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Pferd: Wobbler-Syndrom

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Spinale Ataxie, Idiopathische Kreuzlähme, Zervikale Malformation, CVM

Der Begriff Wobbler-Syndrom beschreibt eine Bewegungsstörung, die durch eine Einengung des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule verursacht wird. Diese Form der Bewegungsstörung wird auch als spinale Ataxie bezeichnet.

Das Pferd hat sieben Halswirbel. Die Halswirbel bilden einen Kanal, in dem das Rückenmark verläuft.

Wirbel sind nach einem bestimmten Grundprinzip aufgebaut:

  • Wirbelkörper, die über Bandscheiben mit dem nächsten Wirbelkörper verbunden sind
  • Wirbelbogen; Wirbelkörper und Wirbelbogen aller Wirbel formen zusammen den Rückenmarkkanal
  • Dornfortsatz; die Dornfortsätze der Halswirbel sind kaum ausgebildet
  • 2 Querfortsätze
  • 2 Gelenkfortsätze: Diese bilden die so genannten kleinen Wirbelgelenke oder Facettengelenke zwischen den einzelnen Wirbeln

Die meisten Wirbel folgen diesem allgemeinen Aufbau, sie sind aber je nach Lage in der Wirbelsäule unterschiedlich ausgeprägt und können daher sehr unterschiedlich aussehen.

Zwischen den Wirbelbögen befinden sich Zwischenwirbellöcher, durch die Nerven das Rückenmark verlassen.

Abb. GR6B80YE
Abb. GR6B80YE: Wirbelkörper.
Schematische Darstellung von vorn.

Abb. GR6B9M8K
Abb. GR6B9M8K: Wirbelkörper.
Schematische Darstellung von der Seite.

Ursachen

Die Ursache der Bewegungsstörung ist eine Einengung des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule. Typischerweise tritt sie bei jungen Pferden bis 4 Jahren auf. Bei älteren Pferden können Verletzungen, Arthrosen der Facettengelenke oder Tumoren zu spinaler Ataxie führen.

Das Rückenmark kann dauerhaft oder zeitweise eigeengt werden. Man spricht auch von statischer oder dynamischer Kompression. Durch die Einengung werden hauptsächlich die Nervenbahnen geschädigt, die den Bewegungsablauf der Hinterhand koordinieren.

Für die Kompression werden verschiedene Veränderungen an den Wirbeln verantwortlich gemacht:

  • Subluxation der Wirbelkörper (Wirbelgleiten): Hierbei rutscht beim Einrollen des Halses der hintere Wirbelkörper nach oben und ragt damit in den Rückenmarkkanal hinein. Diesen Vorgang nennt man auch Wirbelgleiten oder Spondylolisthesis. Wirbelgleiten ist die häufigste Ursache einer dynamischen Kompression.
  • Veränderungen an den Wachstumszonen der Wirbel, Lockerung der stabilisierenden Bänder, Veränderungen der Gelenkflächen der Wirbelkörper und der Bandscheiben sollen eine Subluxation begünstigen.
  • Veränderungen an den kleinen Wirbelgelenken (Facettengelenke) engen den Rückenmarkkanal statisch oder dynamisch ein (z.B. Spondylarthrosen).
  • Knorpel- und Knochenschäden und – zubildungen engen den Rückenmarkkanal dauerhaft ein (z.B. so genannte „ski-jumps“, das sind knöcherne Zubildungen im Bereich der Wachstumsfuge der Wirbelkörper, die in den Rückenmarkkanal hinein reichen und von unten gegen das Rückenmark drücken).
  • Ein zu eng angelegter Rückenmarkkanal führt ebenfalls zu einer statischen Kompression.

Man geht davon aus, dass es durch die Veränderungen auch zu einer Schwellung der umgebenden Weichteile kommt, die zusätzlich Druck auf das Rückenmark ausübt.

Es ist bis heute noch immer nicht ausreichend geklärt, warum es bei einigen Pferden zu diesen Vorgängen kommt. Verschiedene Faktoren sollen das Auftreten eines Wobbler-Syndroms begünstigen: Frohwüchsige Pferde, hoher Vollblutanteil, energiereiches Futter, Unfall im Fohlenalter, Osteochondrose (s. Gelenkchips), genetische Faktoren an den Gelenkflächen der Halswirbelsäule.

Ansteckung

Eine Erblichkeit des Wobbler-Syndroms kann nicht ausgeschlossen werden.

