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Pferd: Nabelerkrankungen

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Bauchnabelerkrankungen

Der Nabelstrang, auch Nabelschnur genannt, verbindet das im Mutterleib heranwachsende Fohlen mit der Plazenta. Beim Fohlen ist er bis zu einem Meter lang.

Im Nabelstrang verlaufen alle Strukturen, die den Fetus versorgen. Im Einzelnen sind das:

  • 2 Nabelarterien: Die Nabelarterien entspringen aus den Beckenarterien des Fohlens. Durch die Nabelarterien wird das verbrauchte, sauerstoffarme und kohlendioxidreiche Blut vom Fohlen in die Plazenta transportiert. Es enthält auch viele Abfallprodukte des Stoffwechsels des Fohlens. Die Nabelarterien haben eine Wand mit einer kräftigen Muskelschicht, die sich nach der Geburt und der Abnabelung sehr schnell zusammenzieht und so die Gefäßöffnung effektiv verschließt. Daher kann das Fohlen nicht aus den Nabelarterien verbluten.
  • Nabelvene: Die Nabelvene transportiert das gereinigte und mit Sauerstoff angereicherte Blut von der Plazenta zum Fohlen. Sie mündet an der Leber. Nach der Geburt fließt kein Blut mehr durch die Nabelvene und sie kollabiert.
  • Urachus (Harnblasengang): Der Urachus verbindet die Harnblase des Fohlens mit der so genannten Allantoisblase (Harnsack), einer der Fruchtblasen des Pferdes. In der Allantoisblase wird der fetale Harn gesammelt. Ungeborene Fohlen produzieren wesentlich weniger Harn als nach der Geburt. Bei der Geburt zieht sich die Harnblasenmuskulatur zusammen und verschließt so die Urachusöffnung. Der Urachusgang verödet.

Am Bauch des Fohlens treten die Gefäße durch eine Lücke durch die Bauchwand hindurch. Diesen Bereich nennt man auch Hautnabel und später Bauchnabel. Etwa 2 – 3cm vor dem Hautnabel liegt die vorgesehene Rissstelle, an der der Nabelstrang nach der Geburt abreißt. Die Gefäße sind vor dieser Rissstelle mit kleinen Muskelpolstern verstärkt, die nach der Geburt einen schnellen Verschluss gewährleisten sollen. Nachblutungen und das Eindringen von Krankheits- Erregern in den Nabelstumpf sollen so vermieden werden.

Der Nabelstumpf trocknet ein und fällt normalerweise um den 8. Tag ab.

Abb. GR7XB332
Abb. GR7XB332: Nabelstumpf.
So sieht ein abgetrockneter Nabelstumpf eines wenige Tage alten Fohlen aus.

Ursachen

Die meisten Erkrankungen des Nabels betreffen junge Fohlen. Im späteren Leben treten selten einmal Nabelbrüche durch Unfälle oder im Rahmen eines Bauchbruchs bei der hochtragenden Stute auf.

Verschiedene Nabelerkrankungen beim Fohlen können sich gegenseitig begünstigen. Daher treten oft mehrere Erkrankungen gleichzeitig bzw. nacheinander auf.

Nabelinfektion

Nabelinfektionen sind relativ häufig innerhalb der ersten Lebenstage bis -wochen. Meistens entwickeln sie sich durch schlechte Geburtshygiene, unsaubere Liegefläche und mangelhafte oder falsche Nabelpflege. Aber auch Unreife des Fohlens, zu geringe Kolostrum-Aufnahme oder ein nicht zurück gebildeter Urachus können eine Nabelinfektion begünstigen.

Bakterien aus der Umgebung (z.B. Streptokokken, E.coli) wandern in den Nabelstumpf ein. Es können Nabelvene, Urachus oder seltener die Nabelarterien oder auch alle Strukturen davon betroffen sein. Die Bakterien führen zu einer meist eitrigen Entzündung, die entweder auf den äußeren Nabelbereich beschränkt bleibt oder sich entlang der Gefäße im Körper des Fohlens ausbreitet. Je nach betroffener Struktur kann sich die Entzündung bis zur Leber, zu den Beckenarterien oder zur Harnblase ausweiten. Häufig entwickeln sich Abszesse. Im weiteren Verlauf kann sich eine Nabelstrang- Fistel bilden, d.h. in der Tiefe befindet sich ein Entzündungsherd, aus dem sich immer wieder über den Fistelgang Entzündungsprodukte entleeren, der aber nicht abheilt.

Im schlimmsten Fall überschwemmen die Bakterien den gesamten Körper des Fohlens und siedeln sich in Gelenken und inneren Organen an (Septikämie).

