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Pferd: Entzündung der Sehnenscheide

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Tendovaginitis

Sehnenscheiden dienen dem Schutz von Sehnen. Sie umschließen die Sehnen an besonderen Stellen, an denen das Gleiten der Sehne über einen Knochenvorsprung oder über andere Sehnen oder Bänder gewährleistet werden soll.

In ihrem Aufbau gleicht eine Sehnenscheide einem flüssigkeitsgefüllten Kissen. Sie besteht aus einer mehrschichtigen Wand. Die innerste Schicht der Wand nennt man Synovialmembran. Diese Membran bildet auch die Flüssigkeit, mit der die Sehnenscheide angefüllt ist. Diese Flüssigkeit nennt man auch Synovia. Sie gleicht in ihrer Zusammensetzung weitgehend der Gelenkflüssigkeit. Im Normalzustand ist sie hell, klar und von einer „Faden ziehenden“ Konsistenz.

Am häufigsten erkranken folgende Sehnenscheiden beim Pferd:

  • Fesselbeugesehnenscheide
  • Karpalbeugesehnenscheide (Beugesehnenscheide am Vorderfußwurzelgelenk oder Karpalgelenk)
  • Tarsalbeugesehnenscheide (Beugesehnenscheide am Sprunggelenk)

Dabei erkrankt die Fesselbeugesehnenscheide am häufigsten. Diese Sehnenscheide weist einige Besonderheiten auf: Sie dient als Schutz sowohl für die oberflächliche als auch für die tiefe Beugesehne und erstreckt sich auf der gesamten Rückseite der Fessel von oberhalb des Fesselgelenks bis zum Hufgelenk.

Abb. GR7KVAZ7
Abb. GR7KVAZ7: Tastbare Aussackungen der wichtigsten Sehnenscheiden.

Die häufigste Sehnenscheidenerkrankung ist die Sehnenscheidenentzündung, die in der Fachsprache auch Tendovaginitis heißt. In diesem Kapitel werden die nicht-infektiösen, d.h. die nicht durch Bakterien verursachten Entzündungen besprochen. Bakteriell bedingte Sehnenscheidenentzündungen werden im Kapitel Sehnenscheidenverletzung besprochen. Schwellungen der Sehnenscheiden ohne Entzündungsanzeichen werden auch Gallen genannt.

Ursachen

Akute Sehnenscheidenentzündung: Eine akute Entzündung kann durch Vertreten, Überbelastung und auch durch einen stumpfen Schlag entstehen. Die Synovialmembran der Sehnenscheidenwand wird dadurch beschädigt und der Körper reagiert auf diesen Gewebeschaden mit einer Entzündung. Auch eine Sehnenentzündung der in der Sehnenscheide gleitenden Sehne kann auf die Sehnenscheide übergreifen.

Chronische Entzündung: Wenn die akute Entzündung nicht vollständig ausheilt, geht sie in die chronische Form über. Bei dieser Form hat sich bereits im Rahmen der körpereigenen Reparationsversuche Narbengewebe gebildet. Dieses ist dicker und derber als das ursprüngliche Gewebe. Das Narbengewebe kann in der Sehnenscheidenwand eingelagert sein. Es kann sich aber auch auf den flüssigkeitsgefüllten Hohlraum ausdehnen und dort zu Verwachsungen führen. In ausgeprägten Fällen ist auch die Umgebung der Sehnenscheide von den narbigen Verwachsungen betroffen. In diesem Zusammenhang kann die Sehnenscheide sogar mit der Sehne verwachsen. Im weiteren Verlauf können auch Kalkeinlagerungen in der Sehnenscheidenwand oder in der dazugehörigen Sehne auftreten.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Schwellung

Symptome

Gekennzeichnet ist die akute Entzündung durch eine vermehrte Füllung der Sehnenscheide mit Flüssigkeit. Die Sehnenscheide dehnt sich durch den vermehrten Flüssigkeitsdruck aus. Diese Ausdehnung wird äußerlich als Schwellung sichtbar. Sehnenscheiden können sich nur an Stellen ausdehnen, an denen sie nicht von Muskeln, Bändern oder Sehnen überlagert werden.

