können durch verschiedene Bakterien verschlimmert werden. Dabei handelt es sich um Bakterien, die nicht als spezielle Krankheitserreger anzusehen sind, da sie sich immer in der Umgebung und auch auf der Bindehaut eines gesunden Pferdes befinden. Auf einer durch oben genannte Ursachen vorgeschädigten Bindehaut können sie sich aber gut vermehren und so die Entzündungsprozesse verstärken. Diese so genannten bakteriellen Sekundärinfektionen kommen sehr häufig vor.

Da die Bindehaut mit dem Augapfel verwachsen ist, besteht bei einer Bindehautentzündung auch immer die Gefahr, dass die Entzündung auf die Hornhaut des Auges übergreift. Zu den wichtigen Themen Hornhautentzündung und Hornhautverletzung gibt es eigene Kapitel.

Ansteckung

Spezielle Krankheitserreger, besonders die Bakterienart Moraxella und Wurmlarven, werden von hauptsächlich von Fliegen übertragen: Fliegen setzen sich an das Auge eines erkrankten Pferdes und nehmen Tränenflüssigkeit auf. Die Bakterien bleiben an den Fliegen kleben und werden so direkt von den Fliegen zum nächsten Pferdeauge verschleppt. Etwas anders verhält es sich mit den Wurmlarven: Verwurmte Pferde scheiden mit dem Kot Larven der im Darm lebenden Würmer aus. Fliegen, die auf dem Pferdemist sitzen, nehmen bei ihrer Mahlzeit die Larven auf. Wenn sie danach ein Auge anfliegen, geben sie die Larve dort wieder ab. Eine direkte Übertragung dieser Erreger von Pferd zu Pferd oder über mit Tränenflüssigkeit verunreinigte Gegenstände ist theoretisch ebenfalls möglich, spielt aber in der Praxis wahrscheinlich keine große Rolle.

Pilzinfektionen der Bindehaut entwickeln sich häufig nach Verletzungen oder sehr langen Behandlungsperioden und stellen meistens Einzelerkrankungen dar. Eine direkte Ansteckung von Pferd zu Pferd kommt in der Regel nicht vor.

Durch Viren ausgelöste Bindehautentzündungen sind übertragbar. Die Pferde scheiden in der akuten Phase der Erkrankung massenhaft Viren mit Nasenausfluss, Speichel und auch über die Tränenflüssigkeit aus. Über die Atemluft werden die Viren verbreitet und können von anderen Pferden eingeatmet werden. Auch über verunreinigte Gegenstände, Hände und Kleidung ist eine Verbreitung möglich.

Leitsymptom

  • Rötung
  • Schwellung
  • Augenausfluss

Symptome

Die Symptome variieren je nach Ursache. Gemeinsam ist allen Bindehautentzündungen Rötung und Schwellung der Bindehaut, die damit auch mehr oder weniger unter den Lidern hervorquillt und so sichtbar wird.

Abb. GQBX4548
Abb. GQBX4548: Bindehautentzündung.
Bei diesem Pferd ist die leicht gerötete und geschwollene Nickhaut vorgefallen.

Zusätzlich tritt Augenausfluss aus. Dieser kann wässrig, schleimig, eitrig oder auch blutig sein.

Abb. GQBX5MHS
Abb. GQBX5MHS: Schleimiger Augenausfluss.

Manche Pferde schließen die Augen oder scheuern sich wiederholt, da eine Bindehautentzündung häufig Schmerz und vor allem Juckreiz verursacht.

Diagnose

Die Diagnose wird durch eine sorgfältige Untersuchung des Auges gestellt, bei der auch Erkrankungen wie z.B. die periodische Augenentzündung, Hornhautentzündung oder -verletzung oder eine Tränennasengangstenose ausgeschlossen werden. Zusätzlich kann eine Tupferprobe entnommen werden, um die an der Erkrankung beteiligten Krankheitskeime nachzuweisen.

Behandlung

Wenn die Augen sehr verklebt sind, kann es nötig sein, eine Spülung mit einer milden Lösung vorzunehmen. Da das Auge ein sehr empfindliches Organ ist, dürfen wirklich nur spezielle Substanzen angewendet werden. Mit vielen Produkten (z.B. Kamille) reizt man das Auge nur noch mehr und richtet damit mehr Schaden als Nutzen an!

Die weitere Behandlung erfolgt mit speziellen Augensalben oder Tropfen. Diese sollten möglichst häufig gegeben werden, optimal ist in den meisten Fällen ein Behandlungsintervall von 4 Stunden.

Je nach Ursache enthalten diese Präparate Kortison, ein Antibiotikum, ein Antimykotikum und ggf. auch heilungsfördernde Substanzen.

Als begleitende Maßnahme versucht man den Fliegenbefall zu reduzieren. Dazu gibt es z.B. spezielle Hauben, die man dem Pferd aufsetzt. Diese Hauben halten die Fliegen wirklich vollständig von den Augen fern.

Prognose

Eine normale Bindehautentzündung ohne Beteiligung der Hornhaut heilt bei konsequenter Behandlung meist vollständig innerhalb weniger Tage ab. Wenn die Hornhaut ebenfalls betroffen ist, gestaltet sich die Behandlung meistens etwas langwieriger. Hornhauterkrankungen bergen immer die Gefahr eines Hornhautgeschwürs, das zum Verlust des Auges führen kann!

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen richten sich nach den Ursachen:

  • bei Pollenallergie die Pferde bei starkem Pollenflug im Stall lassen
  • Staub vermeiden
  • regelmäßiges Entwurmen verringert die Ausscheidung von Wurmlarven
  • Fliegenschutz durch Hauben
  • Schutzimpfungen gegen Herpes- und Influenzaviren
Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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