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Pferd: Schlundverstopfung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Obturationsstenose des Ösophagus

Die Speiseröhre ist ein muskulärer Schlauch. Die innere Oberfläche ist von einer Schleimhaut überzogen. Die Speiseröhre verläuft auf der linken Halsseite im Bereich der Drosselrinne. Durch die Speiseröhre werden Futter und Wasser von der Maulhöhle bis in den Magen transportiert. Dabei werden die Futterbissen durch wellenförmiges Zusammenziehen der Muskeln in der Speiseröhrenwand in Richtung Magen geschoben. Das erklärt, warum Pferde auch mit gesenktem Kopf Futter abschlucken können. Bei der Schlundverstopfung bleibt Futter in der Speiseröhre hängen und verschließt sie teilweise oder häufig auch vollständig. Dabei gibt es drei Engpässe im Verlauf der Speiseröhre, an denen typischerweise eine Schlundverstopfung auftritt: Hinter dem Kehlkopf, am Eingang in den Brustkorb und beim Durchtritt der Speiseröhre durch das Zwerchfell.

Abb. GR7MQ5P3
Abb. GR7MQ5P3: Speiseröhre.
In ihrem Verlauf gibt es drei Engpässe.

Ursachen

Es gibt zwei Formen der Schlundverstopfung:

  1. Verstopfung durch ein festes, kompaktes Futterstück. Meistens handelt es sich bei dem Futterstück um ein schlecht gekautes Stückchen Rübe, Möhre, Apfel, usw.
  2. Verstopfung (Anschoppung) durch loses, trockenes und quellfähiges Futter. Insbesondere ungenügend aufgequollene Rübenschnitzel, mehliges Trockenfutter oder trockenes, pappiges Heu können sich in der Speiseröhre festsetzen. Oftmals fressen die Pferde trotzdem weiter, bis die Speiseröhre bis oben hin vollständig mit Futter verstopft ist.

Pferde, die aus großem Hunger oder Futterneid hastig fressen oder die an Zahnerkrankungen und Zahnkanten leiden oder im Zahnwechsel sind, zerkleinern das Futter nicht ausreichend und vermischen es auch nicht genügend mit Speichel. Das Futter bleibt dann an einem der Engpässe stecken. Da die Muskulatur der Speiseröhre vergeblich versucht, den Bissen vorwärts zu schieben, entsteht an dieser Stelle ein Krampf der Muskulatur. Das regt wiederum die Speichelproduktion an. Der Speichel führt bei losem Futter zu einem weiteren Aufquellen, so dass die Verstopfung noch fester und hartnäckiger wird. Außerdem kann der Speichel nicht an der Verstopfung vorbei in den Magen abfließen, sondern füllt die Speiseröhre allmählich an und läuft schließlich aus der Nase wieder ab. Dabei kann der mit Futterbestandteilen vermischte Speichel auch über die Luftröhre in die Lunge gelangen und dort eine lebensbedrohliche Lungenentzündung hervorrufen. Diese wird dann auch Aspirationspneumonie oder Schluckpneumonie genannt.

Leitsymptom

  • Speicheln
  • Husten
  • Nasenausfluss

Symptome

Eine Schlundverstopfung tritt immer während oder unmittelbar im Anschluss an das Fressen auf. Pferde mit einer Schlundverstopfung stellen plötzlich das Fressen ein. Sie beginnen zu husten. Wasser wird vielleicht noch in kleinen Mengen aufgenommen. Über Nase und Maul fließt mit Futterbestandteilen vermischter Speichel ab, der schaumig sein kann. Die Pferde strecken den Kopf vor. Einige Pferde haben Atemnot, wenn ein besonders großer, kompakter Futterbissen feststeckt und die Atmung behindert. Je nach Art der Schlundverstopfung ist die vollgestopfte Speiseröhre als derber Strang in der Drosselrinne der linken Halsseite fühlbar. Einige Pferde werden auch unruhig und ängstlich, die Symptome ähneln dann denen bei Kolik.

Abb. GR7MXKEN
Abb. GR7MXKEN: Schaumiger Nasenausfluss.
So kann sich eine Schlundverstopfung äußern.

Diagnose

Für die Diagnosestellung ist es wichtig zu wissen, was und wann das Pferd zuletzt gefressen hat. Bei einer Verstopfung, die im Halsteil der Speiseröhre sitzt, kann man das angeschoppte Futter oder das festsitzende Futterstück von außen fühlen.

