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Pferd: Vergiftungen

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Intoxikationen

Vergiftungen entstehen durch die Aufnahme von Giftstoffen, die man auch Toxine nennt. Diese Stoffe haben eine unterschiedliche Toxizität, d.h. sie unterscheiden sich in ihrer „Giftigkeit“. Reicht bei dem einen Stoff bereits eine kleine Menge aus, um zu schweren Vergiftungserscheinungen zu führen, so müssen von anderen Substanzen große Mengen aufgenommen werden, um eine unerwünschte Reaktion hervorzurufen. Daher ist manchmal der Begriff „Gift“ gar nicht so leicht zu definieren. Auch Futterzusätze wie Selen oder Knoblauch können bei Überdosierung zu Vergiftungserscheinungen beim Pferd führen. Es gilt der alte Grundsatz: Die Dosis macht das Gift!

Ebenso muss man zwischen akuten und chronischen Vergiftungen unterscheiden: Bei akuten Vergiftungen treten die meist drastischen Symptome unmittelbar nach Aufnahme des Giftstoffes auf. Bei chronischen Vergiftungen reichert sich das Gift durch wiederholte Aufnahme über einen längeren Zeitraum im Körper des Pferdes an und führt so allmählich zu Vergiftungserscheinungen.

Ursachen

Es gibt eine unendlich große Anzahl von Substanzen, die beim Pferd zu Vergiftungserscheinungen führen können. Exemplarisch sollen hier nur einige Beispiele genannt werden, die relativ häufig die Ursache von Vergiftungen sind:

Giftpflanzen

Im frischen Zustand vermeiden viele Pferde die Aufnahme giftiger Pflanzen. Besonders bei Raufuttermangel und abgefressenen Weiden, Langeweile und jungen, unerfahrenen Pferden kann es aber immer passieren, dass ein Pferd giftige Pflanzenteile aufnimmt. Auch bei der Trocknung zu Heu bleibt die Giftigkeit der meisten Giftpflanzen erhalten, sie werden aber getrocknet leichter vom Pferd gefressen als im frischen Zustand! Daher stellen Giftpflanzen im Heu eine besonders große Gefahrenquelle dar.

Besonders giftig für Pferde sind folgende Pflanzen, bei denen z.T. schon die Aufnahme geringer Mengen zum Tod führen kann:

  • Eibe (bes. Nadeln)
  • Adlerfarn (bes. junge Pflanzen)
  • Buchsbaum (bes. Blätter und Rinde)
  • Herbstzeitlose (bes. Blüten und Samen)
  • Jakobs-Kreuzkraut
  • Roter Fingerhut (bes. Blätter)
  • Tollkirsche (bes. Beeren und Blätter)

Schädlingsbekämpfungsmittel

Schädlingsbekämpfungsmittel und Pflanzenschutzmittel können bei unbedachter Lagerung oder Anwendung vom Pferd aufgenommen werden. Dabei spielt die Verunreinigung von Futtermitteln und Tränkewasser wahrscheinlich die größte Rolle. Beispiele sind:

  • Rattengift (z.B. Cumarin, Zinkphosphid)
  • Schneckengift (z.B. Metaldehyd)
  • Insektengifte bzw. Pflanzenschutzmittel (z.B. chlorierte Kohlenwasserstoffe, Phosphorsäureester)

Pilzbefall in Futtermitteln

Pilze entwickeln sich entweder bereits auf der wachsenden Pflanze oder während der Lagerung der Futtermittel. Der Pilz kann direkt giftig sein (z.B. Rostpilz) oder, wie im Fall der sehr häufigen Schimmelpilze, giftige Substanzen bilden, die man Mykotoxine nennt. Diese sind dann noch in den Futtermitteln vorhanden, wenn der Pilz längst abgestorben ist. Man kennt mehr als 300 Schimmelpilzarten, die über 200 verschiedene Gifte bilden (z.B. Aflatoxine, Ochratoxin, Satratoxin oder Mutterkorn-Toxine).

Futterzusätze

  • Selenüberdosierung: 2 – 3mg Selen/kg Trockensubstanz (TS) eines Futtermittels sind bereits zuviel für ein Pferd (man empfiehlt 0,1mg/kg TS)
  • Puten-, Rinder- und Schweinefutter können für das Pferd giftige Futterzusätze enthalten (z.B. Monensin, Salinomycin)

Giftige Inhaltsstoffe in Farben etc.

  • Blei (Farben, Bleirohre für Tränkewasser)
  • Quecksilber (z.B. scharfe Quecksilbereinreibungen, die aus Tierschutzgründen sowieso abzulehnen sind)
  • Arsen (früher in Schädlingsbekämpfungsmitteln)
  • Fluor (z.B. in Holzschutzmitteln)
  • Altöl (Dioxin) in Reitplatzböden

Ansteckung

Die meisten Vergiftungen entstehen dadurch, dass das Pferd den Giftstoff mit dem Futter oder durch Belecken und Beknabbern von Gegenständen aufnimmt. Gift kann aber auch über die Atemwege oder die Haut in den Körper gelangen. Bei Pferden, die in einer Herde gehalten werden, müssen durchaus nicht alle Tiere von der Vergiftung betroffen sein. Die Giftaufnahme hängt stark von den individuellen Eigenschaften eines Tieres ab (Rangordnung, Langeweile, Neugier).

