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Pferd: Knieentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Gonitis, Gonarthrose

Das Knie des Pferdes befindet sich am Hinterbein an der Stelle, an der optisch gesehen das Bein beginnt. Aus anatomischer Sicht beginnt das Bein jedoch bereits ab dem Hüftgelenk.

Irrtümlicherweise wird umgangssprachlich häufig das Karpalgelenk oder Vorderfußwurzelgelenk des Vorderbeins als Knie bezeichnet. Anatomisch gesehen ist das aber falsch.

Abb. GR7GMF13
Abb. GR7GMF13: Das Skelett eines Pferdes.

Das Kniegelenk besteht eigentlich aus zwei Gelenken: dem Kniekehlgelenk und dem Kniescheibengelenk:

Das Kniekehlgelenk wird vom Oberschenkel und dem Schienbein gebildet, wobei die beiden Gelenkköpfe des Oberschenkels nicht genau auf die Gelenkflächen des Unterschenkels passen. Dies wird durch zwei mandarinenscheibenförmige Menisken aus Knorpel ausgeglichen, die auch als Puffer dienen.

Abb. GR7GOG7G
Abb. GR7GOG7G: Knochen des Kniegelenks in seitlicher Ansicht.
Man kann gut einen knorpeligen Meniskus erkennen. A = Unterschenkel, B = Oberschenkel, C = Rollkämme, Kniescheibe entfernt. Präparat.

Das Kniescheibengelenk wird von der Kniescheibe und den beiden Rollkämmen des Oberschenkels gebildet. Es wird von einer Kapsel umgeben, die eine Verbindung zur inneren, seltener zur äußeren Kniekehlgelenkkapsel hat. Die Kniescheibe gleitet wie ein Schlitten in der Furche zwischen den Rollkämmen. Sie ist in die Endsehne des kräftigen Oberschenkelmuskels eingebettet, der an der Vorderseite des Unterschenkels ansetzt und das Knie streckt. Diese Endsehne bildet das mittlere gerade Kniescheibenband, das innen und außen von zwei weiteren geraden Kniescheibenbändern unterstützt wird.

Abb. GR7GR386
Abb. GR7GR386: Knie von vorne.
Mittig sieht man das mittlere Kniescheibenband, das zwischen der Kniescheibe und dem Unterschenkelknochen verläuft. Links erkennt man das innere gerade Kniescheibenband. Präparat.

Viele weitere Bänder, z.B. Seitenbänder und Kreuzbänder stabilisieren sowohl das Kniescheiben- als auch das Kniekehlgelenk und fixieren die Menisken.

Abb. GR7GU410
Abb. GR7GU410: Schemazeichnung des Kniegelenks.

Die Gelenkflächen sind von sehr glattem Gelenkknorpel überzogen. Die innerste Schicht der Gelenkkapsel, die Synovialmembran, bildet die Gelenkflüssigkeit (Synovia). Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Diese wird unter anderem durch ihre Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Weitere wichtige Faktoren für die Funktion eines Gelenks sind der sehr glatte Gelenkknorpel und die Menisken. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er – wie bereits erwähnt – nicht durchblutet wird.

Ursachen

Eine Gelenkentzündung nennt man auch Arthritis. Am Knie wird sie Gonitis genannt. Sie kann alle Abteilungen des Kniegelenks betreffen. Eine Gelenkentzündung ist immer durch eine Entzündung der Synovialmembran gekennzeichnet. Diese führt zu vermehrter Bildung einer eher wässrigen Gelenkflüssigkeit. Ein Gelenkerguss ist die Folge. Außerdem wird der Gelenkknorpel nicht mehr effektiv geschmiert, so dass es zu verstärkter Reibung und als Folge sogar zu Knorpelschäden kommen kann. Auch Produkte der Entzündung können den Knorpel schädigen.

