petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Arthritis

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Gelenkentzündung, Entzündliche Gelenkerkrankung

Arthritis ist die Fachbezeichnung für Gelenkentzündung. Gelenkentzündungen können theoretisch an jedem Gelenk des Körpers auftreten. Man findet z.B. immer wieder Entzündungen der kleinen Facettengelenke an der Halswirbelsäule. Besonders häufig sind jedoch die Gliedmaßengelenke betroffen. Gelenkentzündungen zählen zu den häufigsten Lahmheitsursachen von Reitpferden. Das Pferdebein und mit ihm die Gelenke werden durch den reiterlichen Einsatz eines Pferdes stark belastet.

Um die Vorgänge, die sich bei einer Gelenkentzündung abspielen, besser verstehen zu können, muss man sich zunächst einen Überblick über den allgemeinen Aufbau eines Gelenks verschaffen.

Ein Gelenk besteht aus folgenden Teilen:

  • den mit Gelenkknorpel überzogenen knöchernen Gelenkflächen,
  • dem zwischen den Gelenkflächen liegenden Gelenkspalt,
  • der die Gelenkflächen umschließenden Gelenkkapsel,
  • der Gelenkhöhle mit der darin enthaltenen Gelenkflüssigkeit und
  • den das Gelenk stabilisierenden Bändern.

Abb. GQ9RPZQ3
Abb. GQ9RPZQ3: Schemazeichnung eines gesunden Gelenks.

Die Gelenkflüssigkeit wird auch Synovia oder Synovialflüssigkeit genannt. Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Gelenkflüssigkeit ist also extrem wichtig für das Funktionieren eines Gelenks. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Diese wird unter anderem durch ihre Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Die Gelenkflüssigkeit wird von der innersten Schicht der Gelenkkapsel, der Synovialmembran gebildet.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Funktion eines Gelenks ist der sehr glatte Gelenkknorpel. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er – wie bereits erwähnt – nicht durchblutet wird.

Ursachen

Die Ursachen einer Arthritis kann man in zwei große Bereiche aufteilen: Die akuten, traumatisch bedingten Arthritiden, die sehr häufig auftreten, und die infektiösen, d.h. durch Bakterien verursachten Gelenkentzündungen.

Akute traumatische (nicht-infektiöse) Arthritis

Durch Zerrung oder Quetschung z.B. durch Fehltritt, Sturz, Ausgleiten oder Hängenbleiben wird die empfindliche Synovialmembran der Gelenkkapsel und manchmal auch der Knorpel direkt geschädigt. Auch die Bänder können gezerrt werden. Eine Fehlstellung der Gliedmaße und mangelhafte Hufpflege können die Entstehung begünstigen. Auf die Gewebeschädigung reagiert der Körper mit einer Entzündungs-Reaktion. Die Entzündung der Synovialmembran führt zu einer Vermehrung der Gelenkflüssigkeit, es entsteht ein Gelenkerguss. Außerdem verändert sich die Zusammensetzung ihrer Inhaltsstoffe: Der Gehalt an Hyaluronsäure nimmt deutlich ab. Damit sinkt die Viskosität der Synovia und sie kann das Gelenk nicht mehr effektiv schmieren. Zudem treten durch die Entzündungsvorgänge Enzyme auf, die den Knorpel angreifen und schädigen können.

Infektiöse Arthritis

Bei dieser Form der Gelenkerkrankung sind in das Gelenk eindringende Bakterien der Auslöser der Entzündungsreaktion. Die Bakterien können auf verschiedenen Wegen in das Gelenk gelangen:

  • Durch Wunden, die durch die Gelenkkapsel hindurch bis in das Innere des Gelenks reichen. Man nennt sie auch offene Gelenkverletzungen. Dies kann z.B. beim Nageltritt passieren.
  • Durch den Einbruch von Keimen aus benachbarten Entzündungsprozessen wie eitrigen Schleimbeutelentzündungen oder infizierten Wunden.
  • Über das Blut im Rahmen einer systemischen bakteriellen Allgemeinerkrankung (z.B. bei der Fohlenlähme).

Die Bakterien verursachen Schäden an der Synovialmembran. Durch den Zerfall von Gewebe und Bakterien bildet sich Eiter. Im Eiter befinden sich massenhaft Substanzen, die den Gelenkknorpel aufweichen und sehr schwer schädigen.

Folgen einer Arthritis

Beide Arthritisformen können bei längerem Bestehen in eine chronische Entzündung übergehen. Chronische Arthritiden gehen oft mit knorpel- und knochenartigen Zubildungen im Gelenk einher, die den Bewegungsablauf des Gelenks dauerhaft stören. Man spricht dann von einer chronisch degenerativen Arthritis. Die Zubildungen können wiederum auf dem Gelenkknorpel reiben und ihn verletzen. Außerdem wird die Synovialmembran ständig gereizt. Das alles führt zu erneuten Zubildungen im Gelenk, so dass sich die Erkrankung in einer Art Teufelskreis selbst unterhält, wenn sie nicht therapiert wird.

