petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Schale

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Chronisch deformierende Gelenkentzündung, Arthritis et Periarthritis chronica deformans, Arthropathia deformans

Als Schale bezeichnet man ganz allgemein Knochenzubildungen an den Gliedmaßenknochen und -gelenken des unteren Abschnitts des Pferdebeins. Diesen Bereich nennt man auch Pferdezehe. Knochenzubildungen werden in der Fachsprache Exostosen genannt. Sie können im Gelenk oder in der Nähe eines Gelenks auftreten.

Innerhalb des Gelenks liegende Knochenzubildungen bezeichnet man als Gelenkschale. Als gelenknahe Schale werden Exostosen bezeichnet, die außerhalb des Gelenks liegen.

Folgende Begriffe werden zur weiteren Unterscheidung von Schale benutzt:

  • Hohe Schale: Exostosen im Bereich des Krongelenks
  • Tiefe Schale: Exostosen im Bereich des Hufgelenks
  • Ringbein: Wenn die Exostosen bei einer gelenknahen Schale einen "Ring" um den Knochen bilden, spricht man auch vom Ringbein (engl. "ringbone").
  • Leist: Verknöcherungen von Bändern an der Rückseite und an den Seiten des Fesselbeins.

Von den drei Zehengelenken (Fesselgelenk, Krongelenk, Hufgelenk) ist das Krongelenk am häufigsten von Veränderungen im Sinne einer Schale betroffen. Schale tritt überwiegend an den Vorderbeinen auf.

Abb. GS1EXVOL
Abb. GS1EXVOL: Schale
Mögliche Formen der Schale

Ursachen

Man unterscheidet verschiedene Ursachen, die entweder zur Gelenkschale oder zur gelenknahen Schale führen:

Ursachen einer Gelenkschale:

  • Chronische Gelenkentzündung (Details siehe auch Kapitel Arthritis): Durch extreme Belastungen der Gelenkflächen wird der Gelenkknorpel abgenutzt oder sogar verletzt. Das regt den unter dem Knorpel liegenden Knochen zur Bildung von Knochenmaterial an. Diese Knochenzubildungen ragen dann in den Gelenkspalt hinein und führen dort zu Reibung und weiterer Knorpelschädigung. Die initiale Schädigung des Knorpels kann zum einem durch die Nutzung des Pferdes begründet sein. Viele Wendungen, Stopps und die Landung nach einem Sprung führen zu starkem Druck auf die Gelenkflächen und damit auch auf den Stoß dämpfenden Gelenkknorpel. Zum anderen kann auch bereits ein einmaliges Ereignis wie ein Schlag oder ein „Vertreten“ den Knorpel beschädigen.
  • Fehlstellungen: Stellungsfehler der Gliedmaße begünstigen die Bildung von Knorpelschäden, da die Gelenkflächen ungleichmäßig belastet werden.
  • Gelenkchips: Bei jungen, frohwüchsigen Pferden unter drei Jahren kann Gelenkschale an den Zehengelenken der Hinterbeine auftreten. Diese Erscheinung wird im Zusammenhang mit dem Erkrankungsbild der Osteochondrose gesehen.
  • Knochenbrüche: Brüche der Gelenkflächen führen fast immer zu Knochenwucherungen im Gelenkbereich, da bei der Knochenheilung zunächst vermehrt Reparationsmaterial, so genannter Kallus, gebildet wird, um den gebrochenen Bereich schnell zu stabilisieren. Dieses Material ragt dann über die Bruchenden hinaus in den Gelenkspalt hinein und sorgt dort für Reibung und Knorpelschäden.

Knochenzubildungen im Gelenk führen in einer Art Teufelskreis zu weiteren Knorpelschäden und damit wiederum zu knöchernen Zubildungen. Genaueres zu den Vorgängen können Sie dem Kapitel Arthrose entnehmen. Insbesondere am Krongelenk führt Schale in extremen Fällen zu einer vollständigen Verknöcherung des Gelenkspalts. Diese vollständige Verknöcherung führt zur Versteifung des Gelenks und wird auch Ankylose genannt. Dieser Prozess dauert in der Regel viele Jahre.

Ursachen einer gelenknahen Schale:

Die Ursache einer gelenknahen Schale ist immer eine Reizung oder Entzündung der Knochenhaut. Auf diesen Reiz reagiert die Knochenhaut mit der Bildung von Knochenmaterial. Die Knochenhaut kann aus unterschiedlichen Gründen gereizt werden:

  • Gelenkkapsel, Bänder und Sehnen sind über die Knochenhaut mit dem Knochen verbunden. Diese Bereiche nennt man auch Ansatzstellen. Zug an Kapsel, Bändern oder Sehnen überträgt sich so auf die Knochenhaut. Wird nun durch Belastung oder durch Fehlstellung der Zug punktuell verstärkt, kann die Knochenhaut gereizt werden und so die Knochenbildung an dieser Stelle in Gang gesetzt werden. Dabei begünstigen besonders folgende Stellungsfehler das Entstehen der gelenknahen Schale: Bodenweite – bodenenge und zehenweite – zehenenge Stellungen führen jeweils entweder an der Außen- oder Innenseite des Beins zu verstärktem Zug.
  • Auch Verletzungen, z.B. durch Weidedraht, können bis auf die Knochenhaut reichen und dort direkt die Knochenbildung stimulieren.