Leitsymptom

Mangelnde Bewegungskoordination (Ataxie)

Symptome

Die Pferde zeigen unsicheren Gang besonders der Hinterhand. Wenn das Pferd gedreht wird, knickt häufig das äußere Sprunggelenk ein. Auf plötzliches Anhalten reagieren die Pferde mit Schwanken. Rückwärtsgehen ist oftmals gar nicht möglich. Seitwärtsdrehen des Halses kann dazu führen, dass das Pferd stürzt. In schweren Fällen kann das Pferd keine kontrollierten Bewegungen mehr ausführen.

Diagnose

Das Pferd wird zunächst neurologisch untersucht; dazu gehört z.B. die Überprüfung von

  • Reflexen
  • Hautsensibilität
  • Bewegungsablauf
  • Verhalten

Knöcherne Veränderungen an den Halswirbeln können durch Röntgenaufnahmen sichtbar gemacht werden. Häufig werden Aufnahmen am gestreckten und gebeugten Hals angefertigt. Dazu kann es nötig sein, das Pferd in Vollnarkose zu legen, um den Hals maximal einzurollen und so eine Subluxation der Wirbelkörper zu provozieren.

Der Nachweis von knöchernen Veränderungen lässt aber meistens noch keinen Rückschluss auf den tatsächlichen Grad der Einengung des Rückenmarks zu. Durch Einspritzen eines Kontrastmittels in den Rückenmarkkanal kann die Einengung des Rückenmarkkanals auf dem Röntgenbild sichtbar gemacht werden. Dieses Verfahren nennt man Myelographie. Es werden meistens mehrere Aufnahme in unterschiedlichem Beugungsgrad des Halses gemacht. Hierzu muss das Pferd in Vollnarkose gelegt werden.

Abb. GSK6OGBJ
Abb. GSK6OGBJ: Myelogramm einer Halswirbelsäule.
Der dunkle, durchgehende Bereich zwischen den Wirbelkörpern ist das Rückenmark. Durch Einspritzen eines Kontrastmittels in den Rückenmarkkanal ist dieser um das Rückenmark herum hell angefärbt. Der Pfeil zeigt auf eine Stelle, an der der Rückenmarkkanal eingeegnt wird. An dieser Stelle wird das Kontrastmittel durch die Einengung verdrängt.

Mit Hilfe der Szintigraphie können akute Entzündungsprozesse im Bereich der Halswirbelsäule nachgewiesen werden.

Behandlung

Besonders in frühem Stadium bzw. unmittelbar nach einem Unfall kann eine konservative Behandlung gute Erfolge bringen: Entzündungshemmende Medikamente in Kombination mit Anabolika, Vitamin-E- und Selen-Präparaten, abschwellende Medikamente.

Daneben existiert eine operative Behandlungsmethode: Der Wirbelkörper, der nach oben wegrutscht, wird mit seinem Vordermann operativ verbunden und verwächst mit ihm (ventrale Wirbelfusion). Eine Subluxation ist danach nicht mehr möglich. Das Rückenmark kann dann nicht mehr eingeengt werden und sich (in beschränktem Maße) regenerieren.

Auch in den Fällen, in denen keine Subluxation vorliegt, sondern andere Veränderungen zu einer Rückenmarkkompression führen, kann diese Operation hilfreich sein: Durch die Wirbelfusion wird der erkrankte Bereich stabilisiert und in seiner Bewegung eingeschränkt. So sollen die Prozesse zur Ruhe kommen und die Weichteilschwellung abklingen.

Prognose

Insgesamt ist die Prognose beim Wobbler-Syndrom eher vorsichtig zu stellen. Die Prognose ist umso besser, je schneller das Pferd behandelt wird und je geringer die Ausfallerscheinungen sind. Die beste Prognose wird nach einer frühzeitigen Operation angegeben, in der Literatur werden Erfolgsraten von 40 – 90% beschrieben.

Vorbeugung

Fohlen sollen ausgewogen, aber nicht zu energiereich gefüttert werden. Lesen Sie dazu auch das Kapitel Fohlenfütterung.

ACHTUNG

Nicht alle Veränderungen der Halswirbelsäule, die auf dem Röntgenbild zu sehen sind, führen auch zu einer Einengung des Rückenmarks und damit zu klinischen Symptomen.

Ein ataktisches Pferd stellt aufgrund seiner unkontrollierten Bewegungen immer eine potenzielle Gefährdung für den Menschen dar, der mit dem Pferd umgeht.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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