Nabelbruch

Der Nabelbruch des Fohlens ist meistens angeboren oder tritt in Folge einer Nabelinfektion auf. Die Lücke im Bauch, durch die die Nabelgefäße hindurch treten, ist vergrößert. Hier wird die Bauchdecke nur von der äußeren Haut und dem inneren Überzug, dem Bauchfell gebildet, nicht aber von Muskulatur. Meist wird der Nabelbruch erst nach einigen Wochen von außen sichtbar, weil die dann gut gefüllten Bauchorgane auf den Bruchspalt drücken. Dadurch werden äußere Haut (äußerer Bruchsack) und Bauchfell (innerer Bruchsack) zu einer Beule vorgewölbt, die man am Bauch des Fohlens sehen kann. Meistens liegen Darmteile in dem Bruchsack, die man normalerweise wieder in die Bauchhöhle zurück verlagern kann. Die Gefahr bei einem Nabelbruch besteht darin, dass sich die Eingeweide im Bruchsack einklemmen und absterben.

Urachusfistel

Wenn der Urachus nicht oder unvollständig verödet, läuft weiterhin Urin aus der Harnblase durch den Nabelstrang ab. Diese so genannte Urachusfistel kann angeboren sein, z.B. wenn der Harnabfluss über die Harnröhre versperrt ist. Meistens aber entsteht sie im Rahmen einer Nabelinfektion, selbst wenn der Harngang zuvor bereits verschlossen war.

Urachusruptur

Selten kann der Urachus bei der Geburt reißen. Dann verschließt sich die Öffnung des Urachus in der Harnblase nicht und es läuft weiterhin Urin in den Urachus. Der Urin strömt durch den Riss und sammelt sich entweder in der Bauchhöhle oder bildet eine Schwellung im Nabelstumpf. Auch nach der Geburt kann der Urachus noch reißen, wenn weiterhin Harn aus der Harnblase einströmt, der Abfluss im Nabelstumpf aber bereits verödet ist.

Leitsymptom

  • Umfangsvermehrung am Nabel
  • feuchter Nabel
  • Fieber
  • Koliksymptome

Symptome

Nabelinfektion: Der Nabel ist meistens schmerzhaft, strangartig verdickt und durch die Entzündungsprodukte schmierig-feucht. Wenn die Infektion auf das Stückchen Nabelstumpf außerhalb der Bauchhöhle beschränkt bleibt, sind keine weiteren Krankheitsanzeichen zu erwarten. Bei Entzündung und Abszessbildung in der Bauchhöhle kann das Fohlen matt und hinfällig sein und Fieber entwickeln. Äußerlich findet man in diesen Fällen häufig kaum Anzeichen für die Erkrankung. Eine Fistelbildung erkennt man durch einen meist reaktionslosen Strang im Nabelstumpf, aus dem sich hin und wieder eitrige Flüssigkeit entleert.

Nabelbruch: Einen Nabelbruch erkennt man an der meistens schmerzlosen weichen Umfangsvermehrung des Nabels. Der Bruchinhalt lässt sich in die Bauchhöhle zurück verlagern, fällt aber wieder raus. Wenn Darm im Bruchsack eingeklemmt wird, lässt sich der Bruchinhalt nicht verschieben und wird häufig hart und sehr schmerzhaft. Diese Fohlen zeigen Koliksymptome und liegen häufig auf dem Rücken.

Abb. GR7XMCGH
Abb. GR7XMCGH: Nabelbruch bei einem Fohlen.

Urachusfistel: Einen bestehenden Urachus erkennt man an dem häufig tröpfelnden Harnabsatz aus dem Nabelstumpf. Der Nabel ist immer feucht. Die Urachusfistel kann auch erst nach dem Abfallen des vertrockneten Nabelstumpfes um den 8. Tag herum auftreten.

Abb. GR7XN840
Abb. GR7XN840: Urachusfistel.
Aus dem Nabelstumpf tropft Harn.

Urachusruptur: Diese Fohlen setzen kaum Harn auf normalem Weg ab. Wenn sich der Harn in der Bauchhöhle ansammelt (Uroperitoneum), werden die Fohlen über Tage schwächer, stellen sich häufig sägebockartig hin und können auch Kolik zeigen.

Eine Urinansammlung im Nabelstumpf zeigt sich als schnell größer werdende, weiche und nicht schmerzhafte Schwellung.

