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Pferd: Entzündung des Sprunggelenks

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Arthritis des Sprunggelenks

Das Sprunggelenk des Pferdes ist sehr kompliziert aufgebaut. Es besteht genau genommen aus mehreren Gelenken:

  • Großes Gelenk: Das oberste Gelenk wird auch als großes Gelenk bezeichnet. Die Bewegung in diesem Gelenk macht einen Großteil der gesamten Bewegung im Sprunggelenk aus. Grundsätzlich kann das Gelenk gebeugt und gestreckt werden, Drehbewegungen sind jedoch nicht möglich. Das große Gelenk wird von dem Unterschenkelknochen und dem so genannten Sprungbein (Talus) gebildet. Das Sprungbein hat zwei Rollkämme ausgebildet, die in der Gelenkpfanne des Unterschenkels gleiten.
  • Kleine, straffe Gelenke: Das Sprungbein und das an der Hinterseite des Sprunggelenks gelegene Fersenbein stellen die oberste Reihe der Hinterfußwurzelknochen dar. Auf sie folgen zwei Reihen kleiner Hinterfußwurzelknochen. Alle Knochen der Hinterfußwurzel sind über straffe Gelenke miteinander verbunden. In ihnen findet nur eine ganz geringe Bewegung statt. Man nennt diese Gelenke auch Spatgelenke. Das unterste Gelenk des Sprunggelenks wird von der untersten Reihe der Hinterfußwurzelknochen und dem Mittelfuß gebildet. Der Mittelfuß besteht aus dem Röhrbein und den beiden Griffelbeinen. In diesem Gelenk ist ebenfalls kaum Bewegung möglich, es zählt auch zu den Spatgelenken.

Abb. GS1GXA6V
Abb. GS1GXA6V: Linkes Sprunggelenk.
Schemazeichnung der Knochen des linken Sprunggelenks. Ansicht von schräg vorn.

Abb. GS1GJQXH
Abb. GS1GJQXH: Knochen des Sprunggelenks von vorne.
Aufsicht nach Entfernung des Oberschenkels. Präparat.

Abb. GS1GLRO6
Abb. GS1GLRO6: Knochen des Sprunggelenks von hinten gesehen.
Präparat.

Abb. GS1GN4CF
Abb. GS1GN4CF: Knochen des Sprunggelenks von der Seite.
Zusätzlich erkennt man Verknöcherungszonen zwischen dem Griffelbein und dem Röhrbein, die sich als Überbeine bemerkbar gemacht haben (Pfeile). Präparat.

Jedes dieser Gelenke ist von einer eigenen Gelenkkapsel umgeben. In einigen Fällen sind die Gelenkkapseln aber miteinander verbunden, man sagt auch, sie kommunizieren miteinander. Die Gelenke werden durch Bänder stabilisiert.

Die Gelenkflächen sind von sehr glattem Gelenkknorpel überzogen. Die innerste Schicht der Gelenkkapsel, die Synovialmembran, bildet die Gelenkflüssigkeit (Synovia). Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Diese wird unter anderem durch ihre Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Funktion eines Gelenks ist der sehr glatte Gelenkknorpel. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er -wie bereits erwähnt- nicht durchblutet wird.

Abb. GT4416QX
Abb. GT4416QX: Schemazeichnung eines gesunden Gelenks.

Über die Vorderseite des Sprunggelenks zieht die Strecksehne für die weiter unten gelegenen Zehengelenke. Auf der Rückseite des Sprunggelenks zieht die oberflächliche Beugesehne der Zehengelenke als Teil des so genannten Fersensehnenstrangs über den Fersenbeinhöcker. Der Fersensehnenstrang ist ein Teil einer Spannsägenkonstruktion, die das Kniegelenk und das Sprunggelenk funktionell miteinander verbindet. Diese beiden Gelenke können sich dank dieser Spannsägenkonstruktion nur gemeinsam bewegen. So kommt es auch, dass Pferde im Stehen schlafen können, ohne dass ihnen die Beine einknicken.

Anders als bei den Zehengelenken (Fessel-, Kron- und Hufgelenk) bedeutet eine Beugung des Sprunggelenks eine Bewegung der Pferdezehe nach vorne (Anwinkeln des Sprunggelenks) und eine Streckung eine Bewegung der Zehe nach hinten.

Erkrankungen des Sprunggelenks sind die häufigsten Lahmheitsursachen der Hinterbeine des Pferdes.

Ursachen

Eine Gelenkentzündung nennt man auch Arthritis. Sie ist immer durch eine Entzündung der Synovialmembran gekennzeichnet. Diese führt zu vermehrter Bildung einer eher wässrigen Gelenkflüssigkeit. Ein Gelenkerguss ist die Folge. Außerdem wird der Gelenkknorpel nicht mehr effektiv geschmiert, so dass es zu verstärkter Reibung und als Folge sogar zu Knorpelschäden kommen kann. Auch Produkte der Entzündung können den Knorpel schädigen.

In schweren Fällen sind neben der Synovialmembran auch direkt der Knorpel, die Gelenkbänder, Knochen und Sehnen durch das verursachende Ereignis in Mitleidenschaft gezogen.

