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Pferd: Verlagerung der Kniescheibe

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Hakende Kniescheibe, Patellafixation, Patellaluxation

Das Knie des Pferdes befindet sich am Hinterbein an der Stelle, an der optisch gesehen das Bein beginnt. Aus anatomischer Sicht beginnt das Bein jedoch bereits ab dem Hüftgelenk.

Irrtümlicherweise wird umgangssprachlich häufig das Karpalgelenk oder Vorderfußwurzelgelenk des Vorderbeins als Knie bezeichnet. Anatomisch gesehen ist das aber falsch.

Abb. GR7JM5CO
Abb. GR7JM5CO: Skelett eines Pferdes.

Das Kniegelenk besteht eigentlich aus zwei Gelenken: dem Kniekehlgelenk und dem Kniescheibengelenk:

Kniekehlgelenk

Das Kniekehlgelenk wird vom Oberschenkel und dem Unterschenkel bzw. dem Schienbein gebildet, wobei die beiden Gelenkköpfe des Oberschenkels nicht genau auf die Gelenkflächen des Unterschenkels passen. Dies wird durch zwei mandarinenscheibenförmige Knorpelscheiben, den Menisken ausgeglichen, die auch als Puffer dienen.

Abb. GR7JNFDK
Abb. GR7JNFDK: Knochen des Kniegelenks in seitlicher Ansicht.
Man kann gut einen knorpeligen Meniskus erkennen. A = Unterschenkel, B = Oberschenkel, C = Rollkämme, Kniescheibe entfernt. Präparat.

Das Kniekehlgelenk wird von zwei Gelenkkapseln in eine innere und eine äußere Abteilung getrennt.

Kniescheibengelenk

Das Kniescheibengelenk wird von der Kniescheibe (Patella) und den beiden Rollkämmen des Oberschenkels gebildet. Es wird von einer Kapsel umgeben, die eine Verbindung zur inneren, seltener zur äußeren Kniekehlgelenkkapsel hat. Die Kniescheibe gleitet wie ein Schlitten in der Furche zwischen den Rollkämmen. Sie ist in die Endsehne des kräftigen Oberschenkelmuskels eingebettet, der an der Vorderseite des Unterschenkels ansetzt und das Knie streckt. Diese Endsehne bildet das mittlere gerade Kniescheibenband, das innen und außen von zwei weiteren geraden Kniescheibenbändern unterstützt wird.

Abb. GR7JOTPK
Abb. GR7JOTPK: Knie von vorne.
Mittig sieht man das mittlere Kniescheibenband, das zwischen der Kniescheibe und dem Unterschenkelknochen verläuft. Links erkennt man das innere gerade Kniescheibenband. Präparat.

Bänder

Viele weitere Bänder, z.B. Seitenbänder und Kreuzbänder stabilisieren sowohl das Kniescheiben- als auch das Kniekehlgelenk und fixieren die Menisken.

Abb. GR7JQ5YG
Abb. GR7JQ5YG: Schemazeichnung des Kniegelenks.

Patellarmechanismus

Das Pferdeknie weist eine Besonderheit auf: Das Pferd kann seine Kniescheibe bewusst auf dem inneren Rollkamm einhaken. Das mittlere und das innere Kniescheibenband bilden mit der Kniescheibe eine Schlaufe, die über eine Nase des Rollkamms gehoben wird. Das Kniegelenk wird so ohne Muskelkraft aufzubringen arretiert. Das nennt man den Patellarmechanismus. Weil das Kniegelenk über die so genannte Spannsägenkonstruktion mit dem Sprunggelenk funktionell verbunden ist, wird automatisch auch das Sprunggelenk fixiert und das Bein kann nicht einknicken. Dieser Mechanismus erleichtert es den Pferden, im Stehen zu schlafen.

Bei einer krankhaften Kniescheibenverlagerung hingegen verlagert sich die Kniescheibe, ohne dass das Pferd dieses möchte.

