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Pferd: Zahnwechsel

Allgemeines

Als Zahnwechsel bezeichnet man den Übergang vom Milchgebiss zum Dauergebiss.

Das Gebiss des Pferdes ist aus drei verschiedenen Zahntypen aufgebaut:

  • Schneidezähne (Incisivi): Die Schneidezähne befinden sich ganz vorne im Kiefer und dienen zum „Abschneiden“ des Grases beim Weiden.
  • Hakenzähne (Canini): Der Hakenzahn ist eigentlich nur beim männlichen Pferd richtig ausgebildet und wird daher auch als Hengstzahn bezeichnet. Bei Stuten kommt er nur selten und dann auch nur als unscheinbares Zähnchen vor.
  • Backenzähne: Die Backenzähne werden auch Mahlzähne genannt, weil sie in einer kreisenden Bewegung der Kiefer das Futter zermahlen. Dazu haben sie eine raue Kaufläche. Man unterscheidet die vorderen Backenzähne (Prämolaren) von den hinteren Backenzähnen (Molaren). Die Prämolaren haben einen Milchzahn als Vorläufer, die Molaren nicht. Die Backenzähne eines Pferdes wachsen bis das Pferd etwa 8 Jahre alt ist. Sie haben eine so genannte Reservekrone und werden das ganze Pferdeleben lang immer wieder in die Mundhöhle nachgeschoben, wo sie von ihrem Gegenspieler im gegenüberliegenden Kiefer abgerieben werden.

Ein Pferd hat im Ober- und Unterkiefer gleich viele Zähne. Zwischen den Schneidezähnen und den Backenzähnen befindet sich ein bis auf den Eckzahn zahnloser Zwischenraum, der auch Lade genannt wird.

Abb. GS1I11KK
Abb. GS1I11KK: Bleibendes Gebiss eines 8-jährigen Pferdes.
Darstellung mit Hakenzähnen und Wolfszähnen im Oberkiefer.

Zahnwechsel

Der Durchbruch der Milchzähne und der Wechsel zu den bleibenden Zähnen erfolgt in einer bestimmten Reihenfolge. Zur vereinfachten Darstellung des Zahnwechsels teilt man den Ober- bzw. Unterkiefer längs in zwei Hälften und gibt immer nur die Zähne einer Seite an. Diese benennt man vorne beginnend mit dem Zahntyp und einer fortlaufenden Zahl. Beispiel: Das Pferd hat im Oberkiefer insgesamt 6 Schneidezähne, auf jeder Seite also 3. Man benennt sie mit der Abkürzung der Fachbezeichnung „Incisivus“ von der Mitte aus mit I1, I2 und I3. Die Milchzähne werden zusätzlich mit einem kleinen „d“ gekennzeichnet. Der Hakenzahn wird zu „C“ und die Backenzähne zu „P“ für vordere Backenzähne und „M“ für hintere Backenzähne. Bei den vorderen Backenzähnen gibt es noch eine Besonderheit: Der erste Zahn, also der P1, ist häufig nicht ausgebildet. Wenn er doch vorhanden ist, dann als sehr kleines Zahnstummelchen, das auch Wolfszahn genannt wird. Die hinteren Backenzähne haben keine Milchzähne als Vorläufer.

Anhand der Tabelle wird ersichtlich, in welchem Alter welcher Zahn durch das Zahnfleisch durchbricht und wann der Milchzahn von einem bleibenden Zahn abgelöst wird:

Milchzahn Durchbruch Bleibender Zahn Durchbruch
Id1 Vor der Geburt oder in den ersten Lebenstagen I1 2,5 – 3 Jahre
Id2 3 – 4 Wochen (selten 8 Wochen) I2 3,5 – 4 Jahre
Id3 5 – 9 Monate I3 4,5 – 5 Jahre
Cd Brechen selten durch C 4 – 5 Jahre
Pd2 Vor der Geburt oder in den ersten Lebenswochen P2 2,5 Jahre
Pd3 Vor der Geburt oder in den ersten Lebenswochen P3 2,5 Jahre
Pd4 Vor der Geburt oder in den ersten Lebenswochen P4 3,5 Jahre
- M1 6 – 9 Monate (selten bis 14 Monate)
- M2 2 – 2,5 Jahre
- M3 3,5 – 4,5 Jahre

Manchmal bleiben die Milchzähne wie kleine Kappen auf den durchbrechenden Folgezähnen sitzen und stören das Kauen des Pferdes. Diese „reitenden Milchzähne“ können in der Regel problemlos mit einer Zahnzange entfernt werden, wobei der darunterliegende Zahn nicht beschädigt werden darf.

Vereinzelt entstehen beim Zahnwechsel knochenharte Verdickungen am unteren Unterkieferrand, die man auch „Bumps“ nennt. Diese sind normal, solange sie dem Pferd keine Probleme bereiten und nur geringgradig ausgeprägt sind. Sie verschwinden wieder, wenn der bleibende Zahn durchgebrochen ist.

