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Pferd: Entzündung der Nasennebenhöhlen

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Sinusitis

Die Nasennebenhöhlen liegen als luftgefüllte Hohlräume zwischen der inneren und äußeren Wand der Schädelknochen. Sie sind mit Schleimhaut ausgekleidet. Durch ihre Luftfülle ist der Schädel wesentlich leichter, als wenn er aus kompaktem Knochen bestehen würde.

Die größten Nasennebenhöhlen sind die beiden Kieferhöhlen (Sinus maxillaris), die über einen Spalt mit der Nasenhöhle verbunden sind. Sie sind von allen Nasennebenhöhlen am häufigsten von einer Entzündung betroffen. In den Boden der Kieferhöhlen münden die Wurzeln der hinteren 3 – 4 Backenzähne des Oberkiefers. Sie werden nur durch eine dünne Knochenschicht abgetrennt. Beim Jungpferd sind die Kieferhöhlen noch fast vollständig von den Reservekronen der Backenzähne angefüllt. Wenn das Pferd im Laufe seines Lebens die Zähne immer weiter in die Maulhöhle vorschiebt, wird die Kieferhöhle immer leerer.

Weitere Nasennebenhöhlen sind die Stirnhöhle, die Gaumenhöhlen und die Keilbeinhöhlen. Diese Höhlen erkranken selten, meistens in Gefolge einer verschleppten Kieferhöhlenentzündung.

Ursachen

Zahnerkrankungen der Backenzähne im Oberkiefer verursachen etwa die Hälfte aller Sinusitiden. Über die Zahnwurzel oder das erkrankte Zahnfach gelangen massenhaft Bakterien in die Kieferhöhle und führen dort zu einer Entzündung.

Die andere Hälfte der Nebenhöhlenentzündungen entsteht im Zuge von Infektionen der Atemwege wie Pferdehusten, seltener durch Wucherungen wie dem progressiven Siebbeinhämatom oder durch Verletzungen.

Meistens betrifft die Entzündung nur eine der beiden Kieferhöhlen. Der Beginn der Erkrankung ist häufig schleichend und wird leicht übersehen. Akute Entzündungen der Nasennebenhöhlen im Rahmen von durch Viren verursachten Infektionskrankheiten heilen meistens sogar von alleine ab und treten daher klinisch gar nicht in Erscheinung. Durch die Entzündung schwillt die Schleimhaut an und bildet Entzündungsflüssigkeit, die je nach Ursache dünnflüssig bis schleimig oder eitrig sein kann. Bei der Beteiligung von Bakterien, von der bei einer klinisch sichtbaren Nasennebenhöhlenentzündung meistens ausgegangen werden kann, ist die Flüssigkeit eitrig und zäh. Sie kann schlecht aus der Kieferhöhle über den schmalen und häufig auch noch zugeschwollenen Ausgang in die Nase abfließen. Es bildet sich ein Empyem, das ist eine Eiteransammlung in einem Hohlraum. Der Eiter kann eindicken und eine fest-bröckelige Beschaffenheit annehmen, die Hüttenkäse gleicht. In diesem Zustand ist die Entzündung chronisch geworden und von einer spontanen Heilung kann nicht mehr ausgegangen werden. Meistens wird die Erkrankung erst im chronischen Stadium entdeckt. Sie kann auch auf den Tränennasenkanal oder die Stirnhöhle übergehen.

Ansteckung

Infektionskrankheiten sind ansteckend und werden über Tröpfcheninfektion verbreitet. Eine Nasennebenhöhlenentzündung entwickelt sich aber nur bei einigen Pferden zu einem ernsthaften Problem. Verursachende Zahnerkrankungen sind nicht ansteckend.

Leitsymptom

  • einseitiger Nasenausfluss
  • Umfangsvermehrung im Gesicht

Symptome

Zunächst tritt häufig einseitiger, dünnflüssiger Nasenausfluss auf, der zunehmend eitrig und dickflüssig wird. Bei Zahnerkrankungen als Ursache ist der Ausfluss sofort eitrig und von einem unangenehmen Geruch begleitet. Auch die Atemluft kann übel riechen und ungleichmäßig stark aus den Nüstern strömen. Wenn der Eiter in der Nasennebenhöhle eindickt, kann der Nasenausfluss auch völlig zum Erliegen kommen. Die Lymphknoten im Kehlgang sind meistens geschwollen. Im weiteren Verlauf kann sich seitlich am Gesichtsschädel eine schmerzhafte Schwellung bilden, die durch eine Knochenauftreibung als Reaktion auf die chronische Entzündung verursacht wird.

Abb. GR7WEMFF
Abb. GR7WEMFF: Einseitiger eitriger Nasenausfluss.

Diagnose

Bei der klinischen Untersuchung werden besonders Nasenausfluss, Atemluft, Lymphknoten und Form des Gesichtsschädels beurteilt. In jedem Fall müssen auch die Zähne untersucht werden. Dazu muss das Maul mit einem geeigneten Maulspreizer geöffnet werden und die Zähne bei genügender Beleuchtung kontrolliert werden.

