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Pferd: Störung im Geschlechtszyklus der Stute

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Zyklusanomalien

Pferde werden im Alter zwischen zwei und vier Jahren geschlechtsreif. Die Geschlechtsreife der Stute erkennt man am Einsetzen der Rosse (Östrus). So nennt man die Zeit im Geschlechtszyklus, während der die Stute sexuelles Interesse hat und so genannte Rossesymptome zeigt. Während der Rosse erfolgt auch der Eisprung auf dem Eierstock. Ein reifes Ei befindet sich in einem flüssigkeitgefüllten Bläschen, das als Follikel bezeichnet wird. Durch die heranreifende Eizelle wird das Hormon Östrogen produziert, das für die Rosseerscheinungen maßgeblich verantwortlich ist. Die Rosse ist gekennzeichnet durch ein verändertes Verhalten gegenüber anderen Pferden, Anschwellen und Rötung der Scham und vermehrtes Absetzen von Schleim und Urin. Nach dem Absetzen von Urin bleibt die Stute oft noch mit gehobenem Schweif stehen und „blitzt“, d.h. sie spreizt rhythmisch die Scham und zeigt die Klitoris. Ein weiteres untrügliches Zeichen für die Empfängnisbereitschaft ist die Duldung des Hengstes (oder auch eines interessierten Wallachs). In seiner Anwesenheit hebt die Stute den Schweif und blitzt und lässt sich gefallen, dass der Hengst sie beknabbert und sogar aufspringt. In der Regel dauert die Rosse 5 bis 7 Tage. Die meisten Stuten haben ihren Eisprung einen Tag vor Ende der Rosse. Je näher die Bedeckung bzw. Besamung zum Zeitpunkt des Eisprungs liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit.

Die Dauer eines Sexualzyklus, also die Zeit von einem Eisprung bis zum nächsten, beträgt etwa 21 Tage. Im Herbst und im Winter findet bei den meisten Stuten keine Eireifung an den Eierstöcken statt (saisonaler Anöstrus). In den Übergangszeiten im Frühjahr und im Herbst können die Zyklusdauer verlängert und die Rossesymptome weniger deutlich ausgeprägt sein. Das Einsetzen des Zyklus wird durch Zunahme der Tageslichtlänge gesteuert.

Neben der Ausprägung der Rosseanzeichen hat das Hormon Östrogen eine weitere wichtige Aufgabe: Es bereitet die Schleimhaut der Gebärmutter darauf vor, dass sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Nach dem Eisprung füllt sich die nun leere Follikelhöhle mit Blut, es entsteht ein Gelbkörper. Der Gelbkörper bildet das Hormon Progesteron, das für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit eine wichtige Rolle spielt. Wenn die Stute nicht tragend wird, so setzt die Gebärmutter wiederum ein Hormon frei, das Prostaglandin. Dieses Hormon führt zum Abbau des Gelbkörpers auf dem Eierstock und macht so den Weg frei für den nächsten Eisprung. Wird die Stute hingegen tragend, so „wandert“ die befruchtete Eizelle bis ca. 16 Tage nach dem Eisprung durch die Gebärmutter, bevor sie sich in die Gebärmutterschleimhaut einnistet. Durch diese Wanderung wird verhindert, dass die Gebärmutter das Hormon Prostaglandin freisetzt. Der Gelbkörper wird nicht abgebaut und kann die Trächtigkeit erhalten. Ab dem 40. bis zum 120. Trächtigkeitstag setzt die Gebärmutter zudem das "pregnant mare serum gonadotropine" (PMSG oder eCG) frei, dass ebenfalls zum Erhalt der Trächtigkeit beiträgt.