Der entzündete Bereich ist warm und das Pferd entlastet die Gliedmaße. Häufig lahmen die Pferde deutlich. Oftmals geht eine Sehnenscheidenentzündung mit einer Erkrankung des zugehörigen Sehnenabschnitts einher. Eine Beteiligung der Sehne muss immer diagnostisch abgeklärt werden.

Bei der chronischen Entzündung ist die Wand der immer noch vermehrt gefüllten Sehnenscheide verdickt. Kommt es zu Verwachsungen innerhalb der Sehnenscheide und auch zwischen Sehnenscheide und Sehne, lahmen die Pferde häufig verstärkt nach der Arbeit.

Abb. GWXQ8RO7
Abb. GWXQ8RO7: Hochgradig angeschwollene Fesselbeugesehnenscheide.
Die Beugesehnenscheide kann sich nur an den Stellen vorwölben, an denen keine Bänder über sie hinweglaufen

Abb. GWXQ66UH
Abb. GWXQ66UH: Dasselbe Pferd von hinten gesehen.

Diagnose

Verschiedene Untersuchungsmethoden können zur Diagnosesicherung zum Einsatz kommen:

  • Klinische Untersuchung: Das erkrankte Bein wird gründlich abgetastet, um die einzelnen Strukturen auf Schwellung, Schmerzhaftigkeit und ggf. Verwachsungen zu überprüfen.
  • Beugeprobe : Mit einer Beugeprobe oder Provokationsprobe kann man testen, ob im Bereich der Sehnenscheiden schmerzhafte Zustände vorliegen. So kann eine Lahmheit provoziert oder verstärkt werden. Nicht schmerzhafte Gallen der Sehnenscheide können so ausgeschlossen werden.
  • Diagnostische Anästhesie : Zum genaueren Eingrenzen der Schmerzursache kann die Sehnenscheide durch eine Injektion örtlich betäubt werden. Das Pferd hat keine Schmerzen mehr und geht wieder lahmfrei.
  • Ultraschall: Eine sehr hilfreiche Untersuchung stellt die Ultraschalluntersuchung dar. Sie kann am stehenden Pferd durchgeführt werden und verursacht dem Pferd keine Schmerzen. Mithilfe von Ultraschall lassen sich Flüssigkeit, Wanddicke und auch eventuelle Gewebedefekte der Sehnen beurteilen.
  • Punktion : Zur Beurteilung der Sehnenscheidenflüssigkeit kann die Sehnenscheide auch punktiert werden. Dabei wird unter strengen hygienischen Bedingungen mit einer Kanüle in die Sehnenscheide eingestochen und Flüssigkeit gewonnen, die auf Entzündungsprodukte in einem Labor untersucht werden kann.

Behandlung

Die akute Sehnenscheidenentzündung wird zunächst mit kühlenden und ggf. auch stabilisierenden Verbänden behandelt. Das Pferd erhält Boxenruhe. Zusätzlich können entzündungshemmende Medikamente angewendet werden. Diese können sowohl systemisch gegeben werden, also über den Blutkreislauf zu dem entzündeten Bereich gelangen, als auch auf den erkrankten Bereich äußerlich aufgebracht werden. In einigen Fällen kann es nötig sein, durch eine Punktion Flüssigkeit aus der Sehnenscheide abzulassen und entzündungshemmende Medikamente direkt in die Sehnenscheide zu spritzen.

In chronischen Fällen kann auch die äußere Anwendung von wärmenden Substanzen sinnvoll sein, um den Heilungsprozess anzuregen.

Beim Auftreten von Verwachsungen muss geprüft werden, ob diese operativ gelöst werden müssen, um die Beweglichkeit der Sehnen zu erhalten.

