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Pferd: Ansteckende Gebärmutterentzündung des Pferdes

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Contagious Equine Metritis, CEM, Ansteckende equine Metritis

Bei der ansteckenden Gebärmutterentzündung (CEM) handelt es sich um eine Geschlechtskrankheit. Diese unterliegt seuchenhygienischen Bestimmungen, d.h. dass die Ein- und Ausfuhr von Pferden mit CEM in verschiedene Länder gesetzlich geregelt ist. Dank dieser Regelung sowie verbesserter Hygienemaßnahmen beim Deckbetrieb und dem Einsatz der instrumentellen Besamung tritt die Erkrankung heute kaum noch auf. Bei Rassen, die im Natursprung decken, besteht nach wie vor eine erhöhte Gefahr des Auftretens der Erkrankung.

Ursachen

Der Erreger der CEM ist das Bakterium Taylorella equigenitalis. Die Bakterien besiedeln nur den Geschlechtstrakt: Beim Hengst halten sie sich vorzugsweise in einer Grube am unteren Ende des Penis auf (Fossa glandis), bei der Stute siedeln sie im Bereich der Klitoris und in der Harnröhre.

Ansteckung

Der Erreger wird überwiegend beim Deckakt direkt vom Hengst auf die Stute oder seltener von der Stute auf den Hengst übertragen. Darüber hinaus kann die Infektion über Gegenstände oder Hände erfolgen, an denen die Erreger haften. Eintrittspforte für die Bakterien sind in jedem Fall die Geschlechtsorgane, d.h. nur wenn die Erreger auf die Schleimhaut von Penis oder Scheide gelangen, können sie das Pferd auch infizieren. Fohlen von infizierten Stuten tragen ebenfalls das Bakterium im Geschlechtstrakt. Sie werden bei der Geburt mit dem Erreger infiziert.

Leitsymptom

Symptome

Hengste zeigen grundsätzlich keine klinischen Symptome. Sie sind latent infiziert und können so unbemerkt die Erreger verbreiten.

Stuten können ebenfalls ohne klinische Symptome mit den Bakterien infiziert sein. Sie fallen dann nur dadurch auf, dass sie häufig nicht tragend werden. Manche zeigen auch eine verkürzte Zyklusdauer mit einer Verlängerung der Rosse. Stellen sich klinische Anzeichen ein, so fällt wenige Tage nach dem Deckakt ein schleimiger Ausfluss aus der Scheide auf, der eitrig werden kann.

Abb. GQ9NJ91U
Abb. GQ9NJ91U: Eitriger Scheidenausfluss.

Diese klinischen Anzeichen gehen üblicherweise nach 2 bis 3 Wochen zurück, obwohl die Stute weiterhin mit dem Erreger infiziert ist. Selten können auch Aborte auftreten.

Die CEM hat weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen: Betroffene Bestände haben mit einer deutlich verminderten Trächtigkeitsrate zu rechnen (bis 50%).

Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose kann bereits durch die klinischen Anzeichen gestellt werden. Die Diagnose muss aber immer durch einen Erregernachweis gesichert werden. Dazu werden verschiedene Tupferproben entnommen, denn der Erreger lässt sich nur schwer nachweisen. Beim Hengst werden Tupferproben von verschiedenen Stellen des Penis genommen und Spermaproben sowie Vorsekret untersucht.

Bei der Stute werden verschiedene Tupferproben aus dem Klitorisbereich und dem Gebärmutterhals genommen. Diese Proben müssen in einem speziellen Transportmedium gekühlt und per Kurier in ein geeignetes Labor geschickt werden. Der Nachweis der Bakterien kann bis zu 14 Tage dauern.

Behandlung

Befallene Pferde werden bis auf weiteres für die Decktätigkeit gesperrt, um die Bakterien nicht weiter zu verbreiten.

Der Erreger selbst wird mit einem Antibiotikum bekämpft. Dieses muss zum einen systemisch gegeben werden, d.h. das Pferd bekommt Injektionen und der Wirkstoff wird über den Blutkreislauf zum Aufenthaltsort des Erregers transportiert. Zum anderen wird die Infektion lokal, d.h. am Ort des Geschehens, mit antibiotikahaltigen Waschungen und Salben behandelt. Da sich der Erreger bei der Stute tief in die Spalten der Klitorisgegend zurückzieht, kann es sein, dass man ihn mit der Behandlung nicht vollständig vertreibt. Obwohl durch die Tupferprobe sogar manchmal kein Erreger mehr nachweisbar ist, können sich dennoch Erreger in der Klitorisgegend „verstecken“. Um diesem Fall vorzubeugen kann die Klitoris operativ entfernt werden.

Prognose

Eine Infektion mit Taylorella equigenitalis stellt keine Gefahr für die Allgemeingesundheit des Pferdes dar. Die Behandlung gestaltet sich aber oft schwierig und langwierig. Tupferproben müssen wiederholt genommen und bakteriologisch untersucht werden. Ein Hengst darf erst wieder für den Deckbetrieb freigegeben werden, wenn der Erreger bei mehreren bakteriologischen Untersuchungen nicht nachgewiesen wurde und so genannte Teststuten, die er gedeckt hat, nachweislich frei von dem Erreger bleiben.

Einmal infizierte Stuten müssen wiederholt nachuntersucht werden, da sie Träger des Erregers sein können, obwohl dieser mehrfach nicht nachgewiesen wurde.

Vorbeugung

Grundsätzlich hat sich bewährt, alle Hengste vor ihrem ersten Deckeinsatz bakteriologisch zu untersuchen. Für Hengste, die im Natursprung decken, ist diese Untersuchung grundsätzlich verpflichtend.

Für Stuten gilt das gleiche: Stuten, die im Natursprung gedeckt werden sollen, müssen vorher auf Taylorella equigenitalis untersucht werden. Auch bei Stuten, die besamt werden sollen, ist eine vorherige Untersuchung sinnvoll.

Viele Zuchtverbände haben eigene Vorschriften zum Umgang mit der CEM erlassen. Daher sollten sich Stutenhalter, die ihre Stute decken lassen wollen, vorher rechtzeitig über die Bedingungen informieren. So kann die Untersuchung frühzeitig begonnen werden, um zu vermeiden, dass durch das langwierige Untersuchungsverfahren wichtige Zeit der Decksaison ungenutzt verstreicht.

ACHTUNG

Die CEM ist eine meldepflichtige Tierseuche. Das bedeutet, dass Tierärzte und Untersuchungsstellen den Ausbruch der Erkrankung dem Veterinäramt melden müssen. So soll ein Überblick über die Verbreitung der Erkrankung gegeben werden. Maßnahmen zur Bekämpfung der Erkrankung werden vom Veterinäramt aber nicht angeordnet.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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