In schweren Fällen können neben der Synovialmembran auch direkt der Knorpel, die Gelenkbänder z.B. die Kreuzbänder, Knochen und Menisken durch das verursachende Ereignis in Mitleidenschaft gezogen werden.

Am Kniegelenk treten folgende Entzündungsformen auf:

Nicht-infektiöse Kniegelenkentzündungen

Die nicht-infektiöse Kniegelenkentzündung ist die häufigste Form. Sie kann viele Ursachen haben:

Die Synovialmembran und die anderen Strukturen reagieren auf die kleinen Verletzungen und Reize mit einer Entzündung mit den oben genannten Folgen. Wird eine nicht-infektiöse Kniegelenksentzündung nicht behandelt oder wird dem Pferd keine ausreichende Ruhe zur vollständigen Heilung gewährt, so geht die akute Entzündung in eine chronische Form über. Die ständige Reizung kann zu einer Wucherung der innersten Schicht der Gelenkkapsel, der Synovialmembran führen. Diese zottenartigen Wucherungen ragen dann in den Gelenkspalt hinein und behindern die Bewegung. In schweren Fällen mit Knorpel- und Knochenverletzungen können sich auch schwerwiegende Arthrosen entwickeln.

Infektiöse Kniegelenkentzündungen

Infektiöse, d.h. durch Bakterien verursachte Kniegelenkentzündungen können u.a. durch eine Stichverletzung oder bei einer bakteriell bedingten Allgemeinerkrankung wie der Fohlenlähme entstehen. Auch eitrige Prozesse in der Nachbarschaft, wie z.B. ein Einschuss, können in das Kniegelenk einbrechen.

Bakterielle Entzündungen führen zu einer massiven Bildung von Entzündungsprodukten. Diese sind sehr aggressiv und schädigen innerhalb kürzester Zeit den Gelenkknorpel, so dass meistens eine schwere Arthrose die Folge ist.

Chronisch-deformierende Kniegelenkentzündung oder Gonarthrose

Ständige Überbelastung der Knie z.B. bei Zugpferden, durch häufige enge Wendungen, Fehlstellungen der Knie und mangelhafte Hufkorrektur kann bei älteren Pferden zu Verschleißerscheinungen führen. Die chronische Entzündung resultiert in Knorpelschäden, Knochenzubildungen (Exostosen, Pommersche Randwülste), Zottenbildung der Synovialmembran und u.U. auch zu Veränderungen der Menisken und der Bänder.

Meniskusverknöcherung

Bei sportlich intensiv genutzten Reitpferden tritt in seltenen Fällen eine Verknöcherung des innen liegenden Meniskus auf, die sich auf seine Haltebänder ausdehnen kann. Durch die Verknöcherung verliert der Knorpel seine Elastizität und kann die Bewegung nicht mehr abpuffern.

Leitsymptom

  • Gelenkschwellung
  • Lahmheit
  • Fieber

Symptome

Die Symptome hängen von der Art der Entzündung ab:

Nicht-infektiöse Gonitis

Der entzündliche Gelenkerguss kann sich als warme, schmerzhafte Schwellung des betroffenen Kniegelenkanteils zeigen, häufig fehlt jedoch dieses Anzeichen. Die Pferde gehen meistens deutlich lahm, wobei sich die Lahmheit bei Bewegung eher verstärkt, nach einigen Tagen Ruhe aber abklingt. Das betroffene Bein wird verkürzt vorgeführt und nicht voll durchgestreckt. Bei Verletzung von Meniskus und Bändern kann das Gelenk abnorme Beweglichkeit aufweisen, die von knackenden, knirschenden Geräuschen begleitet wird. Das Allgemeinbefinden des Pferdes ist in der Regel nicht gestört.