Follikel und Gelbkörper nennt man auch Funktionskörper, da sie wichtige Funktionen im Zyklus übernehmen. Insgesamt wird der Zyklus aber durch ein noch sehr viel kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Hormone gesteuert. Diese werden nicht nur -wie bereits beschrieben- im Eierstock und in der Gebärmutter gebildet, sondern auch im Gehirn: Im Gehirn gibt es übergeordnete Regelzentren, die auf vielfältige Einflüsse reagieren und über ihre eigene Hormonproduktion ganz entscheidend die Aktivität der Eierstöcke steuern. Der Geschlechtszyklus der Stute kann an jeder Stelle dieses komplizierten Regelmechanismus gestört werden.

Tab. 1. Wichtige Hormone im Geschlechtszyklus der Stute
Hormon Bildungsort Wirkung
Östrogen Reifer Follikel Rosse, Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf Trächtigkeit
Progesteron Gelbkörper Erhalt der Trächtigkeit
Prostaglandin Gebärmutter Auflösung des Gelbkörpers

Abb. GR7QYVA9
Abb. GR7QYVA9: Schemazeichnung der Geschlechtsorgane der Stute.

Ursachen

Die Einflüsse auf den Sexualzyklus der Stute sind vielfältig. Man unterscheidet Störungen, die durch Einflüsse von außen verursacht werden (exogene Faktoren) von Störungen, die durch Prozesse im Körper der Stute verursacht werden (endogene Faktoren).

Exogene Faktoren

  1. Licht: Die Tageslichtlänge bestimmt entscheidend die sexuelle Aktivität der Stute. In Studien hat man herausgefunden, dass im Mai und Juni die meisten Stuten einen Eisprung haben. Während der übrigen Monate kann es auch vorkommen, dass die Stute zwar deutliche Rosseanzeichen hat und auch ein Ei heranreift, aber dennoch kein Eisprung stattfindet (anovulatorischer Follikel). Je kürzer die Tageslichtlänge ist, desto häufiger tritt dieses Phänomen auf. Insgesamt findet man in den Übergangszeiten von sexueller Aktivität und sexueller Ruhe im Frühjahr und im Herbst gehäuft auffällige Befunde an den Eierstöcken. Neben den bereits erwähnten anovulatorischen Follikeln können auf den Eierstöcken auch auffallend viele kleine oder sehr viele große Follikel sitzen. An einigen Eierstöcken findet bereits in der Übergangsphase gar keine Follikelreifung mehr statt.
  2. Futter: Unzureichende Energiezufuhr kann dazu führen, dass Rosse und Eisprung ganz ausbleiben. Auch hat man herausgefunden, dass bei Stuten, die während der Rosse unzureichend ernährt wurden und trotzdem tragend wurden, deutlich häufiger die Frucht während der frühen Trächtigkeit abstirbt.
  3. Temperatur: Kaltes und regnerisches Wetter kann zu einem verspäteten Einsetzen der Rosse führen.
  4. Geruchsstoffe: Stuten, die zwar rossig sind, aber den Hengst nicht dulden wollen, werden über Geruchsstoffe des Hengstes stimuliert. Stellt man diese Stuten in einen Bestand mit Deckbetrieb, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit nach kurzer Zeit das Aufspringen des Hengstes akzeptieren.

