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Pferd: Kreuzverschlag

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Lumbago, Feiertagskrankheit, Paralytische Myoglobinurie, Azoturie, Exertional Rhabdomyolysis, Tying-up

Kreuzverschlag ist eine durch Belastung verursachte Muskelerkrankung, die bei allen Großpferderassen auftreten kann. Früher wurde die Erkrankung besonders bei Arbeitspferden beobachtet, die nach einem oder mehreren Tagen Pause wieder gearbeitet wurden. Daher rührt der Name Feiertagskrankheit.

Ursachen

Bei Pferden mit Kreuzverschlag führt eine Fehlsteuerung der Muskelfunktion zu einem Ödem innerhalb der Muskelzellen. Die Ödemflüssigkeit, die sich in den Zellen ansammelt, führt zu einem erhöhten Druck in der Muskelzelle, durch den die Muskelzelle schließlich zugrunde geht. Der braune Muskelfarbstoff, das Myoglobin, wird aus den zerstörten Muskelzellen freigesetzt und über den Urin ausgeschieden. Die Ödemflüssigkeit führt insgesamt zu einer starken Druckerhöhung in den Muskelpaketen, die sehr schmerzhaft ist.

Die Fehlsteuerung tritt dann auf, wenn die Pferde belastet werden. Neben Reiten oder Fahren kann das z.B. auch eine Schwergeburt sein.

Leitsymptom

  • Steifheit in der Hinterhand
  • Brauner Urin

Symptome

Die Symptome können von sehr mild bis zu sehr stark variieren. Man unterscheidet daher eine milde, eine moderate und eine schwere Form:

  • Milde Form: Ca. 5 – 10min nach Belastungsbeginn zeigen die Pferde Unruhe, steifen Gang, aufgekrümmten Rücken und gelben Urin.
  • Moderate Form: Ca. 20 – 30min nach Arbeitsbeginn bleiben die Pferde stehen, zeigen steifen Gang, verhärtete und schmerzhafte Kruppenmuskulatur, schwitzen und haben meist noch gelben bis orangefarbenen Urin.
  • Schwere Form: Symptome zeigen sich meist innerhalb von 30min nach Arbeitsbeginn; die Pferde bleiben stehen, sind ängstlich, können die Hinterbeine kaum noch bewegen, Rücken- und Kruppenmuskulatur sind hart und sehr schmerzhaft, die Pferde schwitzen sehr stark, zeigen Koliksymptome und setzen kaffeebraunen Urin ab.

Diagnose

Die klinischen Symptome sind sehr typisch für die Erkrankung. In einer Blutprobe können stark erhöhte Muskel- Enzyme bestimmt werden. Die Höhe ihres Anstiegs ist auch ein Maß für die Schwere der Erkrankung.

Behandlung

Die Pferde werden sofort aufgestallt. Sie erhalten Infusionen, um den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen auszugleichen und die Ausschwemmung des Muskelfarbstoffs zu beschleunigen. Zusätzlich gibt man entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. Bei sehr ängstlichen Pferden kann ein Beruhigungsmittel helfen.

Prognose

Die Prognose ist umso besser, je milder die Erkrankung verläuft und je früher eine Therapie eingeleitet wird. Bei Pferden mit sehr hohen Muskelenzymwerten verschlechtert sich die Prognose.

Einige Pferde neigen dazu, wiederholt an Kreuzverschlag zu erkranken.

Vorbeugung

Kohlenhydratarme und fettreiche Fütterung soll bei Pferden mit wiederholten Anfällen einen vorbeugenden Schutz bieten. Ein Zusatzfutter bzw. Präparat mit Vitamin E und Selen schützt die Zellen und wirkt sich positiv auf die Muskulatur im Allgemeinen aus.

Ein Medikament zu Muskelentspannung (Dantrolen) kann gefährdeten Patienten vor der Belastung über das Maul verabreicht werden.

ACHTUNG

Ganz ähnliche Symptome treten sowohl bei PSSM der Westernpferde als auch bei der atypischen Myoglobinurie der Weidepferde auf.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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