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Pferd: Vernagelung

Allgemeines

Über den Aufbau des Hufes informieren Sie sich bitte im Kapitel Huf.

Als Vernagelung wird jede Verletzung der Huflederhaut oder des Hufbeins durch einen Hufnagel bezeichnet, die beim Beschlagen des Pferdes erfolgt.

Normalerweise wird ein Hufnagel im Bereich der weißen Linie angesetzt und so in den Huf eingetrieben, dass er in einem auswärtsgerichteten Bogen das Wandhorn durchstößt und nach ca. 2cm wieder nach außen gelangt. Der Hufnagel ist so gebaut, dass er beim richtigen Einschlagen automatisch den Bogen nach außen beschreibt. Dabei berührt er nur totes Horn.

Ursachen

Bei einer Vernagelung dringt der Hufnagel tiefer in die inneren Bereiche des Hufes ein und kann dabei die Huflederhaut oder das Hufbein berühren und sogar verletzen. Die Ursachen, die zu dieser Fehlplatzierung des Nagels im Pferdehuf führen, können ganz unterschiedlich sein:

  • Wegziehen des Hufes im Moment des Nageleinschlagens
  • unregelmäßige Hufform
  • schlechte Hornqualität
  • Materialfehler in Nagel oder Hufeisen
  • fehlerhafte Hufkorrektur
  • zu kleines Hufeisen
  • verkehrtes Einschlagen der Hufnägel

Durch den Stichkanal können Bakterien in die Tiefe des Hufes eindringen und führen dort zu einer eitrigen Huflederhautentzündung bzw. einer eitrigen Hufbeinentzündung.

Leitsymptom

Lahmheit

Symptome

Wenn der Hufnagel die Huflederhaut berührt, zuckt das Pferd zurück, denn im Gegensatz zum toten Hufhorn ist die Huflederhaut sehr schmerzempfindlich. Das Pferd ist sofort lahm. Wenn man den Hufnagel gleich entfernt, dringt Blut aus dem Einstichkanal und der Nagel selbst ist auch blutig. Wird der Nagel erst nach ein paar Tagen entfernt, so entleert sich aus dem Stichkanal im Falle einer bakteriellen Entzündung grauer Eiter. Durch die Entzündung ist der Huf vermehrt warm.

Diagnose

Für die Diagnosestellung ist es wichtig zu wissen, wann der Hufschmied da war, ob es Besonderheiten während des Beschlagens gab und wann die Lahmheit auftrat.

Huf und Beschlag werden kontrolliert und dann das Eisen vorsichtig abgenommen. Der verdächtige Stichkanal wird durch Nachschneiden freigelegt. Die vorliegenden Befunde sind in der Regel eindeutig.

Abb. GX1PD9B8
Abb. GX1PD9B8: Einsatz der Hufzange.
Mit der Hufzange wird Druck auf bestimmte Bereiche des Hufes ausgeübt. Wenn ein schmerzhafter Bereich, z.B. eine Vernagelungsstelle abgedrückt wird, zieht das Pferd den Huf zurück.

Behandlung

Der Hufnagel muss sofort entfernt werden. Der Stichkanal wird trichterförmig erweitert und die freigelegte Huflederhaut wird desinfiziert. Bei einer frischen Vernagelung kann das Hufeisen aufgenagelt werden, allerdings wird in den Bereich der Vernagelung kein Hufnagel eingeschlagen. Ältere Vernagelungen erfordern meistens ein großzügiges Freischneiden der Lederhaut. Anschließend wird für mehrere Tage ein Druckverband angelegt. So wird die Verhornung der frei gelegten Huflederhaut beschleunigt und der Huf ist schnell wieder durch Hornmaterial geschützt.

Bei längerem Bestehen der Erkrankung und Bildung eines Hufgeschwürs wird dieses entsprechend behandelt.

Prognose

Beim rechtzeitigen Erkennen und frühzeitiger Behandlung heilt eine Vernagelung in der Regel gut aus. Verschleppte Fälle können allerdings zu tiefen Hufgeschwüren und einer eitrigen Einschmelzung des Hufbeins führen und haben dann eine schlechte Prognose.

ACHTUNG

Bei der Vernagelung besteht immer die Gefahr, dass Erreger des Tetanus in die Wunde gelangen. Daher unbedingt auf ausreichenden Impfschutz achten!

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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