Endogene Faktoren

  1. Alter: Mit zunehmendem Alter der Stute treten an den Eierstöcken häufiger Follikel auf, die zwar heranreifen, aber letztendlich nicht zum Eisprung gelangen. Man nennt sie anovulatorische Follikel. Obwohl dass Ei nicht freigesetzt wird und folglich auch keine Trächtigkeit stattfinden kann, bildet sich trotzdem häufig eine Art Gelbkörper. Damit läuft der Zyklus ungestört weiter. Manchmal bleibt der Follikel aber auch einfach bestehen, dann spricht man auch von einer Follikelzyste. Der Follikel kann sich aber auch wieder zurückbilden, er „schrumpft“ dann sozusagen. Sowohl im Fall einer Follikelzyste als auch im Falle einer Rückbildung des Follikels ist die Zyklusdauer verlängert. Einige wenige Stuten bilden im Alter gar keine Follikel mehr heran.
  2. Fruchttod: Stirbt der Embryo ab, nachdem er sich bereits in die Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat, so hat die Gebärmutter jedoch zuvor das Signal „Trächtigkeit“ erhalten und kein Prostaglandin freigesetzt. Daher „denkt“ der Eierstock, dass eine Trächtigkeit immer noch besteht und der Gelbkörper wird folglich auch nicht abgebaut. Der Gelbkörper bleibt also bestehen und produziert Progesteron. Das Progesteron verhindert, dass die Stute erneut in Rosse kommt.
  3. Endometritis : Eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut kann ebenfalls zur Freisetzung des Hormons Prostaglandin führen. Ein bestehender Gelbkörper wird dadurch unter Umständen eher abgebaut, als es im normalen Zyklusgeschehen der Fall wäre. Dadurch kommt die Stute früher wieder in Rosse als erwartet. Eine schwere Schädigung der Gebärmutterschleimhaut kann allerdings auch zur Folge haben, dass die Prostaglandinfreisetzung ganz ausbleibt. Der Gelbkörper wird dann nicht abgebaut und verhindert eine erneute Rosse.
  4. Tumoren: Tumoren des Eierstocks werden im Kapitel Eierstocktumoren behandelt
  5. Zwischenrossefollikel: Bei der Stute kann es einige Tage nach dem eigentlichen Eisprung erneut zu einem außerplanmäßigen Eisprung kommen. Auch bei diesem zweiten Eisprung wird ein Gelbkörper herangebildet. Wenn die Gebärmutter nun ihr Signal „nicht tragend“ in Form des Hormons Prostaglandin sendet, so ist der zweite Gelbkörper noch zu jung und daher noch nicht empfänglich für das Hormon. Er wird also nicht abgebaut. Für ihn sendet die Gebärmutter allerdings nicht noch einmal Prostaglandin. Deshalb bleibt er bestehen und verhindert eine erneute Rosse.
  6. Allgemeinerkrankungen: Schwere Allgemeinerkrankungen können generell dazu führen, dass die Eireifung an den Eierstöcken ausbleibt.

Leitsymptom

  • Verkürzung oder Verlängerung des Zyklus
  • Ausbleiben der Rosse

Diagnose

Für eine Diagnosestellung ist zunächst die Vorgeschichte der Stute wichtig:

Wie alt ist die Stute? Wie wird bzw. wurde die Stute bisher genutzt? Wie wird die Stute gehalten? Was ist bislang beobachtet worden? Gibt es bereits eine Krankengeschichte zu dieser Symptomatik? All diese Fragen gehören zum so genannten Vorbericht. Danach wird eine klinische Untersuchung durchgeführt. Dazu gehört zunächst eine kurze Allgemeinuntersuchung, die über den allgemeinen Gesundheitszustand der Stute Aufschluss geben soll. Außerdem kann das Verhalten der Stute gegenüber anderen Pferde geprüft werden, wenn der Vorbericht hierzu Anlass gibt.

Anschließend wird eine spezielle gynäkologische Untersuchung durchgeführt:

  1. Betrachtung der äußerlich sichtbaren Geschlechtsorgane, also Scham und Euter.
  2. Betrachtung der Scheide und des Muttermundes. Dazu muss nach einer Reinigung die Scham mit einem Spekulum aufgespreizt werden, so dass man in die Scheide hineinsehen kann. Beurteilt werden die Farbe und die Feuchtigkeit der Schleimhaut, evtl. vorliegende Flüssigkeit und der Öffnungsgrad des Gebärmutterhalses.
  3. Rektale Untersuchung: Hierbei geht der Tierarzt mit dem Arm in den Darm der Stute ein. So kann er mit der Hand die Gebärmutter und die Eierstöcke abtasten und Größe sowie Konsistenz beider Organe beurteilen. Er kann auch fühlen, was für Funktionskörper auf den Eierstöcken vorhanden sind. Diese Untersuchung kann durch den Einsatz eines Ultraschallgerätes noch ergänzt werden. So lassen sich Funktionskörper manchmal noch besser unterscheiden und z.B. Flüssigkeit in der Gebärmutter entdecken, die mit der Hand nicht zu fühlen war.
  4. Blutentnahme zur Hormonbestimmung: Im Einzelfall kann eine Hormonbestimmung sinnvoll sein.

