petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Überbeine

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Knochenauftreibungen

Als Überbein bezeichnet man eine örtlich begrenzte Zubildung von Knochenmaterial auf einem Kochen.

Bei der Ausbildung von Überbeinen spielt die Knochenhaut eine ganz entscheidende Rolle: Die Knochenhaut ist ein sehr gut durchblutetes und sehr schmerzempfindliches Häutchen, das den Knochen straff überzieht. Es ist sehr regenerationsfreudig. Das bedeutet, dass es im Falle einer Verletzung oder Entzündung sehr schnell und sehr viel neues Gewebe bildet. Nun ist die Knochenhaut in erster Linie für die Heilung des Knochens nach einem Knochenbruch zuständig. Daher ist das Gewebe, das von der Knochenhaut gebildet wird, auch Knochenmaterial. Auch wenn der Knochen selbst gar nicht verletzt wurde, führt eine Verletzung oder ein starker oder wiederholter Reiz an der Knochenhaut zur Bildung von Knochenmaterial, das dem Knochen außen in Form eines Überbeins aufgelagert wird. Auch ein übermäßiger Zug an den Bändern und Sehnen kann zur Bildung von Überbeinen führen, denn diese Strukturen sind über die Knochenhaut mit dem Knochen verbunden. Der Körper versucht sozusagen, diese so genannten Ansatzstellen mit Knochenmaterial zu stabilisieren.

Ursachen

Überbeine entstehen vornehmlich am Mittelfuß der Vorderbeine, meistens auf der Innenseite. Sie können jedoch auch am Mittelfuß der Hinterbeine bzw. auch an anderen Stellen auftreten. Man unterscheidet zwei Ursachen:

  • Spontane Überbeine
  • Traumatisch bedingte Überbeine

Spontane Überbeine entstehen durch übermäßigen Zug an den Ansatzstellen von Bändern oder Sehnen. An drei Stellen des Mittelfußes kommt es besonders häufig zur spontanen Überbeinbildung:

  • Seitliche Überbeine bilden sich seitlich zwischen Röhrbein und Griffelbein. Das seitliche Überbein entsteht durch Zug an der sehnigen Verbindung zwischen dem Röhrbein und dem Griffelbein.
  • Hintere Überbeine bilden sich auf der Innenseite der Griffelbeine. Das hintere Überbein entsteht durch Zug an Bändern und dem sehnigen Musculus interosseus, der ein wichtiger Teil des Fesselträgers ist. Es kann durch seine Lage den Musculus interosseus einengen.
  • Tiefe Überbeine liegen auf der hinteren Seite des Röhrbeins in seinem oberen Abschnitt. Das tiefe Überbein entsteht an der Ansatzstelle des sehnigen Musculus interosseus und an der Ansatzstelle des Unterstützungsbandes der tiefen Beugesehne am Röhrbein.
Abb. GR6IBP90
Abb. GR6IBP90: Überbeine.
Häufigste Lokalisationen. Ansicht der Mittelfußknochen von hinten.

Häufig treten die spontanen Überbeine bei jungen Pferden auf, die stark gearbeitet werden. Die Bänder und Sehnen werden durch die plötzlich einsetzende, ungewohnte Belastung gereizt und reagieren mit entsprechenden Stabilisierungsversuchen. Begünstigt wird die Entstehung von spontanen Überbeinen durch Störungen im Knochenstoffwechsel, hormonelle Fehlsteuerung, Fehlstellungen der Gliedmaße und nicht zuletzt durch mangelhafte Hufkorrektur.

Traumatische Ereignisse, die zu Überbeinen führen, sind häufig vom Pferd selbst verursacht: Sie entstehen, wenn Pferde sich mit dem anderen Bein streichen oder mit dem Hinterbein in das Vorderbein greifen. Natürlich können Überbeine auch durch alle anderen Schläge verursacht werden, die die Knochenhaut verletzen. Das Röhrbein ist sehr wenig von Muskeln bedeckt, daher ist die Knochenhaut Tritten ziemlich ungeschützt ausgeliefert, etwa vergleichbar mit unserem Schienbein.

Leitsymptom

Schwellung

Symptome

Die Symptome bei Überbeinen können stark variieren. Einige bereiten den Pferden keinerlei Probleme und führen nicht zu Lahmheit. Dies ist der Fall, wenn die Knochenzubildungen nicht an Weichteilen wie Sehnen oder Bändern reiben und wenn der Bewegungsablauf nicht gestört wird. Das seitliche Überbein z.B. bereitet dem Pferd selten Probleme. In diesen Fällen kann man je nach Größe das Überbein ertasten oder bereits mit bloßem Auge erkennen. Zunächst wird das Pferd auf Druck schmerzhaft reagieren. Wenn die Reizung der Knochenhaut abgeklungen ist, bleibt nur eine knochenharte Umfangsvermehrung bestehen, die nicht mehr schmerzhaft ist.