Weiterführende Untersuchungen beinhalten:

  • Perkussion der Nasennebenhöhlen: Flüssigkeit führt zu einem dumpfen Schall. Außerdem reagieren die Pferde meistens schmerzhaft auf das Beklopfen.
  • Endoskopie : Mit einem Endoskop, das über die Nase eingebracht wird, kann die Ausführungsöffnung der Kieferhöhle in der Nase auf Eiterspuren untersucht werden. In die Kieferhöhle hinein kommt man mit dem Instrument nicht. Andere Erkrankungen der oberen Atemwege wie Luftsackerkrankungen können aber so ausgeschlossen werden.
  • Röntgen : Auf dem Röntgenbild stellt sich Flüssigkeit als horizontale Linie dar (Flüssigkeitsspiegel).
  • Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) sind weiterführende Untersuchungen bei unklaren Befunden.
  • Trepanation : Trepanation bedeutet Eröffnung der Nebenhöhle durch eine Öffnung im Knochen. Diese Maßnahme hat sowohl diagnostische als auch therapeutische Zwecke: Proben zum Nachweis von Krankheitserregern können entnommen werden, Inhalt und Schleimhaut können beurteilt und die Höhle kann gespült werden.

Behandlung

Im frühen Stadium kann durch die Gabe eines Antibiotikums und Inhalation von Salzlösungen sowie schleimlösende Medikamente die Nasennebenhöhlenentzündung zur Abheilung gebracht werden. Unterstützt wird die Behandlung durch das Füttern des Patienten vom Boden, da bei Kopf-tief-Haltung die Flüssigkeit leichter aus der Kieferhöhle ablaufen kann.

Eine chronische Sinusitis kann meistens nur durch wiederholte Spülungen der Nebenhöhle behandelt werden. Dazu wird ein Loch oder ein Fenster (Trepanation oder Bone-flap-Technik) in den Schädelknochen geschnitten. Über die Öffnung wird Spülflüssigkeit in die Kieferhöhle gebracht und der Eiter ausgewaschen. Anschließend können milde desinfizierende Lösungen direkt auf die Schleimhaut aufgebracht werden. Nach Abklingen der Symptome verheilt das Loch in der Regel problemlos.

Abb. GR7WKJPW
Abb. GR7WKJPW: Spülung der Kieferhöhle.
Über ein kleines Loch im Knochen wird Spülflüssigkeit in die Kieferhöhle eingebracht. Sie läuft über die Nase wieder ab.

Verursachende Erkrankungen müssen selbstverständlich ebenfalls behandelt werden.

Prognose

Die akute Sinusitis ist in der Regel gut zu behandeln. Die Therapie einer chronischen Entzündung ist hingegen ein langwieriger Prozess. Am Ende kann eine dauerhafte Verengung des Verbindungskanals zwischen Kieferhöhle und Nase zurückbleiben, wodurch das Pferd besonders anfällig für Schleimansammlungen in der Kieferhöhle ist. In diesen Fällen ist die Prognose vorsichtig.

Vorbeugung

Atemwegserkrankungen müssen immer frühzeitig behandelt werden und restlos auskuriert werden. Die Zähne sollten mindestens jährlich kontrolliert werden.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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20.01.2017: sam
hallo mein pferd 23 hatte Auch eiter der aus der nase kam wir haben hin darauf hin im november operiert und den zahn entfernt 2 wochen lang gespult nun sind wir anfangs januar wieder an der selben stelle und er hat viel abgenomen wurde jetzt wieder gespult wie sind die heiungschancen? gibt es uberhaupt eine :(
07.10.2014: Harley
wie sind die Erfahrungen hinsichtlich Heilung?
Meiner Stute wurde ein Zahn entfernt nachdem Eiter aus der Nase kam. Sie muss damit etwa 5 Monate herumgemacht haben. Nun kommt wieder Eiter und es wurde ein Loch gebohrt. Den Schlauch zum Spülen hat sie sich aber heute selbst rausgerissen. Sie lebt zeitlebens draußen und ist nach 3 Monaten Boxenhaltung nun ziemlich genervt und anstrengend geworden.
03.08.2014: Bolle
hallo Fürst! wie geht es deinem Pferd.... und wie bist du in Duisburg zufrieden??
11.07.2014: Bianca
@Fürst:
wie geht es deinem Pferd. Bei meiner Shettystute doktor ich auch seit Januar rum. 3x Antiobiotika, 2x Sputo etc. Nun letzte Woche die Trepanation mit täglichen Spülen. Sie ist 9 Jahre und die Zähne sollen nach mehrfachen röntgen ok sein.
27.06.2014: Fürst
Habe das selbe Problem mit meinem Pferd. Er ist 8 Jahre und wir doktern seit einem halbem Jahr. Jetzt CT als letzte Lösung. Sieht nicht gut aus. Immer wieder alles in den Stirn und Nasenhöhlen vereitert. Jeden zweiten Tag gespült. Ich hoffe die Ärzte in Duisburg geben ihm und mir noch eine Chane. Sonst ist nur noch der letzte Schritt möglich.

Bin traurig.
23.01.2014: Shillina
Bei meinem Pferd wurden Eiterzysten entfernt, die Nebenhöhlen mehrmals gespült und trotzdem haben wir immer noch das Problem mit dem Eiter. Da sie es schon länger hat und jetzt auch schon 24 Jahre alt ist, sonst jedoch noch top fit, meinte meine Tierärztin, dass man nun abwarten soll. Wie sehen sie das? Kann das Pferd mit einer offenen, eiternden Wunde leben oder besteht die Chance, dass es ganz zuwächst? Das Loch ist mittlerweile viel kleiner, es eitert jedoch trotzdem noch.
25.10.2012: enpevet
Die Prognose bezieht sich auf die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit des Patienten. Prognose vorsichtig bedeutet also, dass eine hundertprozentige Genesung des Patienten eher nicht zu erwarten ist, sondern wahrscheinlich o.g. Folgeschäden zurück bleiben.
26.09.2012: hoelter
was bedeutet bitte "die Prognose ist vorsichtig" ?

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