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Pferd: Gebärmutterverdrehung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Torsio uteri

Die Gebärmutter (Uterus) des Pferdes besteht aus dem Gebärmutterkörper, der nach vorne in zwei Gebärmutterhörner übergeht.

Der Gebärmutterkörper ist über den Gebärmutterhals oder Muttermund (Zervix) mit der Scheide verbunden. Während der Rosse und bei der Geburt ist der Gebärmutterhals offen, die übrige Zeit ist seine Öffnung stark verengt und stellt im Normalfall einen wirksamen Schutz gegenüber Erregern dar, die in die Scheide eingedrungen sind.

In die Spitzen der Gebärmutterhörner münden die Eileiter, die das Ei nach erfolgtem Eisprung vom Eierstock in die Gebärmutter transportieren. Im Eileiter findet auch die Befruchtung des Eis mit den Samenzellen statt. Die Gebärmutter mit Eileitern und Eierstöcken ist über das breite Mutterband ähnlich einer Hängematte an der seitlichen Bauchwand aufgehängt. Das breite Mutterband ist eine dünne, aber feste Haut. So ist die Gebärmutter zwar etwas beweglich und kann sich während der Trächtigkeit auch ausdehnen, die Beweglichkeit ist aber begrenzt, um Verdrehungen usw. zu vermeiden. Im Mutterband laufen auch die versorgenden Blutgefäße der Organe.

Abb. GQF97NV5
Abb. GQF97NV5: Schemazeichnung der Geschlechtsorgane der Stute.

Zu Beginn einer Trächtigkeit nistet sich die befruchtete Eizelle um den 16.Tag nach dem Eisprung in einem der beiden Gebärmutterhörner ein. Mit fortschreitender Trächtigkeit wächst das Fohlen und liegt dann hauptsächlich im Gebärmutterkörper, der sich zunehmend nach vorne und unten im Bauchraum ausdehnt. Bei einer normalen Lage des Fohlens befinden sich dann nur noch die gebeugten Hinterbeine im Gebärmutterhorn. Der Kopf des Fohlens zeigt nach hinten, wobei das Fohlen bis kurz vor der Geburt sozusagen auf dem Rücken liegt. Unter der Geburt dreht sich das Fohlen in den Geburtskanal hinein.

Unter einer Gebärmutterverdrehung (Torsio uteri) versteht man eine Drehung des tragenden Organs um seine Längsachse. Verdrehungen der Gebärmutter kommen beim Pferd in der Spätträchtigkeit (8. – 10. Monat) und während der Geburt vor.

Ursachen

Im letzten Drittel der Trächtigkeit (ante partum) und unter der Geburt (intra partum) kann es vorkommen, dass sich die Gebärmutter um ihre Längsachse dreht. Ursachen sind vermutlich heftige Bewegungen des Fohlens und Kontraktionen der Gebärmutter. Das breite Mutterband ist durch das Gewicht der tragenden Gebärmutter ausgeleiert und kann das schwere Organ nicht mehr in seiner eigentlichen Lage halten. Der Drehpunkt liegt dabei meistens im Bereich der Scheide bzw. des Gebärmutterhalses. Durch die Längsdrehung werden auch die Blutgefäße im breiten Mutterband abgeknickt, die Gebärmutter und damit auch Plazenta und Fohlen mit frischem Blut versorgen. Je stärker die Verdrehung, umso vollständiger wird zum einen die Blutzufuhr, zum anderen aber auch der Rücktransport des Blutes aus der Gebärmutter unterbunden. Das Blut staut sich in der Gebärmutterwand. Das Gebärmuttergewebe wird brüchig und kann schließlich einreißen. Zudem bewirkt eine Unterversorgung mit frischem Blut einen Sauerstoffmangel im Gewebe: Das Gewebe kann absterben und auch das Fohlen ist unterversorgt und kann schließlich verenden. Dies geschieht umso schneller, je vollständiger die Blutzufuhr unterbunden ist, also je höher der Grad der Verdrehung.

