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Pferd: Milben

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Räude

Milben gehören zu den Ektoparasiten des Pferdes. Milben durchlaufen in ihrer Entwicklung verschiedene Stadien: Aus den Eiern schlüpfen zunächst Larven, aus denen die Nymphen hervorgehen. Aus den Nymphen entwickeln sich die erwachsenen Milben. Alle Entwicklungsschritte finden auf bzw. in der Haut des Pferdes statt, so dass man Milben zu den ständigen Ektoparasiten des Pferdes zählt.

Die durch manche Milben verursachten Veränderungen werden pauschal als Räude bezeichnet. Früher, als die Pferde noch schwerer arbeiten mussten und häufig auch nicht so gut ernährt und gehalten wurden wie heute, trat Räude häufig auf. Heutzutage findet man Räude überwiegend im Winter bei Pferden mit dichtem Haarkleid, schlechtem Ernährungszustand, Wurmbefall und anderen Erkrankungen.

Ursachen

Die Symptome einer Räude werden beim Pferd durch drei verschiedene Milbenarten hervorgerufen:

  • Chorioptes bovis (schuppenfressende Milbe, Weibchen etwa 0,4 – 0,6mm groß) verursacht die Fußräude. Diese Räudeform tritt in Mitteleuropa am häufigsten auf. Die Milben besiedeln die Fesselbeuge und können sich von dort auch auf das Röhrbein ausweiten. Sie nagen oberflächliche Hautschuppen ab und ernähren sich auch von der austretenden Lymphe. Fußräude kann zu Mauke führen.
  • Sarcoptes equi (Grabmilbe, Weibchen etwa 0,3 – 0,5mm groß) verursacht Körperräude. Heute tritt Sarcoptes-Räude bei uns nur noch vereinzelt auf, früher war diese Räudeform aber befürchtet, da sie sogar zu Todesfällen führte. Meist beginnt die Erkrankung am Kopf und Widerrist und breitet sich von dort auf den gesamten Körper aus. Sarcoptes-Milben graben Bohrgänge in die Haut, in denen sie sich auch die meiste Zeit aufhalten. Sie ernähren sich von Haut, Lymphe und Blut.
  • Psoroptes equi (Saugmilbe, Weibchen etwa 0,5 – 0,7mm groß): Der Befall beginnt an Mähnen- und Schweifansatz, am Kehlgang und an den Innenschenkeln. Von dort können sich die Milben über den ganzen Körper ausbreiten. Psoroptes-Milben stechen die Haut an und ernähren sich von Blut und Lymphe.

Ansteckung

Die Ansteckung erfolgt meistens von Pferd zu Pferd. Besonders in Gruppenhaltungen können die Milben leicht übertragen werden. Aber auch gemeinsam benutztes Putzzeug, Satteldecken etc. können als Überträger dienen, da die Milben und ihre einzelnen Entwicklungsstadien mehrere Wochen außerhalb des Pferdes überleben können.

Leitsymptom

  • Juckreiz
  • Knötchenbildung
  • Borken

Symptome

Die Symptome der drei Räudearten ähneln sich, nur befallen sie unterschiedliche Körperstellen.

Zumeist rufen die Milben starken Juckreiz bei den betroffenen Pferden hervor, auf den die Pferde mit Stampfen, Scheuern an Wänden, Zäunen und Bäumen und mit Benagen reagieren. Auf den befallenen Hautstellen bilden sich zunächst Knötchen und kleine Krusten. Im weiteren Verlauf kann sich die Haut verdicken, massive, nässende Borken bilden und es kann zu Haarausfall kommen. Die vorgeschädigte Haut neigt zu bakteriellen Sekundärinfektionen, die häufig zu einer eitrigen Entzündung führen.

Die Fußräude kann bei schweren Verlaufsformen zu einer Warzenmauke führen.

Diagnose

Die klinischen Symptome lassen den Verdacht auf einen Milbenbefall zu. Gesichert werden kann die Diagnose durch den Nachweis der Milben. Dazu wird ein Hautgeschabsel entnommen. Das Hautgeschabsel wird in Kalilauge aufgeweicht und anschließend mikroskopiert. Manchmal kann es nötig sein, mehrere Hautgeschabsel zu entnehmen, um die Milben zu finden. Besonders Sarcoptes-Milben sind in ihren Bohrgängen häufig schwer zu finden. Insgesamt ist der Nachweis der Milben bei einem geringgradigen Befall extrem schwer.

