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Pferd: Verletzung der Sehnenscheide

Allgemeines

Sehnenscheiden dienen dem Schutz von Sehnen. Sie umschließen die Sehnen an besonderen Stellen, an denen das Gleiten der Sehne über einen Knochenvorsprung oder über andere Sehnen oder Bänder gewährleistet werden soll.

In ihrem Aufbau gleicht eine Sehnenscheide einem flüssigkeitsgefüllten Kissen. Sie besteht aus einer mehrschichtigen Wand, die ähnlich einer Gelenkkapsel aufgebaut ist. Die innerste Schicht der Wand nennt man Synovialmembran. Diese Membran bildet die Flüssigkeit, mit der die Sehnenscheide angefüllt ist. Diese Flüssigkeit nennt man auch Synovia. Sie gleicht in ihrer Zusammensetzung weitgehend der Gelenkflüssigkeit. Im Normalzustand ist sie hell und klar.

Ursachen

Meistens werden Sehnenscheiden durch Schnitt- oder Stichverletzungen durch Draht, spitze Gegenstände usw. verletzt. Man sagt auch, die Sehnenscheide wurde eröffnet. Insbesondere die Fesselbeugesehnenscheide ist aufgrund ihrer Lage stark verletzungsgefährdet. Häufig werden dabei benachbarte Strukturen wie die Beugesehnen oder auch das Fesselgelenk gleichzeitig verletzt.

Abb. GR7JXKV5
Abb. GR7JXKV5: Schemazeichnung der Pferdezehe mit Knochen und den wichtigsten Sehnen, Gelenkkapseln, Schleimbeuteln und Sehnenscheiden.

Dabei kann der Einstich sehr klein sein und leicht übersehen werden. Neben der direkten Gewebezerstörung durch die Verletzung droht auch immer die Gefahr, dass Bakterien durch die Wunde in die Sehnenscheide gelangen und diese bakteriell infizieren. Meistens führen diese Bakterien zu Eiterbildung und schweren Entzündungen. Bei einer schweren eitrigen Entzündung greifen die Entzündungsvorgänge auch auf gesundes Gewebe über und führen zu weitreichenden Gewebeeinschmelzungen mit fatalen Folgen.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Schwellung

Symptome

Je nach Ausmaß der Verletzung gehen die Pferde nicht direkt nach der Verletzung lahm. Oftmals entwickelt sich die Lahmheit erst innerhalb von 24 Stunden, wenn die Bakterien eine ausgeprägte Entzündung verursacht haben. Dann jedoch lahmen die Pferde sehr stark und schonen das erkrankte Bein. Das betroffene Bein wird insgesamt dick und warm. Die Pferde haben häufig Allgemeinsymptomen wie Fieber und Abgeschlagenheit. In schweren Fällen kann die bakterielle Infektion auch auf das benachbarte Fesselgelenk und die Sehnen übergreifen.

Diagnose

Bei Verletzungen im Fesselbereich sollte immer überprüft werden, ob die Sehnenscheide eröffnet wurde. Bei tiefen Verletzungen, bei denen die Sehnen frei liegen, kann man im jedem Fall von einer Beteiligung der Sehnenscheide ausgehen.

In unklaren Fällen, z.B. wenn keine Verletzung äußerlich sichtbar ist, können folgende Untersuchungsmethoden helfen, eine Beteiligung der Sehnenscheide festzustellen:

  • Abtasten: Das erkrankte Bein wird gründlich abgetastet, um die einzelnen Strukturen auf Schwellung und Schmerzhaftigkeit zu überprüfen.
  • Beugeprobe : Durch Beugeproben wird getestet, ob im Bereich der Sehnenscheiden schmerzhafte Zustände vorliegen. So können z.B. die nicht schmerzhaften Gallen ausgeschlossen werden. Allerdings gibt eine Beugeprobe nur einen Hinweis auf den schmerzhaften Bereich – in diesem Fall also die Fesselgelenksregion.
  • Ultraschalluntersuchung : Mithilfe von Ultraschall lassen sich Synovia, Wanddicke und auch eventuell vorliegende Sehnenverletzungen beurteilen. Ultraschall kann am stehenden Pferd durchgeführt werden und verursacht dem Pferd keine Schmerzen.
  • Punktion : Bei Verdacht auf eine Verletzung ist eine Punktion der Sehnenscheide sehr sinnvoll, weil bestimmte Veränderungen der Synovia bereits frühzeitig Hinweise auf das Vorkommen von Bakterien liefern, bevor diese zu einer ausgedehnten Entzündungsreaktion geführt haben. So kann eine wirkungsvolle Behandlung rechtzeitig begonnen werden und größere Gewebezerstörung verhindert werden.

Behandlung

Grundsätzlich stellen Verletzungen der Sehnenscheide immer einen Notfall dar und ihre Behandlung gehört in die Hände eines Tierarztes. Die Behandlung von Sehnenscheidenverletzungen richtet sich nach dem Ausmaß der Gewebezerstörung:

Die Wunde muss fachmännisch gereinigt werden, wobei unbedingt vermieden werden muss, Schmutz und Bakterien mit der Spülflüssigkeit in die Tiefe der Wunde zu spülen. Am sichersten erfolgt die Wundbehandlung unter Vollnarkose in einer Klinik. Die Sehnenscheide muss punktiert und meistens auch gespült werden. Zerstörtes Gewebe wird entfernt. Danach kann versucht werden, die Wundränder zu vernähen. Oftmals ist die Sehne ebenfalls verletzt und muss genäht werden. Zusätzlich erhalten die Pferde eine Antibiose, um eine bakterielle Infektion der Sehnenscheide zu behandeln.

Prognose

Verletzungen der Sehnenscheide bergen immer das Risiko einer bakteriellen Infektion und damit einer massiven Entzündung, die wiederum zu weiterer Gewebezerstörung und zu narbigen Verwachsungen führen kann. Daher ist bei Sehnenscheidenverletzungen immer Eile geboten. Je eher sie erkannt und behandelt werden, desto günstiger ist die Prognose. Allerdings hängt die Prognose auch entscheidend davon ab, ob und in welchem Ausmaß auch die Sehnen verletzt wurden.

ACHTUNG

Bei Verletzungen im Fesselbereich sollte immer überprüft werden, ob neben der Sehnenscheide andere wichtige Strukturen wie die Beugesehnen oder das Fesselgelenk verletzt wurden.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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