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Pferd: Kissing spines

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Thorakales interspinales Syndrom, Kissing Spine Syndrom (KSS)

Als Kissing Spines bezeichnet man eine Annäherung und schließlich Berührung der Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbel. An den Dornfortsätzen können sich Knochenzubildungen (Exostosen) bilden. Bei einigen Pferden stehen die Dornfortsätze insgesamt enger und berühren sich daher auch leichter.

Abb. GR7DVFRG
Abb. GR7DVFRG: Wirbelkörper.
Schematische Darstellung von der Seite.

Meistens finden sich Kissing Spines in der Sattellage, also im Bereich der Bruswirbel. In diesem Bereich ist die Wirbelsäule besonders beweglich und die Dornfortsätze sind ziemlich lang. Wenn der Rücken nach unten durchgebogen wird, das Pferd also den Rücken "wegdrückt", nähern sich die Dornfortsätze an. Bei einem Pferd, das vorwärts-abwärts geht und den Rücken dabei aufwölbt, weichen die Dornfortsätze hingegen auseinander.

Kissing Spines können zu Rückenproblemen beim Pferd führen. Sie sind aber nur eine mögliche Ursache von Rückenschmerzen beim Pferd. Andere Ursachen wie Muskelverspannungen, Schäden der Zwischenwirbelbänder, Verletzungen durch Unfälle, Arthrosen der Wirbelgelenke, Satteldruck, Reiterfehler, Lahmheit usw. können ebenfalls Ursache von Rückenschmerzen sein.

Ursachen

Viele Ursachen werden für die Knochenzubildungen an den Dornfortsätzen verantwortlich gemacht:

  • zu frühe und unsachgemäße Ausbildung des Reitpferdes (zu enges Ausbinden, kein „Loslassen“ des Rückens)
  • Zerrung (Entzündung) der Zwischenwirbelbänder mit nachfolgender Verknöcherung ihrer Ansatzstelle am Knochen
  • Stauchung der Dornfortsätze führt zu Umbauvorgängen mit Hohlraumbildung (Zysten) im Knochen
  • angeborenes Engstehen der Dornfortsätze

Bei vielen Pferden, auch bei Jungpferden, die noch nie einen Sattel oder Reiter getragen haben, findet man Kissing Spines. Sie führen nicht immer zu Problemen. Allerdings treten diese Veränderungen deutlich häufiger bei Reitpferden auf, die an Rückenproblemen leiden.

Leitsymptom

Rückenschmerzen

Symptome

Ein Pferd kann seine Rückenschmerzen durch viele verschiedene Symptome anzeigen. Beispiele sind:

  • Berührungs- und Druckempfindlichkeit
  • Widersetzlichkeit beim Satteln und Aufsteigen
  • schwungloser, verkürzter Gang
  • Taktfehler
  • Schweifschlagen oder -klemmen
  • kein Unterspringen mit der Hinterhand

Diagnose

Die Diagnose von Rückenerkrankung ist schwierig, da viele Erkrankungen zu Rückenbeschwerden führen können. Daher ist es wichtig, zunächst den gesamten Bewegungsapparat einschließlich des Rückens gründlich zu untersuchen. Dazu gehört auch, sich das Pferd in der Bewegung und ggf. unter dem Reiter anzusehen.

Als weiterführende Untersuchung eignet sich eine Röntgenuntersuchung des Rückens. Knöcherne Veränderungen der Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbelsäule lassen sich so darstellen.

Abb. GR7FRF50
Abb. GR7FRF50: Kissing Spines.
Röntgenaufnahme einer Brustwirbelsäule. Die Dornfortsätze stehen sehr eng und berühren sich zum Teil. An den Berührungspunkten ist der Knochen rau.

Abb. GR7FU7B8
Abb. GR7FU7B8: Kissing Spines.
Röntgenaufnahme einer Brustwirbelsäule. Die Dornfortsätze weisen nasenartige Zubildungen auf, die Knochenstruktur erscheint zum Teil löchrig. Die hellen Scheiben sind auf den Rücken gelegte Markierungen besonders schmerzhafter Bereiche.

Allerdings sind der Röntgenuntersuchung Grenzen gesetzt: Veränderungen, die weiter hinten liegen, lassen sich nicht mehr darstellen. Bei sehr breiten Pferden lassen sich die Dornfortsätze häufig schlechter abbilden. Auch kann man auf einer Röntgenaufnahme nicht unterscheiden, ob die knöchernen Zubildungen aktiv, d.h. entzündet sind und damit für das aktuelle Schmerzgeschehen verantwortlich sind.

Die Szintigraphie bietet verschiedene Vorteile:

  • die gesamte Wirbelsäule kann dargestellt werden
  • bereits kleinste, aktive Prozesse, die auf dem Röntgenbild noch nicht sichtbar sind, können entdeckt werden
  • die gefundenen Veränderungen können gleich auf ihre Beteiligung am akuten Geschehen beurteilt werden

Abb. GR7FWVJW
Abb. GR7FWVJW: Szintigramm einer Brustwirbelsäule.
Der rote Fleck im Bereich der Dornfortsätze zeigt einen aktiven Prozess an.

Wenn Kissing Spines gefunden wurden, kann der Bereich durch Einspritzen eines Betäubungsmittels schmerzfrei gemacht werden. Verschwinden danach die Beschwerden, so kann von einer Beteiligung der Veränderungen an den Rückenschmerzen ausgegangen werden. Andersherum schließt ein Fortbestehen der Schmerzen nach der Anästhesie eine ursächliche Beteiligung der Kissing Spines jedoch nicht aus: Verkrampfte, schmerzende Muskulatur in Folge der Kissing Spines und weitere, ebenfalls schmerzhafte Wirbelsäulenveränderungen wie Arthrosen der kleinen Wirbelgelenke können das Ergebnis verfälschen.

Behandlung

Kissing Spines müssen nur dann behandelt werden, wenn sie zu Beschwerden führen.

Konservative Behandlung

Durch Einspritzen entzündungshemmender Medikamente in den Bereich der Kissing Spines und/oder die systemische Gabe kann der entzündliche Prozess behandelt werden. Begleitend sollten die Pferde verstärkt „über den Rücken“ gearbeitet werde, d.h. mit vorwärts-abwärts gerichteter Streckung, um Muskulatur aufzubauen, die die Wirbelsäule stützt und entlastet. Dazu eignet sich auch Longieren oder ein Aquatrainer. Der Muskelaufbau kann auch durch Futterzusätze mit Vitamin E und Selen unterstützt werden. Auch alternative Heilmethoden wie Akupunktur, Homöopathie und Magnetfeldtherapie werden bei Kissing Spines eingesetzt.

Operative Behandlung

Die erkrankten Dornfortsätze können in Vollnarkose entfernt werden. Anschließend erhalten die Pferde entzündungshemmende Medikamente, ein Antibiotikum zur Vermeidung einer bakteriellen Wundinfektion und Boxenruhe für einige Wochen. Daran schließt sich ein Aufbautraining an.

Prognose

Die Prognose ist sehr unterschiedlich. Man kann sagen, dass sie umso besser ist, je weniger Dornfortsätze betroffen sind, wenn die Schmerzen durch ein Betäubungsmittel verschwinden und wenn der restliche Wirbel unverändert ist.

ACHTUNG

Viele Pferde haben Veränderungen der Dornfortsätze, die zwar auf dem Röntgenbild sichtbar sind, die aber nicht zu Rückenproblemen führen. Andere Pferde haben wiederum Rückenprobleme, die sich röntgenologisch aber nicht erkennen lassen.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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