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Pferd: Magengeschwür

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Magenulkus, Ulzerative Gastropathie, EGUS, Equine Gastric Ulcer Syndrome

Als Magengeschwüre bezeichnet man abgegrenzte Bereiche in der Magenwand, an denen die den Magen auskleidende Schleimhaut oder sogar die darunter liegenden Teile der Magenwand zerstört sind. Magengeschwüre können in den Magen hinein bluten. Im schlimmsten Fall „frisst“ sich das Geschwür durch die gesamte Magenwand und verursacht so ein Loch. Man spricht dann auch von einem durchgebrochenen oder perforierten Geschwür. Mageninhalt kann durch das Loch in den Bauchraum gelangen und eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung verursachen.

Verursacht wird die Zerstörung der Schleimhaut durch die im Magen vorkommenden sauren Verdauungssäfte, insbesondere die Magensäure. Grundsätzlich wird die Magenschleimhaut durch verschiedene Mechanismen vor einem Angriff der Verdauungssäfte geschützt: Die Magenschleimhaut wird von einer Schleimschicht überzogen. Dieser Schleim wird von der Magenschleimhaut selbst gebildet. Auch Speichel, der beim Kauen produziert und mit dem Futter abgeschluckt wird, erfüllt eine wichtige Schutzfunktion: Er puffert Säure ab, d.h. er neutralisiert einen Teil der Säure, so dass der Mageninhalt weniger sauer und damit weniger aggressiv ist.

Ursachen

Magengeschwüre treten besonders häufig bei Fohlen auf, können aber auch bei älteren Pferden diagnostiziert werden. Rennpferde sind zu ca. 90% von Magengeschwüren betroffen, Turnierpferde und Fohlen zu ca. 60% und Freizeitpferde zwischen 37 und 70%.

Ein Magengeschwür entsteht, wenn der Schutzmechanismus der Magenschleimhaut gestört ist. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • Stress (Training, Transport, Umstallen, Absetzen etc.)
  • Fütterung (hohe Kraftfuttergaben, zu geringe Raufuttergaben, zu lange Fütterungsintervalle)
  • Infektionskrankheiten
  • Parasiten (Magendasseln, Magenwürmer)
  • Medikamentengabe (Langzeitbehandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten)

Beim Abheilen der Magengeschwüre entstehen Narben. Narben im Bereich des Magenausgangs und des anschließenden Darmabschnitts (Duodenum) können zu Engpässen führen und die Passage des Nahrungsbreis beeinträchtigen. Dieser kann sich dann in den Magen zurück stauen.

Ansteckung

Magengeschwüre sind nicht ansteckend.

Leitsymptom

  • schlechter Appetit
  • gestörtes Allgemeinbefinden
  • Zähneknirschen

Symptome

Es gibt Magengeschwüre, die zu keinerlei Symptomen führen. Häufiger findet man jedoch eines oder mehrere der folgenden Symptome, die unterschiedlich deutlich ausgeprägt sein können:

  • gestörtes Fress- und Trinkverhalten
  • Gewichtsverlust
  • wiederkehrende Koliksymptome
  • Zähneknirschen: Pferde stehen zähneknirschend vor dem Futter, Fohlen vor dem Euter
  • stumpfes Fell
  • Leistungsabfall
  • Speicheln
  • säuerlicher Mundgeruch
  • Fohlen liegen häufig auf dem Rücken

Bei durchgebrochenen Magengeschwüren entwickeln die Pferde eine Bauchfellentzündung mit Schock, Fieber und schweren Koliksymptomen.

Diagnose

Die klinischen Symptome erlauben nur eine Verdachtsdiagnose. Nachgewiesen werden die Magengeschwüre durch eine Magenspiegelung: Am sedierten Pferd wird ein besonders langes Endoskop (Gastroskop) über Nase und Speiseröhre bis in den Magen geschoben. So kann die Schleimhaut des Magens, die Funktion des Magenausgangs und ein kleines Stück Dünndarm begutachtet werden.

Abb. GR7X2OPC
Abb. GR7X2OPC: Magenspiegelung.
Auf dem Bild sieht man ein kleines und ein umfangreiches Magengeschwür. An den Rändern des Geschwürs ist die Magenschleimhaut verdickt, im Zentrum ist die Schleimhautoberfläche zerstört.

Vor der Magenspiegelung muss das Pferd ca. 16 Stunden lang fasten, da sonst die Futterbestandteile im Magen die Sicht versperren. Am besten setzt man dem Pferd einen Maulkorb auf, denn manche Pferd fressen auch Späne und finden immer noch einen Halm in der Box. Trinken dürfen die Pferde bis ca. 4 Stunden vor der Untersuchung. Aus einem Eimer können Pferde auch mit Maulkorb bequem saufen.

Behandlung

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten von Magengeschwüren:

  • Säureblocker führen zu einer verringerten Säurebildung
  • Antazida: Antazida neutralisieren die Magensäure im Magen (z.B. Magnesiumhydroxid, Kalziumcarbonat)
  • Schleimhautschützende Substanzen bilden einen Schutzfilm auf der Schleimhaut (z.B. Sucralfat)
  • Futterzusätze können ebenfalls die Schleimhaut schützen (z.B. Pektin-Lecithin-Glycerin-Komplexe)

Begleitend sollten Stressfaktoren abgebaut werden und die Fütterung optimiert werden: Viele kleine Mahlzeiten unter Vermeidung langer Hungerphasen, Raufuttergabe vor dem Kraftfutter, um die Speichelproduktion anzuregen.

In den seltenen Fällen, in denen der Abfluss aus dem Magen durch Narben behindert ist, kann die Engstelle operativ erweitert werden. Während diese Operation beim Fohlen gut durchgeführt werden kann, ist sie beim ausgewachsenen Pferd aufgrund der Größenverhältnisse meistens nicht machbar.

Prognose

Viele Magengeschwüre können gut behandelt werden, wenn die Behandlung konsequent und lange genug durchgeführt wird. Die Behandlung kann allerdings mehrere Wochen dauern. Wenn die Geschwüre schon länger bestehen verschlechtert sich die Prognose. Durchgebrochene Magengeschwüre führen meistens zum Tod des Pferdes.

Vorbeugung

Vermeidung von Stress, Raufuttergaben über den Tag verteilt und möglichst kleine Kraftfutterportionen beugen der Entstehung von Magengeschwüren vor. Gefährdete Pferde können auch vorsorglich Säureblocker erhalten, z.B. Fohlen, die mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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