Eine chronisch degenerative Gelenkentzündung mit Zubildungen kann sich auch schleichend bilden, wenn ein Pferd zu früh oder zu stark belastet wird oder von Geburt aus eine Fehlstellung der Gliedmaße aufweist: Durch die Belastung wird zu starker Druck auf einen bestimmten Gelenkabschnitt ausgeübt, der diesen zur Bildung von Knochenmaterial anregt. Beispiele für chronische Arthritiden, die sich aufgrund von Fehlstellungen der Gliedmaßen und Fehlbelastung bilden, sind die Schale an den Vorderbeinen und der Spat des Sprunggelenks. Im weiteren Verlauf kann die Entzündung zur Ruhe kommen. Die Zubildungen bleiben allerdings bestehen und können weitere Schäden im Gelenk verursachen. In dem Fall spricht man von einer Arthrose.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Gelenkschwellung
  • Wärme

Symptome

Akute traumatische Arthritis

Bei der akuten traumatischen Arthritis geht das Pferd in der Regel plötzlich stark lahm. Meistens kann der Pferdebesitzer das Ereignis genau benennen, das zu der Lahmheit führte. Das Gelenk schwillt an und fühlt sich warm an. Im weiteren Verlauf kann das Bein um das Gelenk herum ebenfalls anschwellen. Man nennt dies ein Begleit- Ödem.

Infektiöse Arthritis

Bei der infektiösen Arthritis zeigen die Pferde im Allgemeinen zunächst nur geringe bis mittelgradige Lahmheit und eine geringe Gelenkschwellung. Nach sehr kurzer Zeit entwickeln die meisten Pferde jedoch eine hochgradige Lahmheit. Die Schwellung im Gelenk nimmt deutlich zu und das Gelenk ist sehr warm. Nach 24 Stunden tritt meistens auch Fieber auf. Weitere Symptome hängen von den Begleitumständen ab, die zu der Infektion des Gelenks geführt haben. Bei einer Stichverletzung kann es allerdings sein, dass der Einstichkanal von außen gar nicht mehr sichtbar ist.

Diagnose

Für die Diagnosestellung steht eine Vielzahl diagnostischer Möglichkeiten zur Verfügung, die abhängig von der Schwere und Eindeutigkeit der Befunde zum Einsatz kommen:

  • Klinische Lahmheitsuntersuchung: Eine klinische Lahmheitsuntersuchung wird durchgeführt, um den Schmerzpunkt zu lokalisieren und Wärme und Gelenkschwellung zu beurteilen. Bei einigen Fällen sind Schwellung und Wärme nicht so deutlich ausgeprägt oder lassen sich nicht zweifelsfrei einem Gelenk zuordnen. In diesen unklaren Fällen kann es nötig sein, die Lahmheit durch die Beugung der einzelnen Gelenke zu verstärken, um herauszufinden, welches Gelenk erkrankt ist. Man nennt dies auch Beugeprobe oder Provokationsprobe. Ein weitere Möglichkeit, die Lahmheitsursache näher einzugrenzen, sind diagnostische Anästhesien: Dazu wird ein Lokalanästhetikum an einen Nerven oder in ein Gelenk gespritzt und dieser Bereich betäubt. Geht das Pferd nach der Anästhesie des betroffenen Gebiets lahmfrei, so weiß der Tierarzt, wo der Schmerz lokalisiert ist.
  • Röntgen: Auf einem Röntgenbild sind knöcherne Zubildungen zu erkennen. So kann man den Grad der Veränderungen beurteilen. Außerdem kann es nötig sein, durch ein Röntgenbild andere Lahmheitsursachen wie Knochenbrüche auszuschließen. Knorpel und Weichteile lassen sich im Röntgenbild nicht gut erkennen.
  • Gelenk- Punktion: Bei einer Gelenkpunktion wird Gelenkflüssigkeit gewonnen. Die Beschaffenheit der Synovia kann bereits mit bloßem Auge beurteilt werden. Zudem kann die Zusammensetzung in einem Labor genauer bestimmt werden. Eine Gelenkpunktion kann auch genutzt werden, um den Druck im Gelenk zu messen, der bei einem Gelenkerguss erhöht ist.
  • Arthroskopie (Gelenkspiegelung): In einigen Fällen kann es nötig sein, mit einem Arthroskop in das Gelenk hineinzuschauen. Insbesondere beim Verdacht auf Knorpelschäden, die auf einem Röntgenbild nicht sichtbar sind, kann eine Gelenkspiegelung wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Arthroskopie wird unter Vollnarkose in einer Klinik durchgeführt.
  • Szintigraphie: Die Szintigraphie zeigt frühzeitig entzündliche Prozesse auf, die noch nicht zu Gewebeveränderungen geführt haben. Der Einsatz dieser speziellen Maßnahme ist allerdings Spezialkliniken vorbehalten.