Im Einzelnen treten am Sprunggelenk folgende Entzündungsformen auf:

  • nicht-infektiöse Arthritis der Spatgelenke (Lesen Sie dazu bitte das Kapitel Spat)
  • nicht-infektiöse Arthritis des großen Gelenks
  • Bluterguss im Gelenk
  • Periarthritis: Nicht das Gelenk selbst, sondern die unmittelbare Umgebung des Gelenks ist entzündet
  • infektiöse Arthritis
  • Chronisch-deformierende Entzündung

Die nicht-infektiöse Gelenkentzündung, der Bluterguss und auch die Periarthritis entstehen meistens durch ein Trauma. Das kann zum einen ein Schlag von außen sein, zum anderen aber auch ein Vertreten. Dabei werden die Gelenkkapsel, die Knochenhaut, kleine Blutgefäße oder der Gelenkknorpel direkt geschädigt. Der Körper reagiert mit einer Entzündung auf die Gewebeschädigung. Auch Gelenkchips im Sprunggelenk, Knochenbrüche mit Gelenkbeteiligung und Fehlstellungen der Hinterbeine können eine nicht-infektiöse Arthritis verursachen.

Bei der infektiösen Arthritis sind Bakterien der Auslöser der Entzündung. Die Bakterien können zum einen über den Blutweg im Rahmen einer bakteriellen Allgemeinerkrankung in die Gelenke gelangen. Dies ist z.B. bei der Fohlenlähme der Fall. Zum anderen können sie aber auch aus benachbarten Prozessen wie vereiterten Wunden in das Gelenk einbrechen oder durch eine Sprunggelenkverletzung direkt in das Gelenk gelangen. Infektiöse Gelenkentzündungen führen häufig zu Eiterbildung im Gelenk und sind ein Notfall! Bakterielle Entzündungen führen zu einer massiven Bildung von Entzündungsprodukten. Diese sind sehr aggressiv und schädigen innerhalb kürzester Zeit den Gelenkknorpel, so dass meistens eine Arthrose die Folge ist.

Wird eine akute Entzündung nicht behandelt oder wird dem Pferd nicht genügend Zeit zur vollständigen Heilung gewährt, so kann die Entzündung in die chronische Form übergehen, aus der sich eine Arthrose entwickeln kann. Am Sprunggelenk kann sich aus der chronischen die so genannte chronisch-deformierende Entzündung bilden: Im gesamten Sprunggelenk und seiner Umgebung bildet sich neues Knochenmaterial, das zu einer vollständigen Versteifung des gesamten Sprunggelenks führt.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Gelenkschwellung

Symptome

Nicht-infektiöse Sprunggelenkentzündung: Die Pferde zeigen je nach Ausmaß eine unterschiedlich starke Lahmheit, Gelenkschwellung und vermehrte Wärme des Gelenks. Die Schwere der Befunde ist abhängig von dem Umfang des Gewebeschadens im Gelenk.

Infektiöse Sprunggelenkentzündung: Eine deutliche Lahmheit mit starker Wärmeentwicklung und Schwellung entwickelt sich über einen Zeitraum von 1 bis 2 Tagen und kann mit Fieber einhergehen.

Chronisch-deformierende Entzündung: Diese äußert sich in einer harten Schwellung im gesamten Sprunggelenkbereich. Diese Schwellung ist das äußere Anzeichen von Knochenzubildungen der Gelenke und ihrer Umgebung. Diese Knochenzubildungen können zu einer vollständigen Versteifung des gesamten Sprunggelenks führen.

Diagnose

Für die Diagnosestellung steht eine Vielzahl diagnostischer Möglichkeiten zur Verfügung, die abhängig von der Schwere und Eindeutigkeit der Befunde zum Einsatz kommen:

  • Klinische Lahmheitsuntersuchung: Eine klinische Lahmheitsuntersuchung wird durchgeführt, um den Schmerzpunkt zu lokalisieren und Wärme und Gelenkschwellung zu beurteilen. Bei einigen Fällen sind Schwellung und Wärme nicht so deutlich ausgeprägt oder lassen sich nicht zweifelsfrei einem Gelenk zuordnen. In diesen unklaren Fällen kann es nötig sein, die Lahmheit durch die Beugung der einzelnen Gelenke zu verstärken, um herauszufinden, welches Gelenk erkrankt ist. Man nennt dies auch Beugeprobe oder Provokationsprobe. Ein weitere Möglichkeit, die Lahmheitsursache näher einzugrenzen, sind diagnostische Anästhesien: Dazu wird ein Lokalanästhetikum an einen Nerven oder in ein Gelenk gespritzt und dieser Bereich betäubt. Geht das Pferd nach der Anästhesie des betroffenen Gebiets lahmfrei, so weiß der Tierarzt, wo der Schmerz lokalisiert ist.
  • Röntgen : In einem Röntgenbild sind knöcherne Zubildungen, Knochenbrüche und Gelenkchips zu erkennen. Knorpel und Weichteile lassen sich im Röntgenbild nicht darstellen.
  • Gelenkpunktion : Bei einer Gelenkpunktion wird Gelenkflüssigkeit gewonnen. Die Beschaffenheit der Synovia kann bereits mit bloßem Auge beurteilt werden. Zudem kann die Zusammensetzung in einem Labor genauer bestimmt werden. Eine Gelenkpunktion kann auch genutzt werden, um den Druck im Gelenk zu messen, der bei einem Gelenkerguss erhöht ist.
  • Arthroskopie (Gelenkspiegelung): In einigen Fällen kann es nötig sein, mit einem Arthroskop in das Gelenk hineinzuschauen. Insbesondere beim Verdacht auf Knorpelschäden, die auf einem Röntgenbild nicht sichtbar sind, kann eine Gelenkspiegelung wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Arthroskopie wird unter Vollnarkose in einer Klinik durchgeführt.
  • Szintigraphie : Die Szintigraphie zeigt entzündliche Prozesse frühzeitig auf, die noch nicht zu Gewebeveränderungen geführt haben. Der Einsatz dieser speziellen Maßnahme ist allerdings Spezialkliniken vorbehalten.

