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Pferd: Venenentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Phlebitis

Als Venen bezeichnet man alle Blutgefäße, die das Blut zum Herzen hin transportieren. Im Gegensatz zu den Arterien, die das Blut vom Herzen weg leiten, haben sie kaum Muskulatur in ihrer Wand. Daher können sie das Blut nicht aktiv durch Eigenbewegung befördern.

Unter einer Venenentzündung (Phlebitis) versteht man generell eine Entzündung der Venenwand. Bei einer Endophlebitis ist nur die innerste Schicht der Venenwand entzündet. Eine Thrombophlebitis bezeichnet eine Entzündung der Venenwand mit Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in der Vene. Eine Periphlebitis ist eine Entzündung des Gewebes um die Vene herum.

Die Drosselvenen sind die am häufigsten von einer Entzündung betroffenen Venen des Pferdes. Sie verlaufen je links und rechts am Hals des Pferdes in der Drosselrinne. Sie transportieren Blut aus dem Kopfbereich in Richtung Herz. Da die etwa daumenstarke Drosselvene, die in der Fachsprache Vena jugularis externa heißt, für den Tierarzt gut zugänglich ist, wird sie gerne für intravenöse (i.v.) Injektionen und Infusionen sowie zum Blutabnehmen verwendet.

Ursachen

Man unterscheidet aseptische (ohne Beteiligung von Krankheitserregern) von septischen Venenentzündungen.

Aseptische Venenentzündung

Jede Infusion oder Injektion in die Vene kann zu einer örtlich begrenzten Venenentzündung führen. Bereits durch den Einstich bzw. reizende Medikamente entsteht eine kleine Schwellung und Entzündung im Bereich der Einstichstelle, die normalerweise nach 2 – 3 Tagen von selbst wieder verschwindet. Wenn die Vene nun aber vermehrt für Injektionen oder für Dauerinfusionen von Notfallpatienten verwendet werden muss, kann sich auf der Veneninnenseite ein Blutgerinnsel bilden, das durch stetige Anlagerung von Blutbestandteilen auf mehrere Zentimeter Länge anwachsen kann. Das Blutgerinnsel kann so umfangreich werden, dass der gesamte Hohlraum der Vene verlegt wird. Der Abfluss des Blutes aus dem Kopf wird dann von der Drosselvene der anderen Seite und von den tiefer gelegenen Venen übernommen. Dennoch kann es zu Stauungserscheinungen am Kopf kommen, insbesondere dann, wenn die Drosselvenen auf beiden Seiten verlegt sind (Nilpferdkopf). Im Laufe der Zeit kann sich das Gerinnsel wieder abbauen oder es bilden sich neue Venen, die den Abfluss übernehmen.

Septische Venenentzündung

Bei der septischen oder eitrigen (purulenten) Venenentzündung sind Bakterien durch den Einstich in die Vene gelangt. Die Venenwand ist eitrig entzündet und es bildet sich eigentlich immer auch ein Blutgerinnsel, das neben den Blutbestandteilen auch Bakterien enthält. Wenn Teile des Gerinnsels abreißen, werden sie mitsamt den Bakterien im Körper verstreut und können z.B. in Niere und Lunge steckenbleiben und dort ebenfalls eitrige Entzündungen hervorrufen.

Eitrige Venenentzündungen führen häufig auf lange Sicht zu einem Veröden der Vene, d.h. sie bleibt dauerhaft verschlossen. Der Bluttransport wird dann von anderen oder neu gebildeten Venen übernommen.

Periphlebitis

Eine Periphlebitis entsteht, wenn ein gewebereizendes Medikament versehentlich (z.B. bei einer Abwehrbewegung des Pferdes oder falscher Technik) in das Gewebe neben der Vene gespritzt wird. Das Gewebe reagiert auf den Reiz mit einer Entzündung. Diese kann wiederum entweder aseptisch sein oder durch den Eintritt von Bakterien zu einer eitrigen Phlegmone werden.