Ursachen

Unter einer Kniescheibenverlagerung versteht man die zeitweise oder dauerhafte Verlagerung der Kniescheibe aus ihrer natürlichen Position. Am häufigsten verlagert sich die Kniescheibe nach oben auf den inneren Rollkamm (proximal) oder seitlich nach außen (lateral):

  • Verlagerung nach oben auf den inneren Rollkamm: Diese Form wird auch als "hakende Kniescheibe" bezeichnet. Sie kann zeitweise oder dauerhaft auftreten. Sie ist häufig angeboren, wird aber erst im jugendlichen Alter von 2 – 3 Jahren deutlich sichtbar. Durch eine übermäßige Streckung des Hinterbeins, z.B. durch Ausgleiten, Ausschlagen, beim Springen oder bei der Geburt kann diese Form der Kniescheibenverlagerung auch erworben werden.
  • Seitliche Verlagerung nach außen: Diese Form der Verlagerung ist meistens dauerhaft, d.h. die Kniescheibe springt nicht wieder zurück. Häufig ist ein Unfall die Ursache, bei dem das innere Kniescheibenband verletzt wird und so die Kniescheibe nicht mehr stabilisieren kann. Bei Ponys tritt eine angeborene Form auf, bei der der äußere Rollkamm so flach ist, dass die Kniescheibe über ihn hinweg rutscht.

Wesentlich seltener verlagert sich die Kniescheibe nach seitlich-innen oder klemmt unter dem äußeren Rollkamm fest. Meistens sind Verletzungen die Ursache.

Ansteckung

Die seitliche Verlagerung beim Shetland-Pony ist eine Erbkrankheit.

Leitsymptom

  • starke Streckung des Hinterbeins
  • starke Beugung des Hinterbeins

Symptome

Bei der Verlagerung der Kniescheibe nach oben hält das Pferd aufgrund des Patellarmechanismus und der Spannsägenkonstruktion das gesamte Bein gestreckt. Wenn die Verlagerung zeitweise ist, springt die Kniescheibe nach einem kurzen Moment mit einem „Klack“ zurück und das Pferd kann das Bein beugen und vorführen. Beim nächsten Schritt kann sich der Vorgang wiederholen, häufig laufen sich die Pferde auch ein. Wenn die Verlagerung dauerhaft ist, bleibt das Bein gestreckt und kann nur in einem auswärts gerichteten Bogen nach vorne geführt werden. Dabei schleift der Huf über den Boden und nutzt sich an der Zehe stärker ab.

Bei der Verlagerung nach außen wirkt der kräftige Oberschenkelstreckermuskel nicht mehr als Strecker, sondern als Beuger des Kniegelenks. Knie und Sprunggelenk werden stark gebeugt, man spricht auch von einer hundesitzigen Stellung. Das Pferd sieht so aus, als ob es niederstürzen würde. Es ist ihm bei der dauerhaften Verlagerung nicht möglich, das Bein zu strecken. Die Oberschenkelmuskulatur verkümmert.

Diagnose

Die Diagnose kann häufig anhand des Vorberichts, des Bewegungsablaufs und durch Abtasten des Knies gestellt werden. Wenn die Verlagerung nur zeitweise auftritt, kann sie durch Rückwärtsrichten, enge Kreisbewegung oder auch durch Manipulation mit der Hand ausgelöst werden. Zustand der Muskulatur und ungleichmäßige Hufabnutzung weisen auf eine Kniescheibenverlagerung hin.

Bei der seitlichen Verlagerung kann ein Röntgenbild sinnvoll sein, um die Diagnose zu untermauern und über den Zustand des Rollkamms Auskunft zu geben. Auch als Abgrenzung zur Gonotrochlose eignet sich die Röntgendiagnostik.

Behandlung

Die Behandlung ist abhängig von der Art der Verlagerung:

Zeitweise Verlagerung nach oben: Bei dieser Form springt die Kniescheibe von selbst wieder zurück, so dass die Therapie darauf abzielt, ein erneutes Festhaken zu verhindern. Gezieltes Aufbautraining der Oberschenkelmuskulatur, evtl. unterstützt durch muskelaufbauende Medikamente und Hufkorrektur kann schon ausreichend sein. Reichen diese Maßnahmen nicht, so können Substanzen an die Kniescheibenbänder gespritzt werden, damit diese sich straffen. In hartnäckigen Fällen kann das innere Kniescheibenband operativ durchtrennt werden. Durch das Narbengewebe wird das Band länger und die Kniescheibe kann nicht mehr festhaken.