Behandlung

Die Behandlungsweisen einer nicht-infektiösen und einer infektiösen Arthritis unterscheiden sich maßgeblich:

  • Nicht-infektiöse Arthritis: Das Pferd wird sofort ruhiggestellt, am besten in eine Box mit weicher Einstreu. In der Anfangsphase kann das Bein gekühlt werden oder kühlende Verbände angelegt werden. Im weiteren Verlauf können auch entzündungshemmende Einreibungen sinnvoll sein. Zusätzlich werden meistens entzündungshemmende Substanzen systemisch gegeben, also entweder gespritzt oder über das Maul verabreicht. Diese werden dann über das Blut zum betroffenen Gelenk transportiert. Je nach Schwere der Erkrankung kann es sinnvoll sein, Entzündungshemmer auch direkt in das Gelenk zu spritzen. Darüber hinaus hat sich der Einsatz von Hyaluronsäure bewährt, die ebenfalls direkt in das Gelenk gespritzt werden kann.
  • Gelenkchips, Knochenbrüche u.ä. und machen unter Umständen einen chirurgischen Eingriff nötig. In vielen Fällen ist es sinnvoll, das Gelenk durch einen orthopädischen Hufbeschlag zu entlasten. Dieser muss in Zusammenarbeit von Tierarzt und Hufschmied individuell für den Patienten gefertigt werden.
  • Infektiöse Arthritis: Die infektiöse Arthritis ist immer ein Notfall! Die Entzündungsprozesse mit Eiterbildung schädigen den Gelenkknorpel massiv und können ihn vollständig zerstören. Daher muss ein Patient mit einer Gelenkinfektion umgehend in eine Klinik gebracht werden, in der das Gelenk gespült und mit einem Antibiotikum behandelt wird. Zumeist wird das Antibiotikum auch noch systemisch verabreicht.

Wenn die akuten Formen der Gelenkentzündung in eine chronische übergegangen sind, können entzündungshemmende Medikamente und Hyaluronsäure immer noch helfen, die Entzündung zur Ruhe zu bringen. Die Knochenzubildungen bei einer chronisch-deformierten Sprunggelenkentzündung lassen sich allerdings nicht mehr beseitigen.

Prognose

Eine nicht-infektiöse Arthritis hat bei sofortigem Einleiten einer Therapie gute Heilungsaussichten, sofern der Knorpel nicht beschädigt wurde. Liegen Knorpelschäden vor, so verschlechtert sich die Prognose erheblich, da der Knorpel nur sehr schlecht heilt.

Die Prognose einer infektiösen Gelenkentzündung ist eher vorsichtig zu stellen. Gelingt es, die Bakterien durch die Behandlung schnell zu beseitigen und ist der Gelenkknorpel nicht geschädigt worden, so hat das Pferd gute Heilungsaussichten. Leider bleiben jedoch häufig schwere Knorpelschäden zurück, die den Einsatz des Patienten als Reitpferd oft unmöglich machen.

Eine chronisch-deformierende Arthritis ist therapeutisch kaum mehr zu beeinflussen und hat daher eine schlechte Prognose.

Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung gegen eine Arthritis gibt es nicht, sie kann jederzeit auftreten. Allerdings sollten folgende Punkte beherzigt werden, um den Bewegungsapparat des Pferdes bestmöglich zu schützen:

  • Ein Pferd sollte stets nur so weit belastet werden, wie es seinem Entwicklungs- und Trainingszustand entspricht.
  • Fehlstellungen der Gliedmaße sollten bereits im Fohlenalter durch einen Tierarzt und einen Hufschmied begutachtet werden und ggf. korrigiert werden.
  • Regelmäßige und fachlich richtige Hufpflege erleichtert das Abrollen und entlastet die Gelenke.
  • Tägliche Kontrollen lassen kleine Verletzungen frühzeitig erkennen und verhindern, dass sich Entzündungsprozesse ausbreiten.
  • Lahmheiten lieber gleich behandeln lassen, bevor sich durch Verschleppung von Entzündungsprozessen bereits Arthrosen im Gelenk bilden konnten.

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Stand: 13.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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