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Pferd: Spat

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Chronisch degenerative Osteoarthrose der straffen Gelenke am Sprunggelenk, spavin

Die Spaterkrankung des Sprunggelenks zählt zu den häufigsten Lahmheitsursachen beim Pferd. Sie betrifft Pferde jeden Alters. Es handelt sich um knochenartige Zubildungen in den so genannten straffen Gelenken des Sprunggelenks im Sinne einer Arthrose.

Um die Vorgänge bei der Spaterkrankung besser zu verstehen, muss man sich den Aufbau des Sprunggelenks des Pferdes vor Augen führen:

Das Sprunggelenk ist ein zusammengesetztes Gelenk. Es besteht zum einen aus einem großen Gelenk, das von dem Unterschenkel und den darunterliegenden Knochen gebildet wird und das als Sprunggelenk im engeren Sinne aufgefasst wird. Dieses Gelenk ist sehr beweglich und sorgt für den überwiegenden Teil der Bewegung im Sprunggelenk. Daneben existieren weitere kleine Gelenke zwischen zwei Reihen kleiner Knochen und zwischen den kleinen Knochen und dem Röhrbein. Diese Gelenke verfügen über wenig Bewegungsspielraum und werden daher als straffe Gelenke bezeichnet. Man nennt sie auch Spatgelenke. Die vielen kleinen Knochen sind übrig geblieben aus der Urzeit, als das Pferd noch mehrere Zehen hatte. Sie bilden die Hinterfußwurzel und heißen dementsprechend auch Hinterfußwurzelknochen. Heute sind die Gelenke zwischen den einzelnen Hinterfußwurzelknochen eigentlich überflüssig, da im Laufe der Evolution von den ursprünglich fünf Zehen nur noch das Röhrbein und die beiden Griffelbeine übrig geblieben sind.

Abb. GS1FZKEY
Abb. GS1FZKEY: Linkes Sprunggelenk.
Schemazeichnung der Knochen des linken Sprunggelenks. Ansicht von schräg vorn

Abb. GS1G1550
Abb. GS1G1550: Knochen des Sprunggelenks.
Aufsicht nach Entfernung des Oberschenkels. Präparat

Ursachen

Kennzeichnend für spatartige Veränderungen sind Knochenzubildungen auf den Gelenkflächen und an den Gelenkrändern der straffen Gelenke.

Knochenzubildungen nennt man auch Exostosen. Meistens sind besonders die Gelenke betroffen, die auf der Innenseite des Beines liegen. Die Veränderungen können einseitig oder an beiden Hinterbeinen auftreten. Über die Ursachen, die zu den Knochenzubildungen führen, wird viel diskutiert. Einige Forscher sehen diese Veränderungen als weiteren Entwicklungsschritt der Evolution an, an dessen Ende aus den vielen kleinen Hinterfußwurzelknochen ein großer hervorgegangen sein wird. Bis es soweit sein wird, bereiten die knöchernen Zubildungen Pferd und Reiter allerdings einige Probleme.

Tatsache ist, dass verschiedene Faktoren das Auftreten spatartiger Veränderungen begünstigen. Allen Faktoren ist gemeinsam, dass sie zu einer übermäßigen Belastung der straffen Gelenke führen:

  • Gliedmaßenstellung: Fehlstellungen der Hinterbeine wie kuhhessige, säbelbeinige, rückständige, fassbeinige oder bärentatzige Stellung verstärken den Druck auf die Gelenke. Durch Fehlstellungen kann sogar bei sehr jungen Pferden bereits Spat auftreten.
  • Abnorme Form und Winkelung des Sprunggelenks können ebenfalls zu verstärktem Druck auf die Gelenke führen.
  • Ständige Minitraumen: Durch permanente Überbelastung kommt es zu kleinsten Quetschungen und Verletzungen des Gelenkknorpels und der Gelenkkapsel. Diese führen zur Gelenksentzündung, auch Arthritis genannt. Als Folge der Traumen wird der Knochen zum Wachstum angeregt und bildet Exostosen.
  • Zum Teil wird die Entstehung der Veränderungen durch die Art der Beschneidung des Hufes künstlich gefördert: Besonders bei Trabern werden manchmal die Trachten extrem kurz gehalten, um ein weites Vorfußen des Hinterbeins zu verstärken. Leider wird dadurch auch die Spatentwicklung begünstigt.
  • Mineralstoffmangel soll generell zu Knochenerkrankungen führen.

Die Knochenzubildungen führen zu verstärkter Reibung im Gelenk und verletzen wiederum den Gelenkknorpel. Die Gelenkkapsel wird ebenfalls gereizt. Dieser Zustand ist für das Pferd schmerzhaft. Im weiteren Verlauf der Erkrankung wird der Knorpel schließlich vollständig zerstört und der Gelenkspalt mit Knochengewebe ausgefüllt. Die Knochen wachsen in einem lange dauernden Prozess schließlich aneinander. Ist dieser Zustand erreicht, findet keine Bewegung mehr in den straffen Gelenken statt und das Pferd kann wieder lahmfrei laufen. In der Bewegung wird das Pferd durch die komplette Verknöcherung der straffen Gelenke nicht behindert, da der Großteil der Bewegung ohnehin vom großen Gelenk ermöglicht wird.

