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Pferd: Staphylokokken-Infektion

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Botryomykose, Akne, Follikulitis, Furunkel

Staphylokokken sind Bakterien, die chronisch verlaufende Hauterkrankungen verursachen können.

Ursachen

Die Staphylokokken dringen in kleinste Hautverletzungen ein, die häufig durch Trense oder Sattel verursacht werden (z.B. Satteldruck). Die Bakterien bilden in der Haut spezielle Enzyme, die das Gewebe massiv schädigen können. Durch den Gewebezerfall bildet sich Eiter, in dem sich die Bakterien zu sandkorngroßen Klümpchen zusammenlagern. Je nach Ausdehnung der Entzündung findet man

  • Pusteln in der Oberhaut
  • Haarbalgentzündungen (Follikulitis)
  • Akne (Entzündung des Haarbalgs und der Talgdrüsen)
  • Furunkel (Entzündung des Haarbalgs und der Talgdrüsen mit Einschmelzung des umgebenden Gewebes)
  • Botryomykose: Unter dem heute nicht mehr gebräuchlichen Begriff Botryomykose versteht man derbe, rundliche (bis Fußballgröße) oder flächige Hautbereiche, die von kleinen, weichen Bereichen durchsetzt sind. Aus den weichen Bereichen kann sich Eiter entleeren. Die Entwicklung dieser Abszesse kann Wochen bis Jahre dauern. Nachdem sich die Abszesse geöffnet haben heilen sie häufig nicht ab, sondern es bilden sich Fisteln, über die sich ständig nachgebildeter Eiter entleert.
Abb. GR7F1JF6
Abb. GR7F1JF6: Aufbau der Haut.

Ansteckung

Staphylokokken kommen massenhaft im Eiter aufgegangener Abszesse oder Pusteln vor. Sie werden durch direkten Pferdekontakt oder über verunreinigte Gegenstände übertragen.

Staphylokokken können aber auch auf der Haut gesunder Pferde auftreten ohne dort Schaden anzurichten. Auch diese Pferde können die Staphylokokken auf andere Pferde übertragen.

Leitsymptom

eitrige Knötchen

Symptome

Die Symptome können von kleinen bis zu sehr großen, derben Umfangsvermehrungen in der Haut variieren. Aus den Veränderungen entleert sich Eiter und häufig bilden sich Fisteln. Die Veränderungen können flächig (besonders gerne in der Sattellage) auftreten, es können aber auch nur einzelne Abszesse vorhanden sein (bevorzugt an den Gliedmaßen). Auch das Euter kann befallen sein.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose aufgrund des klinischen Bildes muss durch den Nachweis der Staphylokokken gesichert werden. Dazu wird Eiter oder verändertes Gewebe z.B. durch eine Biopsie entnommen. In einem Labor werden die Bakterien angezüchtet und bestimmt. Dabei kann auch ein Resistenztest gemacht werden, um ein wirksames Antibiotikum zur Behandlung auszuwählen.

Abb. GR7F5AOE
Abb. GR7F5AOE: Entnahme einer Hautstanze (Hautbiopsie).
Das Entnahmegerät hat vorne ein ringförmiges Messer, mit dem eine Hautprobe herausgeschnitten wird. Die Pferde tolerieren den Vorgang in der Regel gut. Es kann jedoch auch eine Nasenbremse angelegt bzw. eine Sedierung des Pferdes oder eine örtliche Betäubung der Biopsiestelle durchgeführt werden.

Behandlung

  • Chirurgische Maßnahmen: Die Abszesse müssen gespalten und entleert werden. Stark verändertes Gewebe muss unter Umständen herausoperiert werden, um einen Rückfall zu vermeiden.
  • Wundversorgung: Die Abszesshöhlen werden desinfiziert und mit einem Antibiotikum behandelt.
  • Systemische Behandlung: Es kann durchaus sinnvoll sein, ein Antibiotikum systemisch zu verabreichen, um die Bakterien auch von „innen“ zu bekämpfen.
  • Impfung: Aus den angezüchteten Bakterien kann ein spezieller Impfstoff hergestellt werden, den man Autovakzine nennt. Dieser muss an mehreren Tagen hintereinander gespritzt werden und soll das Immunsystem des Pferdes aktivieren.

Prognose

Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose gut.

Vorbeugung

Verletzungsgefahren sollten minimiert werden, um den Bakterien keine Möglichkeit zum Eindringen in die Haut zu geben.

Um die Ansteckungsgefahr für andere Tiere zu verringern, sollten erkrankte Pferde isoliert werden und nur mit eigenen Gegenständen in Berührung kommen. Bei der Behandlung sollte Schutzkleidung getragen (Einmalhandschuhe) und Schuhe etc. gereinigt und desinfiziert werden.

Tipps

Versorgen Sie ein erkranktes Pferd immer zuletzt.

ACHTUNG

Staphylokokken können unter Umständen auch bei Menschen in Hautverletzungen eindringen und zu einem ähnlichen klinischen Bild führen. Tragen Sie daher Schutzkleidung (z.B. Handschuhe), wenn Sie ein erkranktes Pferd behandeln.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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