An einem normal abgenutzten Gebiss kann man das so genannte Zahnalter eines Pferdes bestimmen. Das Zahnalter eines Pferdes lässt Rückschlüsse auf sein wirkliches Alter zu. Allerdings beeinflussen bestimmte Kriterien wie z.B. Koppen, ungenügende Raufutteraufnahme oder ausschließliche Raufutterfütterung und die Rasse die Abnutzung der Zähne.

Folgende Merkmale an den Zähnen kann man zur Zahnaltersbestimmung verwenden:

  • Durchbruch und Abnutzung der Milchzähne
  • Wechsel der Zähne
  • Kundenabrieb: Kunden sind Furchen in den Kauflächen der bleibenden Schneidezähne. Im Oberkiefer sind die Kunden zunächst 12mm, im Unterkiefer 6mm tief. Durch die Reibung nutzen sich die Schneidezähne etwa 2mm/Jahr ab, so dass auch die Kunden langsam flacher werden und schließlich verschwinden. Da die Schneidezähne mit etwa einem Jahr Abstand wechseln und in Reibung kommen, kann man an ihnen die unterschiedlich tiefen Kunden sehen.
  • Schneidezähne: Die Stellung der Schneidezähne ändert sich von einer steilen zu einer zunehmend flachen Stellung. Man sagt auch dazu, das „Zangengebiss“ wird ein „Winkelgebiss“, weil der Winkel zwischen den Schneidezähnen spitzer wird.
  • Rinne am dritten Schneidezahn: Mit etwa 10 Jahren zeigt sich eine Kerbe oder Rinne auf der Außenfläche dieses Zahns, die mit etwa 15 Jahren zu Hälfte und mit ca. 20 Jahren komplett runtergewachsen ist. Spätestens mit 30 Jahren ist die Rinne in der Regel vollständig verschwunden
  • Form der Backenzähne: Die Kaufläche der Backenzähne ist zunächst queroval, wird dann rundlich, dreieckig und zuletzt längsoval

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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18.06.2017: Linchen
Ich habe seid 4 Wochen eine gerade 4 jährige Appaloosa Stute bekommen. Gestern beim Bodenarbeitstraining spuckte sie auf einmal ein Grasbällchen. Kann das auch mit dem Zahnwechsel zu tun haben??
Ich werde auf jeden Fall nächste Woche jemanden kommen lassen um mal zu schauen...
18.06.2017: Linchen
Ich habe seid 4 Wochen eine gerade 4 jährige Appaloosa Stute bekommen. Gestern beim Bodenarbeitstraining spuckte sie auf einmal ein Grasbällchen. Kann das auch mit dem Zahnwechsel zu tun haben??
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13.02.2016: nancy
also meine fast 4 jahrige stute hat auch schschon mit 2 ihre i1 gewechselt also keine sorge das kann vorkommen und jedes pferd ist ja anders,sie wechselt gerade i2 mit fast 4jahren...backenzähne hab ich auch gefunden...auf der wiese...lach
22.04.2013: Winny336
Guten Morgen,
meine fast 4 jährige Vollblutstute bekommt gerade auf beiden Seiten ihre I2. Da ich Sie erst vor kurzem von der Rennbahn gekauft habe ist es unmöglich sie ohne Gebiss zu reiten. Woher weis ich ob sie daher schmerzen hat wenn ich reite? Und wenn sie schmerzen hat, was kann ich tun? Danke für die Hilfe. LG
15.10.2012: Sarah
Ja, er hat relativ viel Blutanteil. Dann werde ich erstmal abwarten. Vielen Danke für Ihre Antwort.
15.10.2012: enpevet
In Vergleichsstudien zwischen verschiedenen Pferderassen wird der Wechsel des I1 beim Englischen Vollblut und beim Araber bereits ab einem Alter von 2 Jahren und 1 Monat beobachtet, während Kaltblüter und auch Ponys in der Regel etwas später dran sind. Vielleicht hat Ihr Pferd einen hohen Vollblutanteil? Man hat bislang keine Erklärung gefunden, warum es über diese rassebedingten Unterschiede hinaus individuelle Schwankungen gibt. Der Milchzahn fällt immer dann aus, wenn der bleibende Zahn von unten nachschiebt und die Wurzel des Milchzahns aufgelöst wird. Da bei Ihrem Pferd der bleibende Zahn ja offensichtlich korrekt nachschiebt, würde ich mir keine Sorgen machen.
13.10.2012: Sarah
Also, überall lese ich, das der Zahnwechsel mit 2 1/2 beginnt... Wie kann es den sein, das mein 1 1/2 jähriger Hengst jetzt schon anfängt I1 zu wechseln? der erste fehlt schon und kommt nach...
Und bitte erzählt mir nicht er sei schon älter, er ist am 19.03.2011 geboren, hat einen Microchip und volle Papiere, daher ist das ausgeschlossen.
Ich hoffe jemand kann mir dazu was sagen !?

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