Dauerhaft Verlagerung nach oben: Durch gezielte Bewegung des Pferdes und Manipulation am Gelenk wird die Kniescheibe wieder in ihre Ausgangslage gedrückt. Gelingt dies nicht am stehenden Pferd, so wird es in Vollnarkose gelegt, damit die Muskeln sich entspannen. Die Folgetherapie entspricht der bei der zeitweisen Verlagerung.

Verlagerung zur äußeren Seite: Die seitliche Verlagerung muss in der Regel operativ behoben werden. Während der Operation wird die Kniescheibe zurückverlagert. Gezielt können nun Strukturen, die außen an der Kniescheibe ziehen, durchtrennt werden und Halteeinrichtungen, die von der Innenseite her die Kniescheibe fixieren, gestrafft werden. So soll ein erneutes Abrutschen nach außen verhindert werden.

Die Verlagerung nach innen wird entsprechend „andersherum“ behoben.

Prognose

Die Prognose bei einer Verlagerung nach oben ist recht gut, die meisten Pferde sind nach der Behandlung wieder voll einsatzfähig. Pferde mit einer seitlichen Verlagerung haben eine schlechte Prognose hinsichtlich ihrer sportlichen Karriere. Sie können aber häufig als Zuchtpferde eingesetzt werden. Ponys mit vererbter Verlagerung sollten aber von der Zucht ausgeschlossen werden.

Vorbeugung

Angemessenes Training führt zu einer guten Bemuskelung der Hinterhand und kann sich positiv auf das Kniegelenk auswirken. Regelmäßige Hufkorrektur erleichtert den Bewegungsablauf.

Mit Ponys mit vererbter Kniescheibenverlagerung sollte auf keinen Fall gezüchtet werden.

