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Pferd: Nageltritt

Allgemeines

Über den Aufbau des Hufes informieren Sie sich bitte im Kapitel Huf.

Als Nageltritt wird eine Verletzung des Hufes von der Sohle her bezeichnet, die durch einen spitzen oder scharfen Gegenstand erfolgt. Da es sich häufig um Verletzungen durch herumliegende Nägel handelt, hat sich der Begriff „Nageltritt“ für diese Art von Verletzungen festgesetzt.

Grundsätzlich kann jeder spitze oder schneidende Gegenstand, auf den ein Pferd tritt, zu einer mehr oder weniger tiefen Verletzung der Hufsohle führen. Dabei kann der Gegenstand in alle Bereiche der Hufsohle eindringen. Der Strahl ist durch sein weicheres Horn aber besonders anfällig für Verletzungen.

Durch den Einstichkanal gelangen Bakterien in die Tiefe des Hufes, die dort zu einer eitrigen Entzündung führen. In einigen Fällen steckt der Fremdkörper noch in der Sohle, in anderen Fällen ist jedoch kein Gegenstand mehr erkennbar und selbst die Einstichstelle kann schwer zu entdecken sein. Wenn der Fremdkörper noch in der Sohle steckt, sollte man versuchen, ihn dort zu belassen, bis der Tierarzt kommt. Allerdings muss unbedingt gesichert sein, dass das Pferd ihn während der Wartezeit nicht noch tiefer in den Huf hineintreibt.

Abb. GR7WS3SK
Abb. GR7WS3SK: Nageltritt.
Auf dem Röntgenbild kann man sehen, wie tief der Nagel in den Huf eingedrungen ist.

Abhängig von der Einstichstelle und von der Tiefe der Verletzung werden verschiedene innere Strukturen des Hufes verletzt. Daher sind die Folgen eines Nageltritts sehr unterschiedlich:

Verletzung der Huflederhaut

Praktisch bei jedem Nageltritt, der bis auf die Huflederhaut reicht und nicht sofort behandelt wird, entwickelt sich ein Hufgeschwür. Über den Stichkanal dringen Bakterien ein und führen zu einer eitrigen Entzündung der Huflederhaut. Man kann der Entwicklung eines Hufgeschwürs vorbeugen, indem der Stichkanal trichterförmig bis auf die Lederhaut erweitert wird und die Lederhaut desinfiziert wird. Meistens wird dann ein Druckverband angelegt, um ein schnelles Verhornen der freiliegenden Lederhaut zu fördern. Über die Behandlungsmöglichkeiten eines Hufgeschwürs informieren Sie sich bitte im entsprechenden Kapitel.

Verletzung des Strahlpolsters

Der Strahl wird aus weicherem Horngewebe gebildet, so dass sich die mit dem Einstich eingedrungenen Bakterien gut im gesamten Strahlbereich verteilen können und diesen gesamthaft infizieren können. Anzeichen einer Strahlpolsterentzündung sind ein geschwollener Strahl und eine deutliche Lahmheit. Vom Strahl ausgehend kann die Entzündung auf die Hufknorpel oder die Beugesehnenscheide übergehen.

Die Behandlung besteht darin, den Fremdkörper zu entfernen und den Stichkanal freizulegen und zu desinfizieren. Ein sauberer Verband schützt vor Feuchtigkeit und Schmutz. Um die Entzündung zu bekämpfen kann man auch eine feuchten Angussverband anlegen und das Pferd mit einem Antibiotikum gegen die eingedrungenen Bakterien behandeln.

Verletzung des Hufbeins

Das Hufbein kann durch Gegenstände verletzt werden, die auf die Mitte der Hufsohle zielen. Die Pferde gehen stark lahm. Der Tierarzt kann durch Sondierung des Einstichkanals oder durch ein Röntgenbild feststellen, ob das Hufbein betroffen ist und ob sogar Knochenteilchen abgesplittert sind oder das Hufbein gebrochen ist (Hufbeinfraktur).

Das Hufbein muss chirurgisch freigelegt werden und alle beschädigten Knochenteile werden entfernt. Dazu wird das Pferd entweder in Vollnarkose gelegt oder sediert und der Huf örtlich betäubt (Leitungsanästhesie). Dann wird der freiliegende Bereich desinfiziert und das Pferd erhält ein Antibiotikum, um eine Entzündung des Knochens durch Bakterien unbedingt zu vermeiden. Der Huf wird während der Heilungsphase unter Verband gehalten.

Verletzung der tiefen Beugesehne und des Schleimbeutels (Bursa podotrochlearis)

Die tiefe Beugesehne und ihr Schleimbeutel werden häufig gemeinsam verletzt. Die Pferde gehen hochgradig lahm und zeigen häufig auch Fieber. Aus dem Einstichkanal kann sich zunächst bernsteinfarbene, fadenziehende Schleimbeutelflüssigkeit (Synovia) entleeren. Im weiteren Verlauf wird die Flüssigkeit durch die bakterielle Infektion trübe. Wenn die Entzündung nicht rechtzeitig behandelt wird, kann sie auf das benachbarte Hufgelenk übergreifen (Hufgelenkentzündung).

Der verletzte Bereich muss unter Vollnarkose freigelegt werden. Das zerstörte Material wird entfernt und der gesamte Bereich desinfiziert. Der Schleimbeutel sollte gespült werden und ein Antibiotikum hineingespritzt werden. Die Pferde erhalten auch systemisch ein Antibiotikum. Der Huf wird während der Heilungsphase unter Verband gehalten.

Verletzung des Hufgelenks

Bei ganz tiefen Verletzungen dringt der Fremdkörper auch in das Hufgelenk ein und führt dort zu einer Entzündung (Hufgelenkentzündung). Die Symptome ähneln denen bei Beugesehnen- und Schleimbeutelverletzungen. Letztendlich muss während der Operation geklärt werden, ob das Hufgelenk mitbetroffen ist. Dazu wird das Hufgelenk vom Kronrand aus punktiert und mit Flüssigkeit aufgefüllt. Man prüft nun, ob die Flüssigkeit durch die Einstichstelle wieder austritt.

Bei Beteiligung des Hufgelenks muss dieses – wie eben beschrieben – gespült werden, um die eingedrungenen Bakterien zu entfernen. Anschließend erhält das Pferd ein Antibiotikum sowohl systemisch als auch direkt in das Hufgelenk hinein. In einigen Fällen muss die Hufgelenkspülung wiederholt werden. Der Huf wird während der Heilungsphase unter Verband gehalten.

Die Prognose von Nageltrittverletzungen hängt ganz wesentlich davon ab, welche Strukturen im Huf verletzt wurden und wie schnell die Verletzung behandelt wurde. Verletzungen von tiefer Beugesehne, Schleimbeutel und Hufgelenk haben eine vorsichtige Prognose.

Ein Nageltritt sollte immer innerhalb von 24 Stunden behandelt werden, um größere Folgeschäden zu verhindern.

ACHTUNG

Der Nageltritt ist ein Notfall!

Beim Nageltritt besteht – wie auch bei allen anderen Verletzungen – immer die Gefahr, dass Erreger des Tetanus in die Wunde gelangen. Daher unbedingt auf ausreichenden Impfschutz achten!

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Stand: 13.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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