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Pferd: Periodische Augenentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Mondblindheit, Equine rezidivierende Uveitis, ERU

Periodische Augenentzündung ist eine schubweise Entzündung der so genannten Gefäßhaut des Augeninneren, der Uvea. Eine Entzündung der Uvea nennt man auch Uveitis. Die Gefäßhaut setzt sich aus Regenbogenhaut (Iris), Ziliarkörper und Aderhaut zusammen.

Abb. GR7V447S
Abb. GR7V447S: Längsschnitt durch ein Auge.

Dabei kommen Entzündungen der einzelnen Strukturen der Gefäßhaut genauso vor wie die Erkrankung der gesamten Uvea. Die Erkrankung verläuft typischerweise in Entzündungsschüben, zwischen denen eine Woche und mehrere Jahre liegen können. Die Erkrankung kann ein oder beide Augen befallen. Am Ende mündet eine periodische Augenentzündung meistens in Blindheit.

Periodische Augenentzündung zählte vor der Reform des Verkaufsrechts zu den Gewährsmängeln.

Ursachen

Die Ursachen sind noch immer nicht vollständig bekannt. Man nimmt an, dass eine überschießende Reaktion des Immunsystems für die Periodische Augenentzündung verantwortlich ist. Viele verschiedene Infektionen mit Viren (Equine Herpesviren, Equine Virusarteritis), Parasiten (Onchocerkose) oder Bakterien (Druse-Erreger, Leptospiren) werden als Auslöser für die Aktivierung des Immunsystems diskutiert.

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft wird besonders einer Infektion des Augeninneren mit Leptospiren Bedeutung beigemessen. Leptospiren sind Bakterien, die hauptsächlich in Pfützen und auch im Boden vorkommen. Viele Mäuse und Ratten scheiden diese Bakterien mit ihrem Harn aus. Leptospiren werden häufig im Glaskörper von Pferden nachgewiesen, die an periodischer Augenentzündung erkrankt sind. Wie die Bakterien jedoch ins Auge gelangen und unter welchen Vorraussetzungen sie dort eine Entzündung hervorrufen, ist bislang nicht geklärt. Man weiß jedoch aus Experimenten, dass Jahre vergehen können, bis nach einer Infektion mit Leptospiren eine Uveitis auftritt.

Man kennt heute einige Faktoren, die dazu führen, dass die periodische Augenentzündung auch wirklich ausbricht:

  • Vermehrung der Leptospiren im Auge
  • Stress
  • Schädigung von Augengewebe durch Abwehrreaktionen des körpereigenen Abwehrsystems, die eigentlich gegen Krankheitserreger gerichtet sind

Die Entzündungsvorgänge, die bei einem Erkrankungsschub im Auge ablaufen führen zu Veränderungen, die zum Teil auch nach dem Schub noch nachweisbar sind. Die Art der Veränderung ist davon abhängig, welche Anteile der Gefäßhaut entzündet sind:

Eine Entzündung der Regenbogenhaut (Iris) kann zu folgenden Symptomen führen:

  • Trübung des Kammerwassers durch Entzündungsprodukte
  • Verengung der Pupille (Miosis)
  • Verkleben der Iris mit der Rückseite der Hornhaut (vordere Synechie)
  • Verklebung der Iris mit der Vorderseite der Linse (hintere Synechie)
  • Nach Beendigung des Entzündungsschubs weitet sich die Pupille wieder. Wenn es zuvor zu Verklebungen gekommen ist, können Teile der Iris an Hornhaut oder Linse kleben bleiben und bei einer Augenuntersuchung festgestellt werden. Im schlimmsten Fall wird die gesamte Pupillenöffnung verklebt, so dass das Sehvermögen des Pferdes erheblich eingeschränkt wird.
  • Linsentrübung (Katarakt)
  • Linsenluxation im fortgeschrittenen Stadium
  • Verkleinerung des Augapfels durch verringerten Augeninnendruck

Entzündungen des Ziliarkörpers und der Aderhaut können diese Folgen haben:

  • Verkleinerung des Augapfels durch verringerten Augeninnendruck
  • Linsentrübung (Katarakt)
  • Trübung des Glaskörpers durch Entzündungsprodukte
  • Verflüssigung des Glaskörpers
  • Netzhautablösung im fortgeschrittenen Stadium

Häufig beginnt die Erkrankung mit der Entzündung einzelner Anteile der Uvea. Im fortgeschrittenen Stadium sind aber meistens alle Strukturen betroffen.

Ansteckung

Ein Pferd kann sich über die Aufnahme von Wasser, das mit Leptospiren verseucht ist, mit diesen Bakterien infizieren. Über die Schleimhäute und kleine Verletzungen gelangen die Leptospiren in den Blutkreislauf. Wie es dann genau zu einer Ansiedelung im Auge kommt ist bislang ungeklärt. Viele Pferde haben im Laufe ihres Lebens Kontakt mit Leptospiren, aber nur wenige entwickeln eine Periodische Augenentzündung.

Andere Krankheitserreger werden überwiegend über die Schleimhäute von Maul, Nase und Bindehäuten aufgenommen und verteilen sich über die Blutbahn im gesamten Körper.