Infektiöse Gonitis

Spätestens 24 Stunden nach dem verursachenden Ereignis ist mit einer Störung des Allgemeinbefindens mit Fieber zu rechnen. Es stellt sich eine hochgradige Lahmheit ein, häufig stehen und gehen die Pferde nur noch auf drei Beinen. Der Gelenkbereich ist großflächig teigig geschwollen, warm und schmerzhaft. Eventuell tritt zunächst klare Gelenkflüssigkeit aus einer Verletzung aus, die schnell eitrig werden kann. Die Erkrankung nimmt unbehandelt einen raschen Verlauf und kann zum Festliegen des Pferdes führen.

Chronisch-deformierende Entzündung

Die Erkrankung beginnt schleichend. Die Pferde treten nicht mehr so weit unter und vermeiden es, das Bein durchzudrücken. Die Zehe kann dadurch stärker abgenutzt werden. Beidseits erkrankte Pferde zeigen einen trippelnden Gang und entlasten die Beine im Stand wechselseitig. Das betroffene Gelenk ist meistens leicht vermehrt gefüllt. Knochenzubildungen können am Gelenkrand tastbar sein. Im fortgeschrittenen Stadium lahmen die Pferde immer deutlicher. Durch Ruhepausen kann sich die Lahmheit kurzfristig bessern.

Meniskusverknöcherung

Meistens zeigen diese Pferde zunehmend bei Belastung Lahmheit eines Hinterbeins ohne weitere Symptome.

Diagnose

Für die Diagnosestellung steht eine Vielzahl diagnostischer Möglichkeiten zur Verfügung, die abhängig von der Schwere und Eindeutigkeit der Befunde zum Einsatz kommen:

  • Klinische Lahmheitsuntersuchung: Eine klinische Lahmheitsuntersuchung wird durchgeführt, um den Schmerzpunkt zu finden und Wärme, Schwellung sowie Beweglichkeit des Gelenks zu beurteilen. In unklaren Fällen kann es nötig sein, die Lahmheit durch die Beugung einzelner Gelenke zu verstärken, um herauszufinden, welches Gelenk erkrankt ist. Man nennt dies auch Beugeprobe oder Provokationsprobe. Ein weitere Möglichkeit, die Lahmheitsursache näher einzugrenzen, sind diagnostische Anästhesien: Dazu wird ein Lokalanästhetikum an einen Nerven oder in ein Gelenk gespritzt und dieser Bereich betäubt. Geht das Pferd nach der Anästhesie des betroffenen Gebiets lahmfrei, so weiß der Tierarzt, wo der Schmerz sitzt.
  • Röntgen: In einem Röntgenbild sind knöcherne Zubildungen, Knochenbrüche und Gelenkchips zu erkennen. Knorpel und Weichteile lassen sich im Röntgenbild nicht darstellen.
  • Ultraschall: Mittels Ultraschall lassen sich Meniskus- und Bänderschäden erkennen sowie die Beschaffenheit der Knochenoberfläche.
  • Gelenkpunktion: Bei einer Gelenk- Punktion wird Gelenkflüssigkeit gewonnen. Die Beschaffenheit der Synovia kann bereits mit bloßem Auge beurteilt werden. Zudem kann die Zusammensetzung in einem Labor genauer bestimmt werden.
  • Arthroskopie (Gelenkspiegelung): In einigen Fällen kann es nötig sein, mit einem Arthroskop in das Gelenk hineinzuschauen. Insbesondere beim Verdacht auf Knorpelschäden, die auf einem Röntgenbild nicht sichtbar sind, kann eine Gelenkspiegelung wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Arthroskopie wird unter Vollnarkose in einer Klinik durchgeführt.
  • Szintigraphie: Die Szintigraphie zeigt entzündliche Prozesse frühzeitig auf, auch wenn sie noch nicht zu Gewebeveränderungen geführt haben. Der Einsatz dieser Maßnahme ist Spezialkliniken vorbehalten.