Abb. GQ9S7B3G
Abb. GQ9S7B3G: Beugeprobe.
In dieser Abbildung sieht man eine Übersichtsbeugeprobe der Zehengelenke. Bei dieser Beugeprobe werden Fessel-, Kron- und Hufgelenk gleichzeitig gebeugt. So möchte man herausfinden, ob die Lahmheit aus diesen Bereichen stammt. Ist die Beugeprobe positiv, d.h. die Lahmheit verstärkt sich, kann man danach die einzelnen Gelenke beugen, um den Schmerzherd näher einzugrenzen.

Behandlung

Die Behandlungsweisen einer akuten traumatischen und einer infektiösen Arthritis unterscheiden sich maßgeblich:

  • Akute traumatische Arthritis: Das Pferd wird sofort ruhiggestellt, am besten in eine Box mit weicher Einstreu. In der Anfangsphase kann das Bein gekühlt oder kühlende Verbände angelegt werden. Im weiteren Verlauf können auch entzündungshemmende Einreibungen sinnvoll sein. Zusätzlich werden meistens entzündungshemmende Substanzen systemisch gegeben, also entweder gespritzt oder über das Maul verabreicht. Diese werden dann über das Blut zum betroffenen Gelenk transportiert. Je nach Schwere der Erkrankung kann es sinnvoll sein, Entzündungshemmer auch direkt in das Gelenk zu spritzen. Darüber hinaus hat sich der Einsatz von Hyaluronsäure bewährt, die ebenfalls direkt in das Gelenk gespritzt werden kann. In vielen Fällen ist es sinnvoll, das Gelenk durch einen orthopädischen Hufbeschlag zu entlasten. Dieser muss in Zusammenarbeit von Tierarzt und Hufschmied individuell für den Patienten gefertigt werden.
  • Infektiöse Arthritis: Die infektiöse Arthritis ist immer ein Notfall! Die Entzündungsprozesse mit Eiterbildung schädigen den Gelenkknorpel massiv und können ihn vollständig zerstören. Daher muss ein Patient mit einer Gelenkinfektion umgehend in eine Klinik gebracht werden, in der das Gelenk gespült und mit einem Antibiotikum behandelt wird. Zumeist wird das Antibiotikum auch noch systemisch verabreicht.

Wenn die akuten Formen der Gelenkentzündung in eine chronische übergegangen sind, können entzündungshemmende Medikamente und Hyaluronsäure immer noch helfen, die Entzündung zur Ruhe zu bringen. Störenden Zubildungen im Gelenk begegnet man mit einem orthopädischen Beschlag, der die Bewegung im Gelenk erleichtern und unterstützen soll.

Prognose

Eine akute traumatische Arthritis hat bei sofortigem Einleiten einer Therapie gute Heilungsaussichten, sofern der Knorpel nicht beschädigt wurde. Liegen Knorpelschäden vor, so verschlechtert sich die Prognose erheblich, da der Knorpel nur sehr schlecht repariert werden kann. Auch hängt die Prognose vom Grad der Zubildungen im Gelenk ab. Allerdings wundert man sich: Manche Pferde mit massiven Zubildungen auf dem Röntgenbild laufen lahmfrei, während andere mit nur geringen Veränderungen immer wieder lahm sind.

Die Prognose einer infektiösen Gelenkentzündung ist eher vorsichtig zu stellen. Gelingt es, die Bakterien durch die Behandlung schnell zu beseitigen und ist der Gelenkknorpel noch nicht geschädigt worden, so hat das Pferd gute Heilungsaussichten. Leider bleiben jedoch häufig schwere Knorpelschäden zurück, die den Einsatz des Patienten als Reitpferd oft unmöglich machen.

Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung gegen eine Arthritis gibt es nicht, sie kann jederzeit auftreten. Allerdings sollten folgende Punkte beherzigt werden, um den Bewegungsapparat des Pferdes bestmöglich zu schützen:

  • Ein Pferd sollte stets nur so weit belastet werden, wie es seinem Entwicklungs- und Trainingszustand entspricht.
  • Stellungsfehler der Gliedmaße sollten bereits im Fohlenalter durch einen Tierarzt und einen Hufschmied begutachtet und ggf. korrigiert werden.
  • Regelmäßige und fachlich richtige Hufpflege erleichtert das Abrollen und entlastet die Gelenke.
  • Tägliche Kontrollen lassen kleine Verletzungen frühzeitig erkennen und verhindern, dass sich Entzündungsprozesse ausbreiten.
  • Lahmheiten lieber gleich behandeln lassen, bevor sich durch Verschleppung von Entzündungsprozessen bereits Zubildungen im Gelenk bilden konnten.
Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.