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Pferd: Petechialfieber

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Morbus maculosus, Blutfleckenkrankheit, Immunkomplex-Vaskulitis

Der Begriff Petechialfieber beschreibt eine generalisierte Entzündung der Blutgefäße, die auf eine überschießende Reaktion des Immunsystems zurückzuführen ist. Es bilden sich überall kleine Blutungsherde, die man auch Petechien nennt.

Ursachen

Die Ursache für die überschießende Immunantwort des Körpers ist häufig eine vorangegangene Infektion mit Bakterien. Besonders nach Streptokokkeninfektionen wie Druse beobachtet man Petechialfieber. Aber auch im Gefolge anderer Erkrankungen wie Herpesvirusinfektionen oder ansteckender Blutarmut kann Petechialfieber auftreten. Auch die Aufnahme von Giften oder Allergien werden als Ursachen diskutiert. Alle diese Ursachen stellen einen Reiz dar, der das Immunsystem aktiviert.

Bei Petechialfieber reagiert das Immunsystem des Körpers nun übermäßig heftig auf den verursachenden Reiz. Durch diese massive Immunreaktion werden die Wände besonders der kleinen Blutgefäße entzündlich geschädigt und werden durchlässig für Bestandteile des Blutes. Zunächst kann nur die Blutflüssigkeit, das Blutplasma, durch die geschädigte Wand aus dem Blut in das Gewebe übertreten. Die Folge sind Ödeme. Im weiteren Verlauf werden die Gefäßwände weiter geschädigt und immer durchlässiger, so dass auch die kleinsten Blutzellen, die roten Blutkörperchen die Blutgefäße verlassen können. In diesem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung droht das Pferd zu verbluten.

Ansteckung

Petechialfieber ist nicht ansteckend.

Leitsymptom

Symptome

Meistens treten die ersten Symptome eines Petechialfiebers ca. 6 Wochen nach Abklingen einer Druse oder einer anderen Infektionskrankheit auf. Selten treten Symptome bereits während der Vorerkrankung auf. Dieser sehr schnelle Verlauf führt häufig innerhalb kurzer Zeit zum Tod des Tieres.

Zumeist sind zu Beginn der Erkrankung nur die Blutgefäße der Haut betroffen. Mit Ausbreitung der Erkrankung können aber sämtliche Blutgefäße des Körpers in Mitleidenschaft gezogen werden.

Folgende Symptome sind im Verlauf des Petechialfiebers zu erwarten:

  • Hautquaddeln (Nesselfieber), die zusammenfließen und zu umfangreichen
  • Ödemen werden. Meistens sind Beine, Unterbauch, Unterbrust und beim männlichen Pferd auch die Vorhaut sehr stark geschwollen und schmerzhaft. In Einzelfällen treten die Ödeme auch im Kopfbereich auf und können zu einer lebensbedrohlichen Verengung der Luftwege führen. In solchen Fällen darf nicht zu lange gezögert werden, denn manchmal kann nur ein Luftröhrenschnitt den Patienten vor dem Ersticken retten.
  • Bewegungsunlust
  • Z.T. leichtes Fieber
  • Blutungsherde in den Schleimhäuten. Zunächst findet man Blutungsherde in der Nasenschleimhaut und der Nasenscheidewand, später in den Bindehäuten und auch im Maul.
Abb. GR7TMR3P
Abb. GR7TMR3P: Blutungen in der Maulschleimhaut.
Diese winzigen, stecknadelkopgroßen Blutungsherde in der Schleimhaut werden petechiale Blutungen oder Petechien genannt.

Wenn neben den Blutgefäßen der Haut auch Gefäße anderer Organe betroffen sind, so richten sich die Symptome nach Art der befallenen Organe. Denkbar sind

Diagnose

Beim typischen klinischen Bild und einer vorangegangenen Infektionskrankheit ist die Diagnose Petechialfieber leicht zu stellen. Zur Absicherung können folgende Untersuchungsmethoden dienen:

  • Haut- Biopsie (Hautstanze)
  • Blutuntersuchung
  • Nachweis von Bakterien oder Viren aus dem Nasentupfer oder einer Luftsackspülprobe
Abb. GR7TRKQF
Abb. GR7TRKQF: Hautentnahme mit einer Hautstanze.
Das Entnahmegerät hat vorne ein ringförmiges Messer, mit dem eine Hautprobe herausgeschnitten wird. Die Pferde tolerieren den Vorgang in der Regel gut. Je nach Fall wird eine Nasenbremse angelegt bzw. eine Sedierung des Pferdes oder eine örtliche Betäubung der Biopsiestelle durchgeführt.

Abb. GR7TY754
Abb. GR7TY754: Hautprobe.
Die Hautprobe wird in einer Lösung fixiert, d.h. haltbar gemacht und in ein Labor zur histologischen Untersuchung geschickt. Dort wird das veränderte Gewebe unter dem Mikroskop untersucht.

Behandlung

Zur Behandlung eines Petechialfiebers kommen je nach Ursache folgende Maßnahmen zum Einsatz:

  • Antibiotikum: Bei bakteriell bedingten Vorerkrankungen und zur Vermeidung von Sekundärinfektionen werden Antibiotika lange und hoch dosiert eingesetzt.
  • Kortison: Kortisonhaltige Präparate führen zu einem Abschwellen der Ödeme und können daher lebensrettend sein. Sie unterdrücken die Arbeit des Immunsystems. Beim Vorliegen einer Virusinfektion muss allerdings über den Einsatz von Kortison im Einzelfall entschieden werden, da die körpereigene Virusabwehr durch Kortison ebenfalls gehemmt wird.
  • Diurektika: Schwere Ödeme können mit Diuretika ausgeschwemmt werden.
  • Duschen der Ödeme fördert ihren Rückgang.
  • Infusionen können helfen, Plasma- bzw. Blutverlust auszugleichen.
  • Wenn möglich muss weiterer Kontakt mit auslösenden Substanzen unbedingt vermieden werden.

Prognose

Bei frühzeitigem Einsatz von Kortison ist nach vier Wochen mit einer Besserung zu rechnen, bei schweren Verläufen kann es aber auch mehrere Monate dauern, bis das Pferd wieder gesund ist. Außerdem muss auch noch während der Behandlung jederzeit damit gerechnet werden, dass innere Blutungen auftreten und das Pferd verblutet.

Als Folgeerkrankungen eines Petechialfiebers können Hufrehe, Sekundärinfektionen insbesondere der Haut und Thrombosen auftreten.

Folgeerkrankungen verzögern die Heilung und verschlechtern die Prognose.

Vorbeugung

Infektionserkrankungen müssen immer sorgfältig auskuriert werden, um eine vollständige Vertreibung des Erregers aus dem Körper zu erreichen.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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