Behandlung

Die Behandlungsweisen unterscheiden sich maßgeblich:

Nicht-infektiöse Gonitis

Das Pferd wird sofort ruhiggestellt, am besten in eine Box mit weicher Einstreu. Meistens werden entzündungshemmende Substanzen systemisch gegeben, also entweder gespritzt oder über das Maul verabreicht. Diese werden dann über das Blut ins Knie transportiert. Je nach Schwere der Erkrankung kann es sinnvoll sein, Entzündungshemmer auch direkt in das Gelenk zu spritzen. Darüber hinaus hat sich der Einsatz von Hyaluronsäure bewährt, die ebenfalls direkt in das Gelenk gespritzt werden kann und die Viskosität der Synovia erhöht.

Beim Vorliegen von Gelenkchips, Knorpel- und Meniskusschäden u.ä. wird unter Umständen eine Arthroskopie nötig, bei der Chips entfernt und die Knorpeloberflächen geglättet werden.

In vielen Fällen ist es sinnvoll, das Gelenk durch einen orthopädischen Hufbeschlag zu entlasten. Dieser muss in Zusammenarbeit von Tierarzt und Hufschmied individuell für den Patienten gefertigt werden.

Infektiöse Gonitis

Die infektiöse Gelenkentzündung ist immer ein Notfall! Die Entzündungsprozesse mit Eiterbildung schädigen den Gelenkknorpel massiv und können ihn vollständig zerstören. Daher muss ein Patient mit einer Gelenkinfektion umgehend in eine Klinik gebracht werden, in der das Gelenk gespült und mit einem Antibiotikum behandelt wird. Zumeist wird das Antibiotikum auch noch systemisch verabreicht. Es kann notwendig sein, dass das Gelenk wiederholt gespült werden muss.

Chronische Formen

Chronische Formen können versuchsweise durch entzündungshemmende Injektionen und Hyaluronsäure in das Gelenk behandelt werden. Meistens wird die Behandlung mehrmals durchgeführt und von einem Bewegungsprogramm und einem orthopädischen Beschlag unterstützt.

Meniskusverknöcherung

Eine Meniskusverknöcherung kann versuchsweise durch eine teilweise oder vollständige Entnahme des Meniskus behandelt werden.

Prognose

Die Prognose einer nicht-infektiösen Kniegelenkerkrankung ohne weitreichende Verletzung von Knorpel, Meniskus und Bändern hat bei frühzeitig eingeleiteter Therapie eine gute Prognose. Je mehr Strukturen verletzt sind, umso schlechter wird die Prognose, da sich meistens eine Arthrose entwickelt. Diese Pferde sind häufig nicht mehr als Reitpferd einzusetzen.

Infektiöse Gelenkentzündungen haben generell eine schlechte Prognose, wenn sie nicht sehr frühzeitig und konsequent behandelt werden.

Die Veränderungen bei chronischer Entzündung sind nicht mehr umkehrbar, daher ist die Prognose schlecht. Durch die Behandlung können die Symptome nur abgemildert werden.

Die Prognose bei einer Meniskusverknöcherung ist ebenfalls schlecht. Als Reitpferde sind diese Pferde unbrauchbar.

Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung gegen eine Arthritis gibt es nicht, sie kann jederzeit auftreten. Allerdings sollten folgende Punkte beherzigt werden, um den Bewegungsapparat des Pferdes bestmöglich zu schützen:

  • Ein Pferd sollte stets nur so weit belastet werden, wie es seinem Entwicklungs- und Trainingszustand entspricht.
  • Fehlstellungen der Gliedmaße sollten bereits im Fohlenalter durch einen Tierarzt und einen Hufschmied begutachtet und ggf. korrigiert werden.
  • Regelmäßige und fachlich richtige Hufpflege erleichtert das Abrollen und entlastet die Gelenke
  • Tägliche Kontrollen lassen kleine Verletzungen frühzeitig erkennen und verhindern, dass sich Entzündungsprozesse ausbreiten.
  • Lahmheiten lieber gleich behandeln lassen, bevor sich durch Verschleppung von Entzündungsprozessen bereits Arthrosen im Gelenk bilden konnten.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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