Da Knochen ein hartes, raues Gewebe ist, kann allein schon durch das Vorhandensein von Exostosen die Knochenhaut weiter gereizt werden und damit die Verknöcherungen weiter voranschreiten. Stellungsfehler sorgen ebenfalls weiterhin für permanenten Zug an Gelenkkapsel, Bändern und Sehnen, so dass die Verknöcherungsbereiche sich ausweiten. Treten Verknöcherungen an der Ansatzstelle der Gelenkkapsel auf, können die Zubildungen auf die Gelenkfläche übergreifen und dort zusätzlich zu einer Gelenkschale führen.

Abb. GS1F3EGV
Abb. GS1F3EGV: Schemazeichnung der Pferdezehe mit Knochen und den wichtigsten Sehnen, Gelenkkapseln, Schleimbeuteln und Sehnenscheiden.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Schwellung

Symptome

Grundsätzlich sind bei der gelenknahen Schale geringere Symptome als bei der Gelenkschale zu erwarten. Pferde mit gelenknaher Schale gehen beispielsweise oftmals nicht richtig lahm.

Zu Beginn der Erkrankung kann die anfängliche Entzündung zu vermehrter Wärme und einer weichen, schmerzhaften Schwellung des erkrankten Bereichs führen. Im weiteren Verlauf, der sich über Monate bis Jahre hinziehen kann, werden harte Knochenzubildungen sicht- und tastbar. Das Abtasten dieser Exostosen ist für die Pferde gewöhnlich nicht schmerzhaft.

Eine Lahmheit kann in allen Gangarten auftreten. Meistens haben die Pferde Schmerzen bei engen Wendungen. Bei einigen Pferden verstärkt sich die Lahmheit unter der Belastung und nimmt bei Ruhe wieder ab. Im Stand stellen die Pferde das erkrankte Bein vor, um die Gelenke zu entlasten. Umfangreiche Verknöcherungen stellen je nach Lage manchmal auch ein rein mechanisches Hindernis bei der Bewegung dar. Die Pferde sind dann einfach nicht mehr in der Lage, das betroffene Gelenk vollständig zu beugen oder zu strecken.

Wenn es insbesondere bei der Krongelenkschale zur Verknöcherung des Gelenkspalts gekommen ist, so gehen viele Pferde wieder lahmfrei. Dies hat folgende Gründe:

  1. Im versteiften Gelenk treten keine Bewegungen mehr auf. Damit erfolgt auch keine Reibung mehr und die Entzündungsprozesse und Schmerzen klingen ab.
  2. Auch das gesunde Krongelenk hat nur eine geringe Beweglichkeit und es spielt nur eine untergeordnete Rolle beim Bewegungsablauf. Wenn es versteift ist, kann die fehlende Bewegung von Huf- und Fesselgelenk kompensiert werden.

Diagnose

Klinische Lahmheitsuntersuchung

Zur Diagnosestellung wird sich der Tierarzt das Pferd im Stand ansehen, um Gliedmaßenstellung und äußerlich sichtbare Umfangsvermehrungen zu beurteilen. Der erkrankte Bereich wird abgetastet, um die Art der Schwellung genauer zu bestimmen und auf Schmerzhaftigkeit zu testen. Liegt eine Lahmheit vor, so wird diese in der Bewegung begutachtet. Dabei kann es sinnvoll sein, durch gezielte Beugung einzelner Gelenke eine Lahmheit zu provozieren oder zu verstärken. Man nennt dies auch Beugeprobe oder Provokationsprobe.

Abb. GS1F96QV
Abb. GS1F96QV: Beugeprobe.
Auf dieser Abbildung sieht man eine Übersichtsbeugeprobe der Zehengelenke. Bei dieser Beugeprobe werden Fessel-, Kron- und Hufgelenk gleichzeitig gebeugt. So möchte man herausfinden, ob die Lahmheit aus diesen Bereichen stammt. Ist die Beugeprobe positiv, d.h. die Lahmheit verstärkt sich, kann man danach die einzelnen Gelenke beugen, um den Schmerzherd näher einzugrenzen.

Beim Vorliegen einer Lahmheit kann es nötig sein, den Schmerzherd durch den Einsatz von diagnostischen Anästhesien näher einzugrenzen: Dazu wird ein Lokalanästhetikum an einen Nerven oder in ein Gelenk gespritzt und dieser Bereich betäubt. Wenn der schmerzhafte Prozess betäubt ist, geht das Pferd wieder lahmfrei. Wird die Lahmheit jedoch nicht durch Schmerzen verursacht, sondern wirken Knochenzubildungen als mechanische Hindernisse bei der Bewegung, so kann die Betäubung die Lahmheit nicht zum Verschwinden bringen.

