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Pferd: Sommerekzem

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Sommerräude, Insektenüberempfindlichkeit, sweet itch

Sommerekzem ist eine Allergie gegen Insektenstiche, die zu heftigem Juckreiz führt. Es ist die häufigste Ursache von starkem Juckreiz beim Pferd überhaupt. Meistens beginnt die Erkrankung zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr und wird jedes Jahr stärker, wenn die Pferde weiterhin den Insekten ausgesetzt sind. Das Sommerekzem tritt nur in den wärmeren Jahreszeiten auf, in denen die Insekten aktiv sind, im Winter sind die Pferde in der Regel beschwerdefrei. Besonders häufig sind Islandpferde und Welshponys betroffen, das Sommerekzem kann aber auch bei jeder anderen Pferderasse auftreten. Da das Sommerekzem bei einigen Rassen häufiger vorkommt als bei anderen, wird heute davon ausgegangen, dass die Veranlagung zu dieser Allergie vererbt wird.

Sommerekzem wird manchmal auch als Sommerräude bezeichnet. Mit der echten Räude, die durch Milben hervorgerufen wird, hat diese Erkrankung aber nichts zu tun.

Ursachen

Die Ursache für das Sommerekzem ist eine allergische Reaktion gegen den Stich bestimmter Mücken- und in manchen Fällen auch Fliegenarten. Besonders häufig treten Allergien gegen eine bestimmte Mückenart, die so genannten Gnitzen auf. Diese Mücken fliegen besonders gerne Stirn, Mähne, Schweifansatz und Unterbauch der Pferde an und saugen dort Blut. Beim Saugakt gerät Speichel der Mücke in die Haut das Pferdes und löst dort eine allergische Reaktion aus, die zu starkem Juckreiz führt. Die Pferde scheuern sich an den juckenden Stellen. Dabei können sie den gesamten Mähnenkamm und die Schweifrübe kahl scheuern. Zusätzlich kann die Haut durch das Scheuern wund gerieben werden. Die offenen Stellen werden leicht durch Bakterien infiziert, so dass sich eine eitrige Hautentzündung bildet, die den Krankheitsverlauf zusätzlich verkompliziert.

Ansteckung

Sommerekzem ist nicht ansteckend. Man geht aber davon aus, dass die Veranlagung zur Ausbildung eines Sommerekzems vererbt wird.

Leitsymptom

Juckreiz

Symptome

Das erste Symptom eines Sommerekzems ist heftiger Juckreiz im Bereich des Mähnenkamms und der Schweifrübe. Die Pferde scheuern sich massiv an Zäunen oder Bäumen oder sie benagen den juckenden Bereich.

Als Folgeerscheinungen können

  • Haarausfall
  • schuppige, gerötete Haut
  • Hautwunden, die auch nässen können
  • bakterielle Folgeentzündungen mit Eiterbildung
  • Hautverdickungen

auftreten.

Abb. GR7I112W
Abb. GR7I112W: Sommerekzem.
Dieses Pferd hat sich die Mähne fast vollständig abgescheuert. Die Haut ist verdickt und borkig.

Abb. GR7I2CDA
Abb. GR7I2CDA: Sommerekzem.
An diesem narkotisierten Pferd sieht man die befallenen Stellen an der Unterseite von Brust und Bauch.

Diagnose

Die Symptome allein sind häufig nicht beweisend für ein Sommerekzem, da derartige Veränderungen auch im Rahmen anderer Erkrankungen wie z.B. Haarlingsbefall oder Milben auftreten können. Allerdings liefert die Krankengeschichte meistens schon einen Hinweis auf ein Sommerekzem, so dass im Zusammenhang mit den klinischen Symptomen eine Verdachtsdiagnose gestellt werden kann. Erhärtet wird die Diagnose durch einen Versuch: Das Pferd wird mehrere Wochen mückenfrei im Stall gehalten. Der Juckreiz sollte dann innerhalb von 2 – 4 Wochen verschwinden. Wenn das Pferd wieder mit Mücken in Berührung kommt, treten die Symptome sofort wieder auf.

Neuerdings gibt es auch spezielle Bluttests, mit denen die Reaktion des Pferdes auf verschieden Mückenarten getestet werden kann (so genannter Allergietest).