Leitsymptom

Symptome

Bei Stuten mit einer Gebärmutterverdrehung hängen die Symptome vom Grad und der Dauer der Verdrehung ab. Bei nur leichten Verdrehungen können sich milde Symptome über Tage hinziehen. Bei stärkerem Verdrehungsgrad treten auffällige Symptome auf: Diese Stuten zeigen starke Koliksymptome wie Unruhe, Schwitzen und sich Niederlegen. Bei hochgradiger Verdrehung sind die Stuten schwer in ihrem Allgemeinbefinden gestört und können sogar verenden, wenn die Verdrehung unbehandelt bleibt.

Wenn die Stute sich in der Geburt befindet, so geht die Geburt nicht weiter voran. Der Ausgang aus der Gebärmutter ist durch die Drehstelle verengt, so dass das Fohlen nicht ausgetrieben werden kann.

In einigen Fällen sieht man bereits von außen eine asymmetrische Verschiebung der Schamlippen, die auf die Drehung hinweist.

Diagnose

Die Diagnose einer Gebärmutterverdrehung wird anhand des Allgemeinzustandes des Pferdes in Verbindung mit einer rektalen Untersuchung und einer Untersuchung der Scheide (vaginale Untersuchung) gestellt. Bei der rektalen Untersuchung der Gebärmutter lässt sich oftmals bereits die Lageveränderung des Organs fühlen. Zusätzlich kann bei einer vaginalen Untersuchung mit einem Spekulum der Gebärmutterhals betrachtet werden, der bei einer Verdrehung in diesem Bereich spiralig aufdreht ist.

Abb. GQF9IG49
Abb. GQF9IG49: Spekulum.
Das keimfreie Spekulum wird nach Reinigung des Schambereichs in die Scheide eingeführt und dann aufgeschraubt, um einen Blick in die Scheide zu ermöglichen.

Eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutterwand kann Hinweise auf den Schädigungsgrad geben. Auch die Bauchhöhlenpunktion kann nützlich sein: Ein verändertes Bauchpunktat zeigt eine Schädigung der Gebärmutterwand an.

Behandlung

Je nach Grad, Zeitpunkt während der Trächtigkeit und Allgemeinzustand der Stute stehen folgenden Behandlungsmethoden zur Verfügung:

  • Rückdrehen der Gebärmutter mit dem Arm am stehenden Pferd: Diese Methode kann bei Stuten versucht werden, die sich in der Geburt befinden. Mit dem Arm wird durch die Scheide und den geöffneten Gebärmutterhals in die Gebärmutter eingegangen. Das Fohlen wird ergriffen und über eine schwingende Bewegung versucht, die Gebärmutter zurück zu drehen.
  • Operation am stehenden Pferd: Am stehenden Pferd wird ein Flankenschnitt unter Sedierung und örtlicher Betäubung durchgeführt. Durch den Zugang wird mit dem Arm in die Bauchhöhle eingegangen und die Gebärmutter zurückgedreht. Die Geburt kann dann auf normalem Weg erfolgen.
  • Operation am liegenden Pferd: Am liegenden Pferd wird unter Vollnarkose die Bauchhöhle meistens von der Bauchunterseite eröffnet und die Zurücklagerung der Gebärmutter durchgeführt. Wenn es nötig ist, kann das Fohlen dann auch gleich per Kaiserschnitt entbunden werden. Nach Möglichkeit sollte man das Fohlen aber auf natürlichem Wege zur Welt kommen lassen.

Nach der Operation erhalten die Pferde entzündungshemmende Medikamente, ein Antibiotikum zur Vorbeugung bakterieller Infektionen und ggf. auch Hormone, die die weitere Trächtigkeit erhalten sollen.

Prognose

Bei der Verdrehung der Gebärmutter ist die Prognose abhängig von Grad und Zeitdauer der Erkrankung. Dies gilt auch für die Überlebenschancen des Fohlens. Bei einer Verdrehung um 360° und einem Bestehen der Erkrankung für mehr als 24 Stunden bestehen in der Regel keine Überlebenschancen für Stute und Fohlen. Daher ist Eile geboten!

Nach erfolgreicher Reposition der Gebärmutter in der Spätträchtigkeit bleiben etwa 70% der Trächtigkeiten erhalten und die Fohlen werden normal geboren.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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