Röntgen

Auf Röntgenbildern, die aus mehreren Richtungen aufgenommen werden müssen, um das ganze Bein abzubilden, sind die knöchernen Zubildungen je nach Ausprägung eindrucksvoll darzustellen.

Abb. GS1FB4S7
Abb. GS1FB4S7: Krongelenkschale.
Die Zubildungen befinden sich am unteren Rand des Fesselbeins und am oberen Rand des Kronbeins (Pfeile).

Abb. GS1FDON4
Abb. GS1FDON4: Hochgradige Schale.
Massive knöcherne Zubildungen befinden sich sowohl im Kron- und Hufgelenk als auch im weiteren Verlauf der Knochen (Pfeile).

Behandlung

Die Behandlung richtet sich danach, wo die Erkrankung lokalisiert ist, wie weit sie fortgeschritten ist und zu welchen Beschwerden sie führt. Folgende Behandlungsmöglichkeiten können auch in Kombination angewendet werden:

  • Orthopädischer Beschlag: In den meisten Fällen wird ein orthopädischer Beschlag aufgebracht, der in den gereizten Bereichen für Entlastung sorgen soll. Er muss individuell auf die Erkrankungsursache abgestimmt werden. Pferde mit einem orthopädischen Beschlag müssen diesen zeitlebens tragen.
  • Ruhigstellung: Wichtig ist auch die Ruhigstellung, ggf. kann diese durch einen Verband ergänzt werden. Die Pferde sollten nur langsam und behutsam wieder an die Bewegung gewöhnt werden. Extreme Belastung wie enge Wendungen, abrupter Gangartenwechsel etc. sind zu vermeiden.
  • Medikamente: Entzündungshemmende Medikamente können helfen, den Teufelskreis zu unterbrechen und den Krankheitsfortgang zu stoppen. Sie werden entweder systemisch gegeben und gelangen auf dem Blutweg in den erkrankten Bereich oder werden direkt in das Gelenk oder an die gelenksnahen Veränderungen gespritzt. Bei einigen Pferden ist es angezeigt, Hyaluronsäure oder Knorpel aufbauende Substanzen zu verabreichen.
  • Arthrodese: In fortgeschrittenen Fällen kann es angebracht sein, das Gelenk künstlich zu versteifen. Diesen Eingriff nennt man Arthrodese. Er wird unter Vollnarkose und unter Klinikbedingungen durchgeführt. Wird das Krongelenk versteift, ist der Bewegungsablauf nur gering gestört, da das Krongelenk an der Gesamtbewegung des Beines nur wenig Anteil hat. So ein Pferd kann ggf. auch reiterlich weiter genutzt werden. Eine Arthrodese des Fesselgelenks und des Hufgelenks ist ebenfalls möglich, führt aber zu deutlichen Bewegungseinschränkungen, da diese Gelenke für den Bewegungsablauf von entscheidender Bedeutung sind. Eine reiterliche Nutzung ist dann in der Regel unmöglich, das Pferd kann aber züchterisch genutzt werden oder beschwerdefrei auf der Weide gehalten werden.
  • Nervenschnitt: In einigen wenigen Fällen kann auch über eine Durchtrennung der Schmerz leitenden Nervenfasern nachgedacht werden, um Lahmfreiheit zu erzielen. Dieser Eingriff birgt allerdings etliche Gefahren und ist aus tierschützerischer Sicht ebenfalls bedenklich.

Prognose

Die Schale ist nicht heilbar. Einmal erworbene knöcherne Veränderungen bleiben bestehen. Im günstigsten Fall kann ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden und eine Lahmfreiheit erzielt werden. Die Prognose ist umso günstiger, je früher die Schale behandelt wird. Auch ist die Prognose einer gelenknahen Schale günstiger als wenn die Gelenkflächen betroffen sind. Wird eine gelenknahe Schale nicht behandelt, geht sie häufig in eine Gelenkschale über. Die Prognose verschlechtert sich damit drastisch.

Eine Schale am Hufgelenk ist prognostisch weitaus ungünstiger als an den anderen Gelenken, weil hier meistens die Bewegung auch mechanisch beeinträchtigt wird. Diese Bewegungseinschränkung lässt sich nicht therapieren.

Vorbeugung

Generell sollten Lahmheiten so früh wie möglich therapiert werden, um Folgeschäden zu verhindern. Das gleiche gilt für Verletzungen. Fehlstellungen müssen bereits im Fohlenalter korrigiert werden. Beim ausgewachsenen Pferd kann nur ein geeigneter Beschlag und eine regelmäßige Hufkorrektur für Entlastung sorgen.

Verwandte Themen

Stand: 13.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.