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Pferd: Gonotrochlose

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Osteochondrose des Rollkamms, Osteochondrose des Kniescheibengelenks, Juvenile Arthrose des Kniescheibengelenks

Das Knie des Pferdes befindet sich am Hinterbein an der Stelle, an der optisch gesehen das Bein beginnt. Aus anatomischer Sicht beginnt das Bein jedoch bereits ab dem Hüftgelenk.

Irrtümlicherweise wird umgangssprachlich häufig das Karpalgelenk oder Vorderfußwurzelgelenk des Vorderbeins als Knie bezeichnet. Anatomisch gesehen ist das aber falsch.

Abb. GRQ5TG30
Abb. GRQ5TG30: Das Skelett des Pferdes.
Das "echte" Knie erkennt man an der Kniescheibe (Pfeile).

Das Kniegelenk besteht eigentlich aus zwei Gelenken: dem Kniekehlgelenk und dem Kniescheibengelenk:

Das Kniekehlgelenk wird vom Oberschenkel und dem Schienbein gebildet, wobei die beiden Gelenkköpfe des Oberschenkels nicht genau auf die Gelenkflächen des Unterschenkels passen. Dies wird durch zwei mandarinenscheibenförmige Menisken aus Knorpel ausgeglichen, die auch als Puffer dienen.

Abb. GQJ1UTKE
Abb. GQJ1UTKE: Knochen des Kniegelenks in seitlicher Ansicht.
Man kann gut einen knorpeligen Meniskus erkennen. A = Unterschenkel, B = Oberschenkel, C = Rollkämme, Kniescheibe entfernt. Präparat.

Das Kniekehlgelenk wird von zwei Gelenkkapseln in eine innere und eine äußere Abteilung getrennt.

Das Kniescheibengelenk wird von der Kniescheibe und den beiden Rollkämmen des Oberschenkels gebildet. Es wird von einer Kapsel umgeben, die eine Verbindung zur inneren, seltener zur äußeren Kniekehlgelenkkapsel hat. Die Kniescheibe gleitet wie ein Schlitten in der Furche zwischen den Rollkämmen. Sie ist in die Endsehne des kräftigen Oberschenkelmuskels eingebettet, der an der Vorderseite des Unterschenkels ansetzt und das Knie streckt. Diese Endsehne bildet das mittlere gerade Kniescheibenband, das innen und außen von zwei weiteren geraden Kniescheibenbändern unterstützt wird.

Abb. GQJ1WCNF
Abb. GQJ1WCNF: Knie von vorne.
Mittig sieht man das mittlere Kniescheibenband, das zwischen der Kniescheibe und dem Unterschenkelknochen verläuft. Links erkennt man das innere gerade Kniescheibenband. Präparat.

Viele weitere Bänder, z.B. Seitenbänder und Kreuzbänder stabilisieren sowohl das Kniescheiben- als auch das Kniekehlgelenk und fixieren die Menisken.

Abb. GRQ5XFPC
Abb. GRQ5XFPC: Kniegelenk, Ansicht von vorne-innen. Schemazeichnung.

Bei der Gonotrochlose handelt es sich um eine Erkrankung des Kniescheibengelenks von Fohlen und jungen Pferden. Meistens ist besonders der äußere Rollkamm von den Veränderungen betroffen. Gonotrochlose führt häufig zur Bildung von Gelenkchips und gehört in den Themenbereich der Osteochondrose.

Ursachen

Osteochondrose ist eine Erkrankung des Gelenkknorpels und des darunter liegenden Knochens, die bereits im Fohlenalter auftritt. Häufig sind große, schnell wachsende Fohlen betroffen. Neben genetischen, vererbten Faktoren spielt die Ernährung des heranwachsenden Pferdes eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung: Zu viel Energie in Form von Kraftfutter und ein unausgewogenes Mineralstoffverhältnis sollen Osteochondrose verursachen. Dabei sollen vor allem ein Kalzium- und Phosphorüberschuss verbunden mit einem Kupfermangel die Entstehung einer Osteochondrose begünstigen.

An den Gelenken spielt sich dann folgender Ablauf ab:

  1. Knorpelschäden: Eine Störung im Wachstum des Gelenkknorpels führt zur Bildung einer unverhältnismäßig dicken Knorpelschicht. Der verdickte Knorpel kann nicht mehr ausreichend ernährt werden, wird weich und reißt ein. Oberflächlich können sich Knorpelschuppen ablösen und als freie Körper im Gelenk herumschwimmen. Wenn freie Körper auftreten, nennt man diese Form der Erkrankung auch Osteochondrosis dissecans. Sowohl freie als auch festhaftende Knorpel- oder Knochenschuppen nennt man Gelenkchips.
  2. Knochenschäden: Zusätzlich besteht wahrscheinlich eine Störung im Knochenwachstum direkt unter dem Gelenkknorpel, die möglicherweise durch eine verminderte Durchblutung des Knochens verursacht wird. Die Knochenstruktur unterhalb des Gelenkknorpels wird porös und schwammartig. Wenn größere Knochenbereiche instabil werden, bricht der Knochen ein und es bilden sich Hohlräume, die so genannten Zysten. Der Knorpel über der Zyste hat durch den Knocheneinbruch seine feste Unterlage verloren und sinkt in den Hohlraum ein. Die Zysten werden daher von einer Knorpelschicht ausgekleidet. Diese Schicht verhindert auch, dass sich neues Knochenmaterial bildet um den Hohlraum zu füllen. Daher kann der Defekt auch nicht wieder von selbst ausheilen.