Leitsymptom

  • Schwellung im Bereich der Drosselrinne
  • Schwellung im Kopfbereich

Symptome

Die Entzündung führt zu einer Verdickung der Venenwand, die häufig auch vermehrt warm ist. Ein Blutgerinnsel in der Drosselvene lässt sich als strangartige Verdickung tasten oder bei stärkerem Ausmaß auch bereits von außen sehen. Eitrige Thrombophlebitiden können zu einer massiven, schmerzhaften Verdickung der gesamten Drosselrinne führen.

Ab einer gewissen Größe des Thrombus staut sich das Blut vor dem Engpass kopfwärts an. Die Venen im Kopfbereich treten deutlich gestaut hervor. Ein manuelles Anstauen des Blutes durch Abdrücken der Drosselvene ist dann nicht mehr möglich, wenn der Durchgang vollständig verschlossen ist.

Periphlebitiden führen zu flächigen Verdickungen, die meistens warm und schmerzhaft sind. Eine Beteiligung von Bakterien führt zudem häufig zu Fieber und Abgeschlagenheit der Patienten.

Abb. GR6HJT1B
Abb. GR6HJT1B: Eitrige Thrombophlebitis der Drosselvene.
Im Kopfbereich treten die Venen deutlich angestaut hervor. Im oberen Bereich der stark verdickten Drosselvene hat sich der Eiter bereits einen Ausgang nach draußen gesucht, man erkennt eine kleine Fistelöffnung.

Diagnose

Die Diagnose kann anhand der klinischen Symptome und des Vorberichts meistens bereits gestellt werden. Das Ausmaß der Veränderungen und auch der Heilungsverlauf lassen sich gut mit Ultraschall darstellen. Mit Ultraschall lässt sich ein Bild des Thrombus erzeugen und feststellen, ob noch Blut durch die Vene fließen kann.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach Art und Ausmaß der Entzündung:

  • Leichte Entzündungen ohne Beteiligung von Bakterien und ohne Thrombenbildung heilen innerhalb weniger Tage von selber ab.
  • Aseptische Entzündungen mit Thrombenbildung werden mit entzündungshemmenden oder Heparin-haltigen Einreibungen behandelt. Zusätzlich können die Pferde systemisch gerinnungshemmende Medikamente erhalten. Je nach Medikament ist eine Überwachung des Pferdes in der Klinik notwendig, bis das Pferd auf die Medikamente eingestellt ist. Ziel der Behandlung ist ein vollständiger Abbau des Blutgerinnsels und die Wiederherstellung der Venenfunktion.
  • Septische Entzündungen werden konservativ mit durchblutungsfördernden Maßnahmen (Wärme, Salben) zur Reife gebracht. Ziel ist ein reifer Abszess, der dann gespalten werden kann, damit der Eiter sich nach außen entleert. Zur Vermeidung der Streuung der Bakterien im Körper erhalten die Pferde systemisch ein Antibiotikum.
  • Die veränderte Vene kann auch operativ entfernt werden. Dieses Vorgehen empfiehlt sich, wenn die Vene so stark geschädigt ist, dass eine Wiederherstellung ihrer Funktion nicht zu erwarten ist und gleichzeitig die Gefahr besteht, dass Teile des Thrombus in andere Organe abgeschwemmt werden.

Prognose

Einfache Venenentzündungen heilen in der Regel komplikationslos ab. Nichtinfizierte Thromben werden meistens vollständig abgebaut, allerdings kann dieser Vorgang mehrere Wochen dauern. Bakteriell infizierte Prozesse dauern in der Regel mehrere Wochen bis zu Monaten und können zum Verlust der Vena jugularis externa führen.

Vorbeugung

Zusatz von Heparin in Infusionslösungen und systemische Heparingaben können bei Intensivpatienten, deren Venen häufig benutzt werden müssen, die Gefahr einer Entzündung verringern.

ACHTUNG

Thrombosierte Venen dürfen niemals massiert werden, damit sich nicht Teile des Gerinnsels ablösen. Salben dürfen nur vorsichtig aufgetragen werden, ohne zuviel Druck auszuüben.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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