Behandlung

Die Behandlung des Sommerekzems ist schwierig und fordert dem Tierhalter viel Einsatz ab. Manchmal müssen verschiedene Methoden ausprobiert werden, bis man die richtige Behandlung oder die richtige Kombination aus Behandlungen für sein Pferd gefunden hat.

Folgende Behandlungsaspekte sollten grundsätzlich berücksichtigt werden:

  1. Insektenabwehr
  2. Verminderung des Juckreizes
  3. Hautpflege
  4. Vermeidung bakterieller Hautentzündungen

Behandlungsaspekte

Insektenabwehr

Die wichtigste Aufgabe für den Pferdehalter ist es, die Insekten von seinem Pferd fernzuhalten. Dazu hat er verschiedene Möglichkeiten:

  • Aufstallen in insektengeschütztem Stall (Fliegengitter) während der Aktivitätsphase der Insekten (meistens die Dämmerung).
  • Eindecken mit Fliegendecken. Speziell für Ekzempferde wurden Decken aus besonderem Materiel entwickelt, die den Hals und auch den Kopf bedecken.
  • Mückenabwehrpräparate, die auch zusätzlich zum Aufstallen oder zum Eindecken angewendet werden können.
  • Futterzusätze wie z.B. Knoblauch, die den Geruch des Pferdes für die Insekten unangenehm machen sollen.
  • Bei der Wahl der Weide windige Flächen bevorzugen und Feuchtgebiete vermeiden, da sich hier besonders viele Insekten aufhalten. Manche Pferde werden auch während der Sommermonate ans Meer gebracht, wo durch den ständigen Wind deutlich weniger Insekten herumfliegen.

Abb. GR7IDGGP
Abb. GR7IDGGP: Ekzemerdecke.
Beispiel für eine Fliegendecke, die das ganze Pferd vor den Insekten schützen soll.

Verminderung des Juckreizes

  • Einreibungen oder Waschungen mit lindernden Präparaten
  • Bei ganz schlimmen Juckreiz können auch kortisonhaltige Präparate eingesetzt werden. Diese können systemisch oder lokal als Einreibung verwendet werden. Die Langzeitgabe von Kortison birgt immer die Gefahr einer Hufrehe, so dass sich diese Methode nicht zur Dauerbehandlung eignet.
  • Verschiedene Futterzusatzstoffe oder spezielle Futtermittel werden angeboten, die einem Ekzempferd helfen sollen.
  • Eigenbluttherapie, Bach-Blüten und verschiedene weitere Behandlungsansätze können evtl. ebenfalls Linderung bringen.

Hautpflege

Die wunden Stellen werden mit Heilsalben, z.B. panthenolhaltigen Salben, Lebertran- oder Ringelblumensalbe gepflegt, so dass sie gut abheilen können.

Vermeidung bakterieller Hautentzündungen

Offene Hautstellen können mit desinfizierenden Salben oder Waschungen gereinigt werden. Stellen sich Anzeichen einer Entzündung wie Schwellung oder Eiterbildung ein, muss auch über die Gabe von Antibiotika nachgedacht werden.

Desensibilisierung

Unterschiedlich bewertet werden Verfahren zur Desensibilisierung. Dabei wird dem Pferd über Monate bis Jahre Mückenmaterial in steigender Dosierung gespritzt, so dass sich das Abwehrsystem an diesen Fremdstoff gewöhnen soll. An dieser Methode wird noch geforscht und von sehr wechselnden Ergebnissen berichtet.

Prognose

Ein Pferd, das an Sommerekzem leidet, kann man nicht heilen. Man muss sogar davon ausgehen, dass sich die Allergie in jedem weiteren Jahr, in dem das Pferd den Insekten ausgesetzt ist, verschlimmert. Mit geeigneten, konsequent durchgeführten Maßnahmen ist es aber durchaus möglich, dem Pferd ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

Vorbeugung

Lassen Sie Ihr Pferd, wenn es an Sommerekzem leidet, gar nicht erst erneut mit den Mücken in Berührung kommen. Vorbeugende Maßnahmen wie Aufstallung, Eindecken oder Insektenabwehrpräparate sollten Sie frühzeitig im Jahr einleiten, bevor das Pferd einen erneuten Allergieschub erleidet.

ACHTUNG

Mit Pferden, die an Sommerekzem leiden, sollte nicht gezüchtet werden, da sie die Neigung zu dieser Allergie vererben können.

Stand: 13.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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