Manchmal wird es nötig sein, die Stute an mehreren Tagen hintereinander zu untersuchen, um zu sehen, was sich verändert.

Abb. GR7R8SLQ
Abb. GR7R8SLQ: Spekulum.
Farbe und Feuchtigkeit der Scheidenschleimhaut sowie Flüssigkeit und Öffnungsgrad des Gebärmutterhalses können beurteilt werden. Gewebeproben und Tupferpoben lassen sich so entnehmen.

Zum Abschluss wird der Tierarzt alle Befunde vergleichen, den Zyklusstand der Stute feststellen und erkennen, ob irgendwo Abweichungen von der Norm vorliegen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich natürlich nach den Befunden. Sind die Störungen im Umfeld der Stute zu suchen, so muss die Haltung oder die Fütterung optimiert werden. Dazu können z.B. spezielle Futterzusatzstoffe nötig sein. In Einzelfällen kann mit einem Beleuchtungsprogramm versucht werden, den Zyklus der Stute in Gang zu setzen.

Zyklusstörungen, die auf Störungen im Hormonhaushalt der Stute zurückzuführen sind, können meistens auch hormonell behandelt werden. Dazu sind verschiedene Präparate im Handel. Die meisten haben sich in der Vergangenheit gut bewährt und werden von der Stute in der Regel auch problemlos vertragen.

Bei einer Follikelzyste kann es nötig sein, diese zu punktieren. Dazu wird meistens folgende Methode angewendet: Der Tierarzt geht wie bei der rektalen Untersuchung mit dem Arm in den Darm der Stute ein. Er fasst den Eierstock mit der Zyste und hält ihn fest. Mit einer langen Nadel wird von außen durch die Flanke der Stute gestochen und in die Zyste gepiekst. Die Flüssigkeit im Follikel wird durch die Nadel abgesaugt.

Liegt die Ursache der Zyklusstörung in einer Allgemeinerkrankung, einer Endometritis, Funktionsstörung der Gebärmutter oder im Vorliegen eines Eierstocktumors, so müssen diese Erkrankungen zunächst behandelt werden. Näheres dazu ist den jeweiligen Kapiteln zu entnehmen.

Prognose

Die meisten Zyklusstörungen lassen sich gut behandeln und die Stuten werden häufig noch während der laufenden Saison tragend. Je älter die Stuten allerdings werden, desto schwieriger ist es, Zyklusstörungen in den Griff zu bekommen.

Vorbeugung

Optimale Haltung und Ernährung sind das A und O für die Gesundheit eines Pferdes. Dies gilt natürlich in besonderem Maße für Stuten, die ein Fohlen zur Welt bringen sollen.

Diese Stuten sollten zudem aufmerksam beobachtet werden. Wenn dem Pferdebesitzer etwas auffällt, so sollte er frühzeitig seinen Tierarzt hinzuziehen. So können Störungen rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Geschieht dies frühzeitig in der Decksaison, hat die Stute noch eine gute Chance, in diesem Jahr tragend zu werden.

Tipps

Zuchtstuten können regelmäßig einem Probierhengst vorgestellt werden, um ihr Verhalten zu überprüfen. Auch ein interessierter Wallach kann zu diesem Zweck gute Dienste leisten. Der Wallach kann im Gegensatz zum Probierhengst auch mit den Stuten auf der Weide laufen und so durch sein Verhalten und das der Stute eine Rosse frühzeitig anzeigen.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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