Behandlung

Sarcoptes- und Psoroptes-Milben können mit systemisch wirksamen Medikamenten zur Bekämpfung von Ektoparasiten behandelt werden. Solche Präparate sind als Pasten zur Gabe ins Maul erhältlich. Über den Darm werden die Medikamente ins Blut des Pferdes aufgenommen und gelangen so in die Haut und zu den Milben. Der Behandlungserfolg sollte durch ein erneutes Hautgeschabsel kontrolliert werden und die Behandlung dann ggf. wiederholt werden.

Ergänzend oder alternativ können die Pferde durch äußerliche Anwendung von entsprechenden Präparaten behandelt werden. Dazu eignen sich Waschungen oder Sprays, die ebenfalls wiederholt werden müssen, um alle Entwicklungsstadien sicher abzutöten.

Bei einem Befall mit Chorioptes-Milben werden die Beine gereinigt, der Kötenbehang abgeschoren und die Krusten aufgeweicht. Anschließend werden die Beine mehrfach mit gegen Milben wirksame Präparate gewaschen oder eingerieben. Bakterielle Sekundärinfektionen werden mit desinfizierenden oder antibiotikahaltigen Präparaten behandelt. Die Behandlung kann durch Vitamingaben, Optimierung der Futterration und der Haltung sowie durch Scheren der Haare unterstützt werden.

Es müssen immer alle Pferde, die Kontakt miteinander hatten, in die Behandlung einbezogen werden. Decken, Putzzeug und Boxen müssen ebenfalls gereinigt werden.

Prognose

Bei konsequenter Behandlung, die alle Pferde einschließt, lassen sich Milben in der Regel gut bekämpfen.

Vorbeugung

Neu eingestellte Pferde sollten auf Hauterkrankungen untersucht und im Zweifelsfall auch gleich behandelt werden.

Besonders Kaltblutpferde und Friesen oder Tinker, die aufgrund ihres Kötenbehangs zu Fußräude neigen, müssen besonders gepflegt und evtl. jährlich prophylaktisch auf Milben behandelt werden.

Ein guter Gesundheitszustand des Pferdes senkt das Risiko einer ausgeprägten Milbenerkrankung. Diesen erreichen Sie durch eine ausgewogene Ernährung, Sauberkeit, trockene Einstreu, gute Stallluft, regelmäßiges Entwurmen und durch ausreichende Bewegung.

ACHTUNG

Sarcoptes-equi-Milben können bei Menschen stark juckende Scheinräude verursachen (Zoonose). In der Regel können sich die Pferde-Milben aber nicht dauerhaft auf dem Menschen ansiedeln, so dass die Erkrankung innerhalb von 14 Tagen von selber abheilt.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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10.11.2015: sinnloshoch10
Perle: Es steht Kaltblut UND Friesen oder Tinker. und nicht Friesen sind Kaltblüter ;)
10.11.2015: sinnloshoch10
Perle: Es steht Kaltblut UND Friesen oder Tinker. und nicht Friesen sind Kaltblüter ;)
27.02.2013: Conny
Mein Tinker hat vorne links in der Beuge scheinbar Milben, und hinten rechts starke Mauke. Sie zeigt vorne einen extremen Juckreitz. Das große Problem ist, das sie mit 13 weiteren Pferden auf der Koppel steht, die auch alle behandelt werden müssen. Wie reinige ich am besten die Box, muss ich die komplett desinfizieren? Und noch was, ganz ehrlich der Tierarzt zieht mir das letzte Hemd aus, gibt es nicht Hausmittel die günstiger sind??
15.11.2012: enpevet
uups, grober Patzer, danke für Nachricht!
14.11.2012: perle
Friesen sind definitiv keine Kaltblüter!
07.11.2012: papagena2007
Vielen Dank,
das ist das erste mal, dass ich eine richtige Information über Milben beim Pferd erhalten habe.
Meist spricht man beim Kaltblut gleich von Mauke, obwohl sie trocken ist und nicht modrig. Es juckt und schuppt.
Wir haben vor einem Jahr zwei solche Sorgenkinder gekauft und das Problem in den Stall geholt.
Danke!!!

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