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Pferd: Harnblasenruptur

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Harnblasenriss

Die Harnblase ist ein sehr dehnbares Hohlorgan. Sie sammelt den in den Nieren gebildeten Harn, der ihr über die beiden Harnleiter zugeführt wird. Bei genügend starker Füllung empfindet das Pferd den Drang Harn abzusetzen. Der Harn wird über die Harnröhre ausgeschieden.

Das ungeborene Fohlen im Mutterleib bildet nur sehr wenig Harn. Dieser wird nicht über die Harnröhre ausgeschieden, sondern über den so genannten Harngang, den Urachus. Der Urachus verläuft von der Harnblase durch den Nabelstrang und endet in in einer Fruchthülle. Nach der Geburt verödet der Urachus und der Harn wird nun aus der Blase über die Harnröhre ausgeschieden. Die Harnröhre ist bei der Stute ziemlich kurz und breit und mündet in der Scheide. Beim Hengst ist die Harnröhre lang und schmal und endet am unteren Ende des Penis.

Ursachen

Die Harnblase reißt meistens während der Geburt, vor allem bei Schwergeburten. Damit ist die Harnblasenruptur überwiegend eine Erkrankung neugeborener Fohlen. Hengstfohlen sind wesentlich häufiger davon betroffen. Beim Durchtritt des Fohlens durch das mütterliche Becken wird die Harnblase des Fohlens gegen seinen harten Beckenkamm gedrückt. Bei Stutfohlen wird durch den Druck der in der Blase enthaltene Harn in die weite Harnröhre gepresst. Die dann leere Harnblase reißt nicht so leicht ein. Beim Hengstfohlen kann der Inhalt der Blase nicht so schnell über die enge Harnröhre abfließen, so dass ein höherer Druck in der Harnblase besteht. Daher platzt sie leichter, wenn sie gegen das harte Becken gepresst wird.

Beim älteren Pferd kommt eine Harnblasenruptur sehr selten vor. Verletzungen oder Verlegung der Harnröhre durch Harnsteine können eine Ursache sein.

Durch den Riss in der Harnblase läuft kontinuierlich Harn in die Bauchhöhle. Dort sammelt sich eine große Menge Flüssigkeit an, es entsteht ein Uroperitoneum. Über das Bauchfell (Peritoneum), das ist die Schleimhaut, die die Bauchhöhle von innen auskleidet, werden so genannte harnpflichtige Substanzen wie Harnstoff oder Kreatinin in das Blut aufgenommen. Diese Substanzen sind Abfallprodukte des Stoffwechsels und sollen eigentlich mit dem Harn ausgeschieden werden. Nun reichern sie sich im Blut an und führen allmählich zu Vergiftungserscheinungen, die man auch Urämie nennt. Außerdem kann sich das Bauchfell entzünden, es entsteht eine Peritonitis (Bauchfellentzündung).

Leitsymptom

  • Harndrang
  • Kolik
  • Umfangsvermehrung des Bauches

Symptome

Frühste klinische Symptome sind ab 12 Stunden nach der Geburt zu erwarten, können aber auch erst am 3. Lebenstag auftreten. Folgende Anzeichen deuten auf einen Harnblasenriss hin:

  • Häufiges Harndrängen: Die Fohlen stehen mit aufgekrümmtem Rücken und erhobenem Schweif da, ohne nennenswerte Mengen Harn abzusetzen. Der Absatz kleiner Harnmengen kann aber weiterhin vorhanden sein
  • Vollständig fehlender Harnabsatz
  • Häufiges Liegen oder Wälzen sowie weitere Koliksymptome
  • Nachlassende Sauglust
  • Umfangsvermehrung des Bauches
  • Atembeschwerden durch erhöhten Druck im Bauch
  • Mattigkeit
  • Tod durch Urämie
Abb. GQJEILL2
Abb. GQJEILL2: Sägebockartige Stellung.
Dieses Fohlen drängt. Am Bauch sieht man den noch nicht ganz abgetrockneten Nabel.

Diagnose

Für die Diagnosestellung kommen neben der klinischen Allgemeinuntersuchung folgende Methoden zur Anwendung:

  • Ultraschall zum Nachweis freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle und zur Darstellung der Harnblase
  • Bauchhöhlenpunktion zum Nachweis von Harn in der Bauchhöhle
  • Röntgen, evtl. mit Kontrastmittel-Eingabe in die Harnblase
  • Blutuntersuchung auf harnpflichtige Substanzen
  • Harnblasenspiegelung mit einem Endoskop. Diese Untersuchung ist bei erwachsenen Pferden möglich, Fohlen sind häufig zu klein für diese Methode

Behandlung

Die Behandlung kann nur chirurgisch erfolgen. Dabei wird das Fohlen, evtl. nach Stabilisierung des Kreislaufs durch Infusionen, in Vollnarkose gelegt. Über einen Schnitt durch die Bauchdecke wird die Harnblase vorgelagert und der Riss genäht. Der Harn wird aus der Bauchhöhle abgelassen und diese gespült.

Abb. GQJF4MV9
Abb. GQJF4MV9: Harnblasenruptur.
Auf diesem während der Operation aufgenommenen Bild kann man gut den Riss in der Harnblase erkennen.

Im Anschluss an die Operation erhalten die Fohlen ein Antibiotikum, entzündungshemmende Medikamente und ggf. Infusionen. Manchmal wird ein paar Tage lang ein Harnblasenkatheter über die Harnröhre in die Blase gelegt, aus dem der Harn kontinuierlich abläuft. Zu großer Druck auf die Naht soll damit vermieden werden.

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der Dauer der Erkrankung und von Folgeerscheinungen durch Vergiftung und Bauchfellentzündung. Bei frühzeitigem Erkennen ist die Prognose beim Fohlen günstig.

Tipps

Beobachten Sie Ihr Fohlen in den ersten Lebenstagen ganz genau.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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