Prognose

Bei frühzeitigem Erkennen einer nicht-infektiösen Sehnenscheidenentzündung sind die Heilungsaussichten in der Regel gut. Schwieriger wird es, wenn sich bereits Verwachsungen oder sogar Kalkablagerungen gebildet haben. Wenn diese dem Pferd Schmerzen bereiten, ist die Prognose eher vorsichtig zu stellen.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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18.04.2016: Corina
Hallo, mein PRE hat schon seit längerem eine chronische Sehnenentzündung mit Verwachsungen und Galle. Er lahmt grundsätzlich selten deswegen, aber je nach Jahreszeit reagiert er mit mehr oder weniger Galle. Was aber sehr sehr sehr zu empfehlen ist, sind die Blutegel. Die wirken echt Wunder mit ihrem Speichel. Mein Pferd hält auch sehr gerne hin, das heisst für mich, dass es ihm offensichtlich wirklich hilft. Anfangs 3-4 Mal in Abstand von 2 Wochen. Dann abwarten. 2 an einem Bein haben uns gereicht. LG
13.02.2014: Evee
Hallo mein 13 jähriger Wallach hat seit 3 monaten immer wieder mal eine gefüllte sehnenscheide. wenn es wieder dicker ist, schone ich ihn und dann is nach ein paar tagen wieder gut. lahmen tut er nicht, er geht wenn dann mal ein bisschen steif und kurz. jetzt ist es wieder dick und ich schmiere seit einer wochewieder compagel und schone und es wird auch wieder besser. jetzt weiß ich auch nicht was ich noch machen kann.
19.01.2014: Meike
Ich habe einen 13- jährigen Wallach, der seit ca einem Jahr am Kapalgelenk zwei Gallen hat, die wie Krauzgalle aussehen. Sind nicht warm und tuen im nicht weh. Was könnte dies sein? Der TA weiß es nicht. VG
14.10.2013: majo
Hallo
Ich möchte mir ein Pferd kaufen,aber die Stute hat aussen am Vorderfusswurzelgelenk oberhalb ein Überbein das Wallnussgrösse hat.Beim beugen hatte sie keine probleme und es ist weich.Ist mindestens schon 1 Jahr alt.
Die Stute ist 4 Jahre alt und noch roh.
Lg
15.09.2013: Tatjiana
Schon mal Blutegel versucht? Und wird er bewegt, gedehnt, massiert etc? Stehen ist absolut kontraproduktiv. Meiner ist 17 und hat immerwiederkehrende entzüdliche Schwellungen am Fesselträger. Dann behandle ich mit Percutin und lasse später die kleinen Blutsauger ran. Lass dich unbedingt ausführlich beraten, wenn du Blutegel ansetzen lassen willst. Auch mache ich regelmäßig Entgiftungskuren mit Kräutern, Ingwer und Teufelskralle. Das Wichtigste ist jedoch, dass er mit Verstand bewegt wird auf festem ebenen Boden. Hat er irgendwelche Anzeichen nach dem Training in Form erhöhter Wärme, schleppender Füße oder sonstigen Symptomen?

LG

LG
07.08.2013: CSH
Hallo,
mein 4-jähriger Wallach hat seit ca. 1 1/2 Jahren eine Art "Sehnenscheidenentzündung" am Sprunggelenk, ist bis jetzt aber noch nie lahm gewesen. Die Beule am Sprunggelenk füllt sich langsam immer wieder und mehr mit Flüssigkeit, 2x wurde schon punktiert, dann gehts wieder von vorne los. Da er bis dato schmerzfrei ist und nicht lahmt, sei es quasi nur ein Schönheitsfehler. Mein TA sagt, man kann nichts tun dagegen, außer ab und zu punktieren, aber das sei keine Dauerlösung. Es gäbe zwar eine Operation, wenn die Pferde stark lahm sind, aber diese sei sehr, sehr riskant. Da mein Pferd nicht lahm ist, will ich ihm keinesfalls eine Operation zumuten. Er ist ein super Dressurpferd und ich würde ihn gerne länger behalten.
Hat irgendwer Erfahrung mit Sehnenscheidenentzündungen oder hat jemand Tipps für eine Behandlung?

Vielen Dank.

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