Leitsymptom

  • Augenausfluss
  • Lidkrampf
  • Lichtscheue

Symptome

Die Symptome hängen davon ab, welche Strukturen des Auges betroffen sind:

  • Eine Entzündung der Regenbogenhaut ist sehr schmerzhaft. Daher zeigt das Pferd in erster Linie
    • krampfartig geschlossene Augenlider,
    • Augenausfluss,
    • Lichtscheue,
    • Koliksymptome.
  • Die Bindehäute sind stark gerötet und täuschen eine Bindehautentzündung vor.
  • Entzündungen des Ziliarkörpers und der Aderhaut werden häufig vom Besitzer übersehen, da sie meistens nicht zu großen Schmerzen führen. Diese Form fällt zufällig bei einer Ankaufuntersuchung oder erst im fortgeschrittenen Stadium durch Erblindung auf.

Bei der Untersuchung des Auges können dann je nach Verlauf die unter Ursachen beschriebenen Befunde dargestellt werden.

Diagnose

Die Diagnose einer Periodischen Augenentzündung lässt sich durch den Nachweis typischer Befunde im Augeninneren stellen.

Folgende Untersuchungsmethoden können dafür eingesetzt werden:

  • Untersuchung mit einem Augenspiegel. Um auch die Strukturen in der Tiefe des Auges betrachten zu können, wird hierzu häufig die Pupille mit Augentropfen weit gestellt.
  • Ultraschalluntersuchung. Die Ultraschalluntersuchung eignet sich besonders für solche Fälle, in denen durch Trübungen und Verklebungen die Sicht auf die tiefen Strukturen verborgen ist. Insbesondere eine Netzhautablösung ist mit Ultraschall gut darstellbar. Für die Untersuchung wird der Ultraschallkopf wird auf das Oberlid gesetzt. Die Untersuchung wird im Allgemeinen gut von den Pferden toleriert.
  • In sehr seltenen, unklaren Fällen kann unter Kurznarkose Kammerwasser gewonnenen werden, das dann im Labor auf Leptospiren untersucht wird.

Behandlung

Die Behandlung einer Periodischen Augenentzündung richtet sich ganz erheblich nach den vorliegenden Befunden. Man unterscheidet eine konservative und eine operative Behandlung:

Konservative Behandlung

  • Augensalben oder -tropfen, die ein Medikament zum Weitstellen der Pupille enthalten, müssen abhängig von der Pupillenstellung gegeben werden, um ein Verkleben der Iris zu verhindern. Um bereits entstandene Verklebungen zu lösen, kann das Medikament auch direkt an das Auge gespritzt werden.
  • Kortisonhaltige, entzündungshemmende Augensalben oder -tropfen müssen mehrmals täglich gegeben werden.
  • Zusätzlich erhalten die Pferde meistens systemisch ein Schmerzmittel.

Außerdem müssen die Pferde während eines Schubes Ruhe erhalten und am besten in einem abgedunkelten Stall gehalten werden. Spezielle Masken schützen das Auge vor grellem Licht.

Abb. GR7VKG71
Abb. GR7VKG71: Augenkatheter.
Der Augenkatheter mündet unter dem Oberlid im Auge. Über ein Schlauchsystem, das meistens am Hals endet, können so problemlos flüssige Medikamente in das Auge eingebracht werden. Es besteht keine Gefahr, dass man bei Abwehrbewegungen des Pferdes die empfindliche Hornhaut mit der Augensalbetube verletzt. Der Augenkatheter wird gerne bei Pferden verwendet, die lange und häufig Medikamente ins Auge bekommen müssen und die sich das nicht so gerne gefallen lassen.

Häufig treten jedoch auch bei intensiver Behandlung erneut Entzündungsschübe auf. Um die Erkrankung zum Stillstand zu bringen, eignet sich als operativer Eingriff die

Glaskörperoperation (Vitrektomie)

Bei dieser Operation wird unter Vollnarkose das Glaskörpermaterial mit allen Entzündungsprodukten und Bakterien abgesaugt und durch Flüssigkeit ersetzt. Dadurch wird zum einen die Trübung aus dem Glaskörper entfernt und zum anderen werden die Leptospiren beseitigt, die sich auch nach diesem Eingriff nicht wieder im Glaskörperbereich ansiedeln können.

Prognose

Unbehandelt führt die periodische Augenentzündung sicher zur Erblindung des betroffenen Auges.

Die konservative Behandlung der periodischen Augenentzündung vermag es, den Schub zu unterbrechen und größere Folgeschäden zu verhindern, sie kann aber nicht weitere Schübe verhindern oder die Erblindung aufhalten.

Nach einer Glaskörperoperation sind 98% der operierten Pferde hingegen frei von Folgeschüben. Inwieweit die Sehfähigkeit des Pferdes durch die Operation erhalten werden kann, hängt von der Schädigung des Auges zum Zeitpunkt der Operation ab. Bei intakter Linse und Netzhaut kann das Pferd nach der Operation in der Regel mindestens genauso gut sehen wie zuvor, manchmal auch besser. Bereits bestehende Linsentrübung und Netzhautablösung schreiten nach der Operation allerdings oft noch fort, so dass diese Augen trotz Operation häufig erblinden. Allerdings haben diese Pferde keine Uveitisschübe mehr, so dass sie auch keine Schmerzen mehr haben.

Vorbeugung

Um das Risiko einer Leptospireninfektion zu vermindern, sollten Pferde nur sauberes, fließendes Wasser trinken. Die Tränke aus Pfützen und stehenden Gewässern ist zu vermeiden. Mäuse und Ratten sollten bekämpft werden.

ACHTUNG

Pferde mit einem akuten Uveitisschub können sehr starke Schmerzen haben und daher auch unvorhergesehen reagieren.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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