Symptome

Die Symptome einer Vergiftung können ganz unterschiedlich aussehen. Häufige Symptome einer akuten Vergiftung sind:

  • Verhaltensänderung (z.B. Schreckhaftigkeit, Schläfrigkeit)
  • Speicheln
  • Kolik
  • Durchfall
  • Bewegungsstörungen
  • Zittern
  • Krämpfe
  • Lähmungen
  • Kreislaufversagen (Schock)

Chronische Vergiftungen äußern sich häufig durch:

  • Anämie
  • Hufrehe
  • Haarausfall
  • Hautveränderungen
  • Abmagerung
  • Verhaltensänderung

Diagnose

Die Diagnose einer Vergiftung ist dann leicht zu stellen, wenn das Pferd bei der Aufnahme einer giftigen Substanz beobachtet wurde. In allen übrigen Fällen ist es häufig sehr schwierig, die Vergiftung nachzuweisen. Als Tierhalter sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Neue Weide? Neue Futtermittel? Auffälligkeiten bei den Futtermitteln?
  • Zugang zu Gartenabfällen? Viereckbepflanzung? Zierpflanzen? Naschen während eines Ausritts?
  • Unkrautvernichtungs- oder Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen in der Nähe?
  • Medikamentengabe? Entwurmung?
  • Bauliche Veränderungen, neuer Anstrich, neues Material?

Bei jedem Verdacht auf eine Vergiftung sollte unverzüglich ein Tierarzt hinzugezogen werden. Durch verschiedene Untersuchungen kann er andere Erkrankungen, die zu den gleichen Symptomen führen, ausschließen.

Wenn der begründete Verdacht auf ein bestimmtes Gift besteht, können Proben genommen und in einem Labor untersucht werden. Folgende Proben werden häufig untersucht:

  • Blut
  • Mageninhalt
  • Urin
  • Gewebeproben von verstorbenen Tieren
  • Futtermittel (jeweils mindestens 1kg), auch von verschiedenen Stellen
  • Wasser
  • Pflanzen (möglichst ganze Pflanze)
  • Farben, Insektizide etc.

Behandlung

Als wichtigste Maßnahme wird das Pferd sofort von allen möglichen Giftquellen fern gehalten. Abhängig von Gift und Symptomen können verschiedene Therapien versucht werden.

Bei schweren Vergiftungserscheinungen werden zunächst symptomatisch lebensrettende Sofortmaßnahmen durchgeführt. Das sind z.B.:

  • Stabilisierung des Kreislaufs durch Infusionen, Herz unterstützende Medikamente, Blutdruck regulierende Medikamente
  • Erhaltung der Atmung: Atemwege frei halten, Sauerstoff, Atemtätigkeit anregende Medikamente, u.U. Beatmung
  • Krämpfe vermindern durch krampflösende Medikamente
  • Nierenversagen entgegenwirken: Infusionen, entwässernde Medikamente (Diuretika)
  • Ödem-Ausschwemmung: entwässernde Medikamente (Diuretika), Entzündungshemmer
  • Leberschutz: Hepatoprotektiva oder Infusionen mit Aminosäuren und B-Vitaminen (Wirkung ist umstritten)
  • Schmerzmittel
  • Beruhigungsmittel

Weitere Maßnahmen sollen helfen, das Gift aus dem Körper zu entfernen. Diesen Vorgang nennt man auch Entgiftung. Je nach Giftart, Zeitpunkt der Aufnahme und Zustand des Patienten kommen z.B. folgende Maßnahmen zum Einsatz:

  • Gegengift (Antidot): Für einige Substanzen gibt es ein passendes Gegengift
  • Magenspülung über die Nasenschlundsonde
  • Abführmittel (Glaubersalz, Paraffinöl) per Nasenschlundsonde
  • Gift bindende Medikamente z.B. Aktivkohle per Nasenschlundsonde
  • Ausscheidung über die Nieren durch Infusionen unterstützen
  • Waschungen bei äußerlichem Giftkontakt

Prognose

Die Prognose ist abhängig von Art und Menge des aufgenommenen Giftstoffes, vom Zeitpunkt des Behandlungsbeginns und davon, ob ein Gegengift vorhanden ist.

Vorbeugung

Vergiftungen können in der Regel durch Aufmerksamkeit des Pferdehalters vermieden werden:

  • Weidekontrolle auf Giftpflanzen
  • Fütterung einwandfreier Futtermittel; Heu und Stroh mit Verfärbungen und Schimmelnestern müssen verworfen werden
  • niemals Gartenabfälle verfüttern
  • sorgfältige Auswahl von Farben und Baumaterialien, zu denen das Pferd Zugang hat (auch im Auslauf und in der Reithalle läuft das Pferd mal frei herum und beknabbert die Umrandung)
  • sorgfältiger Umgang mit Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln
  • Tränkewasser in Trinkwasserqualität
  • Wenn Sie Ihr Pferd am Grünstreifen weiden lassen, achten Sie darauf, ob das benachbarte Feld gerade gespritzt worden ist.
  • Lassen Sie Ihr Pferd nicht aus Gräben trinken. Spritzmittel und nitritreiche Gülle können sich dort angereichert haben.

Tipps

Wenn Sie den Verdacht auf eine Vergiftung haben, geben Sie Ihrem Pferd nichts mehr zu fressen. Wasser in Trinkwasserqualität sollte es aber weiterhin trinken dürfen. Bringen Sie Ihr Pferd in eine weich eingestreute Box oder einen Auslauf, wo es sich bei Krampfanfällen nicht verletzen kann.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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hallo,
hat es einen Sinn,bei Verdacht auf vergiftung das verendete Pferd zur Pathologie zu bringen?wenn ja,was kann man denn da nachweisen,finden?wir haben mehrfach nur spärliche Hinweise auf die Ursachen bekommen.

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