Andere Überbeine führen zu schwer therapierbaren Lahmheiten. Dies ist meistens bei hinteren und tiefen Überbeinen der Fall. Überbeine sind raumfordernde Prozesse, die anderes Gewebe wie Sehnen und Bänder verdrängen und aufgrund ihrer rauen Oberfläche zu Reibung führen können. Vor allem Sehnen und Bänder werden durch die Reibung gereizt und können beschädigt werden. Häufig ist der Musculus interosseus des Fesselträgers davon betroffen. Auch Beeinträchtigungen des Gelenks sind möglich. In diesen Fällen gehen die Pferde mehr oder weniger deutlich lahm und der erkrankte Bereich ist sehr druckempfindlich und geschwollen.

Diagnose

Je nach Lage können Überbeine gut ertastet werden. Das tiefe Überbein wird allerdings von den Beugesehnen bedeckt und ist daher nicht sichtbar und auch nur schwer tastbar. Auch im Anfangsstadium können die Veränderungen nicht gefühlt werden.

In diesen Fällen eignet sich die Röntgenuntersuchung, mit der sich bereits kleinste Zubildungen an der Knochenhaut eindruckvoll darstellen lassen. Auf dem Röntgenbild kann man auch erkennen, ob das Überbein noch weiter wächst oder ob der Prozess zur Ruhe gekommen ist.

Eine ergänzende Ultraschalluntersuchung gibt Aufschluss über eine Beteiligung der Sehnen.

Besteht Unklarheit darüber, ob ein Überbein wirklich der Auslöser einer Lahmheit ist, so kann der Bereich mit einem Betäubungsmittel umspritzt werden und damit schmerzunempfindlich gemacht werden. Verschwindet danach die Lahmheit, so wurde sie von dem Überbein ausgelöst.

Leicht wird ein Überbein mit einem Griffelbeinbruch verwechselt, bei dem es zwar zunächst zu einer weichen, später aber auch knochenharten Umfangsvermehrung im Bereich der Griffelbeine kommt, die man umgangssprachlich auch Überbein nennt.

Abb. GR6ILVIP
Abb. GR6ILVIP: Knochen des Sprunggelenks und der Röhre.
Gut zu sehen sind verknöcherte Bereiche (Pfeile) zwischen dem Griffelbein und dem Röhrbein, eine beginnende Bildung seitlicher Überbeine.

Behandlung

Zur Behandlung von Überbeinen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die abhängig von der Lage, Größe und Ursache des Überbeins eingesetzt werden.

  • Konservative Behandlung: Überbeine können konservativ mit entzündungshemmenden Einreibungen behandelt werden. In einigen Fällen empfiehlt sich auch zunächst eine Kältebehandlung, um die Entzündungsvorgänge zu drosseln. Im Anschluss kann die Heilung durch Wärme angeregt werden. Entzündungshemmende Medikamente können auch direkt an das Überbein gespritzt werden.
  • Boxenruhe
  • Orthopädischer Beschlag: Mit Hilfe von orthopädischen Hufeisen kann der betroffene Bereich entlastet werden.
  • Operation: In einigen Fällen muss das Überbein chirurgisch entfernt werden. Über diese Maßnahme sollte nachgedacht werden, wenn es sehr groß ist oder schädigend auf Gelenk und Sehne wirkt. Je nach Lage des Überbeins kann es nötig sein, einen Teil des Griffelbeins ebenfalls zu entfernen.

Prognose

Ein Überbein hat eine günstige Prognose, sofern es den Bewegungsablauf und andere Strukturen nicht behindert oder schädigt. Überbeine am Griffelbein machen nach einer Operation mit teilweiser Entfernung des Griffelbeins anschließend in der Regel keine Probleme mehr.

Die Prognose hängt auch davon ab, ob sich die Ursache, die zu dem Überbein führte, dauerhaft abstellen lässt. Ein Pferd, das sich streicht, wird dies vermutlich zeitlebens tun. So kann die Knochenhautreizung nicht zur Ruhe kommen.

Vorsichtig sind Überbeine mit Beeinträchtigung der Gelenke und der Sehne zu beurteilen. Leider hat es sich gezeigt, dass sich in 50% dieser Fälle nach der Operation wieder ein Überbein an der gleichen Stelle bildet.

Vorbeugung

Fehlerhafte Gliedmaßenstellungen müssen schon im Fohlenalter korrigiert werden, um spätere Überbelastungen bestimmter Bänder, Sehnen oder Gelenkbereiche zu vermeiden. Auch eine regelmäßige, fachgerechte Hufpflege hat das Ziel, einseitige Überbelastungen zu verhindern. Gegen das Streichen oder das Greifen bei der Arbeit kann das Pferd bandagiert werden oder Gamaschen tragen.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.