Tipps

Wenn die Kniescheibe verhakt, können Sie Ihr Pferd rückwärts führen, häufig springt die Kniescheibe dann wieder zurück.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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12.06.2016: BillyCharly
Hallo, mich würde mal interessieren, tut den Ponys das weh? Und hilft da was kühlen oder wärmen? Bei meinem Pony wurde Patellaluxation festgestellt aber nicht genau welche. Mein TA meinte kann man net viel machen... glaube der hat da nicht viel Ahnung von. Werde noch einen anderen TA fragen aber im Moment geht es nicht. Und mir ist jetzt aufgefallen: wenn es warm ist läuft er schlechter als wenn es kalt ist...
22.01.2013: Luna
Hallo ,mein kleines Ponny (2 Jahre) hat diese Symptome :steifes Bein,beim Gehen kreißt es nach außen.kann sich die Kniescheibe auch nach oben verlagern durch Hufprobleme ?
Auf was für Erkrankungen können diese Symptome noch deuten.
Wer hat eine Antwort?
11.10.2012: fogdream
P.S.
Zu meinem Beitag fehlt noch, das mein Shetty wenn die Kniescheibe raus springt das Bein gestreckt zur Seite steht und der Huf auf dem Boden schleift wenn er mit Seitlich abstehendem Bein vorwärts geht.
10.10.2012: fogdream
Hallo,
ich habe einen Shetty Jährling , dem warscheinlich erblich bedingt die Kniescheibe HL und HR im Wechsel rausspringt nach Außen.
Ich habe nach anraten meiner Tierärtzin meinen Jährlings Hengst Kastrieren lassen, da er für die zucht eh leider nicht mehr intressant ist, da diese Krankheit vererbbar ist, zudem sollte die Frühzeitige Kastration eventuell dabai behilflich sein, das bei meinem Shetty das Wachstum und die Hormonausschüttung etwas gehemmt wird.
Leider ergab das keinen sichtichen erfolg, die Kastration ist jetzt gute 4 Monate her und ihm springt fast Täglich raus, mal HL mal HR, manchmal hat er ne Woche dazwischen das die Kniescheibe nicht rausspringt, manchmal bleibt sie aber auch über ein paar Tage rausgesprungen...im laufe des Tages springt sie ab und zu wieder rein, aber dann auch gleich wieder raus...
Beobachten konnte ich, das wenn er sich erschreckt und schnelle wendungen macht oder schnell von einem Ort zum nächsten möchte will (flüchtet) die Kniescheibe wieder reionspringt und er ganz normal läuft...im nächsten Augenblick ist sie dann auch schon wieder draußen...
Am Anfang vor ca. 7 Monaten wo es Anfing, konnte meine Tierärtin ihn mit ein paar schritten rückwärts richten wieder einrenken...sie teigte mir wie ich ihn mit den Händen einrenken kann...das ging die ersten Monate ganz gut, mitlerweile denke ich das da was ausgenudelt sein muß im Gelenk, da die Kniescheibe oftmals Tagelang ausgeharkt bleibt...
Meine Tierärztin meint er habe keine Schmerzen wenn das passiert, er scheint auch nicht als habe er welche...aber gesund kann das nicht sein...was kann ich tun...Hinterhandmuskulatur aufbauen bei einem Jährling ist etwas aussichtslos (auer spatziergänge mach ich logischerweise nix mit ihm)...
Der Schmied kommt alle 6 Wochen regelmässig...
Was kann ich tun, ich bin verzweifelt...
Kann eine OP in solch jungen Jahren schon gut sein, da er ja noch im Wachstum ist...
Ich habe eine OP versicherung nach dem Kauf für ihn abgeschlossen, diese müsste doch die entstehenden Kosten tragen, oder?
Ich meine davon ab, würde ich es natürlich auch selbst bezahlen.
Gibt es erfahrungswerte nach einer OP bei solch jungen Shettyś...?
Mitlerweile ist dem Züchter bekannt das die Shetty Stute die vererberin dieser Krankheit ist.
Ich hoffe es kann mir jemand einen Rat geben.
Liebe Grüße aus Niedersachsen
11.09.2012: enpevet
Lieber Nutzer,
bei einer seitlichen Kniescheibenverlagerung knickt das Pferd sehr stark im Knie- und Sprunggelenk ein, so dass man das Gefühl hat, es könnte jeden Moment niederstürzen. Häufig bleibt die Kniescheibe seitlich verlagert, so dass das Pferd das Bein nicht aus eigener Kraft strecken kann. Diese Erkrankung ist sehr selten. Nur durch eine tierärztliche Untersuchung des Knies können Sie feststellen, ob Ihr Pferd tatsächlich daran leidet. Es könnten aber auch andere Ursachen für das Einknicken verantwortlich sein. Besonders chronische Gelenkerkrankungen wie z.B. Spat können auch zu solchen Symptomen führen.
Grundsätzlich ist Muskelaufbau (ggf. auch die Fütterung von Zusatzfutter zum Muskelaufbau) und regelmäßige Hufkorrektur aber bei allen chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates richtig.
Jedes Pferd besitzt außerdem eine natürlich Schiefe, so dass es immer eine "Schokoladenseite" hat und ein gewisses Maß an Asymmetrie normal ist. Ob sich die unterschiedliche Bemuskelung bei Ihrem Pferd noch im normalen Rahmen bewegt, kann allerdings auch nur ein Fachmann vor Ort klären.
11.09.2012: Lycos1210
Ich habe einen 16 jährigen Norweger der super Fit und voller Lebensfreude ist! Leider knickt er mit dem linken Hinterbein immer wieder ein, mal häufiger, mal selten. Außerdem ist er auf der ganzen linken Seite weniger bemuskelt und ist auch früher links immer im "Außengalopp" oder im "Kreuzgalopp" galoppiert (Daran haben wir viel gearbeitet und er springt mittlerweile fast immer richtig an).

So wie ich den ganzen Artikel verstanden habe, hat er eine Seitliche kniescheiben verlagerung?! Da er nicht mit dem Bein stehen bleibt sondern nur einknickt. Das geschieht beim Rückwärts, bei Wendungen und wenn er vom Trab in den Schritt über geht.
Ich habe das Gefühl, dass es durch Training besser wird.

Was kann ich noch tun?

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