Diagnose

Um eine Nabelerkrankung zu diagnostizieren, muss der Nabel gründlich untersucht werden. Unter Umständen muss das Fohlen dafür in Rückenlage gelegt werden, um den Nabel eingehend untersuchen zu können. Dazu kann eine Sedierung nötig sein.

Zusätzliche Untersuchungsmethoden sind:

  • Ultraschall : Die Ultraschalluntersuchung ist sehr wichtig, sie ermöglicht eine Beurteilung der Nabelgefäße und der Bauchhöhle
  • Probe- Punktion von Umfangsvermehrungen
  • Bauchhöhlenpunktion bei Verdacht auf Harnansammlung oder Entzündung
  • Sondierung von Fistelkanälen
  • Röntgenaufnahmen mit Kontrastmitteln z.B. der Harnblase oder der Blutgefäße
  • Blutuntersuchungen geben Hinweise auf Entzündungsvorgänge und auf Harnansammlungen im Körper

Behandlung

Nabelinfektionen werden meistens mit einem systemischen Antibiotikum in Verbindung mit einem chirurgischen Eingriff behandelt. Außen liegende Abszesse können gespalten werden. Meistens muss nach weitgehender Abheilung des Abszesses das veränderte Gewebe entfernt werden, um eine Fistelbildung zu vermeiden. In der Bauchhöhle liegende Abszesse und entzündete Gefäßstränge müssen im Ganzen entfernt werden. Folgeerscheinungen wie eitrige Gelenkinfektionen müssen gezielt behandelt werden.

Ein Nabelbruch wird häufig erst operiert, wenn das Fohlen mehrere Monate alt ist, weil dann die Bauchdecke kräftig ist und die Naht besser hält. Wenn sich Darm im Bruchspalt festklemmt entsteht ein Darmverschluss. Es muss sofort operiert werden, weil der Darm sonst innerhalb weniger Stunden absterben kann und das Fohlen verendet. Bereits abgestorbener Darm wird bei der Operation entfernt.

Urachusfisteln ohne Infektion können versuchsweise durch Auftragen von Substanzen behandelt werden, die zu einem schnellen Verschluss des Urachus führen sollen. Bakteriell infizierte Urachusfisteln und Urachusrupturen müssen chirurgisch behandelt werden, da sich die Öffnungen nicht von alleine verschließen. Der Urachus wird herausoperiert und die Harnblase vernäht.

Prognose

Die Prognose für eine Nabelinfektion richtet sich nach der Ausbreitung. Je tiefer die Infektion in den Körper eindringt, desto schlechter lässt sich das veränderte Gewebe entfernen. Fohlen, bei denen die Bakterien im Körper gestreut haben, haben eine schlechte Prognose. Wenn die Veränderungen auf den äußeren Nabel beschränkt bleiben, ist die Prognose gut.

Nabelbrüche haben eine gute Prognose, sofern kein Darm festklemmt. Bei eingeklemmten Nabelbrüchen hängt die Prognose entscheidend davon ab, wie schnell der Bruch operiert wird und ob der Darm bereits Schaden genommen hat.

Eine Urachusfistel lässt sich im Allgemeinen gut operieren, Folgeschäden sind nicht zu erwarten.

Eine Urachusruptur kann ebenfalls häufig erfolgreich operiert werden, allerdings haben diese Fohlen durch die Harnansammlung im Körper ein erhöhtes Narkoserisiko.

Vorbeugung

Geburtshygiene und Hygiene bei der Nabelpflege sind oberstes Gebot im Umgang mit neugeborenen Fohlen. Die Fohlen sollten stets trockenen und sauberen Untergrund zum Liegen haben. Der Nabel sollte häufig auf Feuchtigkeit und Nachblutung etc. kontrolliert werden.

Fohlen mit Nabelbruch müssen gut überwacht werden, um ein Festklemmen von Darmteilen möglichst frühzeitig zu bemerken.

Tipps

Der Nabel des Fohlens sollte so wenig wie möglich berührt werden und darf nur mit sauberen Händen angefasst werden. Zur Desinfektion können Sie Jodtinktur in einen sauberen Becher, z.B. einen Eierbecher, gießen und den Nabel einige Sekunden in die Flüssigkeit tauchen. Mehr Informationen dazu erhalten Sie im Kapitel Nabelpflege.

Abb. GR7XXZJA
Abb. GR7XXZJA: Nabeldesinfektion.
In dem Becher befindet sich jodhaltiges Desinfektionsmittel. Ohne den Nabel mit den Händen zu berühren wird er in den Becher eingetaucht.

Abb. GR7XZIYI
Abb. GR7XZIYI: Nabeldesinfektion.
So soll der Nabel nach der Desinfektion aussehen.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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