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Pferd: Tollwut

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Rabies, Lyssa, Wutkrankheit

Tollwut ist eine seit Urzeiten bekannte Virus-Infektion, die bei Menschen und Tieren eine meist tödlich verlaufende Gehirnentzündung hervorruft. Tollwut ist die am häufigsten beschriebene Zoonose. Alle warmblütigen Lebewesen können daran erkranken.

In Mitteleuropa gilt der Rotfuchs als Hauptinfektionsquelle für Tollwut. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben die Tollwut durch flächendeckende Impfungen der Füchse erfolgreich eingedämmt: Seit 2006 ist in Deutschland nur noch bei Fledermäusen Tollwut aufgetreten. Laut Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) erfüllt Deutschland damit die Voraussetzung für die Bezeichnung „tollwutfrei“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist an dieser Stelle strenger, da in Einzelfällen auch die insektenfressenden Fledermäuse andere Tiere infizieren können. Daher ist Deutschland bei der WHO weiterhin nicht als tollwutfreies Land klassifiziert.

Weltweit sterben jährlich ca. 55.000 Menschen an Tollwut. Hauptinfektionsgebiete liegen in Afrika, Asien und Osteuropa.

Ursachen

Der Erreger der Tollwut ist ein Lyssavirus.

Besonders empfänglich für die Erkrankung sind Füchse, Katzen, Fledermäuse, Nagetiere und Rinder. Bei ihnen reicht schon eine geringe Virusmenge aus, um eine Erkrankung hervorzurufen. Pferde sowie Hunde und Schafe weisen nur eine mäßige Empfänglichkeit auf. Sie erkranken nur, wenn die übertragene Virusmenge groß genug ist.

Ansteckung

Das Tollwutvirus wird von einem infizierten Tier hauptsächlich mit dem Speichel ausgeschieden. Die Virusausscheidung kann schon beginnen, bevor klinische Symptome erkennbar sind! Daneben ist auch bekannt, dass Milch, Blut, Kot und Urin infizierter Tiere Virus enthalten.

Hauptsächlich stecken sich warmblütige Tiere mit Tollwut an, wenn sie von einem infizierten Tier gebissen werden. Theoretisch können auch die Schleimhäute von Maul, Nase und Augen das Virus aufnehmen, wenn sie Kontakt mit dem Virus haben. Diese Möglichkeit dürfte aber in der Praxis keine Rolle spielen.

Wenn die Viren in den Körper eingedrungen sind, wandern sie entlang der Nervenbahnen in das Zentralnervensystem. Dort verteilen und vermehren sie sich. Dabei verursachen sie eine Entzündung des Gehirns. Vom Gehirn aus breiten sich die Viren wiederum entlang der Nervenbahnen in umgekehrter Richtung aus und erreichen auf diesem Weg auch die Speicheldrüse, wo sich die Viren ebenfalls vermehren.

Die Inkubationszeit kann sehr unterschiedlich lang sein. Je näher die Eintrittspforte für das Virus am Zentralnervensystem liegt und je größer die übertragene Virusmenge ist, desto kürzer ist die Inkubationszeit. Im Durchschnitt beträgt sie zwischen 10 Tagen und 3 Monaten.

Leitsymptom

Verhaltensänderung

Symptome

Der klassische Verlauf der Tollwut wird in drei Phasen aufgeteilt. Bei Pferden sind diese Phasen nicht immer so deutlich ausgeprägt:

  • Prodromalstadium (1 – 2 Tage): Die ersten Symptome werden auch als „stille Wut“ bezeichnet. Pferde zeigen Wesensveränderungen wie Scheue, gesteigerten Geschlechtstrieb, Mattigkeit, Lähmung im Gesicht, Speicheln durch Schluckstörungen, Koordinationsstörungen, Blasen- und Schweiflähmung.
  • Erregungsstadium (2 – 7 Tage): Dieses Stadium wird auch als „rasende Wut“ bezeichnet und tritt beim Pferd selten auf. Aggressivität, Zittern und Krämpfe charakterisieren diese Phase.
  • Lähmungsstadium (1 – 4 Tage): Lähmungen führen zum Festliegen und schließlich zum Tod durch Atem- und Herzlähmung.

Diagnose

Die Diagnose Tollwut ist am lebenden Pferd nicht einfach zu stellen, da die Symptome auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können. Einen verlässlichen Test zum Tollwutnachweis am lebenden Patienten gibt es nicht. Nach dem Tod des Pferdes kann Tollwut durch eine Untersuchung des Gehirns festgestellt werden.

Behandlung

Ein Behandlungsversuch eines tollwutkranken Tieres ist in Deutschland wegen der großen Gefahr für Mensch und Tier gesetzlich verboten. Erkrankte Tiere werden getötet. Nachweislich geimpfte Tiere, die ansteckungsverdächtig sind, können unter Umständen mit behördlicher Genehmigung unter Beobachtung gestellt und erneut geimpft werden.

Prognose

Tollwut verläuft fast immer tödlich.

Vorbeugung

Gegen Tollwut kann geimpft werden. Es gibt eine Schutzimpfung, die ab dem 5. Lebensmonat verwendet werden kann. Je nach Impfstoff reichen eine jährliche Auffrischungsimpfung oder Impfabstände von drei Jahren aus, um den Impfschutz aufrecht zu erhalten.

Häufig wird empfohlen, nur Pferde zu impfen, die z.B. durch waldnahe Weidehaltung besonders gefährdet sind.

Tipps

Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, ob in Ihrer Region eine Tollwutimpfung für Ihr Pferd sinnvoll ist.

ACHTUNG

Tollwut gehört zu den anzeigepflichtigen Erkrankungen, d.h. bereits der Verdacht muss dem Veterinäramt angezeigt werden.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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