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Pferd: Vitalparameter

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Normalwerte, Ruhewerte

Unter dem Begriff Vitalparameter versteht man die Normalwerte, die ein gesundes und entspanntes Pferd in Ruhe aufweist. Man nennt sie auch Ruhewerte. Krankheit, aber auch Aufregung, Stress, das Alter und körperliche Aktivität können diese Werte erheblich verändern. Dieser Tatsache muss bei der Interpretation der Werte immer Rechnung getragen werden.

Atemfrequenz

Die Atemfrequenz wird in Atemzügen/min angegeben. Sie beträgt in Ruhe bei einem erwachsenen Pferd 8 – 16 Züge/min.

Bei Fohlen kann die Atemfrequenz in den ersten 15 Lebensminuten 60 – 90 Atemzüge/min betragen, um dann auf 20 – 40 Atemzüge/min abzusinken.

Am besten lässt sich die Atemfrequenz ermitteln, wenn man sich schräg vor oder hinter das Pferd stellt und die Bewegung der Flanke (Bauch) beim Ein- und Ausatmen betrachtet.

Dabei kann auch gleich der Atemtyp beurteilt werden. Normalerweise wölben sich beim Einatmen die Rippen nach außen und der Bauch wird dicker, weil die vermehrt luftgefüllten Lungen mehr Platz brauchen und die übrigen Eingeweide sich in den Bauchraum verlagern. Beim Ausatmen wird der Rippenbogen flacher und der Bauch zieht sich wieder ein. Normalerweise verläuft die Einatmung aktiv, die Ausatmung aber passiv. Passiv bedeutet, dass die Lungen sich aus eigener Kraft wieder zusammen ziehen, ohne dass Muskelkraft dafür aufgewendet werden muss. Bei erschwerter Atmung wird die Bauchpresse eingesetzt, d.h. die Bauchmuskeln werden angespannt, um die Luft aktiv aus den Lungen zu pressen. Dies kann man an einem Aufziehen des Bauches und bei längerem Bestehen des Zustands an einer Verdickung der Bauchmuskeln beobachten (so genannte Dampfrinne bei COB). Erschwerte Atmung kann man auch an einer Erweiterung der Nüstern beim Einatmen und an einem Einziehen des Afters beim Ausatmen erkennen.

Abb. GR6FF35G
Abb. GR6FF35G: Erschwerte Atmung.
Dieses Fohlen muss die Nüstern aufblähen, um genug Luft zu bekommen. Es hat eine Lungenentzündung.

Die Atemfrequenz kann während extremer Belastung auf Werte bis zu 150 Zügen/min ansteigen. Nach der Belastung beruhigt sich die Atmung umso schneller, je besser trainiert das Pferd ist.

Herzfrequenz

Die Herzfrequenz wird in Schlägen/min angegeben. Sie beträgt beim erwachsenen Pferd etwa 28 – 40 Schläge/min.

Fohlen haben in den ersten 5 Lebensminuten eine Herzfrequenz von 65 – 85 Schlägen/min, danach steigt sie auf 130/min an. Im Verlauf der ersten Wochen sind Werte zwischen 70 und 100 Schlägen/min normal.

Beim gesunden Pferd führt jeder Herzschlag zu einer Pulswelle, die sich an den Arterien fühlen lässt. Beim Pferd eignet sich die Arterie, die man am Unterkiefer am Übergang zu den Ganaschen fühlen kann. Vorsicht: Nie den Puls mit dem Daumen messen. Dabei kann man versehentlich den eigenen Pulsschlag zählen! Wenn man versucht, die Herzfrequenz direkt am Herzen zu ermitteln, muss man beachten, dass ein Herzschlag aus zwei Herztönen besteht, die man u.U. beide fühlen kann. Wenn man versehentlich beide Töne zählt, kommt man auf eine doppelt so hohe Herzfrequenz.

Die Herzfrequenz kann unter Beanspruchung bis auf über 200 Schläge/min ansteigen. Je besser das Pferd trainiert ist, umso langsamer steigt die Frequenz an und umso schneller sind die Ruhewerte wieder erreicht.

Temperatur

Die Temperatur des Pferdes wird im Enddarm (Rektum) gemessen. Sie beträgt beim ausgewachsenen Pferd 37,0°-38,2°C. Beim neugeborenen Fohlen liegt sie in der Regel zwischen 38,5° und 38,8°C.

Man misst die Temperatur, indem man ein herkömmliches Fieberthermometer anfeuchtet und in den After des Pferdes einführt. Das Thermometer darf auf keinen Fall im Darm des Pferdes verschwinden! Entweder hält man das Thermometer während des Messens fest oder man befestigt ein Band daran und klemmt das Band mit einer Wäscheklammer am Schweif fest. Dabei sollte man immer neben und nie hinter dem Pferd stehen, da das Pferd durchaus beim Messen ausschlagen kann.

Durch körperliche Arbeit und Aufregung kann die Temperatur erheblich ansteigen. Man sollte daher immer mindestens eine Stunde warten, bis man nach der Arbeit die rektale Körpertemperatur misst.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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