Viele, insbesondere ältere Pferde haben röntgenologisch nachweisbare knöcherne Zubildungen an den straffen Gelenken, zeigen aber keine Lahmheit. Man geht davon aus, dass diese Umbauprozesse im Alter normal sind. Sie können aber durch die Nutzung oder Gliedmaßenstellung verstärkt werden und dann zu Problemen führen.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Einlaufen
  • Knochenauftreibung

Symptome

Die Erkrankung führt zunächst zu Schmerzen bei der Belastung des Sprunggelenks. Diese äußern sich in einer Lahmheit, die besonders zu Beginn der Bewegung auftritt und im Verlauf der Arbeit weniger wird oder ganz verschwindet. Dies hängt mit der zunehmenden Schmierwirkung der Gelenkflüssigkeit unter der Bewegung zusammen. In einem gut geschmierten Gelenk nimmt die Reibung ab und die Schmerzen werden weniger. Im Stehen stellen die Pferde das Bein gerne etwas vor, um es zu schonen. Man nennt dies auch Schildern.

Im fortgeschrittenen Stadium kann man die knöchernen Zubildungen bereits von außen sehen, sie treten als harte Umfangsvermehrung im Gelenkbereich in Erscheinung. Man nennt sie auch Spatexostosen.

Abb. GS1G5X70
Abb. GS1G5X70: Spatexostosen.
Bei diesem Pferd sind die knöchernen Zubildungen bereits äußerlich als Umfangsvermehrungen sichtbar (Pfeil).

Mit zunehmender Verknöcherung wird auch die Lahmheit weniger. Einige Pferde zeigen in diesem Zusammenhang ein ruckartiges Anziehen des erkrankten Beines, das man auch Hahnentritt nennt.

Diagnose

Für die Diagnosestellung wird das Pferd im Stand und in der Bewegung beobachtet. Die Gelenke werden auf Zubildungen untersucht. Um die Diagnose zu erhärten, kann eine Beugeprobe durchgeführt werden, bei der die kleinen Gelenke durch massive Beugung im Sprunggelenk besonders belastet werden. Geht das Pferd danach verstärkt lahm, so ist eine Spaterkrankung wahrscheinlich. Daher nennt man diese Probe auch Spatprobe. Allerdings werden dabei auch Knie- und Hüftgelenk mitgebeugt, so dass Erkrankungen dieser Gelenke ebenfalls zu einer Lahmheitsverstärkung führen können.

Um die Diagnose weiter zu sichern, können die straffen Gelenke durch Einspritzen eines Betäubungsmittels schmerzfrei gemacht werden. Geht das Pferd nach dieser diagnostischen Anästhesie lahmfrei, so hat man den Schmerzpunkt gefunden.

Auf Röntgenbildern lassen sich Knochenzubildungen darstellen. Auch der Grad der Veränderungen kann beurteilt werden. Allerdings gibt es immer wieder Pferde, die trotz massiver Zubildungen keine Schmerzen in den Spatgelenken zeigen. Daher ist der röntgenologische Befund alleine nicht aussagekräftig.

Abb. GS1GBD8K
Abb. GS1GBD8K: Spatexostosen im Röntgenbild.
Wolkige Zubildungen sind am vorderen Rand der straffen Sprunggelenke zu sehen (Pfeile).

Behandlung

Die Veränderungen in den Gelenken können nicht wieder rückgängig gemacht werden. Eine Therapie kann nur darauf abzielen, die Funktion des Pferdes wiederherzustellen, d.h. die Schmerzen möglichst dauerhaft zu beseitigen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Ansatzpunkte, die vor Therapiebeginn ausführlich mit dem Tierarzt besprochen werden sollten. Insbesondere die zukünftige Nutzung des Pferdes spielt eine entscheidende Rolle.

Schmerz ausschaltung und Verlangsamung der Verknöcherungsprozesse:

  • Ein orthopädischer Hufbeschlag soll das Gelenk entlasten und eine weitgehend schmerzfreie Bewegung ermöglichen. Leichte Lahmheiten können manchmal bereits durch den Beschlag verschwinden. Der Hufbeschlag muss meistens konsequent während des ganzen weiteren Lebens des Pferdes aufgebracht werden.
  • Entzündungshemmende und schmerzstillende Präparate werden eingesetzt und ggf. direkt in das betroffene Gelenk gespritzt.
  • Neuerdings werden spezielle Medikamente eingesetzt, die gezielt den Knorpel unterstützen sollen oder die Knochenzubildungen verhindern sollen.
  • Im Rahmen einer Operation können Nerven oder Sehnen durchtrennt werden, um eine Schmerzfreiheit zu erreichen.

Beschleunigung der Verknöcherungsprozesse:

  • Reizende Substanzen werden direkt in das Gelenk gespritzt, um die Verknöcherung anzuregen.
  • Künstliche Versteifung des Gelenks (Arthrodese).

Prognose

Die Spatveränderungen lassen sich nicht wieder rückgängig machen. Mit einer konsequenten Behandlung ist es aber in den meisten Fällen möglich, eine Schmerzfreiheit zu erlangen, damit das Pferd weiterhin geritten werden kann.

Vorbeugung

Spat vorzubeugen ist schwierig, da die Prozesse ja bis zu einem gewissen Grad als normal angesehen werden müssen. Beachtet werden sollte aber eine optimale Mineralstoffversorgung des Pferdes, eine auf den Trainingszustand abgestimmte körperliche Belastung und eine frühzeitige Korrektur von Stellungsfehlern bereits im Fohlenalter, um zusätzliche Belastungen der straffen Gelenke zu vermeiden.

Tipps

Pferde mit Spat müssen täglich ausreichend bewegt werden, um die Gelenke geschmeidig zu halten.

ACHTUNG

Bei der Ankaufuntersuchung stellen röntgenologisch erkennbare Zubildungen an den straffen Gelenken einen Befund dar. Sie beweisen jedoch nicht, dass das Pferd wirklich klinisch an Spat leidet, solange keine klinischen Symptome auftreten.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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