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Pferd: Schock

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Kreislaufversagen, Kollaps

Unter dem Begriff Schock versteht man einen Zustand, in dem der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Dies kann zum Absterben von Körperzellen und Geweben, zu Organversagen und schließlich zum Tod führen.

Eine Minderversorgung eines Gewebes oder Organs mit sauerstoffreichem Blut nennt man auch eine Ischämie.

Die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff ist die Aufgabe des Herz-Kreislaufsystems. Das Herz pumpt das in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut in die Blutgefäße. Die Blutgefäße zweigen sich immer weiter auf und erreichen schließlich die Organe. Die kleinsten Blutgefäße nennt man Kapillaren. Ihre Wand ist so dünn, dass Bestandteile des Blutes (z.B. Sauerstoff) durch die Kapillarwand hindurch in die Gewebe abgegeben werden können. Im Gegenzug werden Abfallprodukte (z.B. CO2) aus dem Gewebe in das Blut aufgenommen und abtransportiert. Sie werden über die Nieren oder die Leber entsorgt bzw. in der Lunge abgeatmet.

Der Blutfluß drückt auf die Wände der Blutgefäße. Diesem Druck setzen die Blutgefäße einen Widerstand entgegen. Dieser Widerstand ist variabel, weil die Blutgefäße ihren Durchmesser verändern können. So kann die Durchblutung der einzelnen Organe gesteuert werden. Die Organdurchblutung ist abhängig von vielen verschiedenen Faktoren. Grundsätzlich führt ein hoher Gefäßwiderstand zu einem hohen Blutdruck, ein geringer Widerstand zu einem Blutdruckabfall.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen, die einen Schock auslösen können:

Volumenmangelschock

Beim Volumenmangelschock oder hypovolämischen Schock wird dem Blutgefäßsystem auf unterschiedlichste Weise Flüssigkeit entzogen:

Das kann zum einen ein Blutverlust durch eine stark blutende Verletzung oder eine Erkrankung der Blutgefäße sein.

Es kann sich aber auch um einen Wasserverlust durch starken Durchfall, extremen Schweißausbruch oder schlichtweg Trinkwassermangel handeln.

Eine weitere Möglichkeit ist der Verlust von Blutplasma durch die Wand der Blutgefäße hindurch in das umliegende Gewebe oder eine Körperhöhle. Bei einem Darmverschluss z.B. strömt weiter Blut in einen abgeschnürten Darmbereich hinein, kann aber durch die abgeklemmten abführenden Blutgefäße nicht wieder abtransportiert werden. So kommt es zu einem Herauspressen der flüssigen Anteile des Blutes durch die zunehmend geschädigten Gefäßwände, während die größeren Blutkörperchen und Eiweiße zunächst noch im Gefäßsystem verbleiben. Die Flüssigkeit sammelt sich dann in der Bauchhöhle an, fehlt aber im Kreislaufsystem.

Großflächige Entzündungsprozesse im Körper oder Verbrennungen können zur Bildung großer Mengen Entzündungsflüssigkeit führen. Dazu wird dem Blut Flüssigkeit entzogen, die dem Blutsystem dann fehlt.

Bei einem Verlust von 40 – 50% des Gesamtblutvolumens tritt der Tod ein.

Kardialer Schock

Beim kardialen Schock liegt eine Herzerkrankung vor, die dazu führt, dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, genug sauerstoffreiches Blut zu befördern. Das Blut "versackt" im Gewebe.

Septischer / endotoxämischer / anaphylaktischer Schock

Bakterien, Bakteriengifte (Endotoxine) oder allergische Reaktionen (s. Allergie) regen den Körper zu Abwehrmaßnahmen an. Dabei werden so genannte Entzündungsmediatoren freigesetzt, das sind Botenstoffe, die eigentlich Entzündungsprozesse koordinieren sollen.Z.B. erhöhen sie die Durchlässigkeit der Gefäßwände für Blutbestandteile und sorgen für eine Weitstellung der Blutgefäße, um die Durchblutung bestimmter Bereiche zu verbessern. So sollen Abwehrzellen und Antikörper besser aus dem Blut in geschädigtes Gewebe gelangen. Wenn die Entzündungsmediatoren aber überschießend freigesetzt werden, werden zu viele Blutgefäße weit gestellt und durchlässig, so dass viel Blut darin versackt und nur noch wenig Blut zum Herzen zurück transportiert wird.

Alle Schockursachen führen dazu, dass dem Herz-Kreislaufsystem nicht mehr genug Blut zur Verfügung steht, um alle Gewebe ausreichend zu versorgen. Der Körper versucht, nun wenigstens die wichtigsten Organe (Herz, Gehirn) noch zu durchbluten. Diesen Vorgang nennt man Zentralisierung. Dazu wird die Herzfrequenz erhöht und die Durchblutung anderer, weniger wichtiger Gewebe (Darm, Haut, Niere) gedrosselt. In Geweben, die nicht mehr ausreichend durchblutet werden, bilden sich vermehrt Abfallprodukte und saure Stoffwechselprodukte, z.B. Laktat. Dies führt zu einem Absinken des pH-Wertes im Blut, was man Azidose nennt. Besteht die Drosselung zu lange, so sterben die Gewebe ab. Die Zentralisierung kann dann nicht mehr aufrecht gehalten werden und das Blut versackt in der Peripherie. Die lebenswichtigen Organe werden nicht mehr durchblutet und das Pferd verendet.

Leitsymptom

  • erhöhte Herzfrequenz
  • kalte Haut
  • kalter Schweiß

Symptome

Folgende Symptome kennzeichnen einen Schock:

  • erhöhte Herzfrequenz
  • flacher, schwacher Puls
  • erhöhte Atemfrequenz
  • kalte Hautoberfläche, kalter Schweiß
  • blasse bis bläuliche Schleimhäute (bei Endotoxinschock auch schmutzig rot)
  • verminderter Harnabsatz
  • Austrocknung
  • starke Unruhe schlägt um in Teilnahmslosigkeit
  • Tod

Diagnose

Bei einer Allgemeinuntersuchung fallen bereits einige Schocksymptome auf. Zur genaueren Bestimmung des Schweregrades bietet die Blutuntersuchung viele gute Möglichkeiten:

  • Hämatokrit: Der Hämatokritwert gibt die Menge der roten Blutkörperchen (entspricht ungefähr den festen Blutbestandteilen) gegenüber den flüssigen Anteilen in % an. Bei Flüssigkeitsverlusten (außer Vollblutverlusten) ist der Hämatokrit erhöht.
  • Eiweißgehalt im Blutplasma: Erhöhter Eiweißgehalt im Plasma zeigt ebenfalls Flüssigkeitsverlust an. Bei zunehmender Gefäßschädigung treten allerdings auch Eiweiße durch die Gefäßwand aus, so dass dann der Eiweißgehalt erniedrigt ist (z.B. bei fortgeschrittenem Darmverschluss).
  • Blut-pH-Wert bzw. Laktatkonzentration zur Bestimmung der Azidose
  • Bauchhöhlenpunktion

Behandlung

Die Schocktherapie zielt darauf ab, so schnell wie möglich die Gewebedurchblutung wieder herzustellen. Folgende Maßnahme sind die Grundsätze einer allgemeinen Schocktherapie:

  • Auffüllen des Gefäßsystems. Die Auffüllung des Gefäßsystems ist die wichtigste Maßnahme bei Schock. Sie kann auf zwei Arten erfolgen:
    • Flüssigkeitsersatz über Infusionen, z.B. Elektrolytlösungen oder Blutplasma anderer Pferde
    • Plasmaexpander: Plasmaexpander sind kurzfristig wirksame Substanzen, die über Infusionen in das Blutgefäßsystem gegeben werden. Dort sorgen sie durch ihre hohe Konzentration (kolloidosmotischer Druck) dazu, dass die Flüssigkeit im Blutgefäß verbleibt und es sogar zu einem passiven Einstrom von Flüssigkeit aus dem Gewebe zurück in die Blutgefäße kommt.
  • Blutdrucksteigernde Medikamente (Vasopressoren)
  • Korrektur der Azidose durch spezielle Infusionen (z.B. Bicarbonat)

Weitere Maßnahmen können z.B. Antibiotika, entzündungshemmende und antiendotoxische Medikamente, Schmerzmittel und harntreibende Medikamente (Diuretika) umfassen.

Parallel zur allgemeinen Schockbehandlung muss die Ursache behoben werden, z.B. durch Kolikoperation oder operative Behandlung von Verletzungen.

Prognose

Die Prognose ist umso besser, je schneller der Schock behandelt wird und je weniger Gewebe geschädigt wurde. Außerdem entscheidet auch die Behandelbarkeit der Ursache über die Prognose. Unbehandelt kann Schock zum Tod führen.

Vorbeugung

Koliken, blutende Verletzungen, Herzerkrankungen, starker oder anhaltender Durchfall und bakterielle Infektionserkrankungen sollten umgehend tierärztlich behandelt werden, um gar nicht erst ein Schockgeschehen zu ermöglichen.

Als Pferdehalter sollte man mit den normalen Vitalparametern vertraut sein, um Abweichungen frühzeitig erkennen zu können.

Tipps

Stark blutende Verletzungen am Bein können mit einem Strumpf, am besten mit einem Perlonstrumpf abgebunden werden, um die Blutung bis zum Eintreffen des Tierarztes zu drosseln.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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