Durch die Umbauvorgänge am Knochen verändert sich auch seine Form: Die Furche zwischen den Rollkämmen verringert sich und der äußere Rollkamm flacht ab. Zusätzlich überdehnen die geraden Kniescheibenbänder, so dass sich die Kniescheibe aus ihrer eigentlichen Bahn seitlich nach außen verlagern kann.

Gonotrochlose führt bereits frühzeitig zu einem Gelenkerguss, da die innere Schicht der Gelenkkapsel, die Synovialmembran, gereizt wird und vermehrt Gelenkflüssigkeit bildet. Durch die Reizung können sich lange Zotten an der Synovialmembran bilden, die die Gelenkfunktion zusätzlich behindern.

Leitsymptom

  • Gelenkschwellung
  • Lahmheit

Symptome

Zunächst sind die Symptome bei der Gonotrochlose unauffällig und werden leicht übersehen. Eher zufällig stellt man die vermehrte Füllung einer oder beider Kniegelenke fest, die weder schmerzhaft noch vermehrt warm ist. Der Gang kann schleppend sein. Häufig treten deutlich Symptome erst auf, wenn das Jungpferd angeritten wird und vermehrt arbeiten muss. Es entwickelt sich eine deutliche Lahmheit. In der Ruhe wird das Bein in Beugehaltung geschont und auch bei der Bewegung vermeidet das Pferd, sein Bein ganz durchzustrecken und fußt überwiegend auf der Hufspitze. Wenn beide Knie erkrankt sind, läuft das Pferd auf beiden Hinterbeinen mit kurzen, trippelnden Schritten.

Ist die Erkrankung so weit fortgeschritten, dass die Kniescheibe zur Seite wegrutscht, knickt das Pferd im Knie und im Sprunggelenk stark ein, als würde es niederstürzen. Meistens rutscht die Kniescheibe von selbst wieder zurück. Der Vorgang kann sich mehrfach wiederholen. Am stehenden Pferd lässt sich die Kniescheibe unter knackenden Geräuschen hin und her schieben.

Diagnose

Je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist, umso leichter lässt sie sich anhand der klinischen Symptome diagnostizieren. Alter des Pferdes, Gelenkschwellung ohne vermehrte Wärme, Art der Lahmheit und Verlagerung der Kniescheibe geben deutliche Hinweise auf eine Gonotrochlose.

Veränderungen der Knochenstruktur können zuverlässig auf Röntgenbildern nachgewiesen werden. Ultraschall eignet sich zur Untersuchung von Bändern und Menisken.

Szintigraphie kann aktive Prozesse nachweisen, die noch nicht zu einer deutlichen Veränderung der Knochenstruktur geführt haben.

Bei einer Arthroskopie werden Knorpel und Synovialmembran beurteilt. Bei der Methode kann auch gleich therapeutisch eingegriffen werden.

Behandlung

Häufig ist bei der Gonotrochlose eine operativer Eingriff nötig: Bei einer Arthroskopie werden abgelöste Teilchen entfernt. Der Knorpel kann geglättet werden. Zysten werden ausgekratzt und u.U. mit Knochensubstanz aufgefüllt. Anschließend kann das Gelenk z.B. mit Hyaluronsäure und knorpelaufbauenden Substanzen behandelt werden.

Prognose

Bei frühzeitiger Behandlung kann besonders bei Fohlen ein Erfolg erzielt werden. Insgesamt ist die Prognose bei Gonotrochlose aber eher vorsichtig bis schlecht.

Vorbeugung

Um Osteochondrose generell vorzubeugen, muss die Ernährung der Fohlen und Jungpferde genau kalkuliert werden. Eine Überversorgung sowie eine Unterversorgung mit Mineralstoffen und Energie sind in jedem Fall zu vermeiden. Wer sein Jungpferd für eine Ausstellung zu mächtig füttert, tut dem Pferd und dem späteren Besitzer keinen Gefallen. Besonders schnellwüchsige Pferde sollten eher knapp und ausgewogen gefüttert werden.

Zusätzlich haben Studien gezeigt, dass eine ausreichende Bewegung junger Fohlen geeignet ist, die Gelenke zu trainieren und damit auch kräftig zu machen. Überbelastung muss natürlich vermieden werden.

Tipps

Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt helfen, die geeignete Fütterung für Ihr Jungpferd zu kalkulieren. Lesen Sie auch den Artikel Fohlenfütterung.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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