Lässt sich die Verstopfung nicht von außen fühlen, so kann die Speiseröhre sondiert werden. Eine vorsichtig vorgeschobene Nasenschlundsonde stößt dabei auf die Verstopfung und lässt sich nicht weiter bis in den Magen vorschieben. Manchmal allerdings gelingt es bereits bei der Sondierung, die Verstopfung mit der Sonde in den Magen zu schieben.

Weitere Untersuchungsmethoden sind eine Endoskopie der Speiseröhre, bei der gleich der Zustand der Schleimhaut beurteilt werden kann, und die Röntgenuntersuchung.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, das festsitzende Futter entweder in Richtung Maul oder in Richtung Magen zu befördern. Dazu erhält das Pferd ein krampflösendes Mittel (Spasmolytikum), das den Krampf (Spasmus) der Speiseröhrenmuskulatur lösen soll. Manchmal reicht allein diese Maßnahme aus, damit das Futter in den Magen rutscht.

In den anderen Fällen wird das Pferd zusätzlich beruhigt. Hier muss im Einzelfall entschieden werden, ob eine leichte Beruhigungsspritze ausreicht oder ob das Pferd in Vollnarkose gelegt werden sollte.

Die weitere Vorgehensweise richtet sich nach der Lage der Verstopfung und nach der Art des Futters:

Kompakte Futterstücke

  • Hoch sitzende kompakte Futterteile werden durch Massage in Richtung Maul bewegt und dann aus dem Maul entnommen. Dazu wird dem Pferd ein Maulgatter angelegt, um den Fremdkörper sicher greifen zu können.
  • Tief sitzende kompakte Futterteile werden mit einer Sonde in den Magen geschoben.
  • Operation: Am narkotisierten Pferd können zwei Arten von Operationen durchgeführt werden. Entweder wird die Speiseröhre durch einen Hautschnitt nur freigelegt, aber nicht aufgeschnitten und der Fremdkörper durch Massage entfernt oder die Speiseröhre muss eröffnet werden und der Fremdkörper wird entnommen. Nach Eröffnung der Speiseröhre ist die Gefahr gegeben, dass sich eine narbige Verengung der Speiseröhre im Operationsbereich bildet, die zu einer erneuten Schlundverstopfung führen kann.

Lose Futtermittel

  • Spültherapie: Bei Verstopfung durch Rübenschnitzel usw. wird Wasser über eine Sonde in die Speiseröhre eingebracht und so versucht, die Verstopfung Stück für Stück auf zu lösen. Über die gleiche oder eine zweite Sonde laufen Wasser und gelöste Futterteile wieder ab. Dieser Vorgang kann sehr lange dauern.
  • Druckluft: Über die Nasenschlundsonde wird stoßweise Druckluft in die Speiseröhre geblasen und diese dadurch vor der Verstopfung gedehnt. Futterteile sollen sich so lösen und mit dem Speichel über die Nase ablaufen.

Zusätzlich erhalten die Pferde meistens ein Antibiotikum, um die Gefahr einer Lungenentzündung abzuwenden. In den Folgetagen sollte nur Weichfutter gefüttert werden, damit sich die gereizte oder sogar verletzte Schleimhaut der Speiseröhre beruhigen kann.

Prognose

Die Prognose hängt entscheidend davon ab, wie schnell die Schlundverstopfung beseitigt werden kann. Als Faustregel gilt, dass eine Schlundverstopfung innerhalb von 24 Stunden behoben werden muss, weil das Pferd sonst sehr wahrscheinlich eine Lungenentzündung als Folgeerkrankung entwickelt.

Außerdem hängt die Prognose vom Ausmaß der Schleimhautschädigung ab: Die Schleimhaut der Speiseröhre kann sowohl durch die Verstopfung als auch durch die Sonde verletzt werden. Oberflächliche Defekte heilen in der Regel gut ab, tiefere Verletzungen können zur Ausbildung von Narbengewebe führen. Dieses kann, besonders wenn es ringförmig angelegt ist, wiederum einen Engpass bei der Futterpassage darstellen und wiederholt Schlundverstopfungen verursachen.

Vorbeugung

Rübenschnitzel und anderes Quellfutter sollte mindestens 6 Stunden vor dem Verfüttern eingeweicht werden. Vor dem Verfüttern müssen sich alle Pellets aufgelöst haben.

Lassen Sie mindestens einmal jährlich die Zähne Ihres Pferdes kontrollieren, bei alten und jungen Pferden empfiehlt sich eine halbjährliche Kontrolle.

Tipps

Schneiden Sie Rüben, Möhren und Äpfel nur so klein, dass Ihr Pferd noch kauen muss und nicht in Versuchung gerät, die Stückchen ganz hinunterzuschlucken.

ACHTUNG